Die Texte der Bibel lassen sich in mehrere Gattungen unterteilen. Eine dieser Gattungen ist die des Gleichnisses, welche v.a. in den drei synoptischen Evangelien des NT vorkommt. Besonderheit der im NT niedergeschriebenen Gleichnisse ist, dass sie auf ursprüngliche Jesus-Worte zurückgreifen, die von den Synoptikern übernommen und teilweise in einen neuen Kontext eingefügt wurden. Verschiedene Formen dieser Textgattung und ihre Anwendung werden im ersten Teil der folgenden Ausarbeitung unterschieden. Die Funktion des Gleichnisses wird im zweiten Teil der Ausarbeitung anhand von Darstellung und Auslegung eines Beispiels deutlich.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Erklärung und Unterteilung des Begriffes „Gleichnis“
2.1 Unterscheidung zwischen Gleichnis und Parabel
2.2 Unterscheidung zwischen Parabel und Beispielerzählung
2.3 Unterscheidung zwischen Parabel und Allegorie
2.4 Erzählgesetze von Gleichnis, Parabel, Beispielgeschichte und Allegorie
3 Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mt 20,1-16)
3.1 Motivation des Erzählens von den Arbeitern im Weinberg
3.2 Motiv „Weinberg“
3.3 Auslegung des Gleichnisses
3.3.1 Einleitungsformulierung
3.3.2 Handlung
3.3.3 Schlussformulierung
4 Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die literarischen Gattungen der Gleichnisse im Neuen Testament und widmet sich einer detaillierten exegetischen Analyse des Gleichnisses von den Arbeitern im Weinberg (Mt 20, 1-16), um dessen Entstehungsgeschichte, erzählerische Struktur und theologische Intention zu ergründen.
- Systematische Differenzierung der Gattungen Gleichnis, Parabel, Beispielerzählung und Allegorie.
- Analyse der narrativen Erzählgesetze für neutestamentliche Gleichnistexte.
- Untersuchung des soziokulturellen und theologischen Hintergrunds des Gleichnisses von den Arbeitern im Weinberg.
- Deutung der Rolle von Gutsbesitzer, Verwalter und Tagelöhnern als Konstruktionselemente der Parabel.
- Kritische Würdigung der verschiedenen Deutungsmöglichkeiten der Schlussformulierung.
Auszug aus dem Buch
3.3.2 Handlung
Die Parabel ist aus typischen Alltagsvorgängen der Zeit Jesu konstruiert, die mit weniger typischen Vorgängen vermischt sind. Diese sind teils reine Konstruktionsmittel, um zur Pointe zu gelangen, teils Mittel, um Spannung aufzubauen.
Dass der Gutsbesitzer morgens auf dem Markt Tagelöhner für einen Denar anwirbt, war zur Zeit Jesu ein absolut üblicher Brauch. Ebenso verhält es sich mit der Höhe des Lohns. Unüblich war es jedoch, dass der Gutsbesitzer mehrmals täglich, hier sogar fünfmal, den Markt aufsuchte, um noch weitere Arbeiter anzuheuern, da er im Normalfall den Arbeitsumfang kannte. Hier zeigt sich schon das Unwahrscheinliche und Unberechenbare des Besitzers, das in der unerwarteten Art der Lohnauszahlung gipfelt. Weiterhin weist das mehrfache Anwerben von Arbeitskräften auf eine gewisse Dringlichkeit hin. Umstritten ist, ob dies auf eine Endzeiterwartung Jesu hinweist oder ob es sich um einen „Kunstgriff“, ein Konstruktionsmittel des Erzählers handelt, um die Fortsetzung der Handlung glaubwürdig zu machen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Gleichnis als zentrale Gattung der synoptischen Evangelien und skizziert den Aufbau der Untersuchung von der theoretischen Gattungsklärung zur praktischen Auslegung eines Beispiels.
2 Erklärung und Unterteilung des Begriffes „Gleichnis“: Dieses Kapitel differenziert präzise zwischen den Gattungen Gleichnis, Parabel, Beispielerzählung und Allegorie und stellt deren spezifische Erzählgesetze dar.
3 Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mt 20,1-16): Das Kapitel analysiert das konkrete Gleichnis unter Berücksichtigung der Motivation, der Symbolik des Weinbergs und einer detaillierten Auslegung der Einleitung, der Handlung sowie der Schlussformulierung.
4 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die Schwierigkeiten der exakten Gattungszuordnung und der Interpretation aufgrund der jahrzehntelangen mündlichen Tradierung der Jesusworte.
Schlüsselwörter
Gleichnis, Parabel, Beispielerzählung, Allegorie, Matthäusevangelium, Arbeiter im Weinberg, Exegese, synoptische Evangelien, Jesusworte, Erzählgesetze, Tagelöhner, Gerechtigkeit Gottes, Gnade, Biblische Hermeneutik, NT.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Unterteilung und Gattungsbestimmung neutestamentlicher Gleichnisse sowie mit deren spezifischer Auslegung am Beispiel des Gleichnisses von den Arbeitern im Weinberg.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Differenzierung zwischen Gleichnis, Parabel, Beispielerzählung und Allegorie sowie auf der exegetischen Analyse der erzählerischen Struktur und der theologischen Deutung des gewählten Beispiels.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Unterschiede der neutestamentlichen Erzählformen herauszuarbeiten und zu verdeutlichen, wie durch literarische Analyse hinter die Formulierungen des Evangelisten auf den ursprünglichen Sinn Jesu geschlossen werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine literaturwissenschaftliche und exegetische Methode angewandt, die sich auf die Gattungstheorie und die Analyse narrativer Konstruktionselemente stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Gattungsunterscheidung und eine detaillierte textimmanente Auslegung des Textes Mt 20,1-16, inklusive der Analyse von Motivation, Handlung und Schlusswendung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Gleichnis, Parabel, Matthäusevangelium, exegetische Analyse, Erzählgesetze, Gerechtigkeit Gottes und Gnade.
Warum wird das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg als Parabel klassifiziert?
Die Klassifizierung als Parabel erfolgt primär aufgrund der Verwendung von erfundenen, konstruierten Alltagsvorgängen als Handlungsgrundlage und der konsequenten Verwendung der Zeitform des Imperfekts.
Welche Bedeutung hat das Motiv des „Weinbergs“ im Text?
Das Motiv dient als bewusster Bezug auf das Alte Testament, insbesondere auf Jesaja, um den Herrschaftsanspruch Jesu und die Legitimität des Gutsbesitzers im Sinne des biblischen Rechts zu untermauern.
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- Frank Bodesohn (Author), 2005, Unterteilung von Gleichnissen des NT - Ihre Auslegung am Beispiel der 'Arbeiter im Weinberg' (Mt 20,1-16), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83844