Im Rahmen dieser Arbeit soll die Beobachtung als wissenschaftliche Methode, sowie ihre Einsatzmöglichkeiten bei Kindern dargestellt werden. Hierfür wird zunächst die Wahrnehmung des Menschen detaillierter vorgestellt, um die erwähnten Einwirkungen aufzuzeigen. Anschließend folgt eine aufgeschlüsselte Darstellung der Beobachtung, zunächst bezogen auf die alltägliche Gelegenheitsbeobachtung, dann speziell die wissenschaftlichen Varianten und Möglichkeiten.
Abschließend werden dann die Einsatzmöglichkeiten der Beobachtung im wissenschaftlichen Rahmen bei Kindern und sowohl Chancen als auch Risiken erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Wahrnehmung
3 Beobachtung
3.1 Gelegenheitsbeobachtung und systemische Beobachtung
3.2 Teilnahme an der Beobachtung
3.3 Dauer und Häufigkeit der Beobachtung
4 Methoden der Beobachtung
4.1 Verhaltensprotokolle
4.2 Beobachtungsbögen
4.3 Video- und Sprachaufzeichnung
5 Sicherung der wissenschaftlichen Standardisierung
5.1 Beobachtung in Kindergarten und Grundschule
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die Beobachtung als wissenschaftliche Methode und beleuchtet deren praktische Anwendbarkeit im pädagogischen Kontext bei Kindern, wobei ein besonderer Fokus auf der Reflexion der eigenen Wahrnehmung sowie der systematischen Durchführung liegt.
- Wahrnehmung als psychologische Vorstufe der Beobachtung
- Abgrenzung zwischen alltäglicher Gelegenheitsbeobachtung und systematischer wissenschaftlicher Beobachtung
- Methoden und Instrumente zur Datenerfassung, wie Protokolle und Beobachtungsbögen
- Qualitätskriterien der wissenschaftlichen Standardisierung
- Einsatzmöglichkeiten und pädagogische Relevanz in Kindergarten und Grundschule
Auszug aus dem Buch
3.1 Gelegenheitsbeobachtung und systemische Beobachtung
Die Gelegenheitsbeobachtung findet jeden Tag in einer Vielzahl von Situationen statt, egal ob bewusst oder unbewusst. Sobald es zu einem Kontakt zwischen zwei Menschen kommt (sei dies direkter oder indirekter), werden von beiden Seiten eine Menge an Informationen über das Gegenüber ausgesandt und aufgenommen. Die Informationen reichen vom äußerlichen Erscheinungsbild (Kleidung, Frisur, Körperhaltung), über Gestik und Mimik bis hin zum gesprochenen Wort. Auch wenn dieser Prozess nicht immer bewusst stattfindet, beobachtet doch jeder Mensch auf diese Weise seine Mitmenschen und interpretiert die beobachteten Faktoren. So entsteht ein Bild, von dem oft als der „erste Eindruck“ gesprochen wird. Auf der Grundlage dieses Bildes das Verhalten eines Menschen zu beurteilen oder zu analysieren ist immer subjektiv, da auch die Beobachtung äußerst subjektiv abgelaufen ist. Wie bereits bei der Wahrnehmung dargestellt, wird die alltägliche Beobachtung von einer Unmenge an Faktoren beeinflusst, demnach ist sie immer subjektiv, da jeder Mensch von anderen Faktoren umgeben ist.
Gelegenheitsbeobachtung als Methode kann den Anfang einer genaueren Untersuchung darstellen. Da sie jedoch für wissenschaftliche Zwecke sehr zeitintensiv eingesetzt werden müsste, ist das wenig rentabel. Des Weiteren kommt dazu: „Da die Beobachterin bei der Gelegenheitsbeobachtung selbst keine bewusste Auswahl trifft, wird oft recht unwesentliches registriert und wesentliches übersehen.“ (Thiesen 2003, S. 50)
Als Beispiel führt Thiesen im nächsten Satz folgendes Szenario an: „Eltern sehen bei ihrem Kind das, was sie zum Lachen reizt, z.B. tapsige und unbeholfene Bewegungen. Fehlhaltungen, die zu korrigieren sind, werden hier übersehen“ (Thiesen 2003, S. 50). Es ist jedoch möglich, die Gelegenheitsbeobachtung durch konkrete Fragestellungen zu strukturieren. So lässt sich eine Gelegenheitsbeobachtung als sinnvolle Voraussetzung und Vorarbeit für die systematische Beobachtung sehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einführung verdeutlicht die Subjektivität menschlicher Wahrnehmung und führt in das Ziel der Arbeit ein, Beobachtung als wissenschaftliche Methode im Kontext der Arbeit mit Kindern zu beleuchten.
2 Wahrnehmung: Dieser Abschnitt beschreibt Wahrnehmung als aktiven Erkundungsprozess und untersucht die persönlichen sowie sozialen Filter, die unsere Sicht auf die Realität beeinflussen.
3 Beobachtung: Es erfolgt eine grundlegende Einführung in den Begriff der Verhaltensbeobachtung sowie die Differenzierung zwischen Gelegenheits- und systematischer Beobachtung inklusive teilnehmender und verdeckter Ansätze.
4 Methoden der Beobachtung: Hier werden konkrete Instrumente der Datenerhebung wie Verhaltensprotokolle, Beobachtungsbögen sowie moderne Technik-Einsätze praktisch und kritisch vorgestellt.
5 Sicherung der wissenschaftlichen Standardisierung: Dieses Kapitel erläutert die Kriterien Planmäßigkeit, Sachlichkeit und Zuverlässigkeit für eine hochwertige wissenschaftliche Beobachtung und diskutiert deren Anwendung in Bildungseinrichtungen.
6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Beobachtung eine essenzielle Methode ist, um Kinder besser zu verstehen, wobei eine Methoden-Kombination die Aussagekraft der Ergebnisse signifikant erhöht.
Schlüsselwörter
Beobachtung, Wahrnehmung, Gelegenheitsbeobachtung, systematische Beobachtung, Verhaltensprotokoll, Beobachtungsbogen, Kindheitsforschung, Standardisierung, Pädagogik, Sozialpädagogik, Objektivität, Subjektivität, Verhaltensanalyse, Dokumentation, Reflexion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die Beobachtung als eine wissenschaftlich fundierte Methode zur Erfassung von Informationen über das Verhalten von Kindern in pädagogischen Settings.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die psychologischen Grundlagen der Wahrnehmung, die methodische Trennung von Alltag und Wissenschaft sowie praktische Instrumente zur Beobachtungsdokumentation.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den Lesern aufzuzeigen, wie Beobachtung bei Kindern strukturiert durchgeführt werden kann, um eine verlässliche pädagogische Grundlage zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung mit der Methode der Verhaltensbeobachtung unter Rückgriff auf fachliteraturgestützte Definitionen und Konzepte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Vorstufe der Wahrnehmung, die Differenzierung der Beobachtungsformen und eine praxisorientierte Übersicht gängiger Methoden der Protokollierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe wie Systematik, pädagogische Reflexion, Objektivierung und die methodische Unterscheidung zwischen Kurzzeit- und Langzeitbeobachtung prägen die Untersuchung.
Warum ist die eigene Wahrnehmung des Beobachters ein Problemfaktor?
Die Wahrnehmung ist durch persönliche und soziale Filter subjektiv geprägt; ohne Selbstreflexion drohen Fehlerquellen, da Beobachter oft nur das sehen, was ihren eigenen Erwartungen entspricht.
Welche Vorteile bietet die systematische Kurzzeitbeobachtung gegenüber einer Langzeitbeobachtung?
Sie ermöglicht eine gezielte, wiederholbare Datenerhebung, die aussagekräftiger ist als eine unstrukturierte, einmalige Langzeitbeobachtung, und hilft, der Informationsflut zu entgehen.
Welche Rolle spielt die Ethik bei der Beobachtung von Kindern?
Bei der Verwendung von Videoaufzeichnungen oder der Weitergabe von Beobachtungsergebnissen an Dritte sind rechtliche Rahmenbedingungen sowie der Schutz der Privatsphäre des Kindes und das Vertrauen der Eltern zwingend zu wahren.
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- Anna Streppel (Author), 2007, Beobachtung als wissenschaftliche Methode und ihre Anwendbarkeit bei Kindern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83849