Verbot der Niederlassung für jüdische Wucherer in Zürich im 15. Jahrhundert


Hausarbeit, 2005

9 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Quelle

3. Die Bedeutung des Wuchers und die Rolle der Juden im spätmittelalterlichen Zürich
3.1. Die Bedeutung des Begriffs Wucher im Mittelalter
3.2. Jüdische Geldverleiher im 15. Jahrhundert

4. Gründe für die Vertreibung jüdischer Wucherer
4.1. Die Juden zwischen Aufnahme und Vertreibung
4.2. Der Wucher als Vorwand zur Ausweisung der Juden

5. Schlusswort

6. Erklärung

7. Bibliografie

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit werde ich mich dem Thema des jüdischen Wuchers im mittelalterlichen Zürich und der daraus folgenden Vertreibung der jüdischen Wucherer aus der Stadt widmen. Als Quelle dient mir das Verbot der Niederlassung für jüdische Wucherer in Zürich im Jahre 1435 aus dem dritten Band der Zürcher Stadtbücher des 14. und 15. Jahrhunderts.

In einem ersten Teil wird auf die Bedeutung des Wuchers im Mittelalter eingegangen, sowie kurz die allgemeine Situation für die in Zürich wohnenden Juden beschrieben. Um das 1435 formulierte Niederlassungsverbot und die daraus folgende Vertreibung der Juden aus der Stadt im richtigen Kontext verstehen zu können ist es erforderlich, zuerst einen Blick auf die damaligen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse zu werfen. Möglich Gründe, wie es zum Niederlassungsverbot kommen konnte, werden in einem zweiten Teil behandelt.

Das Ziel ist, die wichtigsten Indikatoren darzustellen, welche schliesslich zur Vertreibung der wuchernden Juden führten. Es stellt sich die Frage, ob und in welchem Zusammenhang dieses bestimmte Niederlassungsverbot mit anderen Judenvertreibungen steht und was das besondere am Wucher, insbesondere am jüdischen Wucher war.

Im folgenden Kapitel werde ich auf die Quelle, deren Bedeutung und Inhalt eingehen.

2. Zur Quelle

Die Stadtbücher enthalten Beschlüsse und Verordnungen der Zürcher Regierung und wurden von den jeweiligen Stadtschreibern geführt. Herausgegeben und mit geschichtlichen Anmerkungen versehen wurde der dritte Band von Hans Nabholz im Jahre 1906.

Die Quelle enthält den am 1. Juni 1435 gefassten Entschluss des Zürcher Bürgermeisters, des Kleinen und des Grossen Rates, dass alle Juden und Jüdinnen, welche Wuchergeschäfte betreiben, aus der Stadt gewiesen werden müssen und die Aufenthaltsbewilligung im darauf folgenden Jahr nicht mehr verlängert wird.[1] Während es den Juden, die ihre Geldleihen nicht verzinsten zu diesem Zeitpunkt noch gestattet war, in der Stadt zu bleiben, wird bereits im Februar 1436 ein allgemeines Niederlassungsverbot für Juden in Zürich formuliert.[2] Das Niederlassungsverbot für jüdische Wucherer scheint also eine Vorstufe gewesen zu sein, auf welche eine viel radikalere Ausweisung aller Juden aus der Stadt folgte. Die Frage stellt sich, ob die Ablehnung und Vertreibung primär den Juden oder dem Wucher gegolten hat.

3. Die Bedeutung des Wuchers und die Rolle der Juden im spätmittelalterlichen Zürich

3.1. Die Bedeutung des Begriffs Wucher im Mittelalter

Von der Kirche aus war es im Mittelalter verboten, bei einem Darlehen Zins zu verlangen und alles, was über die ausgeliehene Summe zurückbezahlt wurde, galt als Wucher.[3]

Die Kreditverzinsung wurde aufgrund biblischer Beschreibungen der Ausbeutung von Bedürftigen als etwas Negatives gesehen und die Geldkapitalverzinsung galt in der antik-naturrechtlichen Lehre als „Vortäuschung, das zur Vermittlung des Tauschs dienende Geld trage widernatürlich selbst Früchte“ und wurde ebenfalls abgelehnt und von der Kirche grundsätzlich verboten. Hingegen waren die als census und renditus bezeichneten Pacht-. Leihe- und Mietzinsen„für fruchttragende Güter“ erlaubt.[4]

Das Wucherverbot muss jedoch als normative Kirchenvorschrift betrachtet werden. Gerade im Mittelalter klafften Sittenvorschrift und das tatsächliche Verhalten der Menschen oft stark auseinander[5].

Zudem führte das Wucherverbot zu verschiedenen Umgehungsgeschäften, wie z. B. das zinsfreie Darlehen auf eine bestimmte Zeit, nach derer Verfall Verzugszinsen eingefordert werden konnten.[6] Diese Verschleierung hatte zum Ziel, dass die Verträge auch vor dem geistlichen Gericht bestehen konnten, denn eine Entschädigung bei Rückzahlungsverzug war gesetzlich erlaubt.[7]

3.2. Jüdische Geldverleiher im 15. Jahrhundert.

Es ist unklar, wann genau sich erstmals Juden in Zürich niedergelassen haben. Quellenmässige Belege findet man für die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts. Die Juden standen sei der Einführung der Kammerknechtschaft im Jahre 1236 rechtlich unter dem Schutz des Königs, d.h. sie waren Knechte der königlichen Finanzverwaltung, wurden ausgebeutet und wie Leibeigene behandelt.[8] Für die christliche Umgebung waren die Juden „keine „nationale Minderheit“, sondern eine Sondergruppe am Rande der Gesellschaft“.[9]

[...]


[1] Nabholz, Die Zürcher Stadtbücher des 14. und 15. Jahrhunderts, S. 75.

[2] Ebd., S. 76.

[3] Gilomen, Hans-Jörg. Wucher. In: Lexikon des Mittelalters. Bd. 9. München 1998. Spalte: 341.

[4] Ebd., Spalte: 342.

[5] Gilomen, Wucher und Wirtschaft im Mittelalter, S. 268.

[6] Gilomen, Hans-Jörg. Wucher. In: Lexikon des Mittelalters. Bd. 9. München 1998. Spalte: 344.

[7] Gilomen, Wucher und Wirtschaft im Mittelalter, S. 288.

[8] Gilomen, Innere Verhältnisse der Stadt Zürich 1300 – 1500, S. 349.

[9] Graus, Juden und Randgruppen, S. 273.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Verbot der Niederlassung für jüdische Wucherer in Zürich im 15. Jahrhundert
Hochschule
Universität Zürich
Autor
Jahr
2005
Seiten
9
Katalognummer
V83931
ISBN (eBook)
9783638001526
Dateigröße
354 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verbot, Niederlassung, Wucherer, Zürich, Jahrhundert
Arbeit zitieren
Stephanie Fischer (Autor:in), 2005, Verbot der Niederlassung für jüdische Wucherer in Zürich im 15. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83931

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