Satztyp-Distinktionen im Russischen im Vergleich zum Deutschen. Modalpartikeln als Distinktionsmerkmal


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

38 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Satzmodussystem und relevante Merkmale der Formtypen im Deutschen

3. Modalpartikeln im Deutschen
3.1. Klassifikation der Partikeln. Definition der Modalpartikeln
3.2. Verwendung der Modalpartikeln
3.3. Satztypdistribution von Modalpartikeln

4. Satzmodussystem im Russischen
4.1. Aussagesätze
4.2. Aufforderungssätze
4.3. Wunschsätze
4.4. Fragesätze
4.5. Ausrufesätze

5. Modalpartikeln im Russischen
5.1. Definition. Klassifikationen
5.2. Die Modalpartikeln že und ved’
5.3. Die Modalpartikel da
5.4. Die Modalpartikeln už und taki
5.5. Die Modalartikeln i und -to

6. Fazit

Literaturverzeichnis

ANHANG I

ANHANG II

1. Einleitung

Mit der vorliegenden Arbeit werden die Modalpartikeln und ihre Einordnung in das ganze Satzmodussystem gefasst. Es werden die Begriffe Satztyp oder Satzart, Satzmodus sowie entsprechende Distinktionsmerkmale in Betracht gezogen. Im Folgenden werden einige anerkannte deutsche Theorien bezüglich des Satzmodussystems kurz beschrieben, weiterhin auch Einstellungen dazu aus Sicht der russischen Grammatik im Bezug zur russischen Sprache. Aufgrund der gegebenen Theorien werden vergleichende Analysen durchgeführt.

Als eines der Distinktionsmerkmale bei der Unterscheidung der Satztypen werden hierbei Modalpartikeln näher betrachtet. Die Modalpartikeln haben immer das Interesse von Linguisten bewegt, somit in den letzten 40-50 Jahren wurde es entdeckt, dass die Modalpartikeln eine wichtige Rolle in der gesprochenen Sprache spielen können. Austin hat im Jahre 1962 mit seiner Sprechakttheorie entdeckt, dass das Sprechen eine spezifische Art menschlichen Handelns ist. Mit allem, was der Sprecher sagt, meint er etwas ganz Bestimmtes, aber nicht alles, was er meint, sagt er explizit. Die Partikeln scheinen hervorragend dafür geeignet zu sein, um die Lücke zwischen der wörtlichen Bedeutung der Aussage und der eigentlichen Intension der Sprecher zu überbrücken.

Infolgedessen wird weiterhin von der Einstellung ausgegangen, dass die Modalpartikeln als ein kategorialer Füller einen Satztyp charakterisieren und sogar modifizieren können.

Es wird mit dieser Arbeit untersucht, ob die russischen Modalpartikeln die gleichen Funktionen wie die deutschen im Satz ausüben, wie sie sich klassifizieren lassen, und welche Rolle im Satz sie übernehmen können.

Da es eine Menge Partikeln im Deutschen und Russischen gibt, wird es versucht die Frage zu beantworten, ob es einige direkte Entsprechungen in beiden Sprachen gibt und ob man die Modalpartikeln äquivalent übersetzen kann, oder lassen sich diese nur unter Berücksichtigung der spezifischen Funktionen in einem konkreten Kontext übersetzen?

Zum Schluss wird außerdem versucht, zusammenfassend eine Tabelle zu erarbeiten, die Satztypendistribution von russischen Modalpartikeln widerspiegelt.

2. Satzmodussystem und relevante Merkmale der Formtypen im Deutschen

Die Begriffe Satztyp bzw. Satzart zusammen mit dem Begriff Satzmodus werden in der Literatur sehr unterschiedlich gefasst.

Rosengren behauptet, dass die Bedeutung eines Satztyps von bestimmten formalen Merkmalen und deren Bedeutung und Funktion bestimmt wird. Die Klassen von Satztypen, die ein oder mehrere relevante Merkmale gemeinsam haben, bilden einen Satzmodus. Als grundlegende Satzmodi benennt sie jedoch nur den Aussagesatzmodus, den Fragesatzmodus und den Imperativsatzmodus. In diesem Zusammenhang schließt sie den Wunsch- und den Exklamativsatzmodus aus dem Satzmodussystem aus. Sie betrachtet die Wunschsätze und Exklamativsätze als Mischtypen von Grundsatztypen[1].

Das Satzmodussystem von Altmann beruht auf der grundlegenden Auffassung des Satzmodus als „ein komplexes sprachliches Zeichen mit einer Formseite […] und einer Funktionsseite…“.[2] Jeder Formtyp (auf der Formseite) erfüllt im Satzmodussystem bei seinem Gebrauch im sprachlichen Handeln insofern eine bestimmte Funktion, als seine Strukturbedeutung (auf der Funktionsseite) in die Festlegung des sprachlichen Handlungstyps eingeht[3].

Jedem Formtyp im Satzmodussystem wird nach Altmann ein Funktionstyp regelmäßig zugeordnet, welcher die propositionale Grundeinstellung beschreibt; z.B. dem Formtyp Aussagesatz entspricht der Funktionstyp ‚Aussage’ mit der propositionalen Grundeinstellung „sagen, dass“, dem Formtyp Fragesatz entspricht der Funktionstyp ‚Frage’ mit der Proposition „fragen, ob/w-“ usw. Bei dieser Zuordnung erhält jeder Formtyp genau einen bestimmten Funktionstyp. Der Funktionstyp wird umgekehrt mehreren Formtypen zugeordnet. Das weist darauf hin, dass kein Formtyp in diesem Satzmodus bezüglich der Funktionstypverleihung mehrdeutig ist[4].

Altmann unterscheidet jeweils fünf Hauptformtypen im Satzmodussystem, die die weiteren Formtypen mit einschließen:

- Aussagesätze: V-2-Aussagesätze; V-1-Aussagesätze; V-L-Aussagesätze;
- Fragesätze: V-1-Fragesätze; ob -V-L-Fragesätze; Alternativfragesätze assertive Fragesätze – ein Mischtyp aus V-2-Aussagesatz und V-1-Fragesatz; w-V-2-Fragesätze; w-V-L-Fragesätze; Rückfragen;
- Imperativsätze: V-1-Imperativsätze; V-2-Imperativsätze; dass -V-L-Imperativsätze;
- Wunschsätze: wenn -V-L-Wunschsätze; V-1-Wunschsätze; dass -V-L-Wunschsätze;
- Exklamativsätze: V-1/V-2-Exklamativsätze; dass -V-L-Exklamativsätze; w -V-2/ w -V-L-Exklamativsätze.

Die Formtypen des Satzmodussystems werden durch verschiedene syntaktische Merkmale charakterisiert. Die Merkmale oder die grammatischen Markierungsmittel, deren Zahl relativ begrenzt ist, gehören vier Gruppen an (siehe Anhang I. Tabelle 1.):

- kategoriale Füllung. Damit wird die Füllung einer bestimmten Strukturstelle eines Formtyps durch Ausdrücke einer bestimmten Kategorie gemeint: Verb, Satzeinleiter, Subjektspronomen, Modalpartikeln und w -Ausdrücke;
- morphologische Merkmale;
- Reihenfolgemerkmale;
- intonatorische Merkmale.

Wichtig ist zu bemerken, dass bei der Bestimmung eines Formtyps nur solche Merkmale zugelassen sind, die wenigstens an einer Stelle des Satzmodussystems für die formale Unterscheidung zweier Satzmodi notwendig sind[5].

3. Modalpartikeln im Deutschen

3.1. Klassifikation der Partikeln. Definition der Modalpartikeln

In der Linguistik gibt es für den Begriff „Partikel“ zwei Deutungen. Einerseits ist unter Partikeln die Gesamtheit der unflektierten Wörter zu verstehen, andererseits nur eine bestimmte Gruppe der unflektierten Wörter. Anders gesagt man unterscheidet die Partikeln im weiteren Sinne (als Oberbegriff für Präpositionen, Konjunktionen u.a.) und die Partikeln im engeren Sinne (Modalpartikeln).

Thurmair schlägt in diesem Zusammenhang folgende Klassifikation von Partikeln im Deutschen vor: Präpositionen, Konjunktionen, Konjunktionsadverbien, Adverbien, Satzadverbien, Modalpartikeln, Steigerungspartikeln, Gradpartikeln (oder Fokuspartikeln), Negationspartikeln, Gliederungspartikeln, Interjektionen[6].

Um die Modalpartikeln von anderen Partikeln abgrenzen zu können, wurde von Thurmair eine Untersuchung der Eigenschaften der Modalpartikeln durchgeführt. Daraus haben sich die Grundkriterien der Modalpartikeln herausgebildet:

1) Modalpartikeln sind unflektiert;
2) Modalpartikeln sind unbetont bzw. unbetonbar;
3) Modalpartikeln sind fakultative Elemente (d.h. weglassbar);
4) Modalpartikeln sind nicht erfragbar;
5) Modalpartikeln haben Satzskopus (d.h. sie haben den Wirkungsbereich über den ganzen Satz);
6) Modalpartikeln können nicht negiert werden;
7) Modalpartikeln stehen nur im Mittelfeld (dieses Merkmal grenzt die Modalpartikeln von Gradpartikeln und Satzadverbien ab);
8) Modalpartikeln sind satzmodusabhängig (die Modalpartikeln wirken gerade im illokutiven Bereich, weil sie den Sprechakttyp bestimmen oder von ihm abhängig sind);
9) Modalpartikeln können den Illokutionstyp (Funktionstyp) modifizieren. Z.B. in dem Satz ‚War das aber ein Spiel!’ Ohne die Modalpartikel aber ist der Satz nach seinem Funktionstyp ein Frageakt, mit der Modalpartikel wird der Satz zu einem Exklamativen. Das bedeutet, dass aber als Modalpartikel in einer Frageform wohl benutzt werden kann, aber nie im Sinne des Frageakts;
10) Modalpartikeln sind untereinander kombinierbar (aber nicht koordinierbar), d.h. sie können nur in einer Kombination erscheinen, wie im Satz ‚Jetzt ist doch schon 9 Uhr’, aber nicht mit einer Konjunktion[7].

Zu bemerken ist, dass nicht alle Modalpartikeln die oben genannten Kriterien besitzen können. Aufgrund der Polyfunktionalität der Partikeln, falls es nicht klar ist, ob es sich um idiosynkratische Merkmale einer Modalpartikel handelt oder um eine weitere Partikelfunktion (Adverb, Steigerungspartikel, Gradpartikel usw.), führt Thurmair dabei den Begriff „Idiosynkrasien der einzelnen Modalpartikeln“ ein.

3.2. Verwendung der Modalpartikeln

Da die Modalpartikeln illokutive Funktion erfüllen, spielen sie eine wichtige Rolle in der Kommunikation. Sie dienen dazu, „eine Äußerung in den Interaktionszusammenhang einzubinden“.[8] Der Hauptverwendungsbereich der Modalpartikeln ist daher die Umgangssprache. Sie sind charakteristisch für die spontane Rede. Deswegen werden sie auch in Dialogen in der Literatur, Bühnensprache und in Filmdialogen benutzt, um die Umgangssprache zu konstruieren. Thurmair bemerkt auch, dass je informeller das Gespräch ist, desto häufiger werden die Modalpartikeln verwendet.

3.3. Satztypdistribution von Modalpartikeln

Kwon geht den Aspekt der Satztypendistribution von Modalpartikeln (z.B. doch, wohl, etwa, bloß/nur, auch usw. usf.) näher ein

[...]


[1] Vgl. Rosengren, I. (1988): Die Beziehung zwischen Satztyp und Illokutionstyp aus einer modularen Sicht. In: Studien zum Satzmodus II. Berlin. S.132.

[2] Altmann, H. (1993): Satzmodus. In: Jacobs, Joachim (Hrsg.): Syntax. Berlin: de Gruyter. S.1007.

[3] Vgl. Kwon, M.-J. (2005): Modalpartikeln und Satzmodus. Untersuchungen zur Syntax, Semantik und Pragmatik der deutschen Modalpartikeln. München. S.178.

[4] Vgl. ebenda. S.179

[5] Vgl. Altmann, H. (1993). S.1009-1027.

[6] Vgl. Thurmair, M. (1989): Modalpartikeln und ihre Kombinationen. Tübingen. S.8-9.

[7] Vgl. Ebenda. S.37.

[8] Thurmair, M. (1989). S.2.

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Satztyp-Distinktionen im Russischen im Vergleich zum Deutschen. Modalpartikeln als Distinktionsmerkmal
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für deutsche Sprache und Linguistik)
Veranstaltung
Sprechakte und Satztypen
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
38
Katalognummer
V83961
ISBN (eBook)
9783638004381
ISBN (Buch)
9783638912211
Dateigröße
681 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
die systematische Arbeit über Ähnlichkeiten und Unterschiede hinsichtlich der deutschen und russischen Modalpartikelsysteme.
Schlagworte
Satztyp-Distinktionen, Russischen, Vergleich, Deutschen, Modalpartikeln, Distinktionsmerkmal, Sprechakte, Satztypen
Arbeit zitieren
Alexandra Reichel (Autor), 2007, Satztyp-Distinktionen im Russischen im Vergleich zum Deutschen. Modalpartikeln als Distinktionsmerkmal, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83961

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