Ergänzende wenn-Sätze sind zum einen durch Valenz an das Matrixprädikat gebunden und fungieren in diesem Zusammenhang bezüglich der vom Prädikat eröffneten Leerstellen als Ergänzungssatz in Objekt- bzw. Subjektfunktion.
Die Einleitung durch die Konjunktion "wenn" impliziert, wenn auch in unterschiedlichem Maße, einen konditionalen bzw. temporalen Charakter jener Sätze. Dieser adverbiale Charakter reduziert sich, wenn der wenn-Satz als obligatorische Ergänzung eines Matrixsatzes auftritt.
Ausgehend von v.a. syntaktischen Kriterien werden in dieser Arbeit die Besonderheiten von ergänzenden wenn-Sätzen gegenüber Subjekt-/Objektsätzen bzw. Adverbialsätzen beleuchtet, die daraus resultierenden Probleme bei deren Klassifizierung aufgezeigt und der Versuch einer Einordnung dieses Phänomens unternommen.
Inhaltsverzeichnis
I. Vorbemerkungen
II. Syntaktische Besonderheiten ergänzender-wenn Sätze
II.I Die Valenz des Matrixprädikats
II.II Nominalisierungstransformation
II.III Die Ersetzbarkeit eines ergänzenden wenn-Satzes durch einen dass-Satz
II.IV Das Korrelat im Matrixsatz eines ergänzenden wenn Satzes
III. Das Problem der Bezeichnung
IV. Ein Versuch der Einordnung ergänzender wenn-Sätze in den Prozess der Grammatikalisierung
V. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die syntaktische Sonderstellung sogenannter ergänzender wenn-Sätze, die einerseits als Adverbialsätze fungieren, andererseits jedoch Leerstellen von Matrixprädikaten besetzen. Ziel ist es, den Ergänzungscharakter dieser Sätze zu klären und ihre Einordnung in den Prozess der Grammatikalisierung vorzunehmen.
- Syntaktische Valenzbeziehungen von Matrixprädikaten
- Nominalisierung und Substituierbarkeit von wenn-Sätzen
- Vergleich der Konjunktionen wenn und dass
- Rolle von Korrelaten (es, Pronominaladverbien) im Matrixsatz
- Theoretische Einordnung in den Grammatikalisierungsprozess
Auszug aus dem Buch
II. Syntaktische Besonderheiten ergänzender wenn-Sätze
Derartige wenn-Sätze stehen häufig nach verbalen oder nominalen Matrixprädikaten, die auf einen tatsächlichen/wirklichen Umstand verweisen. Auf diese Weise wird der sie einleitenden Konjunktion ihr konditionaler bzw. temporaler Charakter weitestgehend genommen, so dass jene wenn-Sätze die vom Verb ausgewiesene Stelle in der Funktion eines Subjekts bzw. Objekts füllen können.
Matrixprädikate wie stören, leid tun, angehen, auffallen, Bedeutung haben, einen Zweck haben, einer Erklärung bedürfen, bedrücken, schaden, genügen, verändern, ausreichen, beitragen referieren beispielsweise auf die Subjektfunktion des anschließenden Ergänzungssatzes. Bedauern, begreifen, ertragen, verzeihen, lieben, merken, sehen, ausstehen, sowie sich darüber aufregen, damit begnügen, sich darüber wundern, nichts dafür können, Notiz davon nehmen, Verständnis dafür haben beziehen sich wiederum auf dessen Objektfunktion.
Je nach der Valenz des Verbs können diese wenn-Sätze die Leerstellen einer obligatorischen oder einer fakultativen Ergänzung besetzen, was dazu führt, derartige Sätze als valenzgebundene bzw. ergänzende wenn Sätze zu bezeichnen.
Wenn-Sätze, die die Leerstelle einer obligatorischen Ergänzung füllen, lassen sich weitestgehend als Komplementsätze interpretieren. Aus der Besetzung der fakultativen Leerstellen durch wenn-Sätze resultieren jedoch Schwierigkeiten bei der Klassifizierung jener Sätze als Adverbial oder Subjekt-/Objektsätze, auf die in den folgenden Kapiteln näher eingegangen werden wird.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Vorbemerkungen: Einführung in die Problematik von Sätzen, die sowohl adverbialen Charakter aufweisen als auch Leerstellen von Matrixprädikaten füllen können.
II. Syntaktische Besonderheiten ergänzender wenn-Sätze: Analyse der Valenzbindung, Möglichkeiten der Nominalisierung, Ersetzbarkeit durch dass-Sätze und die funktionale Rolle von Korrelaten.
III. Das Problem der Bezeichnung: Diskussion verschiedener literaturbekannter Begriffe wie Quasisubjekt- bzw. Quasiobjektsatz oder ergänzender wenn-Satz zur Charakterisierung dieser sprachlichen Erscheinung.
IV. Ein Versuch der Einordnung ergänzender wenn-Sätze in den Prozess der Grammatikalisierung: Untersuchung des Übergangsstadiums zwischen Adverbial- und Komplementsatz unter Berücksichtigung der abnehmenden adverbialen Semantik der Konjunktion wenn.
V. Zusammenfassung: Rekapitulation der syntaktischen Vielschichtigkeit und des Status der ergänzenden wenn-Sätze als Übergangsphänomen.
Schlüsselwörter
Ergänzende wenn-Sätze, Grammatikalisierung, Valenz, Matrixprädikat, Subjektsatz, Objektsatz, Adverbialsatz, Korrelat, Komplementsatz, Konjunktion wenn, dass-Satz, syntaktische Funktion, semantische Analyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer speziellen syntaktischen Gruppe von Nebensätzen, die mit "wenn" eingeleitet werden, aber Funktionen von Subjekt- oder Objektsätzen übernehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Valenztheorie, die syntaktische Abgrenzung von Adverbialsätzen zu Komplementsätzen sowie die semantische Veränderung der Konjunktion "wenn" in bestimmten Kontexten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist die syntaktische Klassifizierung ergänzender wenn-Sätze und die Prüfung, ob diese als Prozess der Grammatikalisierung innerhalb der deutschen Sprache verstanden werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine linguistische Analyse syntaktischer Kriterien, insbesondere den Vergleich von wenn-Sätzen mit dass-Sätzen, Nominalisierungstransformationen und den Einfluss von Korrelaten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert, warum manche wenn-Sätze trotz ihres konditionalen Ursprungs Leerstellen von Verben füllen und wie sich die Ersetzbarkeit durch dass-Sätze je nach Matrixprädikat und Modus verändert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind ergänzende wenn-Sätze, Grammatikalisierung, Valenzbindung, Subjekt- und Objektsatz sowie der Einfluss von Korrelaten auf die Satzstruktur.
Warum ist die Unterscheidung zwischen ergänzenden wenn-Sätzen und reinen Adverbialsätzen so komplex?
Sie ist komplex, weil ergänzende wenn-Sätze eine "Zwitterrolle" einnehmen: Sie weisen einerseits adverbiale Semantik auf, erfüllen aber gleichzeitig syntaktische Leerstellen, was eine eindeutige Klassifizierung oft erschwert.
Welche Rolle spielen Korrelate wie "es" oder Pronominaladverbien bei der Klassifizierung?
Das Korrelat im Matrixsatz fungiert häufig als Indikator für den Ergänzungscharakter. Ist ein Korrelat vorhanden, neigen wenn-Sätze eher dazu, ihre adverbiale Semantik zugunsten einer Komplementfunktion zurückzustellen.
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- Studienrätin Sandra Müller (Author), 2002, Ergänzende "wenn-Sätze" - ein Problemaufriss, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83968