Die USA und Deutschland

Politik der Westintegration 1945-1955


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

24 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 US-Deutschlandpolitik am Ende des 2. Weltkriegs

3 Westorientierung 1945-1949
3.1 Marshallplan und Truman-Doktrin
3.2 Weststaatsgründung

4 Westbindung 1949-1955
4.1 Dean Acheson
4.2 Konrad Adenauer
4.3 Petersberger Abkommen
4.4 Schuman-Plan und Montanunion
4.5 Der Pleven-Plan: Europäische Verteidigungsgemeinschaft

5 Fazit

6 Quellen- und Literaturverzeichnis
6.1 Quellen
6.2 Literatur

1 Einführung

„Es galt, einen Weg zu finden, der sowohl dem Sicherheitsbedürfnis der europäischen Länder Rechnung trug, wie auch den Wiederaufbau Westeuropas einschließlich Deutschlands durchzuführen gestattete. Über diesen Weg würden wir auch, darüber war ich mir klar, Schritt für Schritt unsere Gleichberechtigung unter den freien Völkern der Welt zurückerlangen.“[1]

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs 1945 lag Europa in Trümmern und das besetzte Deutschland stand, als besiegter Feindstaat, unter der Kontrolle der alliierten Siegermächte. Es sollte 10 Jahre bis zur Wiederherstellung der formalen Souveränität Westdeutschlands dauern. Eine Zeit, in die die Teilung Deutschlands und die Bindung der 1949 gegründeten Bundesrepublik an den Westen fallen.

Die Westbindung Deutschlands ist dabei keine alleinige deutsche Entscheidung gewesen, wie es das obige Zitat von Konrad Adenauer[2], dem ersten Bundeskanzler der Republik, vielleicht suggeriert, sondern lag vor allem im Ermessensspielraum der westlichen Sieger- und Besatzungsmächten, allen voran der USA.

Wie sah Deutschlands „Weg in den Westen“ aus und war er wirklich so geplant und geradlinig, wie er auf den ersten Blick erscheint? Im Kontext dieser Fragen bewegt sich die vorliegende Arbeit.

Zur Einteilung der Entwicklung der deutschen Westbindung werden zwei Hauptphasen verwendet.[3] Phase Eins beginnt mit dem Ende des 2. Weltkriegs 1945 und endet mit der Gründung der Bundesrepublik 1949. Sie umfasst die Zeit der direkten Besetzung Deutschlands durch die Alliierten. Die zweite Hauptphase schließt direkt daran an und geht bis 1955, dem Jahr, in dem mit den Pariser Verträgen und dem Beitritt Deutschlands zur NATO die formale Souveränität der Bundesrepublik wiederhergestellt wurde. Diese zweite Phase umfasst damit die Zeit der partiellen Souveränität Westdeutschlands. Um die Westbindung mit Blick auf die amerikanische Deutschlandpolitik zu betrachten, wird auch ein kurzer Überblick über die Anfänge amerikanischer Nachkriegsplanung, vor dem Ende des 2. Weltkriegs, gegeben.

Auch wenn mit der Gründung der Bundesrepublik die Hohe Kommission, die aus den ehemaligen alliierten Militärregierungen hervorging, den Hauptansprechpartner für die deutsche Regierung darstellte, waren für die Ausgestaltung der politischen Beziehungen die Außenministerien bzw. Minister der Westalliierten zuständig. Diese trafen regelmäßig zu Gesprächen zusammen, um Fragen der Deutschland- und Europapolitik zu erörtern. Den USA als westlicher Führungsmacht kommt dabei eine besondere Rolle zu. Damit steht für die entscheidende Phase des Anfangs der Bundesrepublik der amerikanische Außenminister Dean Acheson[4] im Mittelpunkt der Betrachtung. Welchen Einfluss hatte er auf die Deutschlandpolitik und die Frage der Westbindung?

Auf deutscher Seite stand ihm Konrad Adenauer gegenüber, der von Anfang an eine Politik der Westorientierung der jungen Republik betrieb. War er damit wirklich der „Kanzler der Alliierten“, wie Kurt Schumacher[5] ihn, wohl nicht ganz ohne politisches Kalkül, bezeichnete?

Das sind die primären Fragen, die in der vorliegenden Arbeit, anhand der folgenden leitenden Thesen, behandelt werden sollen.

Die Westbindung Deutschlands war alternativlos, sobald die USA diese aus (sicherheits-)politischem ("double containment") und militärischem Kalkül und ökonomischen Gesichtspunkten favorisierten. Damit war Adenauer weniger der "Kanzler der Alliierten", als vielmehr ein realpolitischer Praktiker, der erkannte, dass gegen den Willen der Alliierten nichts möglich ist. Sein strikte Westkurs war mit verantwortlich für die schnelle Integration der Bundesrepublik und die Wiederherstellung der Souveränität Deutschlands, da er ein Gefühl für das außenpolitisch Mögliche hatte und gleichzeitig die innerdeutsche Zustimmung organisieren konnte. Hinzu kommt, dass er in der entscheidenden Phase ähnlich gelagerte Ideen bezüglich Deutschland und Europa verfolgte wie die USA und vor allem Dean Acheson. Diese Interessen-Kongruenz vereinfachte die amerikanische Deutschlandpolitik.

2 US-Deutschlandpolitik am Ende des 2. Weltkriegs

Die US-amerikanische Deutschlandpolitik in den letzten Tagen des 2. Weltkriegs war primär geprägt von dem nahe liegenden Ziel des vollständigen Siegs über Hitler-Deutschland. Für die darauf folgende Besatzungszeit war unter anderem in der Direktive JCS 1067 das weitere Vorgehen festgeschrieben. Nach der Kapitulation Deutschlands und der Übernahme der Regierungsgewalt durch die Besatzungsmächte wurde die Besatzungspolitik formal in der Potsdamer Erklärung[6] festgehalten, beinhaltete jedoch keine definitiven Regelungen. Diese sollten erst in einem Friedensvertrag unter Einbeziehung Deutschlands festgelegt werden.

Als das übergeordnete Ziel ist vor allem die Friedenssicherung (die Schaffung einer neuen Weltordnung, wie Roosevelt[7] sie vorschwebte) zu nennen. Dafür sollten auf der einen Seite die „guten“ Beziehungen zur Sowjetunion aufrecht erhalten, und auf der anderen Seite eine zukünftige erneute Gefahr durch Deutschland von vorne herein verhindert werden. Den längerfristigen Zielen standen jedoch drängende Probleme im Alltag gegenüber, wie die Notlage in der Bevölkerung, die durch Flüchtlingsströme noch verschärft wurde, die Entnazifizierung und der Aufbau wirtschaftlicher und politischer Strukturen.[8]

[...]


[1] Adenauer, Konrad: Erinnerungen 1945-1953, S. 245.

[2] Konrad Adenauer (*05.01.1876 – +19.04.1967): Deutscher Politiker. Parteivorsitzender der CDU (1950-1966). Oberbürgermeister der Stadt Köln (1917-1933, 1945). Erster deutscher Bundeskanzler (1949-63). Außenminister (1951-1955).

[3] Vgl. z.B. Schumacher, Frank: Kalter Krieg und Propaganda, S. 134.

[4] Dean Acheson (*11.04.1893 – +12.10.1971): Amerikanischer Politiker. Vizechef des Außenministeriums (1945-1949). Außenminister unter Harry S. Truman (1949-1953).

[5] Kurt Schumacher (*13.08.1895 – +20.08.1952): Deutscher Politiker. Parteivorsitzender der SPD (1946-52). SPD-Franktionsvorsitzender und Oppositionsführer (1949-1952).

[6] Potsdamer Erklärung 02. August 1945.

[7] Franklin D. Roosevelt (*30.01.1882 – +12.04.1945): 32. Präsident der USA (1933-1945).

[8] Vgl. Schwabe, Klaus: Deutschlandpolitik als Integrationspolitik, S. 106-108.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die USA und Deutschland
Untertitel
Politik der Westintegration 1945-1955
Hochschule
Universität Kassel  (Fachbereich 5 Gesellschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Die USA und die Neuordnung Europas nach dem 2. Weltkrieg
Autor
Jahr
2007
Seiten
24
Katalognummer
V83972
ISBN (eBook)
9783638001700
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutschland, Neuordnung, Europas, Weltkrieg
Arbeit zitieren
Samuel Greef (Autor), 2007, Die USA und Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83972

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