Ausgewählte Instrumente und Techniken in der Systemischen Beratung


Hausarbeit, 2007
23 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

I Haltungen, Grundannahmen und Zielsetzungen
1. Möglichkeitsraum vergrößern
2. Hypothesenbildung
3. Zirkularität
4. Prinzip der Neutralität
5. Lösungs- und Ressourcenorientierung

II Systemisches Fragen 9
1. Was ist zirkuläres Fragen?.
2. Ziele des zirkulären Fragens
3. Frageformen: Verdeutlichung von Unterschieden
3.1. Klassifikationsfragen
3.2. Prozentfragen
3.3. Übereinstimmungsfragen
3.4. Subsystemvergleiche
4. Fragen zur Wirklichkeits- und Möglichkeitskonstruktion
4.1. Fragen zur Wirklichkeitskonstruktion
a) Auftragsklärung
b) Überweisungskontext erfragen
c) Erwartungen der Anwesenden erfragen
d) Problemkontext
„Das Problempaket aufpacken“
Beschreibungen rund um das Problem erfragen
„Tanz um das Problem“ erfragen
Erklärung für das Problem erfragen
Bedeutung des Problems für die Beziehung
4.2. Fragen zur Möglichkeitskonstruktion
a) Lösungsorientierte Fragen („Verbesserungsfragen“)
b) Problemorientierte Fragen („Verschlimmerungsfragen“)
c) Fragen nach Ressourcen
d) Die Wunderfrage
5. Stilistische Aspekte

III Metaphorische Techniken
1. Genogramm
2. Familienskulptur
3. Metaphern

IV Kommentare und Würdigungen
1. Wertschätzende Konnotation
2. Refraiming
2.1. Die Prämissen systemischen Denkens
2.2. Wichtigkeit der Kontextmarkierungen
2.3. Verstörung durch Wechsel der Frames
2.4. Refraiming Schritte

Nachwort

Anhang: Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Vorwort

Für die gegenwärtige Hausarbeit habe ich das Thema „Ausgewählte Instrumente und Techniken in der Systemischen Beratung“ gewählt. Da dieses Themengebiet sehr umfangreich ist, habe beschränke ich mich in dieser Arbeit auf „ausgewählte Instrumente und Techniken“, so dass ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebe.

Der Zeitaufwand für die Erstellung der Arbeit umfasste etwa 160 Stunden. Zu meinem Bedauern habe ich nicht mehr Zeit investieren können. Die aufwendigen Recherchen im Internet und die Ausarbeitung aus der Fachliteratur forderten eine starke Einschränkung des so umfangreichen Stoffes. Auch die vorgegebenen Richtlinien haben dazu geführt, dass einige Instrumente und Techniken ignoriert werden mussten.

Die Hausarbeit gliedert sich insgesamt in 4 Kapitel, die inhaltlichen Bezug zueinander aufweisen. Im ersten Kapitel werden Haltungen, Grundannahmen und Zielsetzungen eines systemischen Beraters dargestellt, da diese die Voraussetzung für die nachstehend erläuterten Methoden bilden. Das zweite Kapitel ist sehr umfangreich, nicht zuletzt weil es für mich den Anreiz darstellte, diese Hausarbeit zu schreiben. Es beinhaltet viel Wissenswertes in Bezug auf das systemische Fragen, wobei viele Beispiele einen Bezug zur Praxis ermöglichen. Der dritte Abschnitt beschäftigt sich mit metaphorischen Techniken, wie Genogrammen, Familienskulpturen und Metaphern. Hier findet man neben einer Beschreibung der einzelnen Methoden, eine Anleitung für deren praktische Umsetzung. Im letzten Teil werden schließlich noch die wertschätzende Konnotation und das Refraiming angeschnitten.

Das Ziel, welches ich mit dieser Hausarbeit verfolge, ist verschiedene Instrumente und Techniken der systemischen Beratung praxisnah darzustellen, um mir selbst Werkzeuge für Beratungsprozesse anzueignen.

Abschließend wünsche ich dem Leser interessante Einblicke in dieses Themengebiet.

Einleitung

In der Einleitung möchte ich kurz darstellen, warum ein Gesundheitsberater sich auch Techniken der Systemischen Beratung aneignen sollte.

Dem Verständnis der Weltgesundheitsorganisation zufolge wird Gesundheit als „ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechen“ definiert. Ausgehend von dieser Definition hat die WHO in die internationale Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (kurz ICD-10) unter dem Klassifikationsbuchstaben Z alle „Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen“, aufgenommen. Die unterschiedlichen Erkrankungen der Z-Klassifikation werden in Verbindung mit Ziffern diagnostisch weiter differenziert. So zum Beispiel umfasst der Code Z63 „Probleme mit Bezug auf den engeren Familienkreis, einschließlich familiärer Umstände“, wobei nochmals zwischen unterschiedlichen Situationen unterschieden wird, z.B. „Probleme in der Beziehung zum Lebenspartner“ (Z63.0), „zu den Eltern oder angeheirateten Verwandten“ (Z63.1), „ungenügende familiäre Unterstützung“ (Z63.2), „Verschwinden oder Tod eines Familienangehörigen“ (Z63.4), „Familienzerrüttung durch Trennung oder Scheidung“ (Z63.5) etc.. Durch die Aufnahme derartiger Lebensumstände in den klinischen Katalog der ICD-10 wird deren Bedeutung für die menschliche Gesundheit deutlich. Viele Studien belegen, dass psychische Belastungen (z.B. Eheprobleme, Scheidung, Tod, etc.) gesundheitliche Risiken bergen, die beispielsweise in Befindlichkeitsstörungen, psychosomatischen und seelischen Erkrankungen enden können. Somit ist es für einen Gesundheitsberater unerlässlich sich Kenntnisse im psychosozialen Beratungsbereich anzueignen.

I Haltungen, Grundannahmen und Zielsetzungen

In diesem ersten Kapitel soll ein kurzer Überblick über die Haltungen, Grundannahmen und Zielsetzungen eines Beraters in der systemischen Beratung gegeben werden, da diese grundlegend für das Verständnis der später vorgestellten Instrumente und Techniken sind. Die unterschiedlichen Positionen des Beraters setzen sich aus folgenden Elementen zusammen: der Vergrößerung des Möglichkeitsraumes, der Hypothesenbildung, der Zirkularität und dem Prinzip der Neutralität. Des Weiteren sind die Positionen der Lösungs- und Ressourcenorientierung zu erwähnen, welche das Profil eines systemischen Beraters abrunden.

1. Möglichkeitsraum vergrößern

Systemisches Denken und Handeln orientiert sich an dem ethischen Imperativ, welcher von dem österreichischen Denker Heinz von Förster formuliert wurde: „Handle stets so, dass du die Anzahl der Möglichkeiten vergrößerst!“ Diesem Postulat stehen in der heutigen Gesellschaft Tabus, Denkverbote, Dogmen, sowie Richtig- oder Falsch-Bewertungen jeglicher Art entgegen. Deshalb ist der systemische Berater bemüht die Beschreibungen des Klienten darüber, wie er die Wirklichkeit erfährt, zu verändern indem er mehrere Sichtweisen anbietet. Dabei wird das Gewusste bewusst in Frage gestellt, damit das kaum Gedachte zum Thema gemacht werden kann. Durch diese Herangehensweise verändert sich der Blickwinkel und der mögliche Handlungsraum vergrößert sich. (vgl. Kuhlmann und Neininger, 2005: 43)

2. Hypothesenbildung

Einen zentralen Bestandteil in der systemischen Beratung nimmt die Hypothesenbildung ein, wobei unter dem Begriff der Hypothese eine vorläufige Annahme über die Wirklichkeit bzw. eine Wirklichkeitskonstruktion zu verstehen ist. Der Wert einer Hypothese liegt in ihrer Nützlichkeit, wobei diese an der Ordnungs- und Anregungsfunktion der Hypothese gemessen wird. Der Ordnungsfunktion entsprechend soll die Hypothese für den Therapeuten kognitive Ordnung schaffen, indem sie eine Selektion der vielen Informationen aus dem Gespräch in Bedeutsames und Irrelevantes vornimmt. Der Anregungsfunktion zufolge sollen Hypothesen zunächst dem Berater, später dem System neue Sichtweisen anbieten, nicht nur indem altes überprüft, sondern auch neue, zum Teil auch außergewöhnliche Möglichkeiten generiert und untersucht werden. Denn gerade die Auswahl an Theorien führt auch zu einer Vielfalt an Perspektiven und Möglichkeiten. „Eine gute Hypothese zeichnet sich demnach aus, indem alle Mitglieder eingeschlossen sind und sie eine Verknüpfung schafft von guten Absichten mit unbeabsichtigten negativen Folgen oder umgekehrt Leiden mit positiven Nebenwirkungen des Problems.“ (vgl. Kuhlmann und Neininger, 2005: 44)

Als praktischer Exkurs sollen im Folgenden einige hilfreiche Fragestellungen zur Generierung von Hypothesen aufgeführt werden:

1) Woran liegt es, dass das Klientensystem gerade jetzt in Behandlung kommt?
2) Worin könnte der Kern des Problems bestehen?
3) Welche gegenwärtigen Kommunikationen, Wirklichkeitskonstruktionen und intrapsychische Prozesse könnten das Problem am Leben erhalten?
4) Welche Ereignisse (intern/extern) könnten das Problem ausgelöst haben?
5) Welche Regeln, die vom Klientensystem befolgt werden, könnten zur Entstehung und /oder Aufrechterhaltung der Problematik beitragen?
6) Worin könnte der Nutzen des Problems für das System liegen?
7) Wie könnte das Klientensystem bisher versucht haben das Problem zu lösen?
8) Was könnte geschehen, wenn das Problem anhält?
9) Was könnte geschehen, wenn das Problem gelöst wird?

(Barthelmess, 2001:131ff)

3. Zirkularität

Zirkularität bedeutet nichts anderes als Kreisförmigkeit. Durch zirkuläres Denken wird versucht, das Verhalten der Elemente eines Systems als Regelkreis zu verstehen, so dass die Eingebundenheit dieses Verhaltens in einem Kreislaufprozess sichtbar wird. Hier sei kurz auf das Axiom von Watzlawick verwiesen: „Kommunikation hat keinen Anfang und kein Ende. Sie verläuft kreisförmig.“ (Simon, 2004: 27) Bei Streitigkeiten zweier Personen setzt allerdings jeder der beiden einen eigenen Anfangspunkt (Interpunktion) für den Beginn des Kommunikationsablaufs. Somit erhält jede Kommunikation entsprechend der Sichtweise der Person eine subjektive Struktur. Das Problem dabei ist, dass jede Partei das eigene Verhalten nur als Reaktion, nicht aber ursächlich für das Verhalten der anderen betrachtet. Der Berater muss allerdings wissen, dass Kommunikation zirkulären Prozessen unterliegt und somit jede Handlung auf einer vorhergehenden beruht. (vgl. Simon, 2004: 27f) Zirkuläre Hypothesen entstehen dann durch das Zusammenfügen von einzelnen Ursache-Wirkungs-Hypothesen. Man könnte beispielsweise argumentieren, dass Schüler unmotiviert seien wegen der schlechten Pädagogen und die Pädagogen seien frustriert wegen der schlechten Schüler. (von Schlippe, 2003: 118)

4. Prinzip der Neutralität

Das Prinzip der Neutralität bezeichnet in der systemischen Beratung die Fähigkeit des Therapeuten, für alle Mitglieder gleichermaßen Partei ergreifen und die Verdienste jedes Mitglieds eines Systems in derselben Weise anerkennen zu können. Neutralität bedeutet allerdings nicht, keine eigene Meinung zu haben, sondern ist im Beratungsprozess unerlässlich, um von allen Ratsuchenden als kompetent akzeptiert zu werden. (vgl. Kuhlmann und Neininger, 2005: 45)

Das Prinzip der Neutralität soll drei Aspekten gegenüber Anwendung finden: gegenüber Personen, gegenüber Problemen oder Symptomen und gegenüber Ideen.

Neutralität gegenüber Personen bedeutet, dass es offen bleibt, welche Position der Berater persönlich gegenüber den Beteiligten einnimmt. Dies hilft den Fokus auf das „Dazwischen“ und nicht auf den Einzelnen zu richten. (vgl. Kuhlmann und Neininger, 2005: 46)

Neutralität gegenüber Problemen oder Symptomen meint, dass es unklar bleibt, ob der Berater das Problem persönlich als positiv oder negativ einschätzt. Es bleibt damit unklar, ob der Erhalt des Problems nach Auffassung des Ratgebers gefördert oder verhindert werden sollte. „Diese Art der Neutralität immunisiert gegen Hauruckhaltungen und von den Problemen kann so auch der jeweilige Anteil von Leiden und Nutzen betrachtet werden.“ (Kuhlmann und Neininger, 2005: 46)

Als letztes folgt die Neutralität gegenüber Ideen, wobei offen bleibt, welche Problemerklärungen, Lösungsideen, Werthaltungen oder Meinungen der Berater bevorzugt. Somit bleibt der Beratungsprozess offen, wobei es kein „richtig“ oder „falsch“ gibt. (vgl. Kuhlmann und Neininger, 2005: 46)

5. Lösungs- und Ressourcenorientierung

Die zentrale Annahme des ressourcenorientierten Ansatzes besagt, dass jedes System bereits über alle Ressourcen verfügt, die es zur Lösung seiner Probleme benötigt. Diese Ressourcen können allerdings im Kontext des Problemerlebens von den Betroffenen nicht aktiviert und genutzt werden. Die Aufgabe des Therapeuten ist es daher entsprechend der Ressourcenorientierung diese Ressourcen ausfindig zu machen und diejenigen systemischen Kontextfaktoren zu betrachten, welche die Entfaltung der Ressourcen verhindern. Der Fokus liegt hierbei also nicht auf dem Problem, sondern viel mehr auf der Konstruktion von Lösungen. So geht es bei der Lösungsorientierung um die Perspektiven, welche Möglichkeiten die Probleme den Betroffenen eröffnen oder verschließen. Damit ist die Aufgabe des Beraters, die vorhandenen Problemlösekapazitäten anzuregen systeminterne Potenziale zur Problemlösung zu aktivieren. (vgl. Kuhlmann und Neininger, 2005: 46f)

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Ausgewählte Instrumente und Techniken in der Systemischen Beratung
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
23
Katalognummer
V84007
ISBN (eBook)
9783638004527
Dateigröße
844 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ausgewählte, Instrumente, Techniken, Systemischen, Beratung
Arbeit zitieren
Stefanie Karl (Autor), 2007, Ausgewählte Instrumente und Techniken in der Systemischen Beratung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84007

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