Potenziale eines Groß-Events für den Tourismus am Beispiel der FIFA WM 2006 und der Stadt Frankfurt


Diplomarbeit, 2006
73 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

Danksagung

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Eventmanagement
2.1 Begriffsbestimmung „Event“
2.2 Eventtypen
2.3 Definitorische Abgrenzung von Mega-Events
2.4 Touristische Bedeutung von Sport-Events
2.5 Befristung

3 Gesellschaftliche Aspekte der Fußballweltmeisterschaft
3.1 Definition Sport
3.2 Die besondere Stellung des Sports in der Gesellschaft
3.3 Die Fußballweltmeisterschaft als Massenunterhaltungsprodukt
3.4 Offizielles Logo und Maskottchen der Fußballweltmeisterschaft 2006
3.5 Die Politik und die Fußballweltmeisterschaft
3.6 Die Fußballweltmeisterschaft als kommunikative Basis

4 Wirtschaftliche Aspekte der Fußballweltmeisterschaft
4.1 Deutsche Wirtschaft als Gewinner der Fußballweltmeisterschaft
4.2 Finanzierung der Fußballweltmeisterschaft
4.3 Die WM-Sponsoren
4.4 Ticketing
4.5 Primärimpulse der Produktion und des Konsums
4.6 Produktions-, Beschäftigungs- und Einkommensauswirkungen
4.7 Infrastrukturentwicklung
4.8 Auswirkungen auf das Preisniveau

5 Bilanz des FIFA Confederations Cup 2005
5.1 Generalprobe in Frankfurt am Main

6 Sportstadt Frankfurt am Main
6.1 „Die kleinste Metropole der Welt“
6.2 Heimliche Sporthauptstadt Frankfurt am Main
6.3 FIFA WM-Stadion Frankfurt am Main

7 Chancen für die Tourismusbranche durch die Fußballweltmeisterschaft 2006
7.1 Zusätzliche Absatzchancen für den Handel
7.2 Zusätzliche Absatzchancen für Reiseveranstalter und Reisebüros
7.3 Zusätzliche Absatzchancen für Hotellerie und Gastronomie
7.3.1 Gastronomie
7.3.2 Hotellerie
7.4 Zusätzliche Absatzchancen für sonstige Absatzhelfer
7.5 Besondere Werbechancen
7.5.1 Offizielles Werbeplakat der Stadt Frankfurt am Main
7.5.2 WM-Wein der Stadt Frankfurt am Main
7.5.3 WM-Gedenkmünzen der Stadt Frankfurt am Main
7.6 Chance zur Gewinnung neuer Kunden bzw. Gäste

8 Risiken für die Tourismusbranche durch die Fussballweltmeisterschaft 2006
8.1 Sicherheitsrisiko
8.2 Bedrohung durch Hooligans
8.3 Gefahr von Terroranschlägen

9 Mögliche positive Auswirkungen auf den Tourismus
9.1 Verbesserung der Infrastruktur
9.1.1 Stadion
9.1.2 Schienenverkehr
9.1.3 Autobahnausbau
9.2 Erhöhung des Bekanntheitsgrades
9.2.1 www.fifawm2006.frankfurt.de
9.3 Imagegewinn für die Region Frankfurt am Main
9.3.1 Hessen – Tooor zur Welt 2006
9.4 Steigerung der Gästeübernachtungen

10 Mögliche negative Auswirkungen auf den Tourismus
10.1 Schaffung von Überkapazitäten
10.2 Zusätzliche Umweltbelastung

11 Fazit

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Website-Verzeichnis

Zeitschriften / Zeitungen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellungsverzeichnis

Darst. 1 Anlässe für Events

Darst. 2 Event-Klassifikation

Darst. 3 Zuschauerzahlen bei Fußballweltmeisterschaften

Darst. 4 WM-Ticketing Verteilung

Darst. 5 Kumulierte Fernsehzuschauer (in Mrd.)

Darst. 6 FIFA-Einnahmen durch WM-Übertragungsrechte

Darst. 7 Nationale WM-Sponsoren

Darst. 8 Offizielle WM-Sponsoren 2006

Darst. 9 Umfrage von lastminute.de

Danksagung

An dieser Stelle möchte ich mich bei Professor Doktor Bartl für die Betreuung der vorliegenden Diplomarbeit bedanken.

Ebenso danke ich allen Firmen, Agenturen und Pressestellen für die Bereitstellung von Materialien zur Fußballweltmeisterschaft 2006.

Dank gilt auch den Volunteers des FIFA Confederations Cup 2005 in Frankfurt am Main, mit denen ich zusammenarbeiten durfte und die mir während der Ausarbeitung meiner Diplomarbeit unterstützend zur Seite standen.

Ganz besonders möchte ich mich an dieser Stelle bei meiner Mutter, ihrem Lebensgfährten, meinem Bruder und meiner Schwägerin bedanken, die mich in den vergangen Monaten immer tatkräftig unterstützt haben.

Susanne Bräuchle

1 Einleitung

Joseph S. Blatter, Präsident des Internationalen Fußball Verbandes, gab am 6. Juli 2000 um 14.08 Uhr bekannt, dass der Deutsche Fußball Bund die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland ausrichten darf. Seit der Bekanntgabe laufen die Vorbereitungen auf dieses Events auf Hochtouren. Nicht nur in den zwölf Austragungsstädten, auch zahlreiche andere Städte, Gemeinden, Einzelhändler und Firmen wollen diese Veranstaltung für ihre unternehmerischen Ziele positiv nutzen.

Die Weltmeisterschaft 2006 wird nicht allein die deutschen Bundesbürger begeistern, sondern die ganze Welt, die ihren Blick für mindestens vier Wochen auf das Land richten wird. Fußballweltmeisterschaften sind etwas Besonderes. Nicht nur, da sie alle vier Jahre stattfinden, sondern auch das während dieser Zeit Geschichten geschrieben werden. Für viele Bürger gelten die Spieler der Weltmeisterschaft 1954 als Helden und sind ebenfalls Vorbilder für zahlreiche Fußballspieler von heute. Der Kinoerfolg des Filmes „Das Wunder von Bern“ zeigt, dass auch 50 Jahre später der Mythos dieser Weltmeisterschaft noch anhält.

Fußball verbindet Nationen, Menschen unterschiedlicher Hautfarbe, verschiedener Sprachen, Herkunft und Ansichten. Fußball schafft Zusammengehörigkeit und gilt für viele Menschen als Lebensinhalt, als 90 Minuten, in denen es nur die Mannschaft, den Ball und den Fan gibt.

Aus diesem Grund stellt sich nun die Frage, welche Chancen und Risiken sich durch die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland für den Tourismus ergeben und welche positiven und negativen Effekte dadurch hervorgerufen werden können.

In dieser Arbeit werden anhand von verschiedenen Beispielen die positiven und negativen Einflüsse eines solchen Mega-Events in Bezug auf die Weltmeisterschaftsstadt Frankfurt am Main dargelegt.

1.1 Problemstellung

Die vorliegende Arbeit bezieht sich ausschließlich auf die Zeit vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft. Auswertungen und Statistiken, die nach dem 9. Juli 2006 veröffentlicht wurden, werden in dieser Arbeit nicht berücksichtigt.

Problem der Arbeit ist, dass vor der Fußballweltmeisterschaft keine genauen Angaben über die eventuellen Auswirkungen gemacht werden konnten. Auch Prognosen wurden nur sehr selten und vage gemacht.

Daher bezieht sich der Großteil der Arbeit auf die Vorhaben und die Erwartungen der Stadt Frankfurt am Main in Bezug auf die Austragung von fünf Weltmeisterschaftsspielen.

1.2 Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Arbeit ist in elf Kapitel gegliedert. Nach einer Einleitung zum Thema der Diplomarbeit, befasst sich das zweite Kapitel mit der Begriffsbestimmung Event und Mega-Event. Zwei Ausdrücke, die in der heutigen Zeit zu einem Modewort geworden sind. Neben der Definition von Event wird dabei auch auf die touristische Bedeutung von Sport-Events kurz eingegangen.

Im dritten und vierten Kapitel werden auf die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aspekte des Sports, insbesondere die Finanzierung der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland, ein großes Augenmerk gelegt.

Das fünfte Kapitel befasst sich mit einem kurzen Resumée des FIFA Confederations Cup 2005. Dabei steht vor allem das Ergebnis und die Auswirkungen für die Stadt Frankfurt am Main im Vordergrund sowie die Probleme, die es bis zum Beginn der Fußballweltmeisterschaft zu beheben gilt.

Kapitel sechs stellt die FIFA WM Stadt Frankfurt dar. Hierbei geht es in erster Linie um die Sportstadt Frankfurt am Main.

Kapitel sieben und acht setzen sich mit den Chancen und Risiken für die Tourismusbranche der Stadt Frankfurt am Main durch die Fußballweltmeisterschaft 2006 auseinander. Hierbei geht es darum, was die Stadt Frankfurt am Main vor und während der vierwöchigen Veranstaltung in die Wege leitet.

Mögliche positive wie auch negative Auswirkungen der Fußballweltmeisterschaft auf den Tourismus in der Stadt Frankfurt am Main werden in den Kapiteln neun und zehn näher betrachtet.

Abschließend wird in Kapitel elf ein kurzes Fazit gezogen über die Erkenntnisse die sich durch die Austragung einer Fußballweltmeisterschaft für die FIFA WM Stadt Frankfurt am Main ergeben.

2 Eventmanagement

2.1 Begriffsbestimmung „Event“

Der aus dem Englischen stammende Begriff „Event“ wird im deutschen Sprachgebrauch in vielen Zusammenhängen an Stelle des Wortes Ereignis verwendet. Er hat jedoch auch zahlreiche andere Bedeutungen wie Vorfall, Begebenheit oder Veranstaltung.

Aufgrund der Notwendigkeit das touristische Angebot eines Fremdenverkehrsortes stetig zu erweitern, gelten Events im Tourismus als eines der am schnellsten wachsenden Teilsegmente der touristischen Leistungspalette.[1] Die meisten Events sind nicht aus touristischem Anlass entstanden, sie ergänzen jedoch das touristische Angebot, welches üblicherweise aus den natürlichen Faktoren eines Ortes oder einer Destination besteht. Zusammen bilden sie mit der touristischen Infrastruktur die Gesamtheit der „Attraktionen“ des Ortes bzw. einer Destination.[2]

Freyer versteht unter touristischen Events „speziell inszenierte oder herausgestellte Ereignisse oder Veranstaltungen von begrenzter Dauer mit touristischer Ausstrahlung“. Als Beispiel hierfür kann unter anderem die Fußballweltmeisterschaft genannt werden. Demnach erfüllt ein Event nach Freyer folgende Kriterien:

1. Ein Event ist etwas Einmaliges, Besonderes oder Seltenes.
2. Ein Event ist kurzfristig und damit vergänglich.
3. Ein Event ist künstlich.

In Regionen mit geringen natürlichen Attraktionen erlangen Events, die speziell für touristische Zwecke konzipiert werden, immer mehr an Bedeutung, da dadurch künstliche Anziehungspunkte geschaffen werden, die zum einen als Anziehungspunkt für kulturorientierte Touristen dienen und zum anderen zur Verbesserung der Lebensqualität der einheimischen Bevölkerung beitragen.

2.2 Eventtypen

Durch die Fülle an Events ist eine Unterscheidung aufgrund von Überschneidungen oft schwierig. Es gibt jedoch die Möglichkeit Events nach Anlass, Größe, Entstehung, Dauer und Häufigkeit zu differenzieren.

Events werden aus den unterschiedlichsten Gründen organisiert. Es gibt eine Vielzahl von Veranstaltungen in kulturellen, sportlichen, politischen sowie sozialen Bereichen.[3] Die folgende Darstellung gibt einen Überblick über die verschiedenen Arten von Events sowie ein paar Beispiele:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 1: Anlässe für Events

Quelle: Freyer / Meyer / Scherhag, 1998

Ein weiteres Kennzeichen zur Differenzierung von Events ist deren Größe. Sie kann durch Kriterien wie Besucherzahlen, wirtschaftliche Effekte oder der Reichweite des Events unterschieden werden. In der Literatur findet man hierzu oftmals eine Dreiteilung in Mega-, Medium, und Mikro-Event. Auf den Begriff Mega-Event wird in Kapitel 2.3 näher eingegangen. Ein Medium-Event zeichnet sich in der Regel durch seine regionale Bedeutung und der Mehrheit an einheimischen Besuchern aus. Im Gegensatz zu den Mega-Events finden Medium-Events in den Austragungsorten meist regelmäßig bzw. häufiger statt. Als Beispiele hierfür kann man Kunstausstellungen, Musikfestivals oder die Bundes- bzw. Landesgartenschau nennen. Stadtfeste, Weihnachtsmärkte oder Weinfeste gehören zur Reihe von Mikro-Events. Kennzeichnend für diese Art von Events sind, dass sie eine regionale Bedeutung haben und auch für den Übernachtungstourismus von geringer Bedeutung sind. Einigen wenige Mikro-Events gelang es, sich im Laufe der Zeit zu Medium- oder Mega-Events zu entwickeln wie zum Beispiel das Oktoberfest in München.[4]

Die Organisation von Events erfolgt aus unterschiedlichsten Gründen. Nur die wenigsten Events sind aus touristischem Anlass entstanden. Durch eine spezielle Inszenierung können sie jedoch auch touristisch genutzt werden. Bei natürlichen Events wie zum Beispiel Naturereignissen sind nur wenige Aktivitäten notwendig. Im Gegensatz hierzu gibt es bei künstlichen Events meist keinerlei thematischen Zusammenhang zwischen Event und Veranstaltungsort. Bei Ausnahmen wie zum Beispiel Jahresfeiern werden diese meist historischen Hintergründe durch eine spezielle Inszenierung besonders herausgestellt. Bei Events ohne Bezug zwischen historischem Ereignis und Veranstaltungsort, den so genannten „Pseudo-Events“ wird häufig die Glaubwürdigkeit der Veranstaltung in Frage gestellt. Erfolgreiche Beispiele vor allem aus dem Musicalbreich wie zum Beispiel das Musical „Das Phantom der Oper“ in Hamburg zeigen allerdings, dass ein künstlerischer oder historischer Bezug zwar hilfreich sein kann, aber nicht zwingend notwendig ist.[5]

Folgt man der Definition von Freyer so sind alle Events von begrenzter Dauer. Oftmals dauern sie nur wenige Stunden wie beispielsweise Konzerte, sie können sich aber auch über mehrere Tage hinziehen, wie im Fall der Fußballweltmeisterschaft.[6]

Doch nicht die absolute Dauer sondern die subjektiv empfundene Zeit ist das Entscheidende, denn sowohl das einzelne Fußballspiel und das Anstehen für die Eintrittskarten können die gleiche Zeit in Anspruch nehmen, jedoch wird dabei das Anstehen als dauerhafter Vorgang wahrgenommen, das Fußballspiel dagegen als Erlebnis und dadurch als etwas Einmaliges.

Für die Differenzierung nach der Häufigkeit findet sich bei Freyer die Unterscheidung in einmalig, regelmäßig und permanent.[7] Die Einmaligkeit charakterisiert ein Event, ist jedoch nicht zwingend auf die Häufigkeit bezogen, sondern eher auf das Thema, die Inszenierung oder die Zusammensetzung der Teilnehmer. Folglich ist es wichtig, die Veranstaltung so zu gestalten, dass sie aus Sicht des Besuchers einmalig beziehungsweise einzigartig ist.

2.3 Definitorische Abgrenzung von Mega-Events

Mega-Events gehören zu der besonderen Art von Veranstaltungen. Der Begriff „mega“ kommt ursprünglich aus dem Griechischen (mégas) und hat die Bedeutung von groß, lang, mächtig. In der Literatur findet man häufig auch die Bezeichnungen Special-Events, Groß-Events oder Hallmark-Events.

Als Mega-Events bezeichnet man internationale Veranstaltungen mit globaler Beachtung, die auf dem ganzen Kontinent nach gleicher Art und Weise sowie nach den jeweils gleichen Regeln durchgeführt werden. Dabei sind die Kultur, das politische Wirtschaftsystem oder der austragende Ort nicht entscheidend.[8]

Darstellung 2: Event-Klassifikation

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: LRP-Studie „WM 2006 – Fanartikel oder Kick“, Mainz, November 2005

Kennzeichnend für Mega-Events ist, dass sie meist überregional beziehungsweise auf internationaler Ebene stattfinden. Nicht nur, dass sie in der Regel zahlreiche Besucher aus dem In- und Ausland anlocken, sondern auch ein großes öffentliches Interesse, wie zum Beispiel eine sehr umfangreiche Medienberichterstattung sind bezeichnend für diese Art von Events. Spricht man von Mega-Events, so bezieht man sich im Sport in der Regel auf Olympische Spiele oder auf Fußballweltmeisterschaften, in Kulturbereich auf Weltausstellungen. Kulturelle Mega-Events sind zum Beispiel auch die Konzerte der Rolling Stones, der Berliner Philharmoniker oder die Reichstagsverhüllung des Künstlers Christo in Berlin im Jahre 1995. Da neben den einheimischen Bevölkerungsgruppen auch Gäste aus dem In- und Ausland angesprochen werden sollen, geht der Durchführung eines Mega-Events in der Regel eine langjährige Planung voraus. Dabei muss die Planung vor allem auch auf Übernachtungsmöglichkeiten, Gastronomie und ein eventuelles kulturelles Rahmenprogramm ausgerichtet werden.[9]

Die Fußballweltmeisterschaft als Mega-Event weist eine weitere Besonderheit auf. Mega-Events finden in der Regel nur an einem Ort statt, wie zum Beispiel eine Weltausstellung oder die Olympischen Sommerspiele. Die Fußballweltmeisterschaft hingegen ist das einzige Mega-Event, welches an mehreren Orten stattfindet. Zwar bezieht man sich dabei meist auf die austragenden Spielstätten, jedoch ist dies ein Event, welches von dem ganzen Land getragen und unterstützt wird.[10]

2.4 Touristische Bedeutung von Sport-Events

Im Veranstaltungsbereich stehen Sport-Events an oberster Stelle in Bezug auf den Tourismus. Internationale Sportveranstaltungen wie zum Beispiel die Olympischen Spiele oder große Tennisturniere sind auch für Besucher, die nicht aus dem Austragungsland kommen Anlass, eine Reise zu unternehmen. Dabei muss das eigentliche Sportereignis nicht an erster Stelle stehen, viele Besucher verbinden das Sportereignis mit ihrem Jahresurlaub. Kleinere Sport-Events wie zum Beispiel die wöchentlichen Spiele der Fußballbundesliga werden zumeist von Tagesausflüglern besucht. Für die Veranstaltungsorte sind nicht nur der Tagesausflugsgast und der Übernachtungsgast von großer Bedeutung, auch die zu dem Event anreisenden Sportler und ihre Funktionäre tragen zur Werbewirkung des Ortes und teilweise der gesamten Region bei.[11]

2.5 Befristung

Die Fußballweltmeisterschaft umfasst einen Austragungszeitraum von einem Monat. Dies ist für ein Mega-Event eine sehr lange Zeit. Jedoch wird die Durchführung diese Events auch von mehreren Pausen, die zwischen den einzelnen Spielen liegen, geprägt. Die Organisatoren und auch die Besucher von Fußballweltmeisterschaften können diese Pausen nutzen, zum einen zur Durchführung von kleineren Veranstaltungen neben der Weltmeisterschaft oder die Besucher nutzen die Pausen, um sich das Gastgeberland anzuschauen.

3 Gesellschaftliche Aspekte der Fußballweltmeisterschaft

3.1 Definition Sport

Der aus der englischen beziehungsweise französischen Sprache stammende Begriff Sport steht für Zeitvertreib oder Vergnügen. Er bezeichnet „das kulturelle Handlungsfeld, in dem Menschen körperliche und/oder geistige Tätigkeiten ausüben, die mit planmäßiger Körperschulung, meist im Bereich Bewegungskunst, in Zusammenhang stehen.“ Sport tritt in unterschiedlichen Varianten auf. In der Literatur unterscheidet man meistens zwischen dem Breitensport und dem Leistungssport beziehungsweise dem Mannschaftssport und dem Individualsport. Extremsport und Funsport sind seit wenigen Jahren ebenfalls zu wichtigen Begriffen herangewachsen. Wann, wo und welcher Sport ausgeübt wird, hängt von jeder einzelnen Person ab. Sport kann alleine ausgeübt werden, zum Beispiel Walking oder mit mehreren Personen zum Beispiel Basketball oder Fußball. Durch die Professionalisierung des Sports rückt auch der Passiv-Sport zunehmend in den Vordergrund. Sportler und Mannschaften werden zu Idolen und über die Medien vermarktet. Die Sportler werden zu Vorbildern. Dies wiederum steigert oft die Begeisterung selbst Sport zu treiben.[12]

3.2 Die besondere Stellung des Sports in der Gesellschaft

Gesellschaftliche Entwicklungen und eine starke Veränderung des Konsumentenverhaltens haben dazu geführt, dass in der deutschen Bevölkerung der Sport eine immer größere Bedeutung erlangt. Vor allem die Nachfrage nach einer erlebnisorientierten Freizeitgestaltung und ein gesteigertes Gesundheitsbewusstsein spielen dabei eine besondere Rolle. Dies ist unter anderem auf die Verkürzung der Arbeitszeiten und den geringen Anstieg bei Ausgaben für den privaten Konsum zurückzuführen.[13]

Die passive Begeisterung für Sport ist in den vergangenen Jahren deutlich angewachsen. So zählen Großveranstaltungen des Sport wie die Olympischen Spiele, die Rennsportserie Formel 1 oder der Fußball mit Europameisterschaften, Weltmeisterschaften, UEFA-Pokal oder der UEFA-Champions League zu den bekanntesten (Sport-) Ereignissen in der Bevölkerung. Unterstützt wird die Verbreitung solcher Veranstaltungen durch die stetig besser entwickelte Mediengestaltung. Fernsehen, Hörfunk, Printmedien und nicht zuletzt das Internet ermöglichen eine weltweite Berichterstattung.[14] Sportübertragungen in den Medien erfreuen sich dabei einer weitaus höheren Beliebtheit als selbst Sport zu treiben. Die Kosten für Übertragungsrechte von Sportveranstaltungen sind daher in den vergangen Jahren drastisch angestiegen und erreichen Milliardenhöhe. Vor allem Trendsportarten wie Freeclimbing, Rafting, Bungeejumping oder auch das Golfen erfreuen sich einer sehr großen Beliebtheit in der Bevölkerung.[15]

3.3 Die Fußballweltmeisterschaft als Massenunterhaltungsprodukt

Fußball ist die Weltsportart Nummer 1. Weltweit zählt die FIFA rund 250 Millionen aktive Fußballspieler. Dies bedeutet, dass etwa jede/r 25. diesen Sport ausübt.[16]

Dass Fußball die beliebteste Sportart der Welt ist, belegen vor allem auch die Zuschauerzahlen des alle vier Jahre stattfindenden Großevents – der Fußballweltmeisterschaft. Sie haben sich seit der ersten Weltmeisterschaft 1930 in Uruguay fast versechsfacht. Zählte man in Uruguay etwa 434.000 Zuschauer so erwartet man für die Fußballweltmeisterschaft 2006 über drei Millionen Besucher in den Stadien. Zurückzuführen ist der stetige Besucherzuwachs auch auf die in den vergangenen Jahren verbesserte Mobilität der Bevölkerung. Flugzeuge zählen zu den gängigen Transportmitteln und auch Flugreisen sind heutzutage für viele Fußballanhänger zu moderaten Preisen erhältlich, vor allem durch den gewachsenen Markt bei Low-Cost Carriern. Mit Bezug auf die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland ist ebenfalls die zentrale Lage des Landes innerhalb von Europa zu erwähnen. Viele Fußballfans aus den angrenzenden Nachbarländern wie Polen, Schweiz oder Frankreich können mit der Bahn oder dem eigenen Auto anreisen.

Einen deutlichen Rekord an Zuschauerzahlen weist die Weltmeisterschaft 1994 in den USA auf (siehe Darstellung 3). Dies wurde vor allem durch die großen Stadien in den Austragungsstätten ermöglicht. Bei der Konzeption der heutigen Weltmeisterschaftsstadien in Deutschland beziehungsweise in Europa legt man großen Wert auf ein gesteigertes Sicherheitsbewußtsein und einen entsprechenden Komfort. Daher verzichtet man in vielen Stadien auf Stehplätze. Die ausgewählten Stadien für die Fußballweltmeisterschaft 2006 fassen im Durchschnitt etwa 40.000 Zuschauer, davon sind etwa 5.000 Stehplätze. Würde man auf einen Großteil der Sitzplätze verzichten, könnte man die Kapazität der Stadien um ein Vielfaches erhöhen.[17]

Die Brutto-Kapazität für die Weltmeisterschaft 2006 beträgt nach Angaben der FIFA rund drei Millionen Zuschauer. Nach Abzug von reservierten Plätzen für Ehren- und Staatsgäste, Tickets für Sponsoren, Verbände und TV-Rechte Inhaber gehen rund 30% der gesamten Tickets in den freien Verkauf (s. Darst. 4).[18]

Darstellung 3: Zuschauerzahlen bei Fußballweltmeisterschaften

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: LRP-Studie „WM 2006 – Fanartikel oder Kick“, Mainz, November 2005

Darstellung 4: WM-Ticket-Verteilung

nach Anzahl (in Tsd.) und Anteilen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: LRP-Studie „WM 2006 – Fanartikel oder Kick“, Mainz, November 2005

Aufgrund dessen, dass die Tickets für die Fußballweltmeisterschaft nur begrenzt erhältlich sind, werden viele Fußballfans sich die Spiele vor dem Fernseher anschauen oder werden auf die zahlreichen Angebote von Großleinbildwänden in den verschiedenen Städten zurückgreifen. Viele Städte und Gemeinden werden die Spiele auf öffentlichen Plätzen übertragen. Einige Großstädte planen neben den Übertragungen ein entsprechendes kulturelles Nebenprogramm, um so noch mehr zusätzliche Gäste in die Städte zu locken.

Die Fußballweltmeisterschaftsspiele 2002 in Japan und Korea wurden von etwa 28,8 Milliarden Fernsehzuschauern verfolgt. Für 2006 man nach Angaben der Rechte-Agentur Infront[19] weltweit mit rund 32 Milliarden Zuschauern an den Fernsehgeräten.

In Deutschland werden die Fußballspiele der Weltmeisterschaft 2006 wie folgt übertragen werden: die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF übertragen knapp 50 der 64 Spiele, RTL wird etwa 8 Spiele senden und Premiere hat die Rechte, alle Spiele live zu übertragen. Darüber hinaus werden die Spiele mit vielen Berichterstattungen, Analysen oder Talkshows ergänzt.[20]

Darstellung 5: Kumulierte Fernsehzuschauer (in Mrd.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: LRP-Studie „WM 2006 – Fanartikel oder Kick“, Mainz, November 2005

Die Kosten für die Übertragungsrechte an der Fußballweltmeisterschaft haben in den vergangenen Jahren drastisch zugenommen. 1987 vergab die FIFA die Übertragungsrechte für die kommenden drei Weltmeisterschaften an ein Konsortium von öffentlich-rechtlichen Sendern. So wurden für die Weltmeisterschaft 1990 95 Millionen Schweizer Franken bezahlt für die Weltmeisterschaft 1994 und 1998 jeweils 110 und 135 Millionen Schweizer Franken. Für die Weltmeisterschaften 2002 und 2006 erhielt die Kirch/Sporis Gruppe den Zuschlag für den fast zehnfachen Betrag von 1,3 und 1,5 Milliarden Schweizer Franken.[21]

Zur Fußballweltmeisterschaft 2006 hat sich die FIFA dazu entschlossen, die TV Rechte für Deutschland, Großbritannien, Italien, Spanien und Frankreich selbst zu vermarkten. Für die übrigen europäischen Länder erhielt die European Broadcasting Union[22] den Zuschlag.[23]

Darstellung 6: FIFA-Einnahmen durch WM-Übertragungsrechte in Millionen Schweizer Franken

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: LRP-Studie „WM 2006 – Fanartikel oder Kick“, Mainz, November 2005

[...]


[1] vgl. Freyer / Meyer / Scherhag, Events – Wachstumsmarkt im Tourismus, 1998, S.18

[2] vgl. Freyer / Meyer / Scherhag, Events – Wachstumsmarkt im Tourismus, 1998, S.19

[3] vgl. Freyer / Meyer / Scherhag, Events – Wachstumsmarkt im Tourismus, 1998, S.19

[4] vgl. Freyer / Meyer / Scherhag, Events – Wachstumsmarkt im Tourismus, 1998, S.27ff.

[5] vgl. Freyer / Meyer / Scherhag, Events – Wachstumsmarkt im Tourismus, 1998, S.24f.

[6] vgl. Freyer / Meyer / Scherhag, Events – Wachstumsmarkt im Tourismus, 1998, S.27

[7] vgl. Freyer / Meyer / Scherhag, Events – Wachstumsmarkt im Tourismus, 1998, S. 25

[8] vgl. Markus Kurscheidt, Erfassung und Bewertung der wirtschaftlichen Effekte der Fußball-WM 2006, unabhängiges wissenschaftliches Gutachten (Manusskriptfassung) für wegweiser GmbH, Berlin, S. 8

[9] vgl. Freyer / Meyer / Scherhag, Events – Wachstumsmarkt im Tourismus, 1998, S.27f.

[10] vgl. Markus Kurscheidt, Erfassung und Bewertung der wirtschaftlichen Effekte der Fußball-WM 2006, unabhängiges wissenschaftliches Gutachten (Manusskriptfassung) für wegweiser GmbH, Berlin, S. 9

[11] vgl. Freyer / Meyer / Scherhag, Events – Wachstumsmarkt im Tourismus, 1998, S.22f.

[12] vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Sport

[13] vgl. Hermanns / Riedmüller, Management-Handbuch Sport-Marketing, 2001, S. 7

[14] vgl. Hermanns / Riedmüller, Management-Handbuch Sport-Marketing, 2001, S. 6

[15] vgl. Freyer / Groß, Tourismus und Sport-Events, 2002, S. 9f.

[16] vgl. FIFA Communications Division, Zürich, 3. April 2001

[17] vgl. LRP-Studie „WM 2006 – Fanartikel oder Kick“, Mainz, November 2005, S. 8f.

[18] vgl. LRP-Studie „WM 2006 – Fanartikel oder Kick“, Mainz, November 2005, S. 10

[19] Anmerkung: Infront ist eine Schweizer Sportrechte-Agentur und ist neben der Agentur Sportfive das größte Unternehmen. Das Unternehmen wird geführt von Adidas-Aktionär Robert-Louis Dreyfus und dem ehemaligen Fußballspieler und Fernseh-Kommentator Günter Netzer. Infront hält die rechte für die Fußballweltmeisterschaft 2006, engagiert sich aber kaum im Vereinsfußball. Aus: www.wikipedia.org/wiki/Infront

[20] vgl. LRP-Studie „WM 2006 – Fanartikel oder Kick“, Mainz, November 2005, S. 11

[21] vgl. LRP-Studie „WM 2006 – Fanartikel oder Kick“, Mainz, November 2005, S. 11

[22] Anmerkung: European Broadcasting Union

[23] vgl. FIFA News 12, S. 21

Ende der Leseprobe aus 73 Seiten

Details

Titel
Potenziale eines Groß-Events für den Tourismus am Beispiel der FIFA WM 2006 und der Stadt Frankfurt
Hochschule
Fachhochschule Worms
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
73
Katalognummer
V84050
ISBN (eBook)
9783638878425
ISBN (Buch)
9783638878609
Dateigröße
640 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Potenziale, Groß-Events, Tourismus, Beispiel, FIFA, Stadt, Frankfurt
Arbeit zitieren
Diplom Betriebswirtin (FH) Susanne B. Bräuchle (Autor), 2006, Potenziale eines Groß-Events für den Tourismus am Beispiel der FIFA WM 2006 und der Stadt Frankfurt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84050

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