Vergleich des Dramas „Penthesilea“ mit „Iphigenie auf Tauris“


Hausarbeit, 2005

7 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Das Drama „Penthesilea“ von Heinrich von Kleist kann als Wortdrama bezeichnet werden. Große Teile des Textes bestehen aus Botenberichten oder Teichoskopien. Kleist wählt dieses Verfahren wahrscheinlich aus zwei Gründen. Zum einen werden Schlachtszenen geschildert, die auf der Bühne nicht aufführbar wären (Achills Quadriga) und zum anderen ist die Handlung teils so grausam, dass sie das Publikum sicher verschreckt hätte, wäre sie direkt aufgeführt worden (Zerfleischung von Achill durch Penthesilea). Somit wird die Handlung in die Sprache verlagert.

Auch im antiken Drama wurde von Morden nur berichtet, man sah sie nicht auf der Bühne, was als erster Hinweis darauf gewertet werden kann, dass Kleist sich bei diesem Drama an den antikisierenden Vorstellungen der Weimarerer Klassik orientiert hat.[1] Der antike Mythos, von dem Kleist sich inspirieren ließ, und die Verfassung des Dramas im Blankvers scheinen auch darauf hinzuweisen. Allerdings weist das Drama „Penthesilea“ keine Einteilung in Akte auf und auch die Einheit von Ort, Zeit und Handlung, die von Aristoteles gefordert wurde, ist nicht umgesetzt. Kleist orientiert sich also nicht an den damals herrschenden Idealvor-stellungen eines Dramas.

Wie bereits dargestellt, identifizierte sich der Adel und das aufstrebende Bürgertum mit der Antike. Sie schufen sich ein verklärendes Gegenbild zur zeitgenössischen Wirklichkeit, die durch starke Unruhen geprägt war (Französische Revolution, Frühindustrialisierung). Die Menschen sollten durch Kunst und Literatur zur Humanität gebildet werden, was in dem Programm der ästhetischen Bildung zum Ausdruck kam. Als Ideal galt die „schöne Seele“, welche einem Menschen zugeschrieben wurde, dessen Handlungen in Sittlichkeit und Sinnlichkeit übereinstimmten. All dies findet sich in dem Drama „Iphigenie auf Tauris“ von Johann Wolfgang von Goethe. Man kann dieses Stück als Gegenwelt zu „Penthesilea“ betrachten.

Penthesilea und Achill befinden sich in einem ständigen Spannungsverhältnis zwischen Sinnlichkeit und Sittlichkeit. Als die Amazonen das Rosenfest[2] feiern wollen, da sie zahlreiche Krieger gefangen genommen haben, verweigert Penthesilea ihnen dies. Als Königin müsste sie eigentlich an das Wohl ihren Volkes denken und einwilligen, ihre sinnliche Seite hingegen möchte Achill besiegen, um ihn für sich zu gewinnen. Eigentlich ist den Amazonen die Fixierung auf einen bestimmten Mann verboten, was zeigt, dass Penthe-silea nicht vernünftig handelt, wenn sie den Befehl gibt, den Kampf weiterzuführen. Ihre Begründung, dass Achill als Gefahr anzusehen sei, ist fadenscheinig.

Achill seinerseits möchte Penthesilea auch für sich gewinnen. Allerdings versucht er die Konventionen miteinzubeziehen. Ohne Waffen und ohne Rüstung kommt er in das Lager der Amazonen. Penthesilea ist wegen ihrer Verletzungen, die sie sich im Kampf zugezogen hat, ohne Bewusstsein. Als sie erwacht, behaupten Prothoe und Achill, dass er, also Achill, von den Amazonen besiegt und somit ein Gefangener im Sinne des Amazonengesetzes sei.

Die nächste Szene wirkt beinahe wie eine Idylle[3]. Penthesilea ist ganz bei sich, erzählt Achill die Geschichte des Amazonenstaates und klärt ihn über dessen Gesetze auf. Nach diesem Gesetz werden Männer nur zur Zeugung „gebraucht“, der Amazonenstaat selber hingegen besteht nur aus Frauen. Da Achill weiß, dass dieses Gesetz genauso für ihn gelten würde, konfrontiert er Penthesilea mit der Wahrheit. Es stimme zwar, dass sie seine Königin werden soll, aber nicht beim Rosenfest und somit in der skythischen Heimat der Amazonen, sondern in seinem Königreich Phtia.

[...]


[1] In der Epoche der Weimarer Klassik, die nach Goethes erster Italienreise 1786 begann und bis 1810 dauerte, kam es zu einer Verklärung der Antike. Für die Klassiker war die Antike gut, schön und human, was in vielen damaligen Stücken thematisiert wurde.

[2] Dem Amazonenritual zufolge werden die gefangenen Männer mit Rosen geschmückt und zur Zeugung „verwendet“. Auf diese Weise stirbt der Amazonen-Staat, der nur aus Frauen besteht, nicht aus.

[3] Mit Idylle ist hier ein gesellschaftsfreier Raum, in dem die Figuren frei miteinander sprechen können, gemeint.

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Vergleich des Dramas „Penthesilea“ mit „Iphigenie auf Tauris“
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Heinrich von Kleist
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
7
Katalognummer
V84068
ISBN (eBook)
9783638004701
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Arbeit ohne Sekundärliteratur (Anm. der Red.)
Schlagworte
Vergleich, Dramas, Tauris“, Heinrich, Kleist
Arbeit zitieren
Katrin Keller (Autor), 2005, Vergleich des Dramas „Penthesilea“ mit „Iphigenie auf Tauris“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84068

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