Der Kausalitätsbegriff David Humes


Seminararbeit, 2002

20 Seiten, Note: 1.3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

1. ‘Hume´s Fork‘

2. Das Uniformitätsprinzip (uniformity principle)

3. Die konstante Verflechtung (constant conjunction)

4. Notwendigkeit (necessity)
4.1. Humes Kausalitätsbegriff hinsichtlich der metaphysichen Maxime

5. Kritik am Humeschen Kausalitätsbegriff

6. Schluss

Literaturliste:

Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beinhaltet eine Auseinandersetzung mit dem Kausalitätsbegriff David Humes.

Um eine grundlegende Analyse zu gewährleisten, habe ich im ersten Abschnitt zunächst ‘Hume´s Fork‘ als Einstieg gewählt. Sicherlich ist dieser erste Abschnitt bezüglich des Kausalitätsprinzips in vieler Hinsicht augmentierbar, doch muss er aufgrund der räumlichen Beschränkung dieser Hausarbeit natürlich minimierter ausfallen.

Der zweite Abschnitt beschäftigt sich mit dem „Uniformitätsprinzip“. Er beinhaltet erstmals Humes Skepsis gegenüber a priorischen Verstandesschlüssen und verdeutlicht, warum dem Prinzip der Gewohnheit in Humes Philosophie eine so eminente Bedeutung beigemessen wird.

Dieser Abschnitt kann wiederum als Basis für den dritten verstanden werden, denn sein Ende leitet direkt in die konstante Verflechtung der Objekte über.

Nach dem negativen Befund Humes, dass unser Geist in den außenweltlichen Objekten als solchen keinen Anhaltspunkt für einen Kausalitätsschluss finden kann, schließt sich im darauffolgenden Abschnitt Humes Notwendigkeitsbegriff an. Erst dieser versetzt Hume in die Lage, eine befriedigende Kausalitätsdefinition zu liefern. Im vierten Abschnitt habe ich außerdem einen kurzen Teil über die Humesche Widerlegung der metaphysischen Maxime angefügt. Im letzten Teil gehe ich auf einige Problematisierungen bezüglich Humes Kausalitätsdefinition ein. Auch dieser Abschnitt kann aufgrund der räumlichen Begrenzung nur ansatzweise vervollständigt werden. Im Schlusskapitel werden dann die wichtigsten Ergebnisse dieser Arbeit zusammengefasst.

Die Zitate sind sowohl aus dem Treatise, wie aus der Enquiry entnommen. Die Verflechtung beider Zitatquellen belegt meiner Ansicht nach, dass Humes Position in beiden Werken in den grundsätzlichen philosophischen Fragen übereinstimmt.

1. ‘Hume´s Fork‘

Um das Kausalitätsprinzip Humes und die mit ihm einhergehenden Probleme zu illuminieren, beginne ich mit einer kurzen und grundlegenden Betrachtung seiner Distinktion aller möglichen Erkenntnisinhalte in Vorstellungsbeziehungen (relations of ideas) und Tatsachenfragen (matters of fact), die von Anthony Flew mit dem Begriff ‘Hume´s Fork‘

gekennzeichnet worden ist.

Vorstellungsbeziehungen eruieren nach Hume die eigentlichen Gegenstände des Wissens (knowledge). Sie bedürfen keiner Legitimation durch einen Eindruck (impression) und ihre Resultate sind eo ipso ‘the objects of knowledge and certainty‘ ( THN, p. 70 ).[1]

‘Humes´s Fork‘ grenzt nach Kreimendahl „den Bereich des notwendig Wahren von dem des Kontingenten ab und läßt damit allererst das Kausalitätsproblem in den Blick treten ( vgl. Kreimendahl, S. 10 ).[2]

Alle Tatsachenfragen, also jede Gewissheit von Existierendem jenseits des Bereichs unmittelbarer Wahrnehmung, sind für Hume im Grunde in einer Vorstellungsbeziehung komprimiert, der Vorstellungsrelation der Ursächlichkeit (causation):

‘`Tis evident, that all reasonings concerning matters of fact are founded on the relation of cause and effect, and that we can never infer the existence of one object from another, unless they be connected together, either mediately or immediately. In order therefore to understand these reasonings, we must be perfectly acquainted with the idea of a cause; and in order to that, must look about us to find something that is the cause of another.‘ ( THN, p. 649 )

Obwohl die beiden anderen in dieser Hinsicht applizierbaren Vorstellungsrelationen, Ähnlichkeit (resemblance) und spatio – temporale Berührung (contiguity), nicht wegzudenken wären ( ‘contiguity is essential to causality‘; Stroud, p. 75 ), gibt es doch einen funktionalen Unterschied zwischen der ersten und den beiden letzteren Vorstellungs- beziehungen. Ayer sagt, dass Ähnlichkeit und Berührung ‘provide tracks for the movements of our attention‘, die Kausalitätsrelation hingegen bedeute für Hume ‘the main source of supply for our factual beliefs‘, ist also die entscheidende Zugangsmöglichkeit unseres Geistes für einen gefestigten Tatsachenglauben (belief) ( vgl. Ayer, S. 54 ):

‘It appears, that of those three relations, which depend not upon the mere ideas, the only one, that can be trac´d beyond our senses, and informs us of existences and objects, which we do not see or feel, is causation ‘ ( THN, p. 74 ).

Dennoch verdeutlicht Humes erste ( außenweltliche ) Definition einer Ursache die Verflechtung von Ursächlichkeitsrelation, Ähnlichkeit und spatio – temporaler Berührung:

‘We may define a CAUSE to be ‘An object precendent and contiguous to another, and where all the objects resembling the former are plac´d in like relations of precendency and contiguity to those objects, that resemble the latter‘ ( THN, p. 170; vgl. Fogelin, p. 50 ).

Zu fragen wäre allerdings, ob Hume hier nicht die Vorstellungsrelation der Identität (identity) in seine Definition mit einbezieht, denn die Ähnlichkeit bezieht sich ausdrücklich auf die vorherigen und späteren Gegenstandsklassen. Bezüglich dieser Definition dürfen sich die Gegenstandsklassen verknüpfenden Relationen nicht bloß ähneln, sie müssen der Vorstellungskraft auch ein identisches Paradigma liefern. Dem wäre entgegenzuhalten, dass sich Hume eigens in der Enquiry auf „diese Prinzipien“ der „Ähnlichkeit, Berührung und Verursachung“ beschränkt ( UMV, S.63 ).

Im Sinne des oben angeführten Zitats ist Ayers Äußerung zu verstehen, die Vorstellung der Kausalitätsrelation sei eine zusammengesetzte ( ‘compound idea‘ ). Sie beinhalte die spatio – temporalen Vorstellungsbeziehungen der Priorität (priority) vom Ausgangsobjekt zu seinem gewohnheitsmäßigen Begleitobjekt (usual attendant) und die der Berührung (contiguity) ( vgl. Ayer, p. 57 ).

Hume zeigt selbst am deutlichsten, dass die Berührungsvorstellung (contiguity) unmittelbar mit unserer Vorstellung kausaler Ereignisabfolgen (succession) verknüpft sein muss:

‘Tho´ distant objects may sometimes seem productive of each other, they are commonly found upon examination to be link´d by a chain of causes, which are contiguous among themselves and to the distant objects; and where in any particular instance we cannot discover this connexion, we still presume it to exist ( THN, p. 75 ).

Doch gibt es bezüglich der Kohäsion beider Vorstellungen berechtigte Einwände, die Stroud folgendermaßen justifiziert:

‘[...], but we certainly do not get an impression of contiguity in every case of what we take to be a causal connexion. How then do we know, if at all, that contiguity is ‚essential‘ to causality ?‘ ( Stroud, p. 44 )

Und bezüglich der Prioritätsvorstellung formuliert Stroud folgendes Gegenargument:

‘We do not actually see the contact of two billard balls to be slightly earlier than the beginning of the motion of the second ball‘ ( Stroud, p. 44 ). ( Hervorhebung von mir )

Doch Hume entzieht sich diesen Einwänden, indem er zu bedenken gibt, dass Eindrücke der Priorität und Kontiguität nicht genüge leisten würden, um den Ursprung der Kausalitätsvorstellung zu erklären. Denn in vielen Fällen können wir zwar beobachten, dass sich ein Ereignis A in spatio – temporaler Präzedenz zu einem Ereignis B befindet und sie sich berühren; doch haben wir trotzdem keine Evidenz, dass Ereignis B nicht auch ohne Ereignis A hätte stattfinden können. In diesem Sinne stellt sich Hume die Frage:

‘what [...] assures us of any real existence and matter of fact, beyond the present testimony of our senses, or the records of our memory‘ ( EHU, p. 26 ).

Und im Grunde beginnt hier Humes philosophischer Diskurs, indem er von den gegenwärtigen Perzeptionen Abstand nimmt und die Suche nach der Kausalitätsvorstellung auf das Terrain unserer geistigen Vorstellungskraft restringiert.

[...]


[1] An der Influenz der Vorstellungsbeziehungen wird deutlich, dass Hume, obwohl er als radikaler Empirist gilt, zumindest im Treatise dem reinen Denken eine essentielle Stellung in seiner Philosophie konzediert.

[2] Neben der übergeordneten Distinktion der Vorstellungsbeziehungen und Tatsachenfragen werden erstere von Hume nochmals in zwei Klassen unterteilt. Die erste ist nach Stuart/ Wright die Klasse der Vorstellungsbeziehungen, die ‘entirely on the ideas which we compare together‘ beruht ( Ähnlichkeit (resemblance), Widerspruch (contrariety), etc. ); der letzteren gehören die Vorstellungsbeziehungen an, ‘that may be change´d without any change in the ideas ( Identität (identity), Verursachung (causation), etc. ) ( vgl. Stuart/ Wright, p. 142 ).

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der Kausalitätsbegriff David Humes
Hochschule
Universität Potsdam  (Philosophie)
Veranstaltung
David Hume - Untersuchung über den menschlichen Verstand
Note
1.3
Autor
Jahr
2002
Seiten
20
Katalognummer
V8410
ISBN (eBook)
9783638153874
Dateigröße
604 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hume Kausalität
Arbeit zitieren
Andre Käswurm (Autor), 2002, Der Kausalitätsbegriff David Humes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8410

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