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Der "valido" in der spanischen Monarchie des 17. Jahrhunderts

Title: Der "valido" in der spanischen Monarchie des 17. Jahrhunderts

Term Paper , 2007 , 31 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Nadja Schuppenhauer (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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„Solent aliqui principes habere unum, quem sibi ex omnibus deligunt, quem prae caeteris amant, cui se prae caeteris confidunt“.
Hinter dieser Beschreibung verbirgt sich ein Sozialtypus, den die Frühe Neuzeit in Europa hervorbrachte und der vor allem die spanische Monarchie im 17. Jahrhundert tief prägen sollte. Er hat sowohl unter seinen Zeitgenossen als auch noch in der neueren Geschichtsschreibung für harsche Kritik an den politischen Fähigkeiten der Austrias
Menores, also den letzten Vertretern der spanischen Habsburger, Philipp III., Philipp IV. und Karl II. gesorgt. Die Rede ist von dem Minister-Günstling, dem Favoriten, dem valido, der zwar als ein gesamteuropäisches Phänomen der frühneuzeitlichen Monarchien zu betrachten ist – man denke hierbei an die Kardinäle Richelieu und Mazarin, den Herzog von Buckingham oder auch den schwedischen Kanzler Oxenstierna – jedoch vor allem in Spanien seit der Regierungszeit Philipps III. (1598-1621) regelrecht als ein ‚institutionalisiertes Amt’ angesehen werden kann.3 Grob skizziert war der valido ein enger Vertrauter und Berater des Königs aus dem Hochadel, der häufig eine Mentorenrolle des Monarchen einnahm und Kontrolle über den Zugang Dritter zum König und vor allem eine weitreichende politische Entscheidungs- und Verfügungsgewalt besaß. Das Besondere im Fall des valido ist die Tatsache, dass seine politische Macht nicht offiziell und explizit durch die Übertragung eines konkreten Amtes legitimiert wurde, er vielmehr aufgrund einer institutionalisierten Sonderstellung zum „most important man in the everyday ruling of the monarchy“ wurde. Diese Sonderstellung war an die Gunst und das Wohlwollen des jeweiligen Fürsten gekoppelt und kam de facto der Stellung eines Ersten Ministers gleich.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der strukturelle und institutionelle Hintergrund der „spanischen Monarchien“ in der Frühen Neuzeit

2.1 Das politische und administrative Gefüge

2.2 Macht- und Sozialstruktur im España de los Austrias

2.2.1 Monarchie und Staatsgewalt

2.2.2 Elitenintegration: die veränderte politische Rolle des Adels

2.2.3 Patronage und Klientelsystem

2.2.4 Die Rolle des Königs

3 Der spanische valido

3.1 Aufkommen und Strukturmerkmale

3.2 Die politische Funktion des valido

3.3 Der valido aus zeitgenössischer Sicht

4 Schlussbetrachtung

5 Resumen

6 Anhang

6.1 Das spanische Ratssystem

6.2 Peter Paul Rubens: Der Herzog von Lerma

6.3 Juan Pantoja de la Cruz: Portraits von Philipp III. und dem Herzog von Lerma

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das historische Phänomen des valido, des Minister-Günstlings, in der spanischen Monarchie des 17. Jahrhunderts. Ziel ist es, die Rolle dieser Figur nicht als Indikator für königliche Schwäche oder Dekadenz zu interpretieren, sondern als notwendiges strukturelles Element innerhalb der frühneuzeitlichen Staatsbildung, das zur Machtzentralisierung und Stabilisierung beigetragen hat.

  • Strukturelle Rahmenbedingungen der spanischen Monarchie in der Frühen Neuzeit
  • Die Rolle von Patronage- und Klientelsystemen in der Machtausübung
  • Die Transformation des Adels zur Integration in das staatliche Machtgefüge
  • Der valido als „zweiter Mann im Staat“ und seine politische Funktionsweise
  • Historische Fallbeispiele der validos (Herzog von Lerma, Graf-Herzog von Olivares)

Auszug aus dem Buch

3.1 Aufkommen und Strukturmerkmale

Die Historiographie zur spanischen Geschichte ist sich weitestgehend einig darin, dass das Erscheinen des Phänomens valido in Spanien an einem ganz bestimmten Zeitpunkt und an einer ganz bestimmten Person festgemacht werden kann. Die Rede ist von Francisco Gómez de Sandoval y Rojas (1552?-1625), dem Marquis von Denia und späterem Herzog (spanisch Duque) von Lerma, dessen Stern mit der Thronbesteigung Philipps III. im Jahre 1598 für zwei Jahrzehnte zu leuchten begann. Jedoch bereits vor dem Erscheinen des „klassischen“ valido, der durch Lerma seinen Anstoß erfuhr, hatten die spanischen Könige auf enge Vertraute und private Berater zurückgegriffen, die ihnen bei der Erledigung der Regierungsgeschäfte und dem anfallenden Schriftverkehr unterstützend zur Seite standen.

Diese Vertrauten bekleideten meist die Posten von Staatssekretären, die aufgrund ihres besonders intensiven und direkten Verhältnisses zum König in den zeitgenössischen Dokumenten häufig auch als ‚Sekretäre des Königs’ oder ‚Sekretäre seiner Majestät’ bezeichnet wurden. Ein wichtiges Argument aber, warum diese königlichen Vertrauenspersonen nicht problemlos zu dem im 17. Jahrhundert aufkommenden Typus des valido gezählt werden können, ist die Tatsache, dass diese Sekretäre nicht über eine Exklusivität der Macht verfügten, sich vielmehr in einem beständigen Kampf um Einfluss und Wohlwollen mit anderen Faktionsführern am Hof befanden.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Figur des valido als frühneuzeitliches Phänomen ein und umreißt die wissenschaftliche Forschungsfrage, die diese Figur als politisches Strukturelement und nicht als reines Zeichen für königliche Schwäche betrachtet.

2 Der strukturelle und institutionelle Hintergrund der „spanischen Monarchien“ in der Frühen Neuzeit: Dieses Kapitel erläutert die komplexe Verwaltungs- und Sozialstruktur der spanischen Monarchie, einschließlich des Ratssystems, der Bedeutung von Patronagenetzwerken und der veränderten Rolle des Königs.

3 Der spanische valido: Das Hauptkapitel analysiert das Aufkommen, die politischen Funktionen sowie die zeitgenössische Wahrnehmung der validos, wobei die historischen Akteure wie Lerma und Olivares im Kontext der Staatsbildung betrachtet werden.

4 Schlussbetrachtung: Das Fazit resümiert, dass der valido maßgeblich zur Stabilisierung und Machtzentralisierung der Monarchie beitrug und ein notwendiger Protagonist des Übergangs vom spätmittelalterlichen Staat zum ancien régime war.

5 Resumen: Eine spanischsprachige Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung.

6 Anhang: Der Anhang enthält grafische Darstellungen des spanischen Ratssystems sowie visuelle Zeugnisse in Form von Portraits des Herzogs von Lerma und Philipps III.

Schlüsselwörter

valido, spanische Monarchie, 17. Jahrhundert, Günstling, Patronage, Klientelsystem, Staatsbildung, Machtzentralisierung, Herzog von Lerma, Graf-Herzog von Olivares, Hofkultur, frühe Neuzeit, Elitenintegration, absolutistische Tendenz, Verwaltung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit analysiert die historische Rolle des valido – eines privilegierten Minister-Günstlings – in der spanischen Monarchie während des 17. Jahrhunderts.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die institutionellen Strukturen der spanischen Regierung, die Bedeutung informeller Machtnetzwerke, Patronage sowie die soziopolitische Rolle des Adels am Hof.

Was ist die Forschungsfrage oder das Ziel?

Ziel ist es, den valido als wertneutrales Strukturelement in der frühneuzeitlichen Politik zu verstehen, das zur Machtzentralisierung beitrug, anstatt den in der traditionellen Historiographie verbreiteten Fokus auf eine vermeintliche königliche Schwäche zu verfolgen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer umfassenden Auswertung zeitgenössischer Dokumente sowie moderner geschichtswissenschaftlicher Forschungsliteratur basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des strukturellen Hintergrunds der spanischen Monarchie und eine detaillierte Analyse der Figur des valido, dessen Aufkommen, Funktionen und zeitgenössischer Wahrnehmung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen valido, spanische Monarchie, Patronage, Klientelsystem, Machtzentralisierung und frühneuzeitliche Staatsbildung.

Wie unterschieden sich die validos von früheren Staatssekretären?

Im Gegensatz zu den secretarios unter Philipp II. verfügten die validos über eine Exklusivität der Königsgunst, besaßen weitreichende Entscheidungsbefugnisse als alter ego des Königs und entstammten dem Hochadel.

Warum wird der Begriff „spanische Monarchien“ im Plural verwendet?

Das Dokument betont, dass Spanien im 17. Jahrhundert kein zentralistischer Nationalstaat war, sondern eine zusammengesetzte Monarchie (monarquía compuesta) mit verschiedenen Teilreichen und eigenen Institutionen.

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Details

Title
Der "valido" in der spanischen Monarchie des 17. Jahrhunderts
College
European University Viadrina Frankfurt (Oder)  (Lehrstuhl für Vergleichende Europäische Wirtschafts- und Sozialgeschichte)
Course
Geld-Geschenke-Politik. Korruption und Klientelismus als Strukturproblem moderner Gesellschaften
Grade
1,0
Author
Nadja Schuppenhauer (Author)
Publication Year
2007
Pages
31
Catalog Number
V84131
ISBN (eBook)
9783638002059
Language
German
Tags
Monarchie Jahrhunderts Geld-Geschenke-Politik Korruption Klientelismus Strukturproblem Gesellschaften
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nadja Schuppenhauer (Author), 2007, Der "valido" in der spanischen Monarchie des 17. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84131
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