Kubanische Lyrik in Paris: „ĺnsulas al pairo“ von William Navarrete


Referat (Ausarbeitung), 2006

24 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kubanische Lyrik in Paris: ĺnsulas al pairo

3. Miguel Sales: Ahora que el amor
3.1. Aufbau des Textes
3.2. Aussageinstanz
3.3. Die Bildlichkeit
3.4. Interpretation von Ahora que el amor

4. Nivaria Tejera: ¿Dónde están?
4.1. Aufbau
4.2. Interpretation von ¿Dónde están?

5. Ein Vergleich

6. Nicolás Guillén
6.1. Biografie
6.2. Nicolás Guillén: Balada de mis dos abuelos
6.3. Interpretation
6.4. Nicolás Guillén: Exilio
6.5. Interpretation

7. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Kuba ist ein Land, das durch seine Kolonisationsgeschichte mehrere Ethnien und Kulturen beheimatet. Daher eignet sich Kuba gut dazu, Veränderungen der Kulturdefinition aufzuzeigen.

Bereits im 17. Jahrhundert erkannte Samuel von Pufendorf, dass Kultur ein Generalbegriff ist, der nicht nur einzelne, sondern sämtliche menschliche Lebensäußerungen umfasst. Diese beinhalten alle Tätigkeiten eines Volkes, die Nationen voneinander abgrenzen. Heutzutage sind Kulturen Gefüge mehrerer Identitäten, die sich über Grenzen hinwegsetzen und vermischen.[1]

Die Veränderungen der globalen Prozesse werden durch den Begriff der Transkulturalität erklärt. Diese beschreibt die Verflechtung der Kulturen. Meistens stellt sie eine Folge von Migrationsprozessen dar.[2] Kuba ist für diese Vermischung exemplarisch, weil das Land infolge des Kolonialismus zum Dreh-und Angelpunkt der Sklaverei wurde. Ein anderer Migrationsprozess wird an den Exilanten deutlich, die vor der Kubanischen Militärdiktatur geflohen sind.

Mi patria en el recuerdo

y yo en París clavado

como un blando murciélago ( Nicolás Guillén, Exilio)

In dieser Ausarbeitung werden beide Migrationsprozesse anhand von Gedichts-analysen miteinander in Verbindung gebracht, um Transkulturalität zu erkennen und zu erklären. Dabei handelt es sich zum einen um den Gedichtband

Kubanische Lyrik in Paris. Ínsulas pairo und zum anderen um zwei Gedichte von Nicolás Guillén. Die Gedichte werden auf formaler und inhaltlicher Ebene erläutert und interpretiert. Zudem wird eine Kurzbiografie Guilléns erstellt, um einen Eindruck von Guilléns Leben zu bekommen.

2. Kubanische Lyrik in Paris: ĺnsulas al pairo

ĺnsulas al pairo, eine Anthologie von William Navarrete, vereint Gedichte einer Gruppe zeitgenössischer kubanischer Dichter in einem Buch. Diese Gedichte entstanden allesamt im Exil und spiegeln somit exemplarisch die Gefühle der Exilanten wieder. Das Werk vereint folgende Autoren: Gina Pellón, Eduardo Manet, Nivaria Tejara, Gilda Alfonso, Eyda Machín, Regina Ávila Behrens, Miguel Sales, Lira Campoamor, Carlos A. Casanova, Fernando Núñez und William Navarrete selbst.

Diese Autoren leben und schreiben im Pariser Exil, welches sie persönlichen oder politischen Gründen wählten. Navarrete nahm ihre gemeinsamen Erfahrungen zum Anlass, ein Werk zu veröffentlichen, das nicht durch den Ruhm der vergangenen Exilgeneration, zu der u.a. Severo Sarduy, Nicolás Guillén, Mariano Brull, Armando Godoy und José María de Heredia zählen, überschattet werden sollte.[3]

Aus diesem Buch wird zuerst ein Gedicht von Miguel Sales bearbeitet. In diesem Gedicht setzt sich das Lyrische Ich mit seinem Heimatland Kuba aus der Ferne auseinander.

Darauf folgt das Gedicht von Nivaria Tejera, ¿Dónde están…? Dieses Gedicht spielt inhaltlich in Paris.

3. Miguel Sales: Ahora que el amor

Ahora que el amor

1 Ahora que el amor es un delgado
hilo de acíbar que flota trémulo en el tiempo
y no se aleja,
recuerdo absorto tus frases,
5 las paredes desconchandas, los mugrientos espejos
que repiten interminables el eco luminoso de tu cuerpo
como un solo estallido
de luna y furia y pan entre mis brazos;
ahora que habitas
10 la defintiva distancia del olvido,
puedo por fin hablarte de las cosas
que en mí han muerto
y florecido, y otra vez muerto:
Gestos fijados en dulce teoría ambarina,
15 canción de sal y de rocío.
Desasida. Para hallarte
tendría que inventarme una marea
como tu aliento,
una filigrana de sangre
20 sobre el calor de un cuerpo
cristalino y triste como el tuyo.

¿Decir que te amé, que un día
mordiste mi mano y pusiste
restos de naufragio y claridad cenital
25 en mi sueño hambriento ?

Torno a borrar tu voz con mis palabras
a rehacer tu vientre en la memoria ;
perpetuo juego de musgo y de marfil
bajo mis dedos, como un tañido carnal
30 que cruzara la noche con pasos de felino.

Riela tu cara en los charcos
y por el aire lavado van tus muslos
de seda enloquecida,
dejando su indefenso olor
35 con una frialidad de eléctricas palomas.

Crezco sin horas en tu cintura I
a ras de audaces baldosas amarillas
urdiendo un vacuo dialecto entre las uñas,
una ira apenas promulgada:
40 El rito vertiginoso de los huesos
donde te muerdo el odio y la ternura.

Ya ves : nada he dicho. El viento
pasa en un crujir de estrellas
y tu me colmas, me abrumas, me derrotas
45 de nuevo. Eso es todo.[4]

Jetzt, da die Liebe

1 Jetzt, da die Liebe ein dünner
Faden aus Aloe ist, der zitternd in der Zeit treibt
und nicht verschwindet,
erinnere ich mich hingerissen deiner Phrasen
5 der abgeblätterten Wände, der schmierigen Spiegel
die unaufhörlich den leuchtenden Echo deines Körpers wiedergeben
wie einen einzigen Knall
von Mond und Furie und Brot in meinen Armen
jetzt, da du in der
10 defintiven Distanz des Vergessens wohnst,
kann ich dir endlich über die Dinge erzählen,
die in mir gestorben sind
und wieder auferstanden sind, und wieder starben:
Mienen fixiert in süßer Bernsteintheorie
15 Lied vom Salz und vom Tau.

Losgeseilte. Um dich zu finden
müsste ich Gezeiten erfinden
wie deinen Atem
ein Filigranwerk aus Blut
20 über der Hitze deines Körpers
kristallklar und traurig wie der deinige

Sagen, dass ich dich liebte und, du eines Tages
in meine Hand beißtest? und mir
Reste eines Schiffsbruchs mit der Helligkeit des Zenits
25 in meinen hungrigen Traum streutest?

Ich drehe mich um, um deine Stimme mit meinen Worten zu löschen,
um deinen Leib aus dem Gedächtnis wieder herzustellen
ewiges Spiel aus Moos und Elfenbein
ich senke meine Finger, wie zu einem fleischlichem Klang
30 auf dass er die Nacht durchkreuze mit katzenhaften Schritten

Tauche dein Gesicht in die Pfützen
und in der gewaschenen Luft sind deine Schenkel
aus verrücktgewordener Seide,
ihren wehrlosen Geruch verströmend
35 mit einer Kälte von elektrischen Tauben.

Ich wachse ohne Stunden in deinen Lenden
direkt über den Boden
zettelst du einen leeren Dialekt zwischen den Fingernägenl an
eine Wut, die soeben verkündet wurde:
40 Der schwindelerregende Ritus der Knochen
wo ich deinen Hass und deine Sanftheit beiße

Wie du siehst: ich habe nichts gesagt. Der Wind
zieht vorbei und lässt die Sterne krachen
und du machst das Maß voll, überhäufst mich, zerstörst mich
45 erneut. Das ist alles.

3.1. Aufbau des Textes

In dem Gedicht „ Ahora que el amor “ von Miguel Sales geht es um die Gefühle des Lyrischen Ichs gegenüber seinem Vaterland. Das Gedicht ist in sieben Abschnitte gegliedert. Der erste Abschnitt ist im Gegensatz zu den anderen sehr lang, er umfasst fünfzehn Verse. Die anschließende Strophe besteht aus sechs Versen. Daraufhin folgt ein Abschnitt mit nur vier Versen, der wiederum von zwei Abschnitten gefolgt wird, die jeweils fünf Verse zählen. Die sechste Strophe hat sechs Verse und der letzte erneut vier.

Das Gedicht ist in Einleitung, Hauptteil und Schluss unterteilt.

Der erste Abschnitt leitet das Gedicht ein. Man erkennt, dass das Lyrische Ich in der Gegenwart lebt und aus der jetzigen Warte in die Vergangenheit zurückblickt: »ahora que habitas/ la definitiva distancia del olvido,/ puedo por fin hablarte de las cosas/ que en mi han muerto« (V. 9-12). Im zweiten und dritten Abschnitt denkt das Lyrische Ich über die Möglichkeit nach, in sein Vaterland zurückzukehren, um mit ihm ins Reine zu kommen: »Desasida. Para hallarte/ tendría que inventarme una marea/ como tu aliento,« (V. 16-18). In den beiden darauffolgenden Abschnitten taucht das Lyrische Ich in die Erinnerung an Kuba ein und hat zunächst nur positive Assoziationen damit: »Torno a borrar tu voz con mis palabras,/ a rehacer tu vientre en la memoria;« (V. 26-27). Gleichzeitig aber entsteht ein Kampf zwischen ihm und Kuba: »una ira apenas promulgada: El rito vertiginoso de los huesos/ donde te muerdo el odio y la ternura.« (V. 39-41). Im letzten Abschnitt gibt das Lyrische Ich auf und negiert seinen Dialog mit Kuba: »Ya ves. Nada he dicho. El viento/ pasa en crujir de estrellas/ y tu me colmas, me abrumas, me derrotas/ de nuevo. Eso es todo.« (V. 42-45).

3.2. Aussageinstanz

Das Gedicht ›› Ahora que el amor ‹‹ setzt medias in res ein, so dass der Leser sofort in die Situation mit einbezogen wird. Der erste Abschnitt beschreibt die Erinnerungen des Lyrischen Ichs an sein Vaterland. Das gesamte Gedicht spiegelt die Gedanken des Lyrischen Ichs wieder, dies geschieht in Form eines Monologs. Außerdem stellt das Gedicht eine Konfrontation mit dem Vaterland, mit der Vergangenheit und mit einem System dar: »recuerdo absorto tus frases« (V.4). Innerhalb des Gedichts vollzieht sich ein Perspektivenwechsel. Dieser findet in der vierten Strophe statt, nachdem das Lyrische Ich über seine Heimat reflektiert hat, denn die Strophen fangen nun entweder mit der ersten Person Singular oder mit der zweiten Person Singular an: »Torno tu voz con mis palabras.« (V. 26)»; Riela tu cara en los charcos.« (V. 31); »Crezco sin horas en tu cintura« (V. 36). Erst in der letzten Strophe, nachdem in jedem Abschnitt mehrere Male Personalpronomina der Angesprochenen, also Kuba, im Text vertreten waren, wird das erste und einzige Mal die Insel Kuba mit der direkten Form des Personalpronomens angesprochen: »y tú me colmas, me abrumas, me derrotas« (V.44).

[...]


[1] Vgl.: Welsch, Wolfgang: Transkulturalität, in: Migration und Kultureller Wandel, 45. Jg. (1995).

[2] Vgl.: Ebd.

[3] Vgl.: Ínsulas al pairo : Poesía cubana contemporánea en Paris, hrsg. v. William Navarrete, Cádiz 2004, S. 11 f.

[4] Vgl.: Navarrete, William (Hrsg.): Ínsulas al pairo, S. 67.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Kubanische Lyrik in Paris: „ĺnsulas al pairo“ von William Navarrete
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Romanische Sprachen und Literaturen)
Veranstaltung
Kuba und die karibische Literatur - eine komparatistische Annäherung
Note
2,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
24
Katalognummer
V84147
ISBN (eBook)
9783638002127
Dateigröße
622 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kubanische, Lyrik, Paris, William, Navarrete, Kuba, Literatur, Annäherung
Arbeit zitieren
Isabelle Grob (Autor), 2006, Kubanische Lyrik in Paris: „ĺnsulas al pairo“ von William Navarrete, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84147

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