Es ergibt sich zusammenfassend ein interessanter Befund, denn die Literatur des 19. Jahrhunderts gibt Wahrnehmungen und Bilder dieses Krieges wieder. Bei Johannes Voigt sind die zahlreichsten Bilder zu finden. Er setzt diese ein, um die Leiden und die Verluste, die dieser Krieg hervorgerufen hat, zu beschreiben. Die Bilder sind bei ihm jedoch nur Mittel zum Zweck. Damit hebt sich Voigt von der übrigen Historiographie des 19. Jahrhunderts ab, die entweder wenige oder gar keine Bilder des Dreizehnjährigen Krieges wiedergibt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Hinführung zum Thema und Anlage der Arbeit
1.1. Hinführung: Die Wahrnehmung des Dreizehnjährigen Krieges in der Literatur des 19. Jahrhunderts
1.2. Themenspezifische Erörterungen und Untersuchungsgegenstand
1.3. Forschungsstand
1.4. Quellenlage
2. Der Dreizehnjährige Krieg in Preußen: Vorgeschichte, Verlauf und Folgen
2.1. Die Konfliktlinien zwischen dem Deutschen Orden und den Ständen bis zum Ausbruch des Krieges
2.2. Der Kriegsverlauf
2.3. Der Zweite Thorner Frieden und seine Wirkungen
3. Die Bilder des Krieges in den Chroniken der Kriegsparteien
3.1. „Es half alles nicht, wan ihr herz waren voll gyfft ...“ - die Kriegsgründe
3.2. „Ritter by der staupsawle“ - die Kombattanten und ihre Protagonisten
3.3. „Doch bleiben sy verhartte schelke“ - die Söldner
3.4. Sieg oder Niederlage – die militärischen Kampagnen
3.5. „Keyn dorff noch hofe bleyb nicht stehen“ – Nahrungsmittelsuche und Requirierungen
3.6. Gewalt und Gewaltverzicht
3.7. Kaiser und Papst
4. Die Bilder des Krieges in hansischen Chroniken
4.1. Die Kriegsparteien
4.2. Die Friedensverhandlungen im Jahr 1464
4.3. „Also dat dar vele starff van hunghere unde van smachte ...“ - die Folgen für Land und Leute
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der zeitgenössischen Wahrnehmung und Darstellung des Dreizehnjährigen Krieges (1454–1466) in verschiedenen Chroniken, um die Geschichte dieses Konflikts aus ihrer Zeit heraus zu verstehen und von späteren, ideologisch geprägten Bewertungen zu lösen.
- Analyse und Vergleich der Darstellung des Krieges in verschiedenen Chronikgattungen.
- Untersuchung der sozialen und mentalitätsgeschichtlichen Hintergründe der Kriegsberichterstattung.
- Gegenüberstellung der unterschiedlichen Feindbilder und Legitimationsstrategien der Kriegsparteien.
- Beurteilung der Rolle von Protagonisten wie Heinrich Reuß von Plauen und Hans von Baysen.
- Erforschung der Kriegsfolgen für die Infrastruktur und die Zivilbevölkerung.
Auszug aus dem Buch
3.6. Gewalt und Gewaltverzicht
„Und dy von Rastenburg, dy statt, dy ertrenckten iren pfleger, eyn redlichen man des ordens, [...] . Sust wart ir mhere ertrenckt, ritterbruder und bristerbruder, den got gnade.“ Mit diesem Gewaltakt gibt der Verfasser der „Ersten Fortsetzung“ ein Beispiel für die Verkommenheit der Stände. Bereits kurz nach Kriegsbeginn, am 17. Februar, berichtet er von Vorfällen wie diesem, welche die Gegenseite diskreditieren sollen. Die „Geschichte“ berichtet hingegen von solchen Vorkommnissen nicht, obwohl ein derartiges Verhalten in das Programm des Chronisten gepasst hätte.
Gewaltakte durchziehen die Schilderungen der Chroniken an vielen Stellen. Dem Umstand, dass der Krieg wie Treitschke es schreibt „überreich an allen Greueln“ war, wird man sich nicht verschließen können. Dennoch soll mit der Wiedergabe dieser Bilder nicht der Eindruck erweckt werden, es habe sich beim Mittelalter um eine Zeit gehandelt, in der Gewalt schrankenlos ausgeübt worden ist. Bereits seit dem frühen Mittelalter gab es funktionierende Schranken der Gewalt, die beispielsweise in bestimmten Verhaltensweisen in der Fehdeführung zum Ausdruck kamen. Einige dieser Handlungsweisen lassen sich im Rahmen des Dreizehnjährigen Krieges ausmachen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zum Thema und Anlage der Arbeit: Das Kapitel analysiert die Wahrnehmung des Krieges in der Literatur des 19. Jahrhunderts und definiert den Untersuchungsgegenstand sowie die methodische Herangehensweise an das Thema der mittelalterlichen Wahrnehmung.
2. Der Dreizehnjährige Krieg in Preußen: Vorgeschichte, Verlauf und Folgen: Dieses Kapitel bietet einen Abriss über die Konfliktursachen, den militärischen Verlauf sowie die politischen Konsequenzen des Zweiten Thorner Friedens für das Ordensland.
3. Die Bilder des Krieges in den Chroniken der Kriegsparteien: Eine detaillierte Untersuchung der in den Chroniken des Deutschen Ordens und des Preußischen Bundes präsentierten Feindbilder, Protagonisten und Themen wie Gewalt, Söldnerwesen und Nahrungsmittelbeschaffung.
4. Die Bilder des Krieges in hansischen Chroniken: Dieses Kapitel beleuchtet die Rolle und die Perspektive der Hansestadt Lübeck, die eine Politik der Neutralität verfolgte und den Krieg primär aus wirtschaftspolitischer Sicht betrachtete.
5. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Forschungsergebnisse, die den Konflikt als eine Auseinandersetzung um Herrschaftsansprüche und gegensätzliche Rechtsvorstellungen interpretieren.
Schlüsselwörter
Dreizehnjähriger Krieg, Preußen, Deutscher Orden, Preußischer Bund, Söldnerwesen, Chronistik, Wahrnehmung, Gewalt, Fehde, Hansestädte, Lübeck, Marienburg, Heinrich Reuß von Plauen, Hans von Baysen, Zweiter Thorner Frieden
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Hausarbeit untersucht, wie der Dreizehnjährige Krieg in Preußen von zeitgenössischen Chronisten wahrgenommen und in deren Schriften dargestellt wurde.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die Ursachen des Konflikts, die Rolle von Söldnern, das Bild der Kombattanten, die militärischen Auseinandersetzungen, die Gewaltproblematik sowie die Rolle von Kaiser und Papst.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Ziel ist es, die historischen Ereignisse aus der Sicht der Zeitgenossen zu erfassen und die spätere, oft ideologisch gefärbte Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Autorin oder der Autor nutzt eine quellenkritische Analyse der Chroniken der Kriegsparteien sowie hansischer Quellen, eingebettet in den Kontext der Sozial- und Mentalitätsgeschichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert, wie die verschiedenen Chroniken durch Polarisierung, Propaganda und religiöse Deutungsmuster ihre jeweilige Sicht auf den Konflikt und seine Akteure konstruieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Besonders prägend sind Begriffe wie Preußischer Bund, Deutscher Orden, Wahrnehmung, Fehde und das Konzept des Verrats, wie es in den Chroniken verwendet wurde.
Wie unterscheidet sich die Darstellung in den Ordenschroniken von der Danziger Chronik?
Während die Ordenschroniken die Stände als Verräter an ihrem rechtmäßigen Landesherrn diffamieren, deuten die Danziger Chroniken den Aufstand als notwendigen Widerstand gegen einen moralisch verfallenen und korrupten Orden.
Welche Rolle spielt Heinrich Reuß von Plauen in den Darstellungen?
Er wird von den Ordenschronisten als heldenhafter Verteidiger und loyaler Akteur verherrlicht, während er in der Danziger Chronik als eine Inkarnation der ständefeindlichen und hinterlistigen Politik des Ordens wahrgenommen wird.
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- Tobias Thiel (Author), 2005, Der Dreizehnjährige Krieg in Preußen - Wahrnehmungen und Erfahrungen eines spätmittelalterlichen Söldnerkrieges, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84156