Der Buddhismus entwickelte sich ursprünglich auf dem indischen Subkontinent, wo der Legende nach Siddhartha Gautama, Prinz aus dem nordindischen Fürstentum Kapilavastu, im sechsten Jahrhundert v. Chr. Bodhi (Erwachen) erreicht haben soll und somit zum Buddha (Erwachter) wurde. […] Ausgehend von der nordindischen Heimat Siddharthas verbreitete sich der Buddhismus zunächst auf dem indischen Subkontinent, in Sri Lanka und Zentralasien und gelangte später in die Länder Ost- und Südostasiens, woraufhin sich verschiedene buddhistische Traditionen entwickelten. Die Hauptrichtungen des Buddhismus allerdings sind der Hinayana (kleines Fahrzeug), der Mahayana (großes Fahrzeug) und der Vajrayana (Donnerkeil-, Diamant-Fahrzeug), der häufig als tibetischer Buddhismus bezeichnet wird und eigentlich eine Unterform des Mahayana ist. In der heutigen Zeit ist der Theravada (Lehre der Ältesten) die einzige noch bestehende Schule der verschiedenen Richtungen des Hinayana und vor allem in Süd- bzw. Südostasien (z.B. Sri Lanka, Myanmar, Thailand, Laos, Kambodscha) verbreitet, während der Mahayana als sozusagen nördlicher Buddhismus in der Himalaya-Region, in Tibet, Bhutan, Nepal oder auch der Mongolei zu finden ist. […] Im Gegensatz zur Hinayana- bzw. Theravada-Tradition, in der das Erreichen von Bodhi durch eigenes Bemühen im Vordergrund steht, nimmt im Mahayana das Bodhisattva-Ideal eine zentrale Rolle ein. Gleichzeitig wird hier – im deutlichen Unterschied zur ursprünglichen Lehre – Buddha vom Stand eines religiösen Lehrers in den Status eines göttlichen Erlösers erhoben. Bestehen bleibt allerdings die Theorie der Wiedergeburt, wonach der historische Buddha als letzte Inkarnation des Adi-Buddha, sozusagen des Urbuddha, angesehen wird. […] Sowohl in der Auffassung des Mahayana, als auch in der des Hinayana bzw. dessen heutiger Form des Theravada gilt Maitreya als derzeitiger Bodhisattva und zukünftiger Buddha, wobei er der letzte in einer Reihe von fünf bzw. acht Buddhas sei. […] In der folgenden Arbeit geht es vor allem um die Untersuchung der Ikonographie des zukünftigen Buddha anhand seiner Darstellungen (insbesondere auf Reliefen der Gandharakunst), wobei Maitreya durch besondere ikonographische Merkmale von anderen Bodhisattvas abgegrenzt werden soll.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Maitreya – der zukünftige Buddha
2. Beschreibung Maitreyas in der Literatur
3. Darstellung Maitreyas in der Kunst
4. Problematiken der Maitreya-Ikonographie
4.1 StÚpa als Maitreyas Element?
4.1.1 Untersuchung der Legende von Fa-hsien und Hsüan-tsang
4.1.2 Untersuchung des Legendenursprungs im DivyÁvadÁna
4.1.3 Objektstudien zu dieser Problematik
4.1.4 Schlussfolgerungen zu dieser Problematik
4.2 Maitreya – der Bodhisattva mit dem Fläschchen?
4.2.1 Objektstudien zu dieser Problematik
4.2.2 Untersuchung kontroverser Reliefdeutungen
4.2.2.1 Maitreya im TuÒitahimmel
4.2.2.2 SiddhÁrthas Weltflucht
4.2.2.3 SiddhÁrtha im TuÒitahimmel
4.2.3 Schlussfolgerungen zu dieser Problematik
Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ikonographie des Bodhisattva Maitreya und analysiert kritisch die Problematik seiner eindeutigen Identifizierung in der buddhistischen Kunst, insbesondere unter Berücksichtigung der Abgrenzung zu Buddha Siddhártha.
- Ikonographische Bestimmungsmerkmale von Maitreya (Wasserfläschchen, Frisur, StÚpa-Symbol).
- Kritische Analyse von Legendenbildungen und deren Einfluss auf die kunsthistorische Deutung.
- Untersuchung von Gandhára-Reliefs und deren ikonographische Einordnung.
- Abgrenzung der Bodhisattva-Identitäten Siddhártha und Maitreya im Kontext verschiedener Lebenslegenden.
- Methodische Reflexion zur interdisziplinären Verknüpfung von Literatur und Bildkunst.
Auszug aus dem Buch
4.2.2.3 SiddhÁrtha im TuÒitahimmel
Nachdem Lobo die irrtümliche Deutung von Foucher aufgeklärt hat, eröffnet sich ihr nun die Möglichkeit, die eingangs betrachteten Darstellungen einer überzeugenderen Logik entsprechend als Episoden des Bodhisattva SiddhÁrtha im TuÒitahimmel zu interpretieren. Zur Bekräftigung ihrer Meinung zieht sie darüber hinaus die Aussagen verschiedener Texte heran, die von der Lebenslegende des Buddha ÏÁkyamuni berichten, wie z.B. den MahÁvastu, den Lalitavistara sowie die tibetischen und chinesischen Fassungen des Sanskritkanons.
„Es wird dort erzählt, dass sich der Bodhisattva, gemeint ist stets der zukünftige Buddha ÏÁkyamuni, im TuÒitahimmel aufhält. Als er erkennt, dass seine Zeit gekommen ist, stellt er die fünf Betrachtungen über seine Menschwerdung an und teilt sie den Göttern des TuÒitahimmels mit. Er setzt sich auf einen Thron – im Lalitavistara eingehend beschrieben, in der von S. Beal übersetzten chinesischen Fassung des MÚlasarvÁstivÁda-Vinaya explizit als Löwenthron bezeichnet – versammelt viele tausend ApsarÁs, Welthüter, Ïakras und BrahmÁs um sich und belehrt sie über die 108 Pforten des Gesetzes.“
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung bietet einen historischen Abriss der buddhistischen Entwicklung und der Entstehung des Maháyána-Buddhismus unter der Herrschaft der Kúshánas.
1. Maitreya – der zukünftige Buddha: Dieses Kapitel erläutert den Status von Maitreya als Bodhisattva und künftiger Buddha im buddhistischen Kontext und in den Überlieferungen über vergangene und kommende Buddhas.
2. Beschreibung Maitreyas in der Literatur: Hier wird der literarische Ursprung und die schriftliche Überlieferung zu Maitreya diskutiert sowie die Rolle von ikonographischen Attributen in den Quellen untersucht.
3. Darstellung Maitreyas in der Kunst: Dieses Kapitel vergleicht literarische Beschreibungen mit der tatsächlichen künstlerischen Umsetzung, insbesondere in der Kunst der Kushána-Periode in Gandhára.
4. Problematiken der Maitreya-Ikonographie: Das Hauptkapitel analysiert kritisch die ikonographischen Identifizierungsmerkmale Maitreyas wie das StÚpa-Symbol und das Wasserfläschchen anhand von Reliefstudien und Legenden.
Resümee: Das Resümee fasst die Schwierigkeiten bei der eindeutigen Bestimmung von Maitreya-Darstellungen zusammen und plädiert für einen vorsichtigen, hinterfragenden Umgang mit bestehenden kunsthistorischen Deutungen.
Schlüsselwörter
Maitreya, Bodhisattva, Buddhismus, Ikonographie, Gandhára, Siddhártha, Wasserfläschchen, StÚpa, Kushána, TuÒita, Kunstgeschichte, Relief, Legende, Identifizierung, Weltflucht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die ikonographische Darstellung des Bodhisattva Maitreya und die damit verbundenen Probleme seiner eindeutigen Identifizierung in der buddhistischen Kunst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Rolle Maitreyas als zukünftiger Buddha, der Vergleich mit Siddhártha, die Analyse von Ikonographie-Merkmalen wie das Wasserfläschchen und die kritische Auseinandersetzung mit kunsthistorischen Interpretationen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum eine zweifelsfreie Identifizierung von Maitreya-Darstellungen aufgrund von Überschneidungen mit anderen Bodhisattva-Darstellungen, speziell Siddhártha, oft problematisch ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine methodische Analyse, die ikonographische Objektstudien (Reliefs) mit der Auswertung von buddhistischer Literatur und historischer Legendentraditionen verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zwei spezifische ikonographische Problematiken vertieft: das StÚpa-Element in der Krone und die Deutung von Szenen als "Maitreya im TuÒitahimmel" versus "Siddhártha".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Maitreya, Gandhára, Ikonographie, Bodhisattva, Siddhártha und kritische Interpretation beschreiben.
Welche Rolle spielt das Wasserfläschchen bei der Identifizierung?
Obwohl es als brahmanisches Merkmal lange Zeit als sicheres Kennzeichen für Maitreya galt, zeigt die Arbeit auf, dass es auch bei Siddhártha vorkommt und somit allein keine eindeutige Zuweisung erlaubt.
Wie bewertet die Autorin die Deutung des Sikri-Reliefs durch Foucher?
Die Autorin stützt sich auf Wibke Lobo, die Fouchers Deutung des Sikri-Reliefs als "Maitreya im TuÒitahimmel" infrage stellt und stattdessen für eine Einordnung in den Kontext von Siddhárthas Lebenslegende plädiert.
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- Diana Bryg (Author), 2007, Maitreya - Der zukünftige Buddha, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84174