Die Berücksichtigung von Steuern in Investitionskalkülen

Darstellung und kritische Würdigung


Diplomarbeit, 2007

99 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Aufbau der Diplomarbeit

2. Unternehmensziele und Investitionskalküle
2.1 Der Stakeholder-Ansatz
2.2 Der Shareholder Value-Ansatz

3. Die betriebliche Investitionsentscheidung
3.1 Der Investitionsbegriff
3.2 Erscheinungsformen von Investitionen
3.3 Methoden der Investitionsrechnung in der Praxis
3.4 Verfahren der Investitionsrechnung
3.4.1 Statische Verfahren
3.4.2 Dynamische Verfahren
3.4.2.1 Kapitalwertmethode
3.4.2.2 Annuitätenmethode
3.4.2.3 Interner Zinssatz-Methode
3.4.2.4 Dynamische Amortisationsrechnung
3.4.2.5 Vermögensendwertmethode
3.4.2.6 Kritische Sollzinssatzmethode
3.4.2.7 Vollständige Finanzpläne
3.5 Bestimmung des einheitlichen Zinskalküls

4. Der steuerliche Einfluss im Unternehmen
4.1 Abgrenzung
4.2 Steuerbelastung und Steuersatz
4.2.1 Steuerbelastung
4.2.2 Steuersatz
4.3 Steuerarten
4.3.1 Erfolgsunabhängige Steuern
4.3.2 Erfolgsabhängige Steuern
4.3.2.1 Einkommensteuer
4.3.2.2 Körperschaftsteuer
4.3.2.3 Gewerbesteuer
4.4 Veränderungen der steuerlichen Bemessungsgrundlage

5. Steuern im Investitionskalkül
5.1 Zurechnungsproblematik
5.2 Annahmen
5.3 Herleitung eines einheitlichen Ertragsteuersatzes
5.3.1 Personenunternehmen
5.3.2 Kapitalgesellschaften

6. Methoden der steuerlichen Integration
6.1 Kapitalwertmethode mit ertragsteuerlicher Berücksichtigung
6.2 Modelle mit korrigierter Zahlungsreihe
6.2.1 Basismodell
6.2.1.1 Verfahrensbeschreibung
6.2.1.2 Exemplarische Darstellung
6.2.1.3 Modellbeurteilung
6.2.2 Zinsmodell
6.3 Modelle mit korrigiertem Kalkulationszinsfuß und korrigierter Zahlungsreihe
6.3.1 Standardmodell
6.3.2 Standard- und Zinsmodell im Vergleich
6.3.3 Equity- bzw. Nettomethode
6.3.3.1 Verfahrensbeschreibung
6.3.3.2 Finanzierungsregeln
6.3.3.3 Exemplarische Darstellung
6.3.3.4 Modellbeurteilung
6.4 Modell mit korrigiertem Kalkulationszinsfuß – Bruttomethode
6.4.1 Verfahrensbeschreibung
6.4.2 Modifizierte Bruttomethode
6.4.3 Exemplarische Darstellung
6.4.4 Modellbeurteilung
6.5 Vollständige Finanzpläne
6.5.1 Steuer- und Finanzierungs-Cash Flow
6.5.2 Verfahrensbeschreibung
6.5.3 Exemplarische Darstellung
6.5.4 Modellbeurteilung

7. Das Steuerparadoxon
7.1 Ausgangssituation
7.2 Das Steuerparadoxon im weiteren und im engeren Sinne
7.3 Auflösung im Endwertmodell
7.3.1 Eigenfinanzierung
7.3.2 Fremdfinanzierung

8. Fazit

V. Anhang

VI. Literaturverzeichnis

II. Verzeichnis der Abbildungen

Abbildung 1: Die Anspruchsgruppen, ihre Ansprüche und ihre Beiträge

Abbildung 2: Investitionsarten nach dem Objektkriterium

Abbildung 3: Investitionsarten nach dem Kriterium des Investitionsanlasses

Abbildung 4: Statistik über die Investitionsrechnungsverfahren bei
Großunternehmen

Abbildung 5: Verfahren der statischen Investitionsrechnung

Abbildung 6: Dynamische Verfahren zur Vorteilhaftigkeitsbeurteilung

Abbildung 7: Konzeptionelles Schema der vollständigen Finanzpläne

Abbildung 8: „Standard“-VOFI

Abbildung 9: Schematische Darstellung der Abgabenarten

Abbildung 10: Tarifzonen der Einkommensteuer

Abbildung 11: Staffeltarif für Einzelgewerbetreibende und Personengesellschaften bei der Gewerbesteuer

Abbildung 12: Möglichkeiten zur Berücksichtigung von Ertragsteuern in Investitionskalkülen

Abbildung 13: Standardmodell und Zinsmodell im Vergleich

Abbildung 14: Berücksichtigung von Finanzierungs- und Wiederanlageeffekten im Steuer- und Finanzierungs-Cash Flow

Abbildung 15: Nebenrechnung zur Ermittlung der Abschreibungen

Abbildung 16: Nebenrechnung zur Ermittlung der Steuerzahlungen bzw. -erstattungen

Abbildung 17: Endvermögen der Investition und der Alternativanlage vor und nach Steuern bei Eigenfinanzierung

Abbildung 18: Vollständige Finanzpläne im Nicht-Steuer- und Steuerfall bei Fremdfinanzierung

III. Verzeichnis der Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

I. Verzeichnis der Symbole

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Investitionsentscheidungen zählen im Unternehmen zu den wichtigsten und zugleich am schwierigsten zu treffenden Entscheidungen. Investitionen dienen als strategisches Mittel, um den betrieblichen Produktionsprozess zu verbessern und/oder zu erweitern. Aufgrund ihrer längerfristigen Folgen, ihrer hohen Kapitalbindung und Interdependenzen mit anderen Teilbereichen des Betriebes, wirken Investitions-entscheidungen auf den Erfolg oder Misserfolg des Gesamtbetriebes. Ziel ist es daher, sowohl national als auch je nach Unternehmen international wettbewerbs- und ertragsfähig zu bleiben. Die Investitionsentscheidung wird mit der Hilfe der Investitionsrechnung getroffen. Die Investitionsrechnung beinhaltet dabei Methoden, mit denen die erwarteten Folgen von Investitionen in Bezug auf quantifizierbare Interessen beurteilt werden können. Es gilt eine Vielzahl von Einflussfaktoren mit in die Entscheidungsfindung einzubeziehen. Ein wichtiger Einflussfaktor stellt die steuerliche Belastung des Unternehmens dar. Die aktuelle Debatte um den Wirtschaftsstandort Deutschland zeigt die Bedeutung dieser Thematik. Im Frühjahr 2006 wurden mit dem Haushaltsbegleitgesetz 2006 (welches u. a. die Erhöhung des allgemeinen Umsatzsteuersatzes von 16 Prozent auf 19 Prozent beinhaltet) und dem Steueränderungsgesetz 2007 (mit der Einführung der sog. „Reichensteuer“ und der Kürzung der Pendlerpauschale) zum 01. Januar 2007 die größte Steuererhöhung in der deutschen Nachkriegsgeschichte verabschiedet. Ab dem Veranlagungszeitraum 2007 wird dabei der Einkommensteuerspitzentarif von 42 auf 45 Prozent angehoben. Für 2007 bleibt der Spitzensteuersatz für die Gewinneinkünfte (Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb, selbständige Tätigkeit) zunächst unverändert. Ziel der Steuererhöhung ist es einzig und allein vorhandene Haushaltslöcher des Bundes und der Länder „zu stopfen“. Gleichzeitig verlagert eine steigende Anzahl von Unternehmen die Produktion oder Teile hiervon in das kostengünstigere osteuropäische oder asiatische Ausland. Hauptmotiv der Produktionsverlagerungen sind die unbefriedigenden Bedingungen am Standort Deutschland. Hierzu zählen insbesondere die hohen Steuern und Abgaben sowie die hohen Arbeitskosten und Belastungen durch Bürokratie[1]. Diese Diplomarbeit setzt sich mit der Problematik des steuerlichen Einflusses auf die Investition und der damit zu treffenden Investitionsentscheidung auseinander.

Es ist notwendig auch die steuerlichen Konsequenzen, die durch Investitionen ausgelöst werden, mit in die Vorteilhaftigkeitsberechnung einzubeziehen. Dieser Einbezug wird in dieser Diplomarbeit aufgezeigt. Ziel dieser Diplomarbeit ist es, die Problematik der Berücksichtigung von Steuern in Investitionskalkülen darzulegen und durch verschiedene Modellbeispiele mögliche Lösungen aufzuzeigen, um die Steuerbelastung mit in das Investitionskalkül einzubeziehen. Diese Modelle werden dabei kritisch betrachtet und mögliche Lösungen aufgezeigt. Die Betrachtung erfolgt anhand sicherer Erwartungen hinsichtlich der bewerteten Rückflüsse.

1.2 Aufbau der Diplomarbeit

Zu Beginn dieser Diplomarbeit werden im zweiten Kapitel die Zusammenhänge der betrieblichen Investitionsentscheidung und der unternehmerischen Zielsetzung dargelegt. Die daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen finden Einfluss auf die Entscheidungsfindung im Rahmen der Investitionsrechnung. Im dritten Kapitel werden die Grundlagen der betrieblichen Investitionsrechnung vorgestellt. Hierbei wird der Investitionsbegriff definiert und die praktische Relevanz der Investitionsrechnung dargestellt. Abschließend werden die verschiedenen Verfahren zur Vorteilhaftigkeitsberechnung vorgestellt und der zu verwendende Kalkulationszinsfuß näher betrachtet. Das vierte Kapitel setzt sich mit den für diese Diplomarbeit relevanten Grundlagen der betrieblichen Steuerlehre auseinander. Hier werden die verschiedenen Steuerarten, die Einfluss auf das Investitionsvorhaben nehmen, abgegrenzt und die relevanten Steuerarten näher erörtert. Anschließend erfolgt eine Betrachtung der möglichen Maßnahmen, mit denen die Bemessungsgrundlage für die steuerliche Gewinnermittlung verändert werden kann.

In den Kapiteln fünf bis sieben wird die Problematik der Steuern in Investitionskalkülen näher untersucht. Im fünften Kapitel wird zunächst die Zurechnungsproblematik von Steuern auf das einzelne Investitionsvorhaben erörtert. Hieraus abgeleitete Annahmen ermöglichen dann die Herleitung eines einheitlichen Ertragsteuersatzes zur Ermittlung der Gesamtsteuerbelastung. Dabei wird dieser unter Zunahme eines Beispieles jeweils für Personenunternehmen und Kapitalgesellschaften ermittelt. Im sechsten Kapitel werden dann die verschiedenen Modelle zur Integration von Steuern in das Investitionskalkül erörtert.

Die Kapitalwertmethode wird in diesem Zusammenhang stellvertretend für die Barwertmodelle verwendet und die vollständigen Finanzpläne werden für die Endwertbetrachtung näher erläutert. Zum besseren Verständnis werden die vorgestellten Modelle mit exemplarischen Darstellungen konkretisiert und abschließend kritisch betrachtet. Die thematische Abhandlung schließt mit dem siebten Kapitel, in dem das sog. „Steuerparadoxon“ erörtert wird. Beim Steuerparadoxon tritt das Phänomen auf, dass durch die Berücksichtigung von Steuern im Investitionskalkül scheinbar aus unvorteilhaften Investitionsvorhaben vorteilhafte werden. Durch Verwendung einer beispielhaften Ausgangssituation wird das Steuerpardoxon unter den Aspekten der Eigen- bzw. Fremdfinanzierung betrachtet und die scheinbare „Paradoxie“ wird im Vermögensendwertmodell aufgelöst.

2. Unternehmensziele und Investitionskalküle

Dieses Kapitel belegt die Notwendigkeit einer eindeutigen Zielsetzung für betriebliche Entscheidungsprozesse. Nur dadurch kann bei einer Investitionsentscheidung eine der Zielsetzung entsprechenden Lösung gefunden werden. Hierzu werden die zwei in der Literatur gängigen Zielkonzeptionen, der Stakeholder-Ansatz und der Shareholder-Ansatz, vorgestellt. Die hier erläuterten Ausführungen bilden die konzeptionelle Grundlage der weiteren Kapitel. Bei dieser Zielsetzung geht es primär darum, ein Oberziel im Unternehmen zu finden, bei dem der monetäre Zahlungsstrom (Geldstrom) relevant ist. Das bedeutet, dass nicht-monetäre Ziele wie Macht oder Ruf zwar einen Nutzen für das Unternehmen haben, jedoch bei der Entscheidung, insb. bei der Investitionsentscheidung, keinen unmittelbaren Einfluss haben[2]. Im Folgenden werden die zwei Konzeptionen näher erläutert.

2.1 Der Stakeholder-Ansatz

Der Stakeholder-Ansatz geht von verschiedenen Anspruchsgruppen aus. Diese wirken unterschiedlich auf das Unternehmen ein. Die Abbildung 1 gibt einen Überblick über die wesentlichen Anspruchsgruppen und zeigt ihren Beitrag zum Unternehmen:

Der Beitrag der einzelnen Anspruchsgruppen macht es notwendig, dass bei der Formulierung von Firmenzielen im Stakeholder-Konzept, die mitunter gegensätzlichen Interessen aller beteiligten Gruppen, berücksichtigt werden. So ergibt sich z. B. die Problematik, dass sich Fremdkapitalgeber ein möglichst geringes Risiko wünschen und Eigenkapitalgeber ein höheres Risiko akzeptieren. Zudem müsste allen Gruppen, insb. den Arbeitnehmern, eine Beteiligung an der Unternehmensführung ermöglicht werden[3]. Diese verschiedenen Interessensvertretungen hätten wiederum Einfluss auf die zu treffende Investitionsentscheidung.

Der entscheidende Schwachpunkt des Stakeholder-Konzeptes liegt genau in dieser Vielfältigkeit der Interessen und der damit verbunden mangelnden Durchsetzbarkeit. Eine auf dem Stakeholder-Ansatz basierende Entscheidungsfindung würde z. B. unökonomische Diversifikationen oder Überinvestitionen in schrumpfende Geschäftsbereiche rechtfertigen[4]. Eine über diesen Ansatz gefundene Entscheidung birgt jedoch langfristig wirtschaftliche Gefahren für das Unternehmen.

2.2 Der Shareholder Value-Ansatz

Im Gegensatz zum Stakeholder-Ansatz steht der Shareholder Value-Ansatz. Der Kern dieses Ansatzes liegt im Erwirtschaften von „ Cash[5] und langfristigen Cash Flows[6]. Damit ist die langfristige Maximierung des Eigenkapitals bzw. Reinvermögens gemeint, wobei eine positive Reinvermögensveränderung als Gewinn und eine negative als Verlust bezeichnet wird[7]. Gewinn ist hier nicht als beeinflussbares Rechenwerk der Finanzbuchhaltung zu sehen, sondern als Cash Flow in Form von langfristiger Dividendenzahlung an die Eigentümer (die sog. Shareholders)[8]. Dabei geht der Shareholder Value-Ansatz in seinen Anforderungen ggü. dem der langfristigen Gewinnmaximierung in seinen Ansätzen weiter hinaus. Als Beispiel sind folgende zwei Punkte zu nennen: - Der erwartete Gewinn muss größer sein als die Mindestverzinsung des EK.

- Die Mindestverzinsung ist abhängig vom Risiko, dass die Eigenkapitalgeber übernehmen[9].

Unter diesen Annahmen lässt sich das erweiterte Konzept der langfristigen Gewinnmaximierung als Basisannahme für die betriebliche Entscheidung im Allgemeinen und für die Investitionsentscheidung im Besonderen festhalten. Dieses lässt sich theoretisch damit begründen, dass die meisten Interessensgruppen, wie z. B. die Arbeitnehmer oder die Fremdkapitalgeber, nur ein begrenztes oder gar kein Risiko tragen und ihre Leistung entsprechend vergütet wird und z. B. durch Bürgschaften weiter abgesichert ist. Im Gegensatz dazu steht das höchste Risiko auf Seiten der Eigenkapitalgeber. Im Fall einer Liquidierung ist deren Einlage nicht abgesichert. Daher sollten die Gewinne, nach Abgeltung der kurzfristigen primären Ansprüche Dritter, den Eigenkapitalgebern zustehen[10].

Zielkonflikte entstehen im Gegensatz zum Stakeholder-Konzept durch die klare Vorgabe der langfristigen Gewinnmaximierung als primäres Unternehmensziel nicht. Es können klare und eindeutige Entscheidungen getroffen werden. Die langfristige Gewinnmaximierung stellt im weiteren Verlauf dieser Diplomarbeit das oberste Ziel für die zu treffende Investitionsentscheidung dar. Die im folgenden Kapitel vorgestellten Instrumente zur Berechnung der Vorteilhaftigkeit einer Investition berücksichtigen diese Zielsetzung in den Entscheidungsregeln. Es wird dabei jeweils das Investitionsprojekt ausgeführt, was der Zielsetzung der langfristigen Gewinnmaximierung entspricht. Damit wird eine klare Ausgangsbasis geschaffen, um eine Aussage für oder gegen ein Investitionsvorhaben treffen zu können[11]. Nur Investitionsvorhaben die mit der Zielsetzung konform sind, gelten als Vorteilhaft.

3.Die betriebliche Investitionsentscheidung

Dieses Kapitel setzt sich mit den Grundlagen der Investitionsentscheidung auseinander. Im Folgenden wird der Investitionsbegriff bestimmt und das Kapitel 3.3 zeigt statistische Daten zur Anwendung der verschiedenen Möglichkeiten der Investitions-rechnung. Diese werden anschließend vorgestellt und es wird auf ihre Besonderheiten eingegangen. Abschließend erfolgt in diesem Kapitel die Betrachtung über die Höhe des Kalkulationszinsfußes in den Verfahren der Investitionsrechnung.

3.1 Der Investitionsbegriff

Zur genauen Betrachtung von Investitionen ist es erforderlich eine Begriffsbestimmung vorzunehmen. In der Literatur existiert keine einheitliche Definition. Es werden dabei verschiedene Blickwinkel zum Investitionsbegriff unterschieden. Investitionen lassen sich sowohl als Vorgang definieren als auch als Zustand. Der für diese Diplomarbeit relevante Vorgang ist der des Zahlungsstromes. Da sich diese Arbeit thematisch mit Investitionskalkülen auseinandersetzt, setzt dieses einen Zahlungsstrom zur Bewertung voraus. Der Zahlungsbestimmende Investitionsbegriff lässt sich wie folgt definieren[12]: Zahlungsbestimmender Investitionsbegriff

Dieter Schneider charakterisiert die Investition als einen Zahlungsstrom bzw. als einen Vorgang, der mit der Ausgabe von finanziellen Mitteln in das Investitionsobjekt beginnt und im Weiteren Zeitablauf Einnahmen (und auch Ausgaben) erwarten lässt. Durch diesen Strom lassen sich Investitionen in Kalkülen erfassen und bewerten. Analog dazu ist der Begriff der Finanzierung zu sehen. Finanzierung wird als Zahlungsstrom definiert, der mit einer Einnahme (Kreditauszahlung) beginnt und im weiteren Zeitablauf Ausgaben (Zins und Tilgung) erwarten lässt[13].

Dieser Zahlungsstrom der Investition wird dann in den verschiedenen Methoden der Investitionsrechnung erfasst. Mit dem ermittelten Ergebnis kann dann eine Aussage über die Vorteilhaftigkeit der Investition getroffen werden.

3.2 Erscheinungsformen von Investitionen

Investitionen lassen sich hinsichtlich verschiedener Aspekte einordnen. Auf zwei dieser Aspekte wird hier näher eingegangen. Zum einen lassen sich Investitionen nach ihrem Objektbezug unterscheiden, d. h. es wird der Frage nach dem „worin investiert wird“ nachgegangen. Die Abbildung 2 zeigt einen Überblick über die Möglichkeiten zur Einteilung von Investitionen bezogen auf das Objekt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Investitionsarten nach dem Objektkriterium

Quelle: Götze, Uwe und Bloech, Jürgen: Investitionsrechnung. Modelle und Analysen zur Beurteilung von Investitionsvorhaben. 4., durchgesehene Auflage. Berlin, u. a. Springer-Verlag, 2004. S. 7.

Investitionen können zwischen Finanzinvestitionen und Realinvestitionen unterschieden werden. Bei Finanzinvestitionen erfolgt die Kapitalbindung in finanziellen Anlageformen bei Banken oder Fondsgesellschaften, wie z. B. in Schatzbriefen oder Beteiligungen. Diese Anlageformen können entweder spekulativ (kurzfristig) oder anlageorientiert (langfristig) im Betriebsvermögen gehalten werden. Dabei wird mit kurzfristig i. d. R. ein Zeitraum von unter einem Jahr beschrieben. Realinvestitionen werden dagegen in materielle Investitionen (bzw. Sachinvestitionen) und in immaterielle Investitionen unterschieden. Immaterielle Investitionen sind z. B. Investitionen in Forschung und Entwicklung oder Aus- und Weiterbildung und haben nicht immer einen direkten Gegenwert in Form von Sachgütern. Die materiellen Güter betreffen den Bereich des Produktionsfaktors Betriebsmittel (Maschine, Grundstücke, Fahrzeuge u. ä.)[14].

Des Weiteren lassen sich Investitionen neben dem Objektbezug auch des Zweckes wegen unterscheiden. Die Abbildung 3 auf der nächsten Seite zeigt die Unterscheidung im Überblick.

Errichtungsinvestitionen stellen in diesem Zusammenhang die Grundlage der unternehmerischen Tätigkeit an einem bestimmten Standort dar. Errichtungsinvestitionen können z. B. durch die Neugründung oder durch die Errichtung einer Zweigstelle erfolgen. Zu den laufenden Investitionen zählen Ersatzinvestitionen und Großreparaturen. Es wird von einer reinen Ersatzinvestition gesprochen, wenn das vorhandene Betriebsmittel durch ein identisches Objekt ersetzt wird. In der Praxis ist dies häufig nicht der Fall. Hier wird das Objekt durch ein verbessertes und nicht-gleichartiges Betriebsmittel ersetzt[15].

Ergänzungsinvestitionen beziehen sich auf die schon vorhandenen Betriebsmittel an einem Standort. Erweiterungsinvestitionen erhöhen die Leistungsfähigkeit des Unternehmens. Veränderungsinvestitionen haben die Modifikation vorhandener Merkmale zur Folge. Rationalisieren beinhaltet primär Kostenverringerung, Umstellungsinvestitionen bedeutet die Anpassung an die vorhandenen Absatzmengen. Diversifikationsinvestitionen stellen die Vorbereitung auf eine Veränderung des Absatzprogramms dar. Diese grundsätzlichen Unterscheidungsmöglichkeiten von Investitionen erweisen sich in der Praxis jedoch als schwierig, da die Grenzen der einzelnen Kriterien häufig ineinander übergehen[16].

3.3 Methoden der Investitionsrechnung in der Praxis

Eine Studie[17] über die verschiedenen Methoden der Investitionsrechnung ergab, dass bei Klein- und Mittelbetrieben noch hauptsächlich statische Verfahren[18] eingesetzt werden. Lediglich Großunternehmen nutzen überwiegend die dynamischen Verfahren. Bei den statischen Verfahren wird nur ein eingeschränkter Zeitraum der Investition betrachtet, während dynamische Verfahren den gesamten Planungshorizont analysieren. Die von Hans-Wilhelm Grabbe durchgeführte empirische Untersuchung kam 1974 zu dem Ergebnis, dass 40 Prozent der befragten Unternehmen ihre Investitionsentscheidung nur auf Basis statischer Methoden treffen. Entsprechend nutzen 60 Prozent dynamische Verfahren, wobei diese auch zusätzlich statische Methoden nutzen. Eine Folgeuntersuchung 1985 von Klaus-Dieter Däumler ergab, dass nur noch 23 Prozent der befragten Großunternehmen ausschließlich statische Verfahren nutzen würden. Dagegen wenden zu diesem Zeitpunkt 77 Prozent dynamische Verfahren zur Bestimmung der Vorteilhaftigkeit an. Von diesen Unternehmen rechnen aber weniger als ein fünftel ausschließlich mit dynamischen Verfahren. Die meisten Unternehmen stützen ihre Investitionsentscheidung zusätzlich auf statische Verfahren[19]. Später durchgeführte Untersuchungen bestätigten den Trend zu den dynamischen Verfahren[20]. Die Abbildung 4 zeigt diese Entwicklung im Überblick:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Statistik über die Investitionsrechnungsverfahren bei Großunternehmen

Quelle: In Anlehnung an: Däumler, Klaus-Dieter: Grundlagen der Investitons- und Wirtschaftlichkeitsrechnung 11., neubearbeitete Auflage, Herne und Berlin. Verlag Neue Wirtschafts-Briefe, 2003. S. 28.

3.4 Verfahren der Investitionsrechnung

In diesem Kapitel wird auf die schon teilweise erwähnten Verfahren der Investitionsrechnung eingegangen. Diese Verfahren werden getrennt nach statischen und dynamischen Kriterien näher erörtert. Das gemeinsame Ziel aller betrachteten Verfahren ist es, eine eindeutige Aussage über die Vorteilhaftigkeit einer Investition zu treffen und gleichzeitig im Sinne der langfristigen Gewinnmaximierung zu entscheiden.

3.4.1 Statische Verfahren

Wie die Ausführungen aus dem vorherigen Kapitel gezeigt haben, sind statische Methoden[21] zur Berechnung von Vorteilhaftigkeiten noch immer stark verbreitet. Insgesamt lassen sich vier Verfahren unterscheiden, die sich in einperiodige oder mehrperiodige Verfahren trennen lassen. Die Abbildung 5 zeigt dies im Überblick:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Verfahren der statischen Investitionsrechnung

Zu den Verfahren mit einem Betrachtungszeitraum von einer Periode gehören die Gewinn-, Kosten- und Renditevergleichsrechnung. Merkmale sind der Bezugszeitraum und die Erfolgsrechnungsgrößen. Unabhängig von der tatsächlichen Wirkung einer Investition oder dem üblichen Planungshorizont des Unternehmers, wird bei diesen Verfahren nur eine Abrechnungsperiode betrachtet. Es ergibt sich aber ein Zuordnungsproblem, da Investitionen und die damit verbunden Ein- und Auszahlungen i. d. R. über mehrere Jahre verlaufen. Um repräsentative Zahlen zu bekommen, müssen Zahlungen periodisiert werden. Es wird daher mit durchschnittlichen Kosten bzw. Erlösen während des Investitionszeitraumes gerechnet. Dies geschieht z. B. durch die Verwendung der Abschreibungen für eine Repräsentativperiode anstatt der Investitionsausgaben[22]. Bei der Gewinnvergleichsrechnung bestimmt sich die Vorteilhaftigkeit durch einen Vergleich des (durchschnittlichen) zu erwartenden Gewinns mit der Investition, mit dem Gewinn ohne die Investition.

Wenn der Gewinn mit Investition höher ist, gilt diese als Vorteilhaft. Die Kostenvergleichsrechnung hat ein ähnliches Prinzip. Das Investitionsvorhaben mit den geringsten Kosten wird als Vorteilhaft angesehen. Dabei gilt die Prämisse, dass die Erlöse bei den verschiedenen Investitionen dieselbe Höhe haben. Bei der Renditevergleichsrechnung wird der Gewinn vor Steuern mit dem eingesetzten Kapital in Relation gesetzt und analysiert. Dabei ist die höchste Rendite das Entscheidungskriterium. Bei der Amortisationsrechnung[23] als mehrperiodiges Verfahren wird die Frage nach dem Rückzahlungszeitraum der Investition begutachtet, d. h. wie viele Jahre es dauert, bis sich die Kosten der Investition mit den Erlösen decken. Die Entscheidung fällt auf die Investition mit der geringsten Amortisationszeit[24].

Zwar sind statische Verfahren in der Praxis wegen ihrer Einfachheit in der Berechnung und Anwendung noch sehr beliebt, jedoch eignen sie sich kaum für die Bestimmung der Vorteilhaftigkeit einer Investition. Insbesondere die einperiodigen Betrachtungen lassen die zeitliche Struktur von Investitionen außer betracht[25] und eine kurze Amortisationsdauer bedeutet nicht, dass auch der höchste Gewinn erwirtschaftet wird. Ein weiteres damit verbundenes Manko liegt in der Rechengröße von Durchschnittskosten, die anstatt der tatsächlichen Aufwendungen verwendet werden. Der entscheidende Nachteil aller statischen Verfahren ist die Nicht-Berücksichtigung des zeitlichen Faktors des Geldes. Ein Euro heute ist mehr Wert als ein Euro in einem Jahr, da der Euro heute z. B. noch auf dem Kapitalmarkt angelegt werden kann. Innerhalb des Jahres erhöhen die erwirtschaften Zinsen den Wert des Euros[26]. Eine mögliche Inflation bleibt hierbei unberücksichtigt.

3.4.2 Dynamische Verfahren

In diesem Kapitel werden die dynamischen Verfahren der Investitionsrechnung vorgestellt und näher analysiert. Die dynamischen Methoden verfolgen dieselbe Zielsetzung wie die statischen Verfahren. Es soll ein aussagekräftiger Wert über die Vorteilhaftigkeit einer Investition berechnet werden.

Die dynamischen Verfahren bedienen sich hierbei der Hilfe finanzmathematischer Formeln und berücksichtigen die unterschiedliche zeitliche Struktur von Investition in Form der unterschiedlichen Ein- und Auszahlungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Cash Flow und dessen unterschiedlichem Wert im Zeitablauf. Als Cash Flow wird dabei der Überschuss der Einzahlungen über die Auszahlungen (oder umgekehrt) verstanden[27]. Wollen Investitionsprojekte nun miteinander verglichen werden, so muss die Zeitpräferenz mit Hilfe des Zinsfaktors i ausgeglichen werden. Dieser Kalkulationszinsfuß i stellt die gewünschte Mindestverzinsung in Form der Kapitalkosten dar. Bei einer durch Eigenkapital finanzierten Investition ist dies die vom Investor gewünschte Mindestverzinsung. Die Höhe wird entweder subjektiv bestimmt oder richtet sich nach einer vergleichbaren Alternativanlage bzw. den Opportunitätskosten.

[...]


[1] Vgl. IHK Koblenz: Produktionsverlagerung ins Ausland. In: http://www.ihk-koblenz.de/gen_Pressemitteilungen/ CAF76B509BB84FC3B381A696D017B5B6.htm (Abfrage 2006-11-27).

[2] Vgl. Swoboda, Peter: Investition und Finanzierung. 5., durchgesehene Auflage. Göttingen. Vadenhoeck & Ruprecht, 1996. S. 16 f.

[3] Vgl. Wöhe, Günther: Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre. 21., neubearbeitete Auflage. München. Verlag Vahlen. S. 76 f.

[4] Vgl. Rappaport, Alfred: Shareholder Value. Ein Handbuch für Manager und Investoren. 2., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Stuttgart. Schäffer-Poeschel Verlag, 1999. S. 7 ff.

[5] Ebda., S. 8.

[6] Vgl. ebda., S. 7 ff.

[7] Vgl. Wöhe, Günther: a. a. O.: S. 72 f.

[8] Arnold, Glen: Corporate Financial Management. 3rd edition. Harlow. Pearson Education Ltd., 2005. S. 18.

[9] Vgl. Wöhe, Günther: a. a. O.

[10] Vgl. Arnold, Glen: a. a. O: S. 18 ff.

[11] Vgl. ebda.

[12] Weitere Definitionen wären der „Kombinationsbestimmender-“ oder „Vermögensbestimmender Investitionsbegriff“. Diese kennzeichnen wie der „Zahlungsbestimmende Investitionsbegriff“ ebenfalls einen „Vorgang“. Als „Zustand“ wird der Dispositionsbestimmter Investitionsbegriff angesehen.

[13] Vgl. Schneider, Dieter: Investition, Finanzierung und Besteuerung. 7., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Wiesbaden. Gabler Verlag, 1992. S. 20 f.

[14] Vgl. Götze, Uwe und Bloech, Jürgen: Investitionsrechnung. Modelle und Analysen zur Beurteilung von Investitionsvorhaben. 4., durchgesehene Auflage. Berlin, u. a. Springer-Verlag, 2004. S. 7 f.

[15] Vgl. Götze, Uwe und Bloech, Jürgen: a. a. O.: S. 8 f.

[16] Vgl. ebda.

[17] Vgl. Grabbe, Hans-Wilhelm: Investitionsrechnung in der Praxis – Ergebnisse einer Unternehmensbefragung. Köln. Deutscher Instituts-Verlag, 1976. S. 18 ff.

[18] Zu den verschiedenen Methoden der Investitionsrechnung siehe Kapitel 3.4 „Methoden der Investitionsrechnung“

[19] Vgl. Däumler, Klaus-Dieter: Grundlagen der Investitons- und Wirtschaftlichkeitsrechnung. 11., neubearbeitete Auflage, Herne und Berlin. Verlag Neue Wirtschafts-Briefe, 2003. S. 26 ff.

[20] Vgl. auch U. Wehrle-Streif, „Empirsche Untersuchung zur Investitionsrechnung“ und B. Hermann, „Anwendung der Investitionsmethoden in der Praxis“

[21] Klaus-Dieter Däumler beschreibt die Methoden als „Faustregeln“ da sie nicht auf finanzmathematischer Grundlage basieren, sondern sich aus der betrieblichen Praxis entwickelt haben.

[22] Vgl. Kruschwitz, Lutz: Investitionsrechnung. 7., völlig überarbeitete Auflage. München und Wien. Oldenbourg Verlag, 1998. S. 28 ff.

[23] Die Begriffsbestimmung ist in der Literatur uneins. Häufig werden auch die Begriffe Kapitalrückflussrechnung, Payback, oder Payoff verwendet.

[24] Vgl. Kruschwitz, Lutz: a. a. O.

[25] Vgl. ebda., S. 39 f.

[26] Vgl. Wöhe, Günther: a. a. O.: S. 615 ff.

[27] Vgl. Lücke, Wolfgang: Investitionslexikon. München. Verlag Vahlen, 1975. S. 38 f.

Ende der Leseprobe aus 99 Seiten

Details

Titel
Die Berücksichtigung von Steuern in Investitionskalkülen
Untertitel
Darstellung und kritische Würdigung
Hochschule
Hochschule Osnabrück
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
99
Katalognummer
V84193
ISBN (eBook)
9783638881265
Dateigröße
1578 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Berücksichtigung, Steuern, Investitionskalkülen
Arbeit zitieren
Diplom-Kaufmann Uwe Plesch (Autor), 2007, Die Berücksichtigung von Steuern in Investitionskalkülen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84193

Kommentare

  • Gast am 26.4.2008

    Formfehler, aber Inhalt ok.

    Die Arbeit enthält leider viele Formfehler. Inhaltsverzeichnis und Seitenzahl stimmen nicht überein, so dass man oft lange suchen muss, bis man das gewünschte Kapitel findet. Zwischen erster Überschrift und Untergliederungspunkt sollte kein Text stehen. Der Zeilenabstand ist nicht optimal. Teilweise sind bis auf ein paar Zeilen ganze Seiten frei geblieben.

    Der Inhalt ist okay, ausgiebige Stoffdarstellung, ein wenig kritische Würdigung.

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