Ein Kapitel seines Bestsellers <Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod> widmet Bastian Sick den Sprichwörtern und Redewendungen des Deutschen, deren korrekter Gebrauch nicht länger als selbstverständlich angesehen werden kann. Nicht nur Sibylle von nebenan, sondern auch Medien und Werbung schießen beim Spiel mit der Sprache des öfteren am Tor vorbei.
Ausgehend von Harald Burgers <Phraseologie – Eine Einführung am Beispiel des Deutschen> (2003) wird die vorliegende Arbeit wichtige Grundbegriffe der Phraseologie erläutern und gängige Aspekte näher beleuchten. Zunächst soll die Begriffsklärung der wissenschaftlichen Termini Phraseologie, Phraseologisierung und Phraseologismus in die Materie einführen und das Verständnis der weiteren Ausführungen erleichtern. Die phraseologischen Hauptmerkmale Polylexikalität, Festigkeit, Idiomatizität und Motiviertheit werden definiert und ausgeführt, wobei neben Burger weitere wissenschaftliche Ansätze als Bezugspunkte dienen. Die Schlussbemerkung geht auf die Bedeutung der Phraseologie im täglichen Sprachgebrauch ein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Phraseologie und Phraseologisierung
3. Phraseologismus
3.1 Bezeichnungen
3.2 Definitionen
3.3 Wörtliche, übertragene und freie Bedeutung
3.2 Phraseologismen im weiteren und engeren Sinn
4. Die phraseologischen Merkmale
4.1 Polylexikalität
4.2 Festigkeit und Variabilität
4.2.1 Gebräuchlichkeit
4.2.2 Psycholinguistische Festigkeit
4.2.3 Strukturelle Festigkeit
4.2.3.1 Irregularitäten
4.2.3.2 Restriktionen
4.2.4 Relativierungen der strukturellen Festigkeit
4.2.4.1 Variationen
4.2.4.2 Modifikationen
4.2.4.3 Fehler
4.2.5 Pragmatische Festigkeit
4.3 Idiomatizität und Motiviertheit
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit erläutert grundlegende Begriffe der Phraseologie und beleuchtet gängige Aspekte anhand wissenschaftlicher Fachliteratur, um ein fundiertes Verständnis für die Struktur, Merkmale und den Gebrauch von Phraseologismen zu vermitteln.
- Begriffliche Abgrenzung von Phraseologie, Phraseologisierung und Phraseologismus
- Definition und Analyse der phraseologischen Hauptmerkmale
- Untersuchung der Polylexikalität und der Festigkeit von Wortverbindungen
- Diskussion von Variationen, Modifikationen und Fehlern beim Gebrauch von Idiomen
- Beleuchtung der Idiomatizität und Motiviertheit als semantische Kriterien
Auszug aus dem Buch
4.2.3 Strukturelle Festigkeit
Die strukturelle Festigkeit stellt den Bezug zum Sprachsystem her. Auch ‚freie’ Wortverbindungen können nicht völlig beliebig gebildet werden, sondern richten sich nach den Regeln von Morphosyntax und Semantik, allerdings ausschließlich nach diesen Regeln. Viele ‚feste’ Wortverbindungen sind darüber hinaus durch Irregularitäten und Restriktionen gekennzeichnet.
4.2.3.1 Irregularitäten
Irregularitäten (Anomalien) können in der Morphologie und/ oder Syntax von Phraseolo-gismen auftreten. Als Überbleibsel eines veralteten Sprachgebrauchs zeigen sie sich
a) im unflektierten Gebrauch des attributiven Adjektivs: sich bei jdm. lieb Kind machen, etw. frei Haus liefern, auf gut Glück;
b) im adverbialen Genitiv oder einer objektivischen Genitivkonstruktion: guter Dinge sein, guter Hoffnung sein, schweren Herzens, jdn. eines Besseren belehren;
c) in der Voranstellung des attributiven Genitivs: auf Messers Schneide, in Teufels Küche kommen, des Pudels Kern;
d) durch sonstige Abweichungen von den grammatischen Verknüpfungsregeln: jdn. Lügen strafen, mit jdm. ist nicht gut Kirschen essen;
Weitere Anomalien können auftreten
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema ein, motiviert die Relevanz der Phraseologie durch Beispiele aus dem Alltag und stellt den Aufbau der Arbeit vor.
2. Phraseologie und Phraseologisierung: Hier werden grundlegende Definitionen der Phraseologie als Disziplin und als Bestand an Wortverbindungen sowie der Begriff der Phraseologisierung erläutert.
3. Phraseologismus: Dieses Kapitel befasst sich mit den verschiedenen Bezeichnungen, Definitionen und der Unterscheidung zwischen wörtlicher, übertragener und freier Bedeutung.
4. Die phraseologischen Merkmale: In diesem zentralen Teil werden die Merkmale Polylexikalität, Festigkeit (unterteilt in Gebrauch, Psycholinguistik, Struktur und Pragmatik) sowie Idiomatizität und Motiviertheit detailliert analysiert.
5. Schlussbemerkung: Das abschließende Kapitel fasst die Bedeutung der Phraseologieforschung für das Sprachverständnis und die Identität zusammen.
Schlüsselwörter
Phraseologie, Phraseologismus, Idiomatizität, Polylexikalität, Festigkeit, Variabilität, Motiviertheit, Sprachwissenschaft, Lexikalisierung, Wortverbindung, Routineformeln, Sprachgebrauch, Linguistik, Strukturmerkmale, Reproduzierbarkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine Einführung in die Grundlagen der Phraseologie und erklärt, wie feste Wortverbindungen in der deutschen Sprache definiert und analysiert werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Bestimmung des Phraseologismus-Begriffs sowie die Untersuchung seiner konstitutiven Merkmale wie Polylexikalität, Stabilität und Idiomatizität.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, dem Leser ein grundlegendes Verständnis der wissenschaftlichen Terminologie der Phraseologie zu vermitteln und die theoretischen Konzepte durch erläuternde Beispiele greifbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, insbesondere unter Heranziehung von Harald Burgers Standardwerk "Phraseologie – Eine Einführung am Beispiel des Deutschen", ergänzt durch weitere fachwissenschaftliche Ansätze.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Phraseologismen und eine detaillierte Erörterung der phraseologischen Merkmale, wobei besonders Aspekte der Festigkeit, Variation und Idiomatizität beleuchtet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben Phraseologie und Phraseologismus vor allem Idiomatizität, Festigkeit, Polylexikalität und Motiviertheit.
Was unterscheidet den "Phraseologismus im weiteren Sinne" vom "engeren Sinne"?
Im weiteren Sinne ist nur die Gebräuchlichkeit (Festigkeit) gegeben, während Phraseologismen im engeren Sinne zusätzlich das Merkmal der Idiomatizität aufweisen.
Wie definiert Burger die "externe" und "interne" Valenz?
Die externe Valenz bezieht sich auf die Leerstellen im Satz, die durch Subjekt oder Objekt besetzt werden, während die interne Valenz das Verhältnis der festen lexikalischen Komponenten zueinander innerhalb des Phraseologismus beschreibt.
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- Rebekka Hahn (Author), 2006, Phraseologie: Einführung und Grundbegriffe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84236