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Biographisierung als Belebung? - "Ach, was mir lange" von Johannes Hadlaub im Spannungsfeld von autobiographischer Objektivität und lyrischer Subjektivität

Title: Biographisierung als Belebung? - "Ach, was mir lange" von Johannes Hadlaub im Spannungsfeld von autobiographischer Objektivität und lyrischer Subjektivität

Seminar Paper , 2007 , 16 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Fokko Peters (Author)

German Studies - Modern German Literature
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1. Einleitung

Das Wissen um Johannes Hadlaub als einem althochdeutschen Minnesänger ist nicht unbedingt sehr umfangreich, selbst wenn man in der Schule etwas über die Literatur des Mittelalters gelernt hat. Er steht im Schatten berühmterer Vorgänger und Zeitgenossen, deren Werke große Berühmtheit erlangt haben. So sind z.B. die Namen Walther von der Vogelweide und Gottfried von Straßburg durchaus geläufiger als der Name des Züricher Bürgers Hadlaub. Auch die Werke der großen Minnesänger sind oftmals bekannter als diejenigen Hadlaubs. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass die Texte vieler mittelalterlicher Autoren uns heute nur deshalb noch bekannt sind, weil sie Teil eines einmaligen Überlieferungswerkes sind: der Manessischen Liederhandschrift. Diese entstand um die Jahrhundertwende des 13./14. Jahrhunderts – also zu Lebzeiten Hadlaubs – in Zürich, dem Wohnort des Dichters. Es ist sogar wahrscheinlich, dass er selbst an der Entstehung dieses Werkes beteiligt war. Seinem Œuvre wurden die ersten Blätter der Handschrift gewidmet und das in dieser Arbeit behandelte Lied „Ach, mir was lange“ steht noch dazu am Anfang seines Liedcorpus. Dieses Lied gehört zu der Gruppe der Erzähllieder oder „Romanzen“, die einen ersten Teil epischen Charakters aufweisen und in einem zweiten Teil eine Minneklage enthalten. Leppin vermutet, dass Hadlaub „größeren Wert auf die Behandlung der Minneproblematik“ legte. Die Bedeutung des erzählenden Eingangsteiles soll – unter Berücksichtigung des Inhalts der darauf folgenden Minnereflexion – am Beispiel von „Ach, mir was lange“ untersucht und hinsichtlich des im Thema der Arbeit formulierten Spannungsfeldes problematisiert werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Interpretation von „Ach, mir was lange“

3. Eine neue Gattung bei Hadlaub: das „Erzähllied“

4. Das Spannungsfeld zwischen autobiographischer Objektivität und lyrischer Subjektivität in Hadlaubs Erzählliedern

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Minnelied „Ach, mir was lange“ von Johannes Hadlaub und analysiert, wie der Dichter durch die Integration epischer Handlungselemente eine innovative Gattung, das sogenannte „Erzähllied“, erschafft, um die stagnierende Minnesang-Tradition zu revitalisieren und das Spannungsfeld zwischen autobiografischer Fiktion und lyrischer Subjektivität auszuloten.

  • Johannes Hadlaub und die Manessische Liederhandschrift
  • Strukturanalyse des „Erzählliedes“ als Mischform
  • Die Funktion der „Briefepisode“ in Hadlaubs Werk
  • Biographisierungstendenzen vs. literarische Fiktion
  • Subjektivität und Minneklage als Ausdrucksformen

Auszug aus dem Buch

2. Interpretation von „Ach, mir was lange“

Das Lied „Ach, mir was lange“ von Johannes Hadlaub nimmt in seinem Corpus eine besondere Rolle ein. Zum einen steht es an der Spitze des Gesamtwerkes Hadlaubs und zum anderen ist es mit einer sehr großen und reich verzierten Anfangsinitiale versehen. Außerdem zeigt die eine Hälfte der Doppelminiatur, die Meister Hadlaub in der Manessischen Liederhandschrift gewidmet wurde, eine Szene aus diesem Minnelied.

Die sieben Strophen dieses Liedes lassen sich vorläufig in zwei Abschnitte einteilen: In den Strophen 1-4 findet die so genannte „Briefepisode“ statt und die letzten drei Strophen enthalten eine Reflexion über die Minne. Diese Kompositionstechnik, einem erzählenden Teil eine Minnereflexion folgen zu lassen, findet sich bei Hadlaub häufig.

In den ersten beiden Strophen spielt sich die eigentliche „Handlung“ des Liedes ab: Der als Pilger verkleidete Liebende hängt seiner Dame einen Brief an, als sie gerade nach der Frühmesse aus der Kirche kommt. Schon das erste Wort des Liedes, die Interjektion „ach“, weist auf die Minneklage der letzten Strophe hin, die ihrerseits mit „owe“ (V.73) beginnt. Gerade auch die ersten Verse des Liedes deuten auf die für Minnelieder so typische Sorge des lyrischen Ichs hin, das von Liebe zu der Dame verzehrt wird und eine huldvolle Antwort ersehnt (s. V.2 „we gesin“ und V.3 „vil ange“). Trotz dieser starken emotionalen Zuneigung ist die Übergabe des Briefes, der „von sender klage“ (V.9) erfüllt ist, sehr gut durchdacht, wie sich in den folgenden Versen zeigt: Die Verkleidung als Pilger, in der sich der Liebende seiner Dame nähert, kann man mit Herta Renk als „Tristanrolle“ bezeichnen, da dieses Motiv schon in „Tristan und Isolde“ von Gottfried von Straßburg verwendet wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung stellt Johannes Hadlaub in den Kontext der Manessischen Liederhandschrift und formuliert die Problemstellung bezüglich der erzählenden Elemente in seinem Minnesang.

2. Interpretation von „Ach, mir was lange“: Dieses Kapitel analysiert die „Briefepisode“ des Werkes und zeigt die methodische Verschränkung von narrativen Elementen mit der traditionellen Minneklage auf.

3. Eine neue Gattung bei Hadlaub: das „Erzähllied“: Hier wird Hadlaubs spezifische Gattungsschöpfung definiert und von den klassischen Subjekt- und Objektliedern des Minnesangs abgegrenzt.

4. Das Spannungsfeld zwischen autobiographischer Objektivität und lyrischer Subjektivität in Hadlaubs Erzählliedern: Das abschließende Kapitel diskutiert die Rezeptionsgeschichte sowie die theoretische Spannung zwischen dem Anschein biographischer Realität und der literarischen Konstruktion.

Schlüsselwörter

Johannes Hadlaub, Minnesang, Manessische Liederhandschrift, Erzähllied, Briefepisode, autobiographische Objektivität, lyrische Subjektivität, hohe Minne, Mittelalterliche Literatur, Minneklage, Epik, Tristan-Motiv, Literaturgeschichte, Gattungsschöpfung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Analyse der Erzähllieder von Johannes Hadlaub, insbesondere des Werkes „Ach, mir was lange“, und untersucht dessen besondere Stellung innerhalb der Tradition des Minnesangs.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Fokus stehen die Gattungsgeschichte des Minnesangs, die Einbindung epischer Elemente in lyrische Texte sowie das Verhältnis von Fiktion und vermeintlicher Autobiographik.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist es, die spezifische Funktion der erzählenden Eingangsteile in Hadlaubs Liedern zu klären und zu analysieren, wie er damit das Spannungsfeld zwischen objektiver Darstellung und lyrischer Subjektivität neu gestaltet.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Interpretation des Primärtextes unter Einbeziehung zeitgenössischer Sekundärliteratur und gattungstheoretischer Ansätze angewandt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Einzelinterpretation, eine gattungstheoretische Einordnung des Erzählliedes und eine Diskussion über die autobiographische Lesart des Werkes.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind das Erzähllied, die Manessische Liederhandschrift, die „Briefepisode“ sowie das Spannungsfeld zwischen erzählender Objektivität und lyrischer Subjektivität.

Welche Rolle spielt die „Briefepisode“ für das Verständnis des Liedes?

Die Briefepisode dient als innovatives, handlungstragendes Element, das das Lied unverwechselbar macht und den Übergang von einer konkreten Erzählung hin zur allgemeinen Minneklage markiert.

Warum wird in der Arbeit das Verhältnis von „Dichtung und Wahrheit“ hinterfragt?

Da frühere Forscher und Schriftsteller wie Gottfried Keller die Lieder oft als biographische Dokumente deuteten, untersucht die Arbeit kritisch, inwieweit es sich dabei lediglich um literarische Fiktion und die bewusste Inszenierung einer „biographischen Situation“ handelt.

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Details

Title
Biographisierung als Belebung? - "Ach, was mir lange" von Johannes Hadlaub im Spannungsfeld von autobiographischer Objektivität und lyrischer Subjektivität
College
http://www.uni-jena.de/  (Institut für Germanistische Literaturwissenschaft)
Course
Johannes Hadlaub
Grade
1,7
Author
Fokko Peters (Author)
Publication Year
2007
Pages
16
Catalog Number
V84240
ISBN (eBook)
9783638004862
ISBN (Book)
9783640857845
Language
German
Tags
Biographisierung Belebung Johannes Hadlaub Spannungsfeld Objektivität Subjektivität Johannes Hadlaub
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Fokko Peters (Author), 2007, Biographisierung als Belebung? - "Ach, was mir lange" von Johannes Hadlaub im Spannungsfeld von autobiographischer Objektivität und lyrischer Subjektivität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84240
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