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Das Recht in Sprichwörtern und Sagen

Title: Das Recht in Sprichwörtern und Sagen

Seminar Paper , 2000 , 20 Pages , Grade: 1

Autor:in: Matthias Altmannsberger (Author), Kathrin Hösl (Author), Sonja Achatz (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Einst stand im Regensburger Rathaus zu lesen:

"Ein jeder Rathsherr, der da gaht,
Von seines Ampts wegen in den Rath,
Soll seyn ohn alle böse Affect,
Dardurch sein Hertz nit wird bewegt,
Als Freundschafft, Zorn und Heuchlerey,
Neyd, Gunst, Gewalt und Tyranney,
Uns seyn durchaus ein gleiche Person,
Dem armen und dem reichen Mann,
Durch Sorgen für die gantze Gemeyn,
Derselben Nutz betrachten rein.
Dann, wie er richten wird auff Erden,
So wird ihn Gott auch richten werden
Am Jüngsten Tag nach seinem Rath,
Den ewig er beschlossen hat."
(zitiert nach GASSNER 1996: 66)

Menschen hatten seit jeher einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Die Vorstellungen aber, wie Recht und Gerechtigkeit letztendlich auszusehen haben, unterliegen den subjektiven Anschauungen und Empfindungen der Menschen einer bestimmten Zeitepoche. Die Werte "Recht" und "Gerechtigkeit" mögen nichts an ihrer Anziehungskraft als Ideale für die Menschheit verloren haben, ihre inhaltliche Bedeutung jedoch ist im Laufe der Zeit einem stetigen Wandel unterworfen. So werden wir heute, wenn wir von alten Rechtsbräuchen und Rechtsvorstellungen lesen, so manches mal ganz ungläubig den Kopf schütteln.

Die Rechts- und Gerechtigkeitsvorstellungen der Menschen des Mittelalters sind uns bis heute nicht nur in den Rechtsbüchern wie Sachsenspiegel und Schwabenspiegel erhalten geblieben, sondern auch noch in zahlreichen Sprichwörtern und Sagen mündlich überliefert.
Den Ausdruck "Alles, was recht und billig ist" kennen wir noch heute. Er bedeutet so viel wie "Alles, was dem geschriebenen Gesetz und dem ′Gefühl für Gerechtigkeit′ entspricht" (Vgl. BROCKHAUS WAHRIG 1983: 309). Was aber entsprach diesem Gefühl für Gerechtigkeit im Mittelalter? Was bedeutet überhaupt "Recht", und wie hat es sich vom Mittelalter bis in die heutige Zeit entwickelt?

Die vorliegende Arbeit will versuchen, an Hand von ausgewählten Rechtssprichwörtern und Rechtssagen ein Bild der popularen Rechts- und Gerechtigkeitsvorstellungen des Mittelalters zu vermitteln. Dass so mancher Sünder nicht ungeschoren davonkam und dass die Strafen für so manches Vergehen richtig grausam waren wird sich zeigen.
Zuerst jedoch soll die Entwicklung des Rechts seit dem Mittelalter kurz dargestellt werden und eine Definition des Begriffs "Recht", wie er im heutigen Sinne gebraucht wird.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitende Bemerkungen

2. Zum Rechtsbegriff

2.1. Entwicklung des Rechts seit dem Mittelalter

2.2. Recht im 21. Jahrhundert

3. Recht in Sprichwörtern und sprichwörtlichen Redensarten

3.1. Rechtssprichwörter

3.1.1. Zum Begriff „Rechtssprichwort“

3.1.2. Deutsche Rechtssprichwörter

3.1.2.1. Rechtsformeln mit lateinischer Entsprechung

3.1.2.2. Rechtssprichwörter - Aussagen des Gewohnheitsrechts

3.1.2.3. Rechtssprichwörter, die nur noch für Rechtshistoriker verständlich sind

3.1.2.4. Rechtssprichwörter, die nicht übereinstimmen

3.1.2.5. Rechtssprichwörter, die bis heute erhalten sind

3.1.2.6. Kritik und Witz in Rechtssprichwörtern

3.1.2.7. Unrechtssprichwörter

3.1.2.8. Allgemeine Rechtsgrundsätze

3.2. Recht in sprichwörtlichen Redensarten

3.2.1. Eigentumsrecht

3.2.2. Grenzbestimmungen

3.2.3. Das Gericht betreffend

3.2.4. Urteil

3.2.5. Ehebruch

3.2.6. Ehrenstrafen

3.2.7. Freiheitsstrafe

3.2.8. Rechtsinstitutionen

3.3. Fazit

4. Recht in Sagen

4.1. Zum Begriff „Rechtssagen“

4.2. Deutsche Rechtssagen

4.2.1. Von rechtlichen Maßen und Symbolen

4.2.2. Die Grenzmarkierung

4.2.3. Der Schall

4.2.4. Die Wette

4.2.5. Symbolik der Bekleidung

4.2.6. Stab und Keule

4.2.7. Das Aussetzen der Kinder und das Töten der Greise

4.2.8. Todes- und Lebensstrafen

4.2.9. Die Sühne

4.2.10. Freiheitsstrafen, Bann und das Asylrecht

4.2.11. Ehrenstrafen

4.2.12. Das Recht in der Ehe

4.2.13. Die Sage von den treuen Weibern

4.2.14. Gottesurteile

5. Abschließende Bemerkungen

6. Literatur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die populären Rechts- und Gerechtigkeitsvorstellungen des Mittelalters anhand von ausgewählten Rechtssprichwörtern und Rechtssagen. Ziel ist es, ein Bild dieser historischen Vorstellungen zu vermitteln und aufzuzeigen, wie sich das Verständnis von Recht und Strafe von dieser Epoche bis heute gewandelt hat.

  • Entwicklung des Rechtsverständnisses vom Mittelalter bis in die Neuzeit
  • Analyse von Rechtssprichwörtern als Zeugnisse rechtshistorischer Überlieferungen
  • Untersuchung von symbolischen Handlungen und Bräuchen in Rechtssagen
  • Gegenüberstellung mittelalterlicher Strafpraktiken und heutiger Rechtsnormen
  • Die Rolle des "Gottesurteils" als Instrument der Rechtsfindung

Auszug aus dem Buch

3.2.1. Eigentumsrecht

“Das Eigentumsrecht an ein Grundstück bekundete man dadurch, dass man sich auf einen darauf gestellten Stuhl, mittelbar also auf das Grundstück selbst setzte, oder wenigstens darauf trat.” (SEILER 1967: 243). Darauf verweisen die Redensarten: “sich in Besitz setzen, in den Besitz treten“. Ebenso konnte man etwas sein Eigentum nennen, was man mit der Hand anfaßte, daher: “Besitz ergreifen, die Hand auf etwas legen“. Das Gegenteil davon wird bezeichnet durch: “etwas von der Hand weisen“, was soviel bedeutet, wie etwas verschmähen.

Während wir heute das Wort “Absetzung“ nur noch in Verbindung mit Amt oder Herrschaft gebrauchen, bedeutete es damals auch Absetzung von bloßem Besitz. Ein Symbol dafür war, dass man denjenigen, den man aus dem Besitz auswies, den Stuhl vor die Tür setzte. Der Sinn der Redensart ist jetzt: Jemandem den Zutritt zum Haus für immer verbieten (Vgl. SEILER 1967: 244).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitende Bemerkungen: Die Einleitung führt in die historische Relevanz von Recht und Gerechtigkeit ein und erläutert die Absicht der Arbeit, mittels alter Überlieferungen ein Bild mittelalterlicher Rechtsvorstellungen zu zeichnen.

2. Zum Rechtsbegriff: Dieses Kapitel betrachtet die Entwicklung des Rechtsbegriffs seit dem Mittelalter, diskutiert den Wandel vom Vernunftrecht hin zum Rechtspositivismus und definiert heutige Rechtsbegriffe.

3. Recht in Sprichwörtern und sprichwörtlichen Redensarten: Das Kapitel analysiert die Funktion und Herkunft von Rechtssprichwörtern sowie Redensarten, die einstige Rechtspraktiken – etwa im Eigentums- oder Strafrecht – noch heute im Sprachschatz konservieren.

4. Recht in Sagen: Hier wird die pädagogische Bedeutung von Rechtssagen untersucht, wobei verschiedene Kategorien wie Ursprungs- und Rechtsschutzsagen anhand von Fallbeispielen zu Symbolen und Praktiken erläutert werden.

5. Abschließende Bemerkungen: Das Fazit fasst zusammen, dass das heutige Rechtswesen wesentlich stärker durch objektive Verfahren geprägt ist, während mittelalterliche Strafen und Gottesurteile aus heutiger Sicht als archaisch und grausam erscheinen.

Schlüsselwörter

Recht, Gerechtigkeit, Mittelalter, Rechtssprichwörter, Rechtssagen, Rechtsgeschichte, Gewohnheitsrecht, Gottesurteil, Strafrecht, Rechtssymbolik, Eigentumsrecht, Rechtstradition, Rechtspositivismus, Rechtsphilosophie, Sühne

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit den populären Rechts- und Gerechtigkeitsvorstellungen des Mittelalters, wie sie sich in der mündlichen Überlieferung durch Sprichwörter und Sagen widerspiegeln.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Entwicklung des Rechtsbegriffs, die Analyse von Rechtssprichwörtern, die Interpretation von Rechtssagen sowie die historische Betrachtung von Strafen und Rechtsbräuchen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, durch die Analyse ausgewählter Rechtssprichwörter und -sagen ein Verständnis für das mittelalterliche Rechtsdenken zu entwickeln und dieses mit modernen Rechtsauffassungen zu vergleichen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine rechtsgeschichtliche und volkskundliche Herangehensweise, indem sie historische Quellen (Rechtsbücher) und volksmündliche Überlieferungen (Sprichwörter, Sagen) heranzieht, um die Rechtswirklichkeit vergangener Epochen zu rekonstruieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in zwei große Bereiche: Zum einen die Analyse von Rechtssprichwörtern und deren Bedeutung im Alltag, zum anderen die Untersuchung von Rechtssagen, die Symbole und Praktiken wie Grenzmarkierungen oder Gottesurteile thematisieren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Recht, Gerechtigkeit, Mittelalter, Rechtssprichwörter, Rechtssagen, Rechtsgeschichte sowie verschiedene Aspekte des Straf- und Eigentumsrechts.

Warum waren Gottesurteile im Mittelalter so verbreitet?

Gottesurteile dienten als legitimiertes Instrument, um in Fällen ohne klare Beweislage die Wahrheit "durch Gott" offenbaren zu lassen, was der damaligen gesellschaftlichen Überzeugung entsprach.

Wie hat sich die Bedeutung von Redensarten aus dem Rechtswesen verändert?

Viele Redensarten haben ihre ursprüngliche rechtliche Funktion verloren und werden heute in der Umgangssprache in einem völlig veränderten, oft rein bildlichen Sinn verwendet.

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Details

Title
Das Recht in Sprichwörtern und Sagen
College
University of Regensburg  (Philosophische Fakultät)
Course
Seminar: Recht vom Mittelalter zur Neuzeit
Grade
1
Authors
Matthias Altmannsberger (Author), Kathrin Hösl (Author), Sonja Achatz (Author)
Publication Year
2000
Pages
20
Catalog Number
V8426
ISBN (eBook)
9783638154017
ISBN (Book)
9783638640428
Language
German
Tags
Recht Sprichwörtern Sagen Seminar Recht Mittelalter Neuzeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Matthias Altmannsberger (Author), Kathrin Hösl (Author), Sonja Achatz (Author), 2000, Das Recht in Sprichwörtern und Sagen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8426
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