Ziel dieser Arbeit ist, Positionen, Diskussionen und Ergebnisse zur internen Unternehmenskommunikation in der französischen Kommunikationswissenschaft zu identifizieren und zusammenfassend darzustellen. Zwar haben sich in den letzten Jahren die Bemühungen intensiviert, die kommunikationswissenschaftliche Forschung zu internationalisieren, jedoch bleibt die Wahrnehmung von französischen Wissenschaftlern in Deutschland - wie umgekehrt - bis dato „eher marginal“. Dies ist bedauerlich, vor allem da sich aus den ersten internationalen und vergleichenden Ansätzen erhebliche Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland abzeichnen. Diese Arbeit nimmt die Form eines Forschungsberichtes ein, wobei hier nur eine erste explorative Untersuchung geleistet wurde, und soll ein Beitrag zur Übertragung der französischen Fachliteratur in den deutschen Sprachraum leisten. Daher wird die untersuchte Literatur zum besseren Verständnis in einer freien Übersetzung der Autorin zitiert.
Im ersten Teil dieser Arbeit wird zunächst auf die Institutionalisierung der französischen Kommunikationswissenschaft und auf den Aufschwung der Forschung zum Thema „interne Unternehmenskommunikation“ in Frankreich eingegangen. Dann werden die wichtigsten Akteure bzw. Institutionen auf diesem Forschungsfeld vorgestellt und die untersuchte Literatur näher charakterisiert. Der zweite Teil der Arbeit ist der Theoriegestalt der französischen Forschung zur internen Unternehmenskommunikation gewidmet. Da sich noch keine eindeutigen thematischen Schwerpunkte herausgebildet haben, wird das Forschungsfeld in der vorliegenden Arbeit anhand der verwendeten „Forschungsperspektive“ kategorisiert. Dabei wird vorwiegend auf die in der französischen Literatur verwendeten Begriffe zurückgegriffen. Diese unterschiedlichen Forschungsperspektive werden nacheinander vorgestellt, wobei grundsätzlich zwischen einem positivistischen und einem interpretativen Paradigma unterschieden wird. Schließlich wird im dritten Teil der vorliegenden Arbeit die Darstellung auf die Diskussion in der untersuchten Literatur bezüglich der zwei Themen „Kommunikationsnetzwerke“ und „Unternehmenskultur“ fokussiert, da an dieser Stelle besonders interessante Ergebnisse für die deutsche Forschung vermutet wurden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Sozialgestalt der französischen kommunikationswissenschaftlichen Forschung
1. Les sciences de l’information et de la communication
1.1. Die Vorreiter
1.2. Die Institutionalisierung
1.3. Die Informations- und Kommunikationswissenschaften heute
2. Die Entstehung des Forschungsfelds „Unternehmenskommunikation“
2.1. Entstehung eines neuen Berufsfelds und Einrichtung von neuen Studiengängen
2.2. Von der „Unternehmenskommunikation“ zur „Organisationskommunikation“
2.3. Das Forschungsfeld „Organisationskommunikation“ heute
3. Grundsätzliche Anmerkungen über die untersuchte Fachliteratur
3.1. Charakterisierung der untersuchten Fachliteratur
3.2. Grundsätzliche Diskussionen in der untersuchten Fachliteratur
4. Zusammenfassung
II. Theoriengestalt der Forschung zur internen Unternehmenskommunikation
1. Grundsätzliche Anmerkungen
2. Das positivistische Paradigma
2.1. Funktionalistische Forschungsperspektive
2.2. Humanistische Forschungsperspektive
3. Das interpretative Paradigma
3.1. Semiotische Forschungsperspektive
3.2. Systemische Forschungsperspektive
4. Paradigmenwechsel?
III. Thematische Fokussierung auf Kommunikationsnetze und Unternehmenskultur
1. Kommunikationsnetzwerke
2. Die Unternehmenskultur
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit identifiziert und bündelt Positionen, Diskussionen sowie Ergebnisse der französischen Kommunikationswissenschaft im Bereich der internen Unternehmenskommunikation. Das primäre Ziel besteht darin, diese im deutschen Sprachraum bisher kaum rezipierten Forschungsansätze aufzuarbeiten, um ein besseres Verständnis für die Unterschiede und Synergien zwischen der französischen und deutschen Forschung zu schaffen.
- Sozialgestalt und Institutionalisierung der französischen Kommunikationswissenschaft
- Theoriengestalt der Forschung zur internen Unternehmenskommunikation
- Systematisierung durch das positivistische und interpretative Paradigma
- Fokussierung auf die Themenfelder Kommunikationsnetzwerke und Unternehmenskultur
Auszug aus dem Buch
2.1. Funktionalistische Forschungsperspektive
Unter dem Begriff „funktionalistische Forschungsperspektive“, der ursprünglich aus der Philosophie stammt, werden hier Organisations- und Kommunikationsmodelle zusammengefasst, die die Funktion von Kommunikation und Organisationen ins Zentrum der Beachtung rücken und ihre Funktionsweise bzw. Wirkung auf die Meso-Ebene zu erklären versuchen.
Funktionalistische Organisationsmodelle stellen Unternehmen meist als weitgehend geschlossene, soziale Gebilde dar, die eine relativ stabile, formale Struktur aufweisen. Zweck eines Unternehmens ist, das vom Unternehmenseigentümer zur Verfügung gestellte Kapital zu vermehren, das heißt Gewinne zu erwirtschaften. Dazu werden Rohstoffe bzw. Güter (Inputs) durch Arbeit zu höherwertigen Produkten (Outputs) transformiert und gewinnbringend abgesetzt. Arbeiter werden in diesen Modellen als Produktionsmittel betrachtet, die entsprechend dem Menschbild „homo oeconomicus“ rational handeln und vor allem über monetäre Anreize zur Arbeit motiviert werden können. Implizit werden Unternehmen dadurch einer mehr oder wenig hoch entwickelten Maschine gleichgesetzt, die für das Management zentral steuerbar ist und deren Produktivität optimiert werden soll.
Nicht überraschend ist daher, dass in diesem Zusammenhang häufig auf einen Ingenieur verwiesen wird, Frederik W. Taylor, obwohl dieser in The Principles of Scientific Management (1911) eigentlich kein Modell, sondern eher eine Methode zur Rationalisierung der Unternehmensführung darlegte.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Sozialgestalt der französischen kommunikationswissenschaftlichen Forschung: Dieses Kapitel erläutert die späte Institutionalisierung des Fachs in Frankreich sowie die Entstehung der Unternehmenskommunikation als Forschungsfeld und charakterisiert die untersuchte Literatur.
II. Theoriengestalt der Forschung zur internen Unternehmenskommunikation: Das Kapitel kategorisiert das Forschungsfeld anhand des positivistischen und interpretativen Paradigmas und stellt verschiedene Forschungsperspektiven, von der funktionalistischen bis zur systemischen Sicht, vor.
III. Thematische Fokussierung auf Kommunikationsnetze und Unternehmenskultur: Hier erfolgt eine detaillierte Auseinandersetzung mit den beiden Schwerpunktthemen Kommunikationsnetzwerke und Unternehmenskultur innerhalb der französischen Forschung.
Schlüsselwörter
Französische Kommunikationswissenschaft, Unternehmenskommunikation, Organisationskommunikation, Sozialgestalt, Ideengestalt, Forschungsperspektive, Funktionalismus, Interpretatives Paradigma, Kommunikationsnetzwerke, Unternehmenskultur, Semiotik, Systemtheorie, Wissenskulturen, Interne Kommunikation, Institutionen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine fundierte Übersicht über die französische kommunikationswissenschaftliche Forschung im Bereich der internen Unternehmenskommunikation, um diese für den deutschsprachigen Raum zugänglich zu machen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert auf die Sozial- und Theoriengestalt des Fachs sowie spezifisch auf Kommunikationsnetzwerke und das Konzept der Unternehmenskultur.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Identifizierung und zusammenfassende Darstellung der französischen Positionen und Ergebnisse zur internen Unternehmenskommunikation, die bisher in Deutschland eher marginal wahrgenommen wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine hermeneutische Analyse bestehender Fachliteratur, Dossiers der Fachzeitschrift "Communication & Organisation" und Beiträge der Tagungen der Fachgruppe "Org&Co" im Zeitraum von 1992 bis 2002.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretische Entwicklung des Feldes, unterteilt in positivistische und interpretative Paradigmen, sowie die spezifische Untersuchung von Netzwerken und Unternehmenskultur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Kommunikationswissenschaft, Organisationskommunikation, Paradigmenwechsel, Semiotik und Wissenskulturen.
Wie unterscheidet sich die französische von der deutschen Forschung?
In Frankreich wird Kommunikation in einem umfassenderen Sinne verstanden, der stärker semiotische und interpersonelle Aspekte integriert, während die deutsche Forschung traditionell stärker massenmedial und empirisch geprägt ist.
Warum ist das Thema "Unternehmenskultur" in Frankreich schwierig zu greifen?
Der Begriff ist stark in der Praxis verwurzelt und gilt in der französischen Wissenschaft teilweise als "alten Wein in neuen Schläuchen", weshalb er lange kritisch betrachtet und eher vermieden wurde.
- Quote paper
- Aurélie Hopfe (Author), 2007, Kommunikationsnetzwerke und Unternehmenskultur: Positionen, Diskussionen und Ergebnisse der französischen Kommunikationswissenschaft zur internen Unternehmenskommunikation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84283