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Die Funktion der Moral nach Nietzsche

Title: Die Funktion der Moral nach Nietzsche

Term Paper (Advanced seminar) , 2001 , 26 Pages , Grade: 2,4

Autor:in: Florian Schoemer (Author)

Philosophy - Philosophy of the 19th Century
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,,Ich kenne mein Los. Es wird sich einmal an meinen Namen die Erinnerung an etwas Ungeheures anknüpfen - an eine Krisis, wie es keine auf Erden gab, an die tiefste Gewissens-Kollision, an eine Entscheidung, heraufbeschworen gegen alles, was bis dahin geglaubt, gefordert, geheiligt worden war."
Friedrich Nietzsche, Ecce homo, 1888


Mit dieser These in >Ecce homo< sollte Friedrich Nietzsche Recht behalten.

Er gilt als dunkler, aber neuzeitlich-fortschrittlicher Philosoph. Er besticht durch seine poetische Sprachkraft und wurde als sprachschöpferischer Künstler in eine Reihe mit Dostojewskij und Goethe gestellt. Auf der anderen Seite ist seine Arbeit positivistisch1, psychologisch und vor allem unzeitgemäß. Und das muss sie mit dem Anspruch einer Philosophie der Zukunft auch sein: immer unzeitgemäß.

Aufgrund dessen ist es auch nicht verwunderlich, dass er sich an das wagt, was für die Gesellschaft in der er lebt undenkbar ist: die Umwertung aller Werte.

Die Genealogie der Moral gilt als Nietzsches philosophisch geschlossenstes Werk. Nie ist es ihm sonst so gut gelungen, seinem Denken eine systematische Ordnung zu geben. Diese Publikation sollte dazu dienen, einige Hauptvoraussetzungen der vorangegangenen Schrift >Jenseits von Gut und Böse< zu verdeutlichen. Außerdem gab ihm, wie er in der Vorrede zur Genealogie beschreibt, Paul Rée ,,den ersten Anstoss, von meinen Hypothesen über den Ursprung der Moral Etwas zu verlautbaren."

Diese Verlautbarungen wurden so stark und standen derart in Abrede zu geltenden Konventionen und Normen, dass er sie selbst als Streitschrift deklarierte. Die Genealogie ist eine Kampfansage.

,,Sie ist - neben Kierkegaards >Krankheit zum Tode< [...] - sicher deren revolutionärstes Werk seit Kant."4





Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Vorwort

II. Perspektivierung der Moral

III. Zur Genealogie der Moral

3.2 Erste Abhandlung

3.2. Zweite Abhandlung

3.3. Dritte Abhandlung

3.3. Das asketische Ideal in der Wissenschaft

– ein Exkurs –

IV. Die Funktion der Moral

4.1. Grundvoraussetzungen

4.2. Nietzsches Ansatz

4.3 Die Funktion der platonisch-christlichen Moral

4.4. Die Funktion der Moral nach Nietzsche

V. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Funktion der Moral in Nietzsches Philosophie, insbesondere basierend auf seiner "Genealogie der Moral". Ziel ist es, die Entstehung sowie die psychologische Zweckmäßigkeit moralischer Systeme kritisch zu beleuchten und Nietzsches radikale Umwertung aller Werte im Kontext seines Willen-zur-Macht-Theorems zu hinterfragen.

  • Nietzsches Perspektivierung der Moral und die Kritik an absoluten Wahrheitsansprüchen.
  • Die psychologische Entstehung von Ressentiment und Sklavenmoral.
  • Die Funktion des asketischen Ideals als Instrument der Lebensverneinung und Sinnstiftung.
  • Die Analyse der Moral als verinnerlichte Grausamkeit und Steuerelement.
  • Nietzsches Konzept des souveränen Individuums jenseits starrer Moralvorgaben.

Auszug aus dem Buch

Die Funktion der platonisch-christlichen Moral

Die reaktive Begriffsbildung von Gut und Schlecht zu Gut und Böse der platonisch-christlichen Moral haben wir bereits geliefert. Die Moral des Abendlandes ist eine Moral des Ressentiments, getragen von den >Ohnmächtigen<.

Diese Art von Moral funktioniert darüber, dass sie – durch die Ohnmächtigen, die sie zur Herrschaft führte – sich einer Macht bedient, diese aber zeitgleich negiert. Diese Macht besteht folglich darin, dass die Moral stärker war als die Macht der Moral der >Mächtigen<. „das Ressentiment wird nothwendig klüger sein als irgend eine vornehme Rasse, sie wird die Klugheit auch in ganz andrem Maasse ehren: nämlich als eine Existenzbedingung ersten Ranges...“

Über die einstige Machtäußerung des vornehmen Menschen stülpt man „die Nomenklatur des Bösen.“ Die Wirkungsweise der Moral tritt so hervor: „von der Stärke verlangen, dass sie sich nicht als Stärke äußere, dass sie nicht ein Überwältigen wollen, ein Niederwerfen-Wollen, ein Herrwerden-wollen, ein Durst nach Feinden und Widerständen und Triumphen sei,...“

So wird die Ohnmacht in Güte umgetauft, die Feigheit wird zur Geduld, die Kranken nennen sich die Wahrhaftigen. Die Ohnmacht ist ihrer selbst mächtig und schreitet zur Selbstkränkung.

Die Etablierung gewissensbildender Wirkungen der platonisch-christlichen Moral wurde schon erwähnt. Diese „moralistische Verlogenheit“ bringt den Glücklichen dazu, sich seines Zustands zu schämen und installiert in ihm eine Willensbarriere, die den Willen schwächt und fesselt.

Die repressive Funktion dieser Moral bedient sich zweier entscheidender Faktoren, um sie so selbst erst zu bedingen. Der Verdrängung und Sublimierung.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Vorwort: Der Autor führt in das Werk Nietzsches ein, betont dessen unzeitgemäßen Anspruch und skizziert die Bedeutung der "Genealogie der Moral" für das Verständnis von Wertproblemen.

II. Perspektivierung der Moral: Dieses Kapitel erläutert Nietzsches revolutionäre Betrachtung der Moral als ein in Natur und Geschichte verwobenes Geflecht von Perspektiven, welches das bisherige Denken entthront.

III. Zur Genealogie der Moral: Die drei Abhandlungen (gut/schlecht, Schuld/schlechtes Gewissen, asketische Ideale) werden analysiert, um die Entstehung von Ressentiment und die Psychologie der Unterwerfung offenzulegen.

IV. Die Funktion der Moral: Das Kapitel untersucht den Zweck von Moral als System zur Handlungssteuerung und beleuchtet, wie platonisch-christliche Moral die menschliche Natur durch Verdrängung und Sublimierung diszipliniert.

V. Schlussbetrachtung: Der Autor resümiert die Einsichten in Nietzsches Moralkritik und betont den Preis des zivilisatorischen Friedens als eine durch innere Unfreiheit erkaufte Erkrankung des Menschen.

Schlüsselwörter

Friedrich Nietzsche, Genealogie der Moral, Ressentiment, Wille zur Macht, asketisches Ideal, Sklavenmoral, Moral, Perspektivismus, schlechtes Gewissen, Nihilismus, Umwertung aller Werte, Moralität, Psychologie, Zivilisation, Mensch.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Funktion und die Herkunft der Moral im Denken Friedrich Nietzsches, wobei der Fokus auf seinem Werk "Zur Genealogie der Moral" liegt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Arbeit behandelt die Begriffe Ressentiment, das asketische Ideal, den Willen zur Macht sowie die psychologischen Mechanismen von Schuld und schlechtem Gewissen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, Nietzsches Kritik an der traditionellen platonisch-christlichen Moral aufzuzeigen und zu verstehen, wie er Moral als Instrument der Macht und Unterdrückung entlarvt.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor nutzt eine strukturierte philosophische und psychologische Deutung sowie eine systematische Aufschlüsselung der drei Abhandlungen Nietzsches, um eine kohärente Interpretation zu entwickeln.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Perspektivierung der Moral, der historischen Entstehung von Gut und Böse, der Rolle des Priesters und der Wissenschaft im Zusammenhang mit asketischen Idealen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Nietzsche, Genealogie der Moral, Ressentiment, Wille zur Macht, asketisches Ideal, Sklavenmoral und der Perspektivismus.

Wie bewertet der Autor Nietzsches Überlegung zum "souveränen Individuum"?

Der Autor ordnet das souveräne Individuum als Idealbild ein, das den Willen zur Macht bejaht und in der Lage ist, eigene Werte zu schaffen, anstatt sich den allgemeinen moralischen Normen zu unterwerfen.

Welchen Stellenwert nimmt der Nihilismus in dieser Arbeit ein?

Der Nihilismus wird als Bankrott unserer Werte dargestellt, der aus der Entwertung des Lebens durch das asketische Ideal resultiert, wobei Nietzsche eine Lösung in einem offenen Spiel der Willen zur Macht vorschlägt.

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Details

Title
Die Funktion der Moral nach Nietzsche
College
LMU Munich  (FB Philosophie)
Course
Hauptseminar Genealogie der Moral
Grade
2,4
Author
Florian Schoemer (Author)
Publication Year
2001
Pages
26
Catalog Number
V842
ISBN (eBook)
9783638105385
ISBN (Book)
9783638636988
Language
German
Tags
Funktion Moral Nietzsche Genealogie Philosophie Gut Böse Metaphysik Erkenntnis
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Florian Schoemer (Author), 2001, Die Funktion der Moral nach Nietzsche, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/842
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