1. Einleitung
Diese Ausarbeitung meines Referates behandelt Wenn-Sätze, die sich in der, dem Vorfeld vorangestellten, topologischen Position des Vor-Vorfeldes befinden, und untersucht deren verschiedene Formen und Funktionen. Unter welchen Umständen können diese Vor-Vorfeldelemente wiederum in das Vorfeld gerückt werden, unter welchen Umständen nicht und welche Konsequenzen hat dies für die Aussage des Satzes und das sozial erfolgreiche Kommunizieren in der Gesellschaft? Untersucht wird zudem, in welchen Fällen die prosodischen Merkmale eine besondere Gewichtung erhalten und welche Funktion sie erfüllen. Das verwendete Datenmaterial kann auf Grund von Mangel an passenden Beispielen leider nur teilweise auf die Audio-Datenbank „lAuDa“ zurückgeführt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Nicht in das Vorfeld verrückbare Wenn-Sätze
2.1. Diskursstrukturierende Wenn-Konstruktionen
2.2. Relevanz-Konditionalkonstruktionen
2.3. Metakommunikative Konditionalkonstruktionen
3. In das Vorfeld verrückbare Wenn-Sätze
3.1. Reale Konditionalkonstruktionen
3.2. Potentiale Konditionalkonstruktionen
3.3. Irreale Konditionalkonstruktionen
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die syntaktische Topologie und die kommunikativen Funktionen von Wenn-Sätzen, die im Vor-Vorfeld stehen. Im Zentrum der Forschungsfrage steht die Analyse der Bedingungen, unter denen diese Elemente in das Vorfeld verrückt werden können, sowie die Untersuchung der Konsequenzen für die Aussage des Satzes und die Rolle prosodischer Merkmale bei der Gestaltung sozialer Interaktionen.
- Topologische Position von Vor-Vorfeldelementen
- Diskursstrukturierende und metakommunikative Funktionen von Wenn-Konstruktionen
- Prosodische Merkmale und ihre Bedeutung für die Anbindung an Folgeäußerungen
- Unterscheidung zwischen integrierbaren und nicht-integrierbaren Wenn-Sätzen
- Einfluss von Wenn-Sätzen auf den Erfolg zwischenmenschlicher Kommunikation
Auszug aus dem Buch
2.2. Relevanz-Konditionalkonstruktionen
Konstruktionen dieser Art unterscheiden sich von prototypischen Konditionalkonstruktionen dadurch, dass die Proposition in der Protasis nicht die notwendige Bedingung für den Wahrheitsgehalt der Apodosis ausmacht, sondern eher angibt, unter welchen Umständen letzteres für den Gesprächspartner relevant ist. Während der Prototyp nach dem Schema „if and only if“ zu lesen ist und die Propositionen der Teiläußerungen zueinander „kontingent“ sind, besteht im vorliegenden Subtyp eine Unabhängigkeit zwischen den Wahrheiten der Protasis und Apodosis.
Der Wenn-Satz öffnet einen „mentalen Raum“ in dem die Aussage der Apodosis von Wichtigkeit wäre. Nur wenn die Angesprochene nicht über das nötige Wissen verfügt, ist die Folgeinformation für jene relevant. Eine Verrückung der Protasis ins Vorfeld und die Anwendung eines resumptiven Elementes würde die Aussage des Satzes ebenso gravierend verändern, wie die Umwandlung in einen Kausalsatz:
a) und wenn Se nich wissen wat dat ist, (dann) is das Tomatensaft mit Campari.
b) Weil Sie nicht wissen, was ne Bloody Mary ist, ist das Tomatensaft mit Campari.
Anhand der wechselnden Sprechlautstärke und der Mikropause nach dem Wenn-Satz ist zu erkennen, dass die Syntagmen auch prosodisch nicht integriert sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Untersuchungsfeld der Vor-Vorfeldbesetzung und formuliert die zentralen Forschungsfragen hinsichtlich der Verrückbarkeit von Wenn-Sätzen.
2. Nicht in das Vorfeld verrückbare Wenn-Sätze: Dieses Kapitel analysiert Wenn-Sätze, die fest in ihrer Position verankert sind, und unterteilt sie in diskursstrukturierende, relevanz-orientierte und metakommunikative Typen.
3. In das Vorfeld verrückbare Wenn-Sätze: Hier werden Wenn-Sätze behandelt, die syntaktisch in das Vorfeld verschoben werden können, wobei die prosodische Gestaltung eine entscheidende Rolle für die affektive Markierung spielt.
4. Schluss: Der Schluss fasst zusammen, dass die untersuchten Strukturen wesentlich zur Gestaltung kommunikativer Freiräume und zur Steuerung sozialer Interaktionen beitragen.
Schlüsselwörter
Wenn-Sätze, Vor-Vorfeld, Syntax, gesprochene Sprache, Topologie, Diskursstrukturierung, Prosodie, Konditionalkonstruktionen, Kohärenzbildung, affektive Markierung, Kommunikation, Sprachliche Interaktion, Höflichkeitsroutinen, Protasis, Apodosis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der syntaktischen Position und den Funktionen von Wenn-Sätzen, die im Vor-Vorfeld des gesprochenen Deutsch stehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der Topologie, der Diskursgestaltung sowie der Rolle von Prosodie und affektiven Markierungen in Wenn-Konstruktionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu untersuchen, ob und unter welchen Bedingungen diese Wenn-Sätze in das Vorfeld verrückt werden können und welche kommunikativen Konsequenzen daraus resultieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine linguistische Analyse, die auf Datenmaterial aus Audio-Datenbanken basiert, um syntaktische und prosodische Eigenschaften in natürlicher Sprache zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung von nicht-verrückbaren und verrückbaren Wenn-Sätzen, unterteilt in verschiedene Unterkategorien wie diskursstrukturierende oder irreale Konstruktionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Vor-Vorfeld, Diskursstrukturierung, Konditionalkonstruktionen, Kohärenzbildung und prosodische Markierungen.
Was unterscheidet eine Relevanz-Konditionalkonstruktion von einem Prototyp?
Im Gegensatz zum Prototyp besteht bei Relevanz-Konditionalkonstruktionen eine Unabhängigkeit zwischen den Wahrheiten der Protasis und der Apodosis; der Wenn-Satz gibt lediglich den Kontext der Relevanz an.
Welche Funktion erfüllen metakommunikative Wenn-Sätze?
Sie dienen dazu, die Proposition der Apodosis zu kommentieren und explizit auf Regeln der kommunikativen Interaktion einzugehen.
Wie beeinflusst die Prosodie die Interpretation?
Die Prosodie, wie etwa Lautstärke, Tonhöhenbewegungen oder Pausen, bietet wichtige Hinweise für die Interpretation der Nachfolgeäußerung und dient oft der affektiven Aufladung.
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- Annika Onken (Author), 2007, Form und Funktion von Wenn-Sätzen im Vor-Vorfeld, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84338