Die Bildungsbenachteiligung von Schülern mit Migrationshintergrund


Hausarbeit, 2007

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II Die Bildungsbenachteiligung von Schülern mit Migrationshintergrund
II.1 Entwicklung der Migration in Deutschland
II.1.1 Gastarbeiter
II.1.2 Asylanten und das Asylrecht, Flüchtlinge
II.1.3 Aussiedler und Spätaussiedler
II.1.4 Integration
II.2 Die Bildungspolitische Situation für ausländische Schüler allgemein und am Beispiel von Sachsen

II.3 Schüler mit Migrationshintergrund im Blickpunkt der PISA-Studie von 2003
III Lösungsansätze zur Minderung von Bildungsbenachteiligung
III.1 Sonderschulen für Schüler mit Migrationshintergrund – Eine Lösung?
III.2 Bilingualität, Interkulturelle Erziehung und Fördermaßnahmen zur Minderung von Bildungsbenachteiligung

IV Fazit

V Literaturverzeichnis

I Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Bildungsbenachteiligung von Schülern mit Migrationshintergrund. Wenn man in der heutigen Zeit von Migration spricht, ist gleichzeitig der Begriff der Integration naheliegend. Bereits seit den 60er Jahren erfolgte in Deutschland ein großer Ansturm seitens ausländischer Bürger. Grund dafür war der Mangel an Arbeitskräften, die aufgrund der fluktuierenden Wirtschaft benötigt wurden und Deutschland aufgrund des II. Weltkrieges bevölkerungsmäßig noch geschwächt war. Aber auch durch weltpolitische Änderungen in den folgenden Jahren und Jahrzehnten sollte sich der Zuwanderungsstrom nach Deutschland noch verstärken. Das mit den Migranten gleichzeitig ihre Familien und somit vor allem auch deren Kinder mit in die Bundesrepublik einreisten, ist naheliegend. Bereits damals erfolgte der Versuch die Kinder in das deutsche Bildungswesen zu integrieren, aber die Diskussion war weniger intensiv, wie sie zur heutigen Zeit geführt wird. Im Laufe der Arbeit soll versucht werden die Entwicklung der Migration in Deutschland zu erläutern und die Bildungspolitik der Bundesrepublik und speziell des Freistaates Sachsen darzulegen. Weiterhin wird auf die Beteiligung der Migrationsschüler an Bildung anhand der PISA-Studie eingegangen und versucht die Bildungsbeteiligung von Schülern mit Migrationshintergrund näher zu erläutern. Im zweiten Teil soll dann auf mögliche Lösungsansätze zur Beseitigung der Benachteiligung eingegangen werden. Die Literatur zum Thema der Hausarbeit ist sehr umfangreich und umfasst soziologische sowie auch pädagogische Werke. Aufgrund dieser Tatsache wird auch meine Hausarbeit soziologische als auch pädagogische Elemente beinhalten.

II Die Bildungsbenachteiligung von Schülern mit Migrationshintergrund

II.1 Entwicklung der Migration in Deutschland

II.1.1 Gastarbeiter

Aufgrund der bereits erwähnten Situation der Nachkriegszeit, sowie dem damit resultierenden Problem des Arbeitskräftemangels während der Expansion der Weltwirtschaft kam es zu Verträgen zwischen Deutschland und verschiedenen südeuropäischen, aber auch außereuropäischen Staaten. Ziel hierbei war es, Arbeitskräfte für die Bundesrepublik zu gewinnen, ihnen spezifische Qualifikationen zukommen zu lassen, damit sie später der Industrie in ihren Heimatländern dienlich werden konnten.[1] Ursprünglich war dabei eine Aufenthaltsdauer von einem Jahr vorgesehen. Da sich dieser Aufenthalt jedoch verlängerte, holten die Gastarbeiter ihre Familien nach, die von der Politik gewollten Billigarbeiter entwickelten sich langsam aber stetig zu Einwanderungsfamilien, denen es fern lag Deutschland wieder zu verlassen. Damit erhöhte sich auch der Familiennachzug ständig. Vor allem ein Nachzug von Kindern war durch die Bundesregierung nicht geplant.[2] Durch die Ölkrise 1973 kündigte man seitens der Bundesregierung die Anwerbeverträge. Zwischenzeitlich waren jedoch auch die wirtschaftlichen Verhältnisse in den Heimatländern der Gastarbeiter desolat und Deutschland konnte es sich ebenso nicht erlauben einen Großteil von ihnen auszuweisen, da viele Wirtschaftszweige mit ausländischen Arbeitskräften überrepräsentiert waren.

II.1.2 Asylanten und das Asylrecht, Flüchtlinge

In Deutschland genießen politisch Verfolgte Asylrecht.[3] Mittlerweile versuchen die Menschen jedoch nicht mehr ausschließlich aufgrund von Kriegen oder politischer Verfolgung Zuflucht in Deutschland zu finden, sondern es nehmen auch zunehmend Flüchtlingsströme zu, die aufgrund ökologischer und ökonomischer Faktoren ihr Land verlassen wollen. Diesen Strömen versuchte man durch die Verschärfung der Gesetze entgegenzuwirken.[4] Die sozialen Möglichkeiten für Asylanten sind in Deutschland aufgrund der ihnen auferlegten Rechtsstatuten sehr gering, eine Eingliederung nach langer Aufenthaltsdauer führt zu einer sehr schwachen sozialen Eingliederung.[5]

II.1.3 Aussiedler und Spätaussiedler

Die Zuwanderung von Aussiedlern, bzw. Spätaussiedlern, beginnt in der Phase nach dem II. Weltkrieg und setzt sich bis in die heutigen Tage fort. Diese Personengruppe zählt gemäß Artikel 116 des Grundgesetz nicht zu den Ausländern.[6] 1993 wurde zusätzlich das Kriegsfolgenbereinigungsgesetz erlassen, was zu einem sprunghaften Anstieg des Zuzuges von der nun als Spätaussiedler bezeichneten Gruppe führte. Gleichzeitig war auch die Auflösung der Warschauer-Pakt-Staaten mit verantwortlich für den Ansturm der Spätaussiedler.[7] Die Integrationspolitik erfasst diese Gruppe jedoch erst seit 1990. Bis dahin verlief die Integration eher stillschweigend neben der von Gastarbeitern und Asylsuchenden. Durch die Veränderungen in den Gesetzen zur Zuwanderung von Aussiedlern wurden die sozialen Umstände der Aussiedler drastisch verschlimmert.

Selbstverständlich gibt es noch andere Gründe anzuführen, weshalb Menschen aus ihren Heimatländern nach Deutschland umsiedeln, auf die hier aber nicht näher eingegangen werden soll.

II.1.4 Integration

Der Begriff der Integration wird in verschiedenen Zusammenhängen verwendet und steht der Lateinischen Bezeichnung nach für Wiedereinbeziehung, bzw. die Eingliederung in ein Ganzes. Dabei wird heute hauptsächlich in der Ausländer- oder Sonderpädagogik von Integration gesprochen.[8] Die erzieherische Eingliederung von Personen oder Gruppen soll dabei vor allem eine Trennung von Regel- und Sondererziehungen vermeiden und gleichzeitig harmonisch und konfliktfrei verlaufen.[9]

Clemens Niekrawitz weist jedoch darauf hin, dass Integration nicht mit Assimilation gleichgesetzt werden darf, damit kulturelle Werte der Migranten nicht verloren gehen. Diese „Germanisierung“ hätte zur Folge, dass sie einerseits als Diskriminierung aufgefasst werden kann und eine Reintegration in das Heimatland verhindert, welche letztendlich zu einem dauerhaften Aufenthalt der Migranten führt, was politisch unerwünscht ist.[10] Ob dies heute aus politischer Sicht noch so gesehen wird, ist m.E. nach zu bezweifeln, zumal erst in diesem Jahr erneut ein Integrationsgipfel seitens der Bundesregierung durchgeführt wurde, zu welchem u.a. Vertreter aus ausländischen Organisationen und auch Einzelvertreter von Migranten durch Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel geladen waren.[11]

II.2 Die Bildungspolitische Situation für ausländische Schüler allgemein und am

Beispiel von Sachsen

Die Bildungspolitische Situation für die Schüler der Familien mit Migrations-hintergrund ist in Deutschland nicht in jeder Hinsicht bundeseinheitlich, da die Bildungshoheit stets bei den Ländern liegt. Bereits auf der Kultusministerkonferenz vom 03. Dezember 1971 beschlossen die Minister, dass ausländische Kinder in die entsprechenden Klasse ihrer Jahrgangsstufe aufzunehmen seien, insofern sie der Deutschen Sprache der Stufe entsprechend mächtig sind. Die Möglichkeit einer Vorbereitungsklasse wurde ebenfalls in Erwägung gezogen, um die Schüler auf ihre Jahrgangsstufe vorzubereiten. Insbesondere sollte auch die Muttersprache in den Unterricht einbezogen werden, sowie eine adäquate Schulung für Lehrkräfte erfolgen. Bei einer der nächsten Konferenzen 1976 bestätigte man erneut diese Beschlüsse und traf einige weitere Regelungen in Bezug auf den Unterricht für ausländische Schüler. Die Dauer der Vorbereitungsklasse wurde auf maximal zwei Jahre festgelegt und weitere Fördermöglichkeiten sollten ermöglicht werden. Die Überweisung auf Sonderschulen sollte den gleichen Regeln entsprechen, die auch für die Deutschen Schülern galten. Auf einer der letzten Kultusministerkonferenzen vom 25.10.1996 wurden die Kriterien der Toleranz und Akzeptanz gegenüber ausländischen Mitbürgern in den Vordergrund gerückt. Da diese Kriterien nicht von allen Erwachsenen „gelebt“ werden, übernehmen Kinder und Jugendliche Vorurteile und Stereotype meist von ihnen. An dieser Stelle sah man die Pädagogik in der Pflicht zu handeln, um eben diese Vorurteile abzubauen und eine Diskriminierung von Mitschülern zu vermeiden, bzw. zu verhindern. Auf Möglichkeiten, wie diese Probleme bewältigt werden können, soll im zweiten Teil der Hausarbeit eingegangen werden. Am 24.Mai 2005 wurden auf einer neuerlichen Konferenz der Kultusminister die Sprachprobleme der Migrationsschüler maßgeblich auf den familiären Hintergrund zurückgeführt. Die sozialen Bedingungen, denen die Familie unterliegt, sind dabei hauptsächlich ausschlaggebend für den schulischen Erfolg von den Kindern. Wichtige Neuerungen die vorgeschlagen wurden, sind an dieser Stelle Muttersprachlichen Unterricht am Nachmittag einzuführen, Deutsch als Zweitsprache in den Lehrplan aufzunehmen und vor allem soll auch Kindern von Asylbewerbern die Schulbildung ermöglicht werden.[12] Ein Hauptproblem für die Beschlüsse der Kultusministerkonferenzen ist die Umsetzung, da die Bildungshoheit bei den einzelnen Bundesländern liegt und somit die Beschlüsse nur empfehlenden Charakter aufweisen können.

[...]


[1] Vgl. Seitz, Stefan: Migrantenkinder und positive Schulleistungen, Bad Heilbrunn, 2006, S.10

[2] Vgl. Emmerich, Michaela: Die soziale Situation ausländischer Kinder in der Bundesrepublik

Deutschland; in Buchkremer, Hansjosef; Emmerich Michaela (Hrsg.): Ausländerkinder -

Sonderpädagogische Fragestellungen, Hamburg, 1987, S. 54-55

[3] Zum Asylrecht Deutschlands Art.16a GG; Vgl. Grundgesetz, München, 2001, S.20

[4] Vgl. Seitz, S.11-12

[5] Sachverständigenrat für Zuwanderung und Integration: Migration und Integration – Erfahrungen nutzen,

Neues wagen (Jahresgutachten 2004), Berlin, 2004

[6] Vgl. Art.116, GG, S.59

[7] Sachverständigenrat für Zuwanderung und Integration, S.99-101

[8] Böhm, Winfried: Wörterbuch der Pädagogik, 16.Auflage, Stuttgart, 2005, S.313-314

[9] http://lexikon.meyers.de/meyers/Integration#Soziologie, 24.09.2007

[10] Niekrawitz, Clemens: Interkulturelle Pädagogik im Überblick, 2.Auflage, Frankfurt a.M., 1991

[11] zum Thema Integrationsgipfel siehe: http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Rede/2006/07/2006-

07-15-wortlaut-video-botschaft-integration.html, 24.09.2007

[12] weitere Inhalte zu den Beschlüssen der Kultusministerkonferenzen Vgl. Seitz, S. 15-30

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Bildungsbenachteiligung von Schülern mit Migrationshintergrund
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Jugend in der Moderne heute
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V84388
ISBN (eBook)
9783638007634
ISBN (Buch)
9783638913423
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildungsbenachteiligung, Schülern, Migrationshintergrund, Jugend, Moderne
Arbeit zitieren
Peter Dähn (Autor:in), 2007, Die Bildungsbenachteiligung von Schülern mit Migrationshintergrund, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84388

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