Um dieses Gedicht vollends verstehen zu können, halte ich es zuallererst für wichtig, sich ein wenig mit der Biografie des Autors vertraut zu machen. Den meisten Lesern ist Morgenstern sicherlich eher durch seine witzig-groteske Lyrik der "Galgenlieder" (1905) bekannt (diese erhielten vor einigen Jahren in der "Zeit" immerhin sogar eine
Nominierung zum "Jahrhundertbuch"), den größten Teil seines Schaffens macht jedoch die Gedankenlyrik aus, in der er ernste, religiöse und auch melancholische Themen verarbeitet. Christian Morgenstern, 1871 geboren, erkrankt im jungen Alter von 22 an Tuberkulose, die zu dieser Zeit nur sehr schwer zu behandeln ist, und meist mit tödlichen Folgen endet. 2 Jahre nach dem Ausbruch seiner Krankheit bringt er mit "In Phanta′s Schloß" seinen ersten Lyrikband heraus, welcher auch das von mir ausgewählte Gedicht beinhaltet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Biografie des Autors
3. Analyse des Gedichtes „Abenddämmerung“
3.1 Aufbau und Form
3.2 Interpretation der Metaphorik
3.3 Die Bedeutung der „Alten“
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, das Gedicht „Abenddämmerung“ von Christian Morgenstern einer tiefgehenden literaturwissenschaftlichen Interpretation zu unterziehen. Dabei steht die Untersuchung der Symbolik, der formalen Gestaltung sowie der biographischen Einflüsse des Autors im Zentrum der Forschungsfrage.
- Literarische Analyse des Gedichtes „Abenddämmerung“
- Untersuchung der formalen Struktur und der freien Rhythmik
- Deutung der zentralen Metaphern (Alte, Licht, Nacht)
- Biographische Kontextualisierung von Morgensterns Schaffen
- Einordnung des Werkes im Hinblick auf die visuelle Dichtung
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung der „Alten“
Meiner Meinung nach ist die Alte hier ein Symbol für das Alter(n), vielleicht aber auch eine Krankheit (Morgensterns Tuberkulose?), während Licht und Sonne für Lebensenergie und Optimismus stehen. Im weiteren Verlauf des Gedichtes ergibt dies einen perfekten Sinn, denn in der nächsten Strophe (2.) wird dem Leser das „Töchterchen“ der Alten/Abenddämmerung vorgestellt: Die Nacht. Sie „greift begierig ins ängstlich verschlossene Schurztuch“ der Alten, um ihr die Lebensenergie und den Optimismus zu entziehen, wegzunehmen. Die Nacht symbolisiert deshalb in meinen Augen den Tod, denn Tod und Alter/ Krankheit gehen Hand in Hand. Bestätigt wird dies nun dadurch, dass die Hand der Nacht schneeweiß erscheint, nachdem sie sie aus dem Tuch der Alten gezogen hat.
Obwohl es etwas makaber erscheint (gut möglich, dass sich Morgenstern hierbei etwas gänzlich anderes gedacht hat), ist die Haut einer Leiche ebenfalls deutlich blasser, als bei den meisten noch im Leben weilenden Menschen. Dieses Thema wird auch gerne von Horrorfilmen bzw. –geschichten aufgegriffen, in denen ein Mensch mit dem Tod, meist durch den Sensenmann dargestellt, Kontakt macht und bei einer Berührung sofort verblasst.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung bereitet den Leser auf die Interpretation vor, indem sie den Fokus auf die Biografie Christian Morgensterns und die Erwartungshaltung an den Titel des Gedichtes lenkt.
2. Biografie des Autors: Dieses Kapitel beleuchtet den Lebensweg Morgensterns, insbesondere den frühen Ausbruch seiner Tuberkulose-Erkrankung, die sein literarisches Schaffen maßgeblich beeinflusste.
3. Analyse des Gedichtes „Abenddämmerung“: Der Hauptteil untersucht die formale Struktur, das Fehlen klassischer Metrik und Reimschemata sowie die komplexe, teils makabere Symbolik des Gedichtes.
4. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Analyse zusammen und ordnet Morgensterns Werk als Vorläufer der visuellen Dichtung ein, womit er seiner Zeit weit voraus war.
Schlüsselwörter
Gedichtinterpretation, Abenddämmerung, Christian Morgenstern, Lyrik, Melancholie, Symbolik, Tod, Tuberkulose, Metaphorik, freie Rhythmen, Ballade, visuelle Dichtung, Literaturanalyse, Todesdarstellung, Lebensenergie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit widmet sich der detaillierten Interpretation des Gedichtes „Abenddämmerung“ von Christian Morgenstern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Auseinandersetzung mit dem Tod, das Älterwerden, die Rolle der Krankheit und die literarische Gestaltung durch freie Formen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die tiefergehende Bedeutung der im Gedicht verwendeten Metaphorik und deren Verbindung zur Lebensgeschichte des Autors zu ergründen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die Form-, Inhalts- und biographische Interpretationsansätze kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den ungewöhnlichen Aufbau des Gedichtes und interpretiert die symbolträchtigen Figuren wie die „Alte“ und die „Nacht“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Lyrik, Melancholie, Symbolik, freie Rhythmen und die Verbindung zwischen Krankheit und künstlerischem Schaffen.
Inwiefern beeinflusste Morgensterns Krankheit das Gedicht?
Der Autor interpretiert die „Alte“ im Gedicht möglicherweise als Allegorie für Morgensterns Tuberkulose-Erkrankung und den Prozess des Sterbens.
Warum wählte Morgenstern keine klassische Reimform?
Der Verfasser argumentiert, dass das ernste und endgültige Thema des Todes nicht in ein starres, klassisches Schema gepresst werden sollte.
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- Tim Leidecker (Autor), 2002, Gedichtsinterpretation Abenddämmerung von Christian Morgenstern, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8447