In dieser Hausarbeit werde ich mich mit dem „Ehrbegriff“ und der Bedeutung der Ehre für Migranten in Deutschland beschäftigen. Ich werde speziell auf die Migrantengruppe türkischer Herkunft eingehen, weil Migranten türkischer Herkunft 1. die größte nicht-deutsche Bevölkerungsgruppe in Deutschland bilden. Und 2. weil viele der Jugendlichen bzw. auch Erwachsenen mit türkischem Migrationshintergrund sich bei der Begründung einer Tat auf ihre Ehre beziehen. „Sie müssen ihre Ehre verteidigen“ ist eine häufige Aussage dieser männlichen Bevölkerungsgruppe.
Mit dieser Arbeit möchte ich ebenfalls herausarbeiten, welche Bedeutung die Ehre vor allem für jugendliche Migranten hier in Deutschland hat. Zunächst ist es daher wichtig auf einige Begrifflichkeiten des Ehrbegriffes einzugehen. Im zweiten Punkt werde ich mich darauf beziehen, welche Bedeutung die Ehre in den Ländern Türkei und Deutschland hat. Und um einen Vergleich zu einem anderen christlich geprägten Land zu haben, werde ich die Bedeutung der Ehre auf Sardinien darstellen. Schließlich möchte ich noch auf das Phänomen des Ehrenmordes zu sprechen kommen, um dann anschließend mit einem Fazit die Arbeit zu beenden.
I. Der Ehrbegriff...
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
I. Der Ehrbegriff (türkische Begriffe – Übersetzungen)
1. Die Ehrbegriffe „namus“ und „şeref“
2. „onur“ – „Würde“
II. Ehre in der Türkei, auf Sardinien und in Deutschland
1. Die Ehre in der Türkei
2. Die Ehre auf Sardinien
3. Der Ehrbegriff in Deutschland
III. Ehrbegriff bei jugendlichen Migranten in Deutschland – Ursache für Konflikte?
IV. Ehrenmorde
V. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Begriff der Ehre und dessen tiefgreifende Bedeutung für Migranten türkischer Herkunft in Deutschland. Dabei wird insbesondere analysiert, inwiefern traditionelle Ehrvorstellungen als Ursache für soziale Konflikte, Gewalt und das Phänomen der Ehrenmorde innerhalb dieser Bevölkerungsgruppe fungieren können.
- Semantische Analyse und kulturelle Einordnung des Ehrbegriffs.
- Vergleichende Betrachtung der Ehre in der Türkei, auf Sardinien und in Deutschland.
- Analyse der psychosozialen Belastung und Identitätsfindung jugendlicher Migranten.
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Ehre, Männlichkeitsbildern und Delinquenz.
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Ehrenmorde und Präventionsmöglichkeiten.
Auszug aus dem Buch
III. Ehrbegriff bei jugendlichen Migranten in Deutschland - Ursache für Konflikte?
Muzaffer: „Am Merianplatz, im Las Vegas, dem Spielsalon, da waren ich, der Seyfettin, der Bruder vom Seyfettin und ein Typ, der besoffen war. Und dann hat der andere, der besoffen war, den Seyfettin die ganze Zeit angemacht. Der Seyfettin hat gemeint: ‚Das kann passieren, der ist besoffen.’ ‚Ich mach nix’, hat er gemeint. Aber der Typ hat dauernd Scheißzeug gelabert, hat auch schlimme Wörter gesagt. Er war auch so ein Türke. ‚Ich fick deine Mutter’, hat er gemeint, ‚Ich fick deine Mutter.’ Und dann wurden alle beide aggressiv. Nachher wurde der Typ abgestochen – neben mir. Guck mal, das ist ja die Ehre, verstehst du?“ (Tertilt, Hermann. 1996 S. 211)
In der eben geschilderten Erzählung eines Turkish Power Boy erwähnt dieser klar und deutlich das Motiv der Ehre. Die Turkish Power Boys waren eine der vielen Jugendbanden der 90er Jahre und kamen aus Frankfurt am Main. Das Ehrkonzept spielte bei ihnen, wie bei vielen anderen Jugendbanden und jugendlichen Migranten eine große Rolle. Und bestimmte die Verhaltensregeln enorm. Viele der Jugendlichen begründen ihre Taten mit ihrer verletzten Ehre oder meinen handeln zu müssen um ihre Ehre zu verteidigen.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Einleitung in die Problematik durch ein konkretes Fallbeispiel eines Ehrenmordes und Darlegung der Zielsetzung, den Einfluss des Ehrbegriffs auf Migranten türkischer Herkunft zu untersuchen.
I. Der Ehrbegriff (türkische Begriffe – Übersetzungen): Erläuterung zentraler türkischer Ehrbegriffe wie „namus“, „şeref“ und „onur“ sowie deren jeweilige Bedeutung im gesellschaftlichen und privaten Kontext.
II. Ehre in der Türkei, auf Sardinien und in Deutschland: Vergleich der Ehrkonzepte in verschiedenen kulturellen Räumen, um aufzuzeigen, dass Ehre ein sozialer Ordnungsfaktor ist, der über den islamischen Kulturraum hinausgeht.
III. Ehrbegriff bei jugendlichen Migranten in Deutschland – Ursache für Konflikte?: Analyse, wie Migrationserfahrungen und traditionelle Wertvorstellungen bei Jugendlichen zu Identitätskonflikten führen und in Verbindung mit Männlichkeitskonzepten Delinquenz fördern können.
IV. Ehrenmorde: Eingehende Untersuchung des Ehrenmordes, seiner Hintergründe, der Rolle öffentlicher Kontrolle und der Frage, ob Ehrenmorde rein religiös begründet sind.
V. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse mit einem Appell für mehr interkulturelle Dialoge, Aufklärung und pädagogische Maßnahmen wie die Konfrontative Pädagogik, um Gewalt im Namen der Ehre vorzubeugen.
Schlüsselwörter
Ehre, Ehrbegriff, Migration, Jugendliche, türkische Herkunft, Ehrenmord, soziale Kontrolle, Männlichkeitskonzept, Vendetta, Integration, Konfrontative Pädagogik, Patriarchat, Identitätskonflikt, Gewalt, Diskriminierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung des Ehrbegriffs für Migranten türkischer Herkunft in Deutschland und wie diese traditionellen Werte das Verhalten und die soziale Integration beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Definition von Ehrbegriffen, der Vergleich zwischen verschiedenen Kulturen (Türkei, Sardinien, Deutschland), die psychosoziale Belastung jugendlicher Migranten sowie die Ursachen und Hintergründe von Ehrenmorden.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Einfluss des traditionellen Ehrverständnisses auf das Handeln jugendlicher Migranten zu ergründen und herauszuarbeiten, warum dies in Konflikten oder Straftaten resultieren kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse soziologischer und pädagogischer Literatur sowie der Auswertung von Fallbeispielen und empirischen Berichten zu Jugendbanden und Ehrenmorden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine semantische Einführung, einen interkulturellen Vergleich der Ehrbegriffe, eine Analyse der Identitätskrise junger Migranten und eine kritische Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Ehrenmordes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Ehre, Ehrenmord, Migration, Identitätsfindung, patriarchale Strukturen, Konfrontative Pädagogik und soziale Kontrolle.
Welche Rolle spielt das Männlichkeitskonzept bei Ehrenkonflikten?
Ein "ehrenhafter" Mann gilt als stark und durchsetzungsfähig. Die Verteidigung der familiären Ehre – insbesondere der weiblichen Mitglieder – wird als notwendiger Teil der männlichen Identität gesehen, was bei wahrgenommenen Ehrverletzungen zu Gewalt führt.
Sind Ehrenmorde ausschließlich als religiöses Phänomen zu betrachten?
Nein, die Autorin arbeitet heraus, dass es sich primär um ein patriarchales und vorislamisches Phänomen handelt, das in verschiedenen Kulturen und Religionen vorkommt, auch wenn es fälschlicherweise oft religiös legitimiert wird.
Welche Rolle spielt die "Öffentlichkeit" beim Thema Ehre?
Die öffentliche Meinung und die soziale Kontrolle durch die Community üben einen enormen Druck auf Individuen und Familien aus, da Ehrverletzungen sonst zum sozialen Ausschluss führen können.
- Quote paper
- Hüseyin Tunc (Author), 2007, „Eine Frage der Ehre!“ - Die Bedeutung der Ehre bei Migranten in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84530