Strukturen der Landwirtschaft in Polen vor und nach dem Zweiten Weltkrieg


Hausarbeit, 2006

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Die Strukturen der Landwirtschaft Polens vor dem Zweiten Weltkrieg

3 Die Strukturen der Landwirtschaft Polens nach dem Zweiten Weltkrieg
3.1 Westverschiebungen der polnischen Grenzen
3.2 Zustand der polnischen Landwirtschaft nach 1945
3.3 Der Weg zur Kollektivierung der Landwirtschaft (mit Exkurs: Verschiedene LPG Typen)
3.4 Probleme durch die Kollektivierung der Landwirtschaft
3.5 Bodennutzung
3.6 Mechanisierung
3.7 Erträge in der Pflanzenproduktion

4 Anhang

5 Literaturverzeichnis

Strukturen der Landwirtschaft in Polen vor und nach

dem Zweiten Weltkrieg

1 Einleitung

Die Entwicklung des Landes ist im Verlauf der letzten Jahrhunderte eine besonders wechselvolle gewesen. Einen Großteil der Zeit okkupiert von den Nachbarstaaten Preußen, Russland und Österreich verlief die Entwicklung in den verschiedenen Gebieten durchaus unterschiedlich. Die größte Zäsur stellte für den damals jungen polnischen Staat jedoch der Zweite Weltkrieg dar. Dieser besiegelte den Untergang Polens bis zur Neugründung nach Kriegsende. Hier stand die wirtschaftliche, politische und militärische Anbindung an die Großmacht UdSSR im Vordergrund.

Der Einfluss Moskaus wirkte sich als dann auch auf die polnische Landwirtschaft aus, die den großen Sprung unter sowjetischer Maßgabe schaffen sollte. Die Maßnahmen, die die angestrebte Entwicklung einleiten sollten, die speziellen Probleme, die damit zusammenhingen und die Ergebnisse sollen im Folgenden näher betrachtet werden. Daraus soll sich eine differenzierte Betrachtung der polnischen Landwirtschaft, im Herzen Ostmitteleuropas, vor und nach dem Zweiten Weltkrieg ergeben.

2 Die Strukturen der Landwirtschaft Polens vor dem Zweiten Weltkrieg

Wie bereits unter 1 kurz skizziert, unterlagen große Teile Polens dem Einfluss seiner Nachbarn oder waren sogar durch diese annektiert. Daher unterlag auch die Landwirtschaft in den jeweiligen Gebieten unterschiedlichen Einflüssen.

Nach dem Wiener Kongress unterlag der westliche Teil Polens (Posen) unter preußischer Herrschaft, der östliche Teil (Kongresspolen) war dem russischen Kaiserreich zugeschlagen und Teile Südpolens (Galizien) fielen an das Habsburger Reich.

Nach dem Ende des Ersten bis zu Beginn des Zweiten Weltkrieges verschmolzen dann die Teilgebiete unter Fremdherrschaft (Posen – Pomerellen, Kongresspolen, Galizien) und wurden in einen polnischen Staat überführt. Dies hatte zur Folge, dass die einzelnen Gebiete auch landwirtschaftlich aus ihren bisherigen Handels- und Entwicklungsbeziehungen herausgelöst wurden.

Im Vergleich der Erträge der wesentlichen Feldfrüchte im von Preußen beeinflussten Großpolen- Posen und dem östlicheren Kongresspolen bzw. südlichen Galizien treten erhebliche Unterscheide zu Tage, die vor allem durch den trostlosen Zustand der Landwirtschaft im russisch bzw. österreichisch besetzten Teil bedingen. (vgl. PELZER 1991, S. 190).

Während im Westen Polens Produktionsüberschüsse einer ertragreichen Landwirtschaft vorfand, die nach ihrer damaligen Entwicklung und Organisation „dem Wirtschaftsniveau Westeuropas angeglichen war“, verlief im vorherigen russisch und österreichisch besetzten Gebiet der Entwicklungsprozess wesentlich langsamer (ECKART 1983, S. 59). Zu dieser Rückschrittlichkeit kamen noch der geringere Ernteertrag von bis zu 50% und die weitaus geringere marktwirtschaftliche Ausrichtung. Somit „sank der Stand der Landwirtschaft von West nach Ost ab“ (ebenda S.59).

Dieser Gründungsakt brachte neben ökonomischen Folgen auch soziale Auswirkungen mit sich. Die so eingeleitete Agrarkrise machte auch vor dem agrarisch gut entwickelten Westen Polens keinen Halt. Die üblichen Ertragsüberschüsse blieben aus. Daraus ergab sich eine Reduzierung der Kaufkraft der landwirtschaftlichen Bevölkerung in diesen Gebieten und einen Rückgang der landwirtschaftlichen Entwicklung insgesamt. Im Osten des jungen Landes wurden über staatliche Stützungs- und Entschuldungsprogramme eine Verbesserung der Lage bewirkt, was sich insbesondere in der Steigerung der Erträge bemerkbar machte. Auf diese Weise glichen sich die Verhältnisse zu Lasten des Westens, aber zu Gunsten des Ostens langsam an.

Bei der 1921 durchgeführten Erhebung (Tab. 1) zur Struktur der landwirtschaftlichen Betriebe ergibt sich folgendes Bild:

Bei der Analyse ist besonders auffällig, dass fast 2/3 aller landwirtschaftlichen Betriebe eine maximale Betriebsgröße von 5 ha aufweisen. Danach folgen mit fast 1/3 die Betriebe mit maximal 20 ha LN. Damit lässt sich die Struktur der polnischen Landwirtschaft der Zwanziger Jahre zum einen als Klein- und Kleinstbetriebe charakterisieren, die allerdings nur 14,8% der LN Polens bewirtschafteten. Darüber hinaus besaßen die Mehrzahl dieser Bauern (jeder sechste) gar kein eigenes Land. Zudem war die Anbindung der Betriebe an überregionale Märkte gar nicht oder nur schwach ausgebildet. Auch die Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung für nötige Investitionen dürfen als sehr begrenzt angesehen werden. Anders stellt sich die Situation der Großgrundbesitzer, vor allem in Westpolen, dar. Der Anteil der Betriebe mit mehr als 50 ha lag zwar insgesamt bei nur 1%, aber jeder dieser Bauern hatte im Durchschnitt eine Betriebsgröße von 700 ha. Zählt man die Flächen dieser Betriebe zusammen, machen sie einen Anteil von 44,8% der gesamten polnischen LN aus. Als weiteres Merkmal der Strukturen der Landwirtschaft Polens, lässt sich die Dominanz wirtschaftlicher Großeinheiten feststellen.

Um diese enormen Differenzen abzustellen und die Entwicklung der Landwirtschaft voranzutreiben, erließ das polnische Parlament (Sejm) eine Reihe von Gesetzen. Im Jahre 1920 wurde, nach sowjetischem Vorbild, die Enteignung der Großgrundbesitzer festgelegt. Diese Flächen sollten, unter staatlicher Aufsicht, zur Gründung neuer Betriebe in der Größe von

15 – 45 ha verwendet werden. Im Jahr 1925 beschloss ein weiteres Gesetz die Kontingentierung des Bodens mit jährlicher Parzellierung. Im dritten Gesetz von 1932 wurden vielfältige Hilfen versprochen, auch für die verschuldeten Großbetriebe. Diese Reformen waren von Aktionismus getragen, der über eine mögliche Gefahr eines Bauernaufstandes hinwegtäuschen sollte. So Enteignete man u. a. fremde Volksgruppen, um landhungrige Bauern ruhig zu stellen. Tatsächlich wurde nur wenig der angekündigten Reformen auch verwirklicht, so dass am Ende nur 26,6% der anspruchsberechtigten Bauern auch zu eigenem Land kamen. Zusätzlich blieben auch nach der Bodenreform ca. 30% der Landbevölkerung ohne Beschäftigung. (vgl. ECKART 1983, S. 61)

3 Die Strukturen der Landwirtschaft Polens nach dem Zweiten Weltkrieg

3.1 Westverschiebungen der polnischen Grenzen

Im Zuge der politischen und territorialen Neuordnung Kontinentaleuropas hat sich der Einflussbereich Sowjetrusslands auf seine Nachbarstaaten, die später unter „Warschauer Pakt“ firmierten, ausgedehnt. Das brachte für die betroffenen Staaten die Bindung an die UdSSR und die Übernahme des Sozialismus und der Zentralen Planverwaltungswirtschaft mit sich. Gleichzeitig wurde das Gebiet des ehemals Deutschen Reiches durch Abtretung an seine Nachbarn verringert. Dadurch wurden, unter Vertreibung der ansässigen Deutschstämmigen, die Gebiete östlich der Oder, der östlichen Teil des Lausitzer Landrückens sowie die Schlesische Bucht unter polnische Verwaltung gestellt.

Mit der Westverschiebung der polnischen Westgrenze ging aber auch die Verschiebung der Ostgrenzen nach Westen einher. Hier musste Polen östlich von Lemberg große Teile Wolyniens, die Polessje Sümpfe und das Gebiet östlich von Grodno bis nach Minsk an die UdSSR abtreten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Strukturen der Landwirtschaft in Polen vor und nach dem Zweiten Weltkrieg
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (Geographie)
Veranstaltung
Ost-Mittel-Europa - ein Raum im Umbruch
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V84541
ISBN (eBook)
9783638008808
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Strukturen, Landwirtschaft, Polen, Zweiten, Weltkrieg, Ost-Mittel-Europa, Raum, Umbruch
Arbeit zitieren
Bachelor of Science Alexander Fricke (Autor), 2006, Strukturen der Landwirtschaft in Polen vor und nach dem Zweiten Weltkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84541

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