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Erzählen aus der Differenz - Die Sprache als konstituierendes Element in Robert Antelmes "Das Menschengeschlecht"

Title: Erzählen aus der Differenz - Die Sprache als konstituierendes Element in Robert Antelmes "Das Menschengeschlecht"

Term Paper , 1998 , 14 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Jochen O. Ley (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Intention der Arbeit ist es herauszufinden, wie der Autor von dem, was er erlebt hat, berichtet. Dabei soll in erster Linie der Text selbst im Mittelpunkt der Betrachtung stehen, die weitere Forschungsliteratur wird nur ergänzend bzw. erläuternd benutzt werden.
Zwei Hauptpunkte rücken bei dieser Art der Untersuchung in das Blickfeld des Betrachters: zum einen das „Erzählen aus der Differenz“ , zum anderen die sprachliche Verarbeitung des erlebten Schreckens.
Antelmes Geschichte konstituiert sich aus unterschiedlichen ‘Sprachen’, d. h. es werden divergierende Codes gegeneinander gesetzt, die die Gruppen des KZ Buchenwald als ihre eigenen benutzen. Somit macht der Verfasser das sagbar, was oftmals als unsagbar betrachtet wird. Auf die Problematik der „sagbaren Unsagbarkeit“ , der Vermittlung des erlebten Terrors, - und die damit verbundene Debatte um die Historizität des Nationalsozialismus sowie seiner Schrecken - wird nicht explizit eingegangen werden; jedoch kann einiges davon in dieser Arbeit implizit erläutert werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Exkurs: Das KZ Buchenwald

3 Die Sprache des Berichts

3.1 Die Sprache der Häftlinge

3.2 Die Sprache der SS

3.2.1 Die Sprache der Kapos

3.3 Die Sprache der Erinnerung

4 Das Menschengeschlecht als exemplarische Erfahrung

5 Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese wissenschaftliche Abhandlung untersucht das Werk "Das Menschengeschlecht. Als Deportierter in Deutschland" von Robert Antelme mit dem primären Ziel, die sprachliche Verarbeitung der KZ-Erfahrung zu analysieren. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie der Autor durch die bewusste Gegenüberstellung verschiedener sprachlicher Codes (Häftlinge, SS, Erinnerung) das Erlebte für den Leser greifbar macht und dabei die Problematik der Sagbarkeit im Kontext des Holocausts thematisiert.

  • Sprachliche Differenzierung und Code-Bildung im KZ Buchenwald
  • Die Funktion der Sprache als Widerstandsmittel der Häftlinge
  • Die entmenschlichende Wirkung der Befehlssprache der SS
  • Die Rolle der Kapos als Vermittler der Machtsprache
  • Die Ambivalenz der Erinnerung im Spannungsfeld zwischen Sagen und Schweigen

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Sprache der Häftlinge

Die Sprache der Häftlinge ist ein Code, der sich in Abgrenzung zu bzw. Absetzung von der beherrschenden Sprache der Aufseher des Lagers gebildet hat. Diese Sprache ist den Inhaftierten gemein, nur sie haben sie, sie können über sie frei verfügen: „Und so beginnt man, sie [die Sprache] zu schätzen, sie anzubeten, denn sie ist das letzte Gemeinsame geworden, über das wir verfügen. […] Ich lasse sie aufhören und wieder hervorsprudeln, ganz wie ich will, ich verfüge über sie.“ Es gibt nichts Außergewöhnliches an dieser Sprache, sie nicht geheim, nicht neu, nicht erfunden, aber sie ist Sprache an sich: „Es ist vielleicht die Sprache, die uns täuscht; es ist dort die gleiche wie hier, wir bedienen uns der gleichen Wörter, wir sprechen die gleichen Namen aus. […] Sie vermögen viel, aber sie können uns keine neue Sprache, etwa eine Häftlingssprache, beibringen.“ Sprache bedeutet hier Überleben, bedeutet Widerstand gegen die Einförmigkeit und Egalisierung durch die SS, bedeutet Hoffnung. Stiegler stellt dazu fest: „Die gemeinsame Sprache ist keine Nationalsprache und keine geschichtlich gewordene, sondern sie gewinnt nur als Widerstand gegen die Sprache der SS ihre Bedeutung. […] Die Sprache widersetzt sich der Vernichtung.“

Wie sieht nun diese Sprache aus? Man kann unproblematisch konstatieren, daß die Sprache Antelmes die Sprache der Häftlinge ist, so, wie er sie, als Teil der Inhaftiertengemeinschaft, gesprochen hat. Der Satzbau ist syntaktisch, einfach strukturiert, das Gesehene oder Vorgefallene wird emotionslos berichtet, oftmals wiederholt, so daß sich an einigen Stellen der Eindruck aufdrängt, man habe dies alles schon einmal gelesen, und finde nur die erneute Aufzählung von Stereotypen. Die Alltäglichkeiten gewinnen an Bedeutung und werden mitgeteilt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Untersuchung, den Sprachgebrauch in Antelmes Werk zu analysieren und das Konzept des "Erzählens aus der Differenz" zu erläutern.

2 Exkurs: Das KZ Buchenwald: Dieses Kapitel liefert den historischen Kontext des Konzentrationslagers Buchenwald, seiner Strukturen und der Lebensbedingungen der Inhaftierten.

3 Die Sprache des Berichts: Hier wird die zentrale These der Arbeit entwickelt, dass sich Antelmes Bericht aus dem Widerstreit divergierender sprachlicher Codes (Häftlinge, SS, Erinnerung) konstituiert.

3.1 Die Sprache der Häftlinge: Das Kapitel beschreibt, wie die Häftlinge durch eine einfache, bewahrende Sprache Widerstand gegen die Entmenschlichung leisteten.

3.2 Die Sprache der SS: Der Abschnitt analysiert die befehlende, brutale und entmenschlichende Sprache der Bewacher als ein Instrument der Machtausübung.

3.2.1 Die Sprache der Kapos: Es wird untersucht, wie Kapos die Sprache der Macht adaptierten, um ihre exponierte Stellung innerhalb der Lagerhierarchie zu sichern.

3.3 Die Sprache der Erinnerung: Dieses Kapitel thematisiert die detaillierte, teils illusionatorische Art der Erinnerungsarbeit an die Zeit vor dem Lager, die jedoch mit zunehmendem Abstand schmerzhaft wird.

4 Das Menschengeschlecht als exemplarische Erfahrung: Hier wird die Problematik der Literarisierbarkeit des Holocausts diskutiert und Antelmes methodischer Ansatz der exemplarischen Schilderung gewürdigt.

5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Antelme durch die Differenz der Sprachen das Unaussprechliche erfahrbar macht, ohne dabei in eine simple Erlebnisbericht-Struktur zu verfallen.

Schlüsselwörter

Robert Antelme, Das Menschengeschlecht, KZ Buchenwald, Holocaust, Sprache, Lager, Häftlinge, SS, Kapos, Erinnerung, Widerstand, Entmenschlichung, Sagbarkeit, Identität, Zeugenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit Robert Antelmes Buch "Das Menschengeschlecht" und untersucht, wie der Autor die Erfahrungen der KZ-Haft sprachlich verarbeitet.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?

Zentrale Themen sind die Differenzierung verschiedener Sprach-Codes innerhalb des Lagers sowie die Frage, wie ein solcher Schrecken überhaupt literarisch vermittelt werden kann.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, das "Erzählen aus der Differenz" bei Antelme zu analysieren und aufzuzeigen, wie unterschiedliche Sprachen (der Häftlinge, der SS, der Erinnerung) den Text konstituieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine textimmanente Analyse, bei der das Werk von Antelme selbst im Mittelpunkt steht und Sekundärliteratur lediglich ergänzend hinzugezogen wird.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der drei sprachlichen Ebenen: die bewahrende Sprache der Häftlinge, die brutale Machtsprache der SS und Kapos sowie die schmerzhafte Sprache der Erinnerung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Zu den prägenden Begriffen zählen Sprache, Widerstand, Entmenschlichung, Lager, Erinnerung, exemplarische Erfahrung und Sagbarkeit.

Warum spielt die Rolle der Kapos eine besondere Rolle bei der Sprachanalyse?

Die Kapos fungieren als Bindeglied, da sie als ehemalige Gefangene die Sprache der Unterdrücker adaptieren, um ihre Machtposition durch sprachliche Brutalität zu untermauern.

Wie unterscheidet sich die Sprache der Erinnerung von der im Lageralltag?

Während die Sprache der Häftlinge zur unmittelbaren Bewältigung des Überlebens dient, ist die Sprache der Erinnerung detaillierter, lebensferner und phantastischer, da sie den Kontrast zum "normalen Leben" sucht.

Zu welchem Schluss kommt der Autor bezüglich der "Sagbarkeit"?

Der Autor schließt sich der Auffassung an, dass die Debatte über Sagbarkeit oder Unsagbarkeit für Antelmes exemplarischen Ansatz irrelevant ist, da der Bericht die Erfahrung für den Leser greifbar macht, ohne sie simplifizieren zu müssen.

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Details

Title
Erzählen aus der Differenz - Die Sprache als konstituierendes Element in Robert Antelmes "Das Menschengeschlecht"
College
Ruhr-University of Bochum  (Germanistisches Institut)
Course
Buchenwald bei Weimar. Literatur und Holocaust
Grade
1,5
Author
Jochen O. Ley (Author)
Publication Year
1998
Pages
14
Catalog Number
V84548
ISBN (eBook)
9783638008457
ISBN (Book)
9783638914376
Language
German
Tags
Erzählen Differenz Sprache Element Robert Antelmes Menschengeschlecht Buchenwald Weimar Literatur Holocaust
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jochen O. Ley (Author), 1998, Erzählen aus der Differenz - Die Sprache als konstituierendes Element in Robert Antelmes "Das Menschengeschlecht", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84548
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