Das ist nicht nur eine Einführung in die Schopenhauersche Philosophie, sondern wendet sich auch an Fortgeschrittene:
Eine Haupterkenntnis Schopenhauers lautet: Das Leben ist Leiden. Seine Philosophie kann als Lebensphilosophie, als eine des Leidens, bezeichnet werden. Darüber hinaus bildet ein geheimnisvoll anmutender Begriff, der „Wille“, einen Angelpunkt seiner Theorie. Bei Schopenhauer begegnet uns dieser Terminus als ein zentraler Schlüssel zur Aufdeckung des Wesens der Welt. Auf den Begriff des „Willens“ baut er seine Metaphysik.
Nun betonen moderne Interpreten wie Malter zwar Schopenhauers Fokussierung auf das Leid. Jedoch scheinen diese Interpretationen von einem weiteren Merkmal, der Erlösung vom Leid, geprägt zu sein. Die Erlösung wird von einer Erkenntnis abgeleitet. In den Interpretationen verlagert sich der Fokus nun vom „Willen“ hin zur „Erkenntnis“.
Nach der Auffassung der Autorin bildet jedoch der Wille das Fundament seiner Philosophie, sie sei eine vom „Leid“ ausgehende Metaphysik, in der der „Wille“ die Hauptrolle spielt. Es ist wichtig festzuhalten, wie seine Überlegungen über das Leid und den Willen in eine Theorie münden, die die Autorin Onuki Willensmetaphysik nennt. Sie erörtert die Theorie kritisch und prägnant.
Inhaltsverzeichnis
- I. Einführung
- 1.1. Welt und Leid - Einleitung
- 1.2. Voraussetzung 1: Schopenhauers zentrale Ausgangsposition zum Philosophieren
- 1.3. Voraussetzung 2: Einheitlichkeit der Theorie
- II. Schopenhauers Willensmetaphysik
- 2.1. Mechanismus des Leides - Der Wille und seine Bejahung
- 2.1.1. Objektivation des Willens (1): Bedürftiges Leben aus Motiv und Handlung
- 2.1.1.1. Individuum und Affektion
- 2.1.1.2. Bedürfnisse und Leben
- 2.1.1.3. Das Wollen und das Handeln
- 2.1.1.4. Das Motiv
- 2.1.2. Objektivation des Willens (2): principium individuationis und die Welt
- 2.1.2.1. Empfindung
- 2.1.2.2. Anschauungsformen
- 2.1.2.3. Verstand, Kausalität und Werden
- 2.1.2.4. Projizierte Wirklichkeit
- 2.1.2.5. Vielheit in der Welt
- 2.1.2.6. Erscheinung und die Welt
- 2.1.2.7. Materie
- 2.1.2.8. Denken
- 2.1.3. Objektivation des Willens (3): Wille als Ding an sich und die Welt
- 2.1.3.1. Der Wille als das Was der Welt
- 2.1.3.2. Egoismus
- 2.1.3.3. Idee und intelligibler Charakter
- 2.1.3.4. bellum omnium contra omnes
- 2.1.3.5. Leid und Natur
- 2.1.3.6. Die Rolle der Ethik
- 2.1.3.7. Eine (pessimistische) Anthropologie
- 2.2. Lösung - Der Wille und seine Verneinung
- 2.2.1. Revolution der Erkenntnis (1): Intuition als Erkenntnisbasis
- 2.2.2. Revolution der Erkenntnis (2): Intuitive Erkenntnis
- 2.2.3. Revolution der Erkenntnis (3): Die Negation des Lebens und Askese
- 2.3. Subjekt des Wollens und Erkennens - Selbstbewusstsein des Willens
- III. Problembehandlung
- 3.1. Fokussierung des Willens
- 3.1.1. Bedeutung des Willens
- 3.1.2. Erscheinende Prozessualität
- 3.2. Über die Geschichte
- 3.3. Die Kritik Fischers
- 3.3.1. Kritik (a) – (c)
- 3.3.2. Gegenargumentationen 1
- 3.3.3. Kritik (d) und Gegenargumentation 2
- 3.3.4. Kritik (e) und Gegenargumentation 3
- 3.4. Problematik der Substantialisierung
- 3.4.1. Beispiel Frauenstädt
- 3.4.2. Schopenhauer zur Substantialisierung
- Das Leid als ein unabdingbarer Bestandteil menschlichen Daseins und die Möglichkeit einer Erlösung.
- Der irrationale Wille als Grundlage der Schopenhauerschen Metaphysik.
- Die Prozessualität und Substantialisierung des Willens.
- Die Rolle der Ethik in Schopenhauers Philosophie.
- Schopenhauers Kritik an der traditionellen Metaphysik.
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Das Ziel dieser Untersuchung ist, Arthur Schopenhauers Willensmetaphysik zugänglich zu machen und ihr neu zu begegnen. Dabei steht die These im Zentrum, dass die Willensmetaphysik ihre endgültige Form durch den Bezug auf Leid und Erlösung findet. Die Autorin untersucht Schopenhauers "Philosophie des Leidens" mit dem Ziel, Leid und die Möglichkeit der Erlösung umfassend zu verstehen.
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1 führt in die Thematik des Leids und der zentralen Positionen Schopenhauers ein. Kapitel 2 widmet sich der Darstellung und Interpretation der Schopenhauerschen Willensmetaphysik unter Berücksichtigung des Problems des Leides. Die Autorin analysiert die Objektivation des Willens, die Rolle des Egoismus und die Entstehung von Leid in der Welt. In Kapitel 3 legt die Autorin eine vertiefende Analyse des Schopenhauerschen Willensbegriffs vor, wobei sie insbesondere die Prozessualität und Substantialisierung des Willens in den Blick nimmt. Die Auseinandersetzung mit der Kritik von Kuno Fischer an der Schopenhauerschen Willensmetaphysik bildet einen weiteren Schwerpunkt dieses Kapitels.
Schlüsselwörter
Die Arbeit fokussiert sich auf die Schopenhauersche Willensmetaphysik, das Leid als zentrale Kategorie der Philosophie, die Prozessualität und Substantialisierung des Willens, die Rolle der Ethik, die Kritik an der traditionellen Metaphysik und die Interpretationen von Schopenhauers Willensmetaphysik durch Kuno Fischer und Julius Frauenstädt.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Kern von Schopenhauers „Willensmetaphysik“?
Schopenhauer sieht den irrationalen „Willen“ als das wahre Wesen der Welt. Da dieser Wille niemals dauerhaft befriedigt werden kann, ist das Dasein grundlegend durch Leid geprägt.
Wie hängen Leid und Erkenntnis zusammen?
Während der Wille Leid erzeugt, bietet die Erkenntnis (insbesondere die intuitive Erkenntnis) einen Weg zur Verneinung des Willens und damit zur Erlösung vom Leid.
Was versteht Schopenhauer unter dem „Ding an sich“?
Für Schopenhauer ist der Wille das „Ding an sich“ – die Realität hinter den Erscheinungen, die wir durch Raum, Zeit und Kausalität wahrnehmen.
Welche Rolle spielt die Askese in seiner Philosophie?
Die Askese ist eine Form der Willensverneinung, durch die der Mensch versucht, sich von den Bedürfnissen und dem damit verbundenen Leiden des Daseins zu befreien.
Warum wird Schopenhauers Anthropologie als pessimistisch bezeichnet?
Weil er das menschliche Leben als einen ständigen Kampf (bellum omnium contra omnes) ansieht, der von Egoismus und unstillbarem Verlangen getrieben wird.
- Quote paper
- Chise Onuki (Author), 2006, Schopenhauers Willensmetaphysik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84560