Vertrauen und Macht in der interbetrieblichen Beziehung anhand von betriebswirtschaftswissenschaftlichen Studien


Essay, 2005

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

INHALT

1. Einführende Fragestellung

2. Tröndle: Vertrauen und Macht

3. Haury: Vertrauen und Opportunismus

4. Resümee

5. Literatur

1. Einführende Fragestellung

In der Soziologie gewinnt eine junge Teildisziplin, die Managementsoziologie, eine zunehmende Bedeutung. Hierin werden Arbeits- und Organisationsformen und dafür wünschenswerte Managementarten eines Betriebs untersucht. In der Gegenwart nehmen wirtschaftlicher Verkehr und Kooperationen zwischen Betrieben dementsprechend zu. Die interbetrieblichen, sozialen Phänomene sind als Untersuchungsgegenstand für die Managementsoziologie wichtiger denn je.

Das bedeutende, soziale Phänomen in der Kooperation ist Vertrauen. Loose und Sydow haben beispielsweise Vertrauen in Versicherungsnetzen untersucht.[1] In der wirtschaftlichen Welt herrscht jedoch nach wie vor das Prinzip der Konkurrenz. Die Macht als eine soziale Form spielt eine große Rolle. Wie diese Formen, Vertrauen und Macht in interbetrieblichen Kooperationen, als einzelne sich verhalten, ist darum für die Managementsoziologie eine relevante Frage. Ob es, ferner, einen Knotenpunkt von beiden gibt, ist zu klären.

Dabei ist eine Bemerkung angebracht: Aufgrund ihrer jungen Geschichte scheint die Managementsoziologie ihre theoretische Untersuchung der empirischen Phänomene folgenderweise zu leisten, dass sie diese anhand der herkömmlichen, soziologisch autoritativen Theorien umdeutet - um sich aus der Dominanz der Wirtschaftswissenschaft, Psychologie usw. herauslösend ihr eigenes Fundament aufzubauen.[2] Jedoch sollte die Managementsoziologie sich dazu ernsthaft die Frage stellen: Sind die sozialen Phänomene im Management wirklich so, wie sie in diesen doktrinären Theorien passend erscheinen, obwohl das Management eine sozial eher besondere Handlungsform ist? Wie sehen sie als soziale Phänomene in der Tat aus, so wie sie sind?

In diesem Essay untersuche ich deswegen die Phänomene Vertrauen und Macht in der interbetrieblichen Beziehung und ihr Zusammenhang anhand von zwei betriebswirtschaftswissenschaftlichen Analysen, um den Gegenstand - im Unterschied zur o.g. wissenschaftlichen Tendenz - aus der theoretisch mehr reinen Position aus zu betrachten. Die ausgeführten Literaturen beziehen sich beide auf die Unternehmenskooperation.

2. Tröndle: Vertrauen und Macht

Tröndle erörtert in seiner Schrift Kooperationsmanagement. Steuerung interaktioneller Prozesse bei Unternehmungskooperation (1987) den Zusammenhang von Vertrauen und Macht zwischen Unternehmen in bezug auf zu erforschende Kooperationsmanagement in folgender Weise: Tröndle untersucht die Unternehmungskooperationsbeziehungen im Hinblick auf die interpersonale Struktur bei der Kooperation und das interaktionsorientiertes Kooperationsmanagement. Er merkt an, dass die Unternehmungskooperation als freiwillig-zielorientierte Zusammenarbeit zwischen selbständig bleibenden Unternehmungen zunehmend - besonders im Globalisierungszeitalter - an Bedeutung gewinnt, vorausgesetzt dass die formale Gleichheit aller Partner besteht, ohne dass direkte Weisungsbefugnisse als Koordinationsmechanismen eingesetzt werden.[3] Seine Untersuchung richtet sich auf diese Kooperationsbeziehung. Kooperation findet demnach immer in Interaktionen zwischen Entscheidungsträgern ihren Niederschlag, indem die Individuen, deren Eigenschaften, Motivationen und deren Interaktionen zu Einflussfaktoren werden, von denen die gemeinsame Zielerreichung abhängt. Bei der Entscheidungsfindung entstehen Schwierigkeiten durch das Aufeinandertreffen der Träger, die trotz formaler Gleichheit aus unterschiedlichen soziokulturellen Umwelten stammen, und hierin liegt ein Konfliktpotential. Eine zielorientierte Kooperationsführung ist daher wegen der Selbständigkeit und Abwesenheit von Autorität nur mit der managementären Steuerung und Gestaltung der Beeinflussung in die Richtung der gegenseitigen Abhängigkeit mit Hilfe von der sozialen Kompetenz möglich. Hierin liegt die für uns relevante Spannung von Macht und Vertrauen in managementsoziologischer Hinsicht.

Tröndle erwähnt darüber hinaus einerseits die Macht, die neben der Komplexität[4] und der Intensität zur Dimension der Kooperationsinteraktion gehört. Andererseits das Vertrauen, das zum Kooperationsklima eine wichtige Rolle spielt. Die Merkmale der Macht werden Machtbasis = verfügbare Ressourcen, Machtbereich = beeinflussbare Handlungsfeld, Machtstärke = Intensität des Einflusses und letztens Machtausdehnung = beeinflussbare Person genannt.[5] D.h. Tröndle sieht Macht als die Beeinflussungsdimension, die durch den Komplex dieser Merkmale zur Hauptursache intrakooperativer Konflikte wird, indem die Partner in der formalen Autonomie stehen. Der Machtprozess kann zwar als konfliktionär betrachtet werden, jedoch nicht jeder. Dennoch ist die Regelung der Situation sinnvoll. Denn Konflikte können mit der Regelung sogar auch positive Folgen für die Zielerreichung besitzen. Die funktionale Regelung leitet zu einem zielorientierten Wettbewerb, dahingegen mündet die dysfunktionale Regelung in einen unproduktiven Machtkampf. Dazu sind die Gestaltungs- und Steuerungsfähigkeit des zielwirksamen Kooperationsmanagements unentbehrlich.

Zu Instrumenten des Kooperationsmanagements gehören die Koordination, Beeinflussung und Konflikthandhabung. Die Zielerreichung der Kooperation hängt davon ab, inwieweit es gelingt, die Interaktion in einen Rahmen zu installieren, dass sie kontrollierbar wird. Um den Rahmen für eine konstruktive Zusammenarbeit zu erhalten, bedarf es strukturierender Aktivitäten. Die Ziele, Entscheidungen und Handlungen sollten dafür koordiniert werden. D.h., „aufeinander abzustimmen und zu einem störungsfreien Zusammenwirken zu harmonisieren“.[6] Innerhalb der Interaktion finden dann die Sach-Machtprozesse statt. Jeder Partner versucht, seinen Intentionen möglichst effizient nachzugehen. Daraus entstehen die Spannungszustände. Außerdem erfolgen die dadurch entstehenden Beeinflussungsprozesse symmetrisch, da alle Partnerseiten versuchen, sich gegenseitig zu beeinflussen. Um die Kooperation aufrechtzuerhalten, ist die Beeinflussungsfunktion des zielwirksamen Kooperationsmanagements erforderlich, in der die angepasste Einfluss-Strategien mit Rücksicht auf diffizile Situation ausgeführt werden sollen. Kommt es trotzdem zu unproduktiven Konfliktsituationen, bedarf es bei dem Management der Konflikthandhabungsfunktion, womit die ausgewogene Beachtung der Interessen aller im Vordergrund steht, um eine Konsensbildung zu erreichen.

[...]


[1] Loose/Sydow 1994

[2] Loose und Sydow interpretierten die o.g. empirische Untersuchung anhand der giddenschen Theorie der Dualität von Struktur. Luhmanns Systemtheorie ist ein anderes Bespiel für einen genannten Fall.

[3] Zu dieser Kooperationsart zählt Tröndle Einkaufsgemeinschaften, Konsortien, Joint Ventures, Kartelle und Interessen- und Arbeitsgemeinschaften. Vgl. Tröndle 1987 S. 2

[4] Dazu gehören die Anzahl der Partner, das Offenheitsgrad, das Stabilitätsgrad und das Heterogenitätsgrad.

[5] Vgl. Tröndle 1987 S. 77ff.

[6] ebd. S. 93, zitiert nach Kosiol 1976 S. 171

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Vertrauen und Macht in der interbetrieblichen Beziehung anhand von betriebswirtschaftswissenschaftlichen Studien
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
12
Katalognummer
V84562
ISBN (eBook)
9783638008624
Dateigröße
381 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vertrauen, Macht, Beziehung, Studien
Arbeit zitieren
Chise Onuki (Autor), 2005, Vertrauen und Macht in der interbetrieblichen Beziehung anhand von betriebswirtschaftswissenschaftlichen Studien , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84562

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