Was ist das erste Sein? Aristoteles' ontologische Metaphysik


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

I. Einleitung

II. Aristoteles´ Überlegung, Eidos könnte die erste Ousia sein
1. Der gesuchte Forschungsgegenstand ist die Primärousia
2. Eidos könnte die Primärousia sein

III. „Was es heißt, dies zu sein“

IV. Literatur

I. Einleitung

Vor ca. 2500 Jahren haben sich die griechischen Philosophen mit der ontologischen Philosophie beschäftigt. Ihr Hauptanliegen war die Suche nach Seinsprinzipien aller in der Natur zu beobachtenden Dinge und Lebewesen. Aristoteles steht auch in dieser griechischen Tradition der Prinzipiensuche. 20 Jahre lang war er Schüler Platons und befaßte sich mit dem Platonischen Idealismus. Das Hauptmerkmal platonischer Ideenlehre ist die Trennung der Ideenwelt und Sinnenwelt: Der wesentliche Grund des Seins des Einzelwesens liegt demnach als Idee außerhalb des Einzelwesens. Bald befriedigte diese Philsophie Aristoteles nicht mehr. Denn mit der Idee wird insbesondere keine genügende Erklärung für das sich unseren Sinnen darstellende Einzelwesen und die Außenwelt gegeben. Aristoteles entwickelte daher seine eigene Philosophie. Er dachte an die Immanenz des wesentlichen Grundes des Seins im Einzelwesen an sich.

In der Metaphysik, dem Hauptwerk der Arisotelischen ontologischen Philosophie und zusammengesetzt von Andronikos in 14 Bücher, untersucht Aristoteles über die Prinzipien und Ursachen der Seinsweise des Einzelwesens (das Seiende). Das Seiende wird erstens in das Seiende im Sinne von ousia, zweitens in das göttliche Seiende und drittens in das mathematische Seiende unterteilt. In seiner Untersuchung des erst genannten Seienden, der ousia, geht es um dessen der beweglichen, sinnlich wahrnehmbaren, konkreten Einzelwesen. Mit seiner Untersuchung will Aristoteles die o.g., argumentativ genügsame, nicht idealisierte Erklärung für die Seinsweise des sich unseren Sinnen darstellenden Einzelwesens der Außenwelt vertiefen.

In dieser Hausarbeit möchte ich besonders die erste Ousia behandeln und darstellen, was Aristoteles als höchstes Prinzip der Seinsweise der Dinge überhaupt zu ergründen versuchte. Das wird hierzulande als „ Substanz“ ausgedrückt, während seine Metaphysik als Substanztheorie genannt wird. Ich möchte diesen Ausdrück in dieser Arbeit jedoch möglichst vermeiden, um die Absicht seiner Philosophie verständlicher nahezubringen. Darüber hinaus stütze ich mich besonders auf einige Textstellen seiner Schrift Metaphysik, BuchZ 3 und Z 4, welche den wesentlichen Kernpunkt seines Philosophierens über die Metaphysik zum Ausdrück bringt. Z3 wird im folgenden Kapitel, Z4 in Kapitel III dieser Arbeit behandelt.

Ich möchte hierbei anmerken, daß obige Textstelle in der Schrift eine besondere Schwierigkeit für die Interpretation beinhaltet, so daß ich mich in dieser Hausarbeit nur auf die Interpretation beschränke, da der Rahmen der Arbeit begrenzt ist.

II. Aristoteles´ Überlegung, Eidos könnte die erste Ousia sein

1. Der gesuchte Forschungsgegenstand ist die Primärousia

Was Aristoteles in Buch Z seiner Metaphysik erreichen will, ist zu ergründen, was Einzelwesen zu einem Seienden macht. Wie bereits erwähnt, interessieren ihn in seiner gesamten Untersuchung in der Metaphysik die Prinzipien und Ursachen der Seinsweise des Einzelwesens. Es gibt verschiedene und abgestufte Arten der Seinsweise bzw. des Seienden, je nach der Wichtigkeit, ob man immer näher zu strengeren Prinzipien und Ursachen durchdringen will - die aber immer für mehrere Dinge und Seinsweise gelten. Davon möchte Aristoteles die erste, wichtigste und für alle andere Seinsweisen als prinzipiell zu geltende Seinsweise bzw. das erste Seiende ergründen, d.h.; das Seiende des Seienden. Dieses Seiende, genannt Ousia, ist der gesuchte Forschungsgegenstand in seiner theoretischen Philosophie. Die Ousia ist dabei nicht als ein einzige vorhanden. In seinen Überlegungen findet Aristoteles bereits ein paar davon. Jedoch sucht er DIE Ousia der Ousiai, die noch prinzipieller als andere Ousiai und das wahrhaft erste Seiende von allen Seinsweisen sein soll. Um Mißverständnisse zu vermeiden, bezeichne ich diese Ousia als die Primärousia, denn Aristoteles verwendet manchmal in seiner Schrift die erste Ousia bloß mit der Bezeichnung „die Ousia“, obwohl sie von ihm neben anderen Ousiai als herausragend im obigen Sinne geltend erklärt wird .

Bereits am Anfang des Buches Z (Z1) bestimmt Aristoteles, daß die erste, prinzipielle Seinsweise des Einzelwesens (A) das Was-es-ist (ti esti) ( bzw. das Was) ist, wobei „es“ das ist, wovon man gerade spricht - als ein behandeltes Objekt – und „Was“ das offenbart, was es ausmacht. Dazu darf die andere, genauso wichtige, prinzipielle Seinsweise nicht fehlen, wenn man gerade das Was eines bestimmten Einzelwesens feststellen will: d.i., was Aristoteles mit tóde ti (B) ausdrückt. Das wird am günstigsten mit „ein Dies“, genauer „ein Dies-da“ bzw. „ein Dies von der Art“ übersetzt.[1]

Zu (A): Es gibt zwar auch andere Sorten, womit man die „Seinsweise“ von Dingen genauso ausdrücken kann, z.B. das „Wie“, das „Wieviel“ usw. ( Aristoteles macht damit uns aufmerksam: Wenn man spräche, etwas sei „seiend“ von dem Was, gäbe es mehrfache Arten für diese Anwendung, weil man die Bedeutung des „Was“ nicht präzis einschränke. Das seien aber das „Was“ im weiteren Sinne.) Aristoteles sucht aber die erste Seinsweise. Wenn man bedenkt, was bei einem Einzelwesen am meisten und gleich uns erkennen läßt, was für ein Objekt es im engeren Sinne ist, zeigt das „Was“ des Einzelwesens gerade den wichtigsten Kern des Einzelwesens; der am meisten treffend das Einzelwesen beschreibt. Wir wissen ohnehin über das Einzelwesaen vom „Was“ mehr als das, was das „Wie“ oder das „Wieviel“ des Einzelwesens uns mitteilt. Wenn wir beispielsweise wissen, wie groß Sokrates ist, wissen wir noch nichts genaues über Sokrates. Wir müssen wissen, daß er ein Mensch ist. Die Wichtigkeit des „Was“ gilt aber auch ontologisch und nicht nur epistemisch, da das „Was“ hauptsächlich die seiende Weise des Einzelwesens ausmacht.

Zu (B) : Dies sei daher wichtig, weil es genau von einem bestimmten Einzelwesen und nicht einem anderen handelt, wenn man das „Was“ dieses Einzelwesens untersuchen soll. Mit „ein Dies“ können wir ausdrücken, daß wir / Aristoteles Forschungsobjekte dieser Seinsphilosophie in der Weise handhaben, daß die wesentliche, erste Seinsweise des Einzelwesens genau mit ihm untrennbar vereint ist. Dies sollte eigentlich in erster Linie als selbstverständlich erscheinen, da diese Seinsweise, die man untersucht, eben von dem Einzelwesens ist. Aber eine, wohlüberlegte Tradition der platonischen Seinsphilosophie hat mit der Ideenlehre genau diesen Umstand getrennt behandelt. Um wohl bewußt diesen Unterschied zu zeigen, hat Aristoteles auf „ein Dies“ das Gewicht gelegt. Dabei ist wichtig anzumerken, daß Aristoteles sich nicht unbedingt von diesem Einzeilwesen auf dessen Individualität bezieht. Mit dem Ausdruck „ein Dies“ kann etwas individuelles gemeint werden, so daß das auch mit „ein Dies-da“ gesagt wird und sich auf ein konkretes individuelles Einzelwesen bezogen wird. Das passt zur Interpretation aristotelischer Seinsphilosophie über die individuellen Substanz. Hier in der Metaphysik Buch Z wird eher damit ausgedrückt, was etwas Individuelles zu einer bestimmten Entität macht, womit man weiß, daß das das bestimmte, immer so bleibende ETWAS/DAS ist. Dies passt zu dem Ausdruck „ein Dies von der Art“. Es geht damit um die Identität der Arten des Einzelwesens. Richtet man beispielsweise seine Gedanken auf einen Wellensittich und wird dabei nach dessen Was-es-ist, also Was-Wellensittich-ist, gefragt, und wenn es dabei aber nicht um noch spezifischeres gehen soll, beispielsweise, ob man den Wellensittich, der immer viel ißt, oder den anderen farbigen, der gern singt, usw. zum Gegenstand macht, d.h., wenn es also nicht um Individualität gehen soll, dann sollte das Was-es-ist untersucht werden. D.h., nicht ein individueller, sondern der Wellensittich als eine Art wird hinterfragt. Man könnte aber auch die unterteilten Arten von Wellensittich hinsichtlich ihrer Unterscheidbarkeit untersuchen.

[...]


[1] Am günstigsten deswegen, weil diese Auslegung nicht ganz in Buch Z durchsetzungsfähig ist. Man könnte auch mit „dieses Etwas“ übersetzen, welches aber als weniger durchsetzungsfähig angesehen wird. Genaueres dazu siehe Zu (B).

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Details

Titel
Was ist das erste Sein? Aristoteles' ontologische Metaphysik
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Veranstaltung
Aristoteles Metaphysik Buch Z
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
22
Katalognummer
V84569
ISBN (eBook)
9783638008648
ISBN (Buch)
9783638922913
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sein, Aristoteles, Metaphysik, Buch
Arbeit zitieren
Chise Onuki (Autor), 2005, Was ist das erste Sein? Aristoteles' ontologische Metaphysik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84569

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