Der Fall Palm und ´Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung´


Seminararbeit, 1999

17 Seiten, Note: 2,75


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Hintergrund

3. Das Leben von Johann Philipp Palm

4. Fahndung und Verhaftung Palms und der Prozeß

5. Die Flugschrift „Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung”

6. Die Verfasserschaft

7. Schlußbetrachtung

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Grausamkeit ists also,

dem freien Geist des Menschen Fesseln anzulegen”

anonym[1]

Die anonyme Flugschrift „Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung” ist die bekannteste, wenn auch nicht die einzige, die zur Zeit von Napoleons Herrschaft großes Aufsehen erregte. Aufsehen deswegen, da die Schrift, wie kaum eine andere, die politischen Mißstände in denen sich Deutschland 1806 befand anprangerte und zum Gegenschlag aufrief. Aber auch deswegen, da an dem Verleger der Schrift Johann Philipp Palm ein Verbrechen verübt wurde, daß von der Justiz unterstützt wurde. Auch heute geben die Umstände des Falles Palm und die Frage nach der Verfasserschaft Anlaß zu neuen Überlegungen. Für das Verständnis der in der Schrift dargestellten Meinungen und die Folgen nach der Veröffentlichung, ist vor allem die politische Situation zu jener Zeit wichtig. Weiterhin ist auch das vorherige Leben Palms, dessen Verhaftung und der folgende Prozeß und natürlich die Schrift selbst bedeutend. Auf diese Aspekte wird im folgenden eingegangen.

2. Historischer Hintergrund

Im August 1806, zur Zeit von Palms Verhaftung, hatte Napoleon den Höhepunkt seiner Macht über Mittel- und Westeuropa erreicht. Nachdem er seine Pläne für England abbrach, richtete er seine ganze Aufmerksamkeit auf die Bekämpfung der Dritten Koalition. Sein plötzlicher Sieg gegen Österreich bei Ulm führte zunächst dazu, daß er in Bayern, angesichts der alten Feindschaft mit Österreich, begeistert empfangen wurde. Dann kam der Doppelsieg bei Austerlitz über Kaiser Franz und den Zaren Alexander. Der 1805 geschlossene Friede von Preßburg brachte ihm eine erhebliche Verstärkung seiner territorialen Vormacht in Italien und seinen deutschen Verbündeten Bayern, Württemberg und Baden teilte er große Erwerbungen zu. Einen Bruder setzte er auf den Thron von Neapel, einen anderen auf den von Holland. Einen Schwager machte er zum Großherzog von Berg, seinen Generalstabschef Marschall Berthier zum Fürsten von Neuchâtel in der Schweiz. Wieder änderte er die Landkarte nach seinem Willen, in dem er kleinere, geistliche und weltliche, deutsche Territorien deren größere Nachbarn zuteilte. Bayern und Württemberg machte er zu Königreichen.[2] Das Heilige Römische Reich Deutscher Nationen löste sich nun mehr vollständig auf und der Kaiser legte die Krone nieder. Der dann, unter dem Protektorat Napoleons, gegründete Rheinbund diente nicht zu viel mehr als zur Lieferung von Verpflegung, Geld und Hilfstruppen. Die Regierungen der verbündeten deutschen Staaten mußten sich weiterhin dem Willen Napoleons beugen und hatten dennoch große Mühe seinen Anforderungen gerecht zu werden. Seine Heere standen mitten im Land und lebten auf Kosten der besetzten Länder, worunter die Bevölkerung litt. Dieses Elend führte natürlich dazu, das die anfängliche freundliche Stimmung ins Gegenteil umschlug. Die Militärgesetze und Vorschriften der Besetzungsmacht waren streng und wurden mit Härte auch gegen die Untertanen der Verbündeten durchgesetzt. Außerdem war die Lage weiterhin ungewiß, es war jederzeit mit einem neuen Krieg zu rechnen, da das Verhältnis zu Preußen und zu Rußland noch immer sehr gespannt war.[3]

Nürnberg, wo Palm seinerzeits lebte, befand sich zu dieser Zeit in einer schlechten Situation. Schon seit vielen Jahrzehnten war der einst florierende Handel im Rückgang und die neuen Verhältnisse verstärkten diesen. Man litt unter der Stagnation der Geschäfte, der allgemeinen Verteuerung aller Lebensmittel und den Mangel an Bargeld. Auch ihre städtische Freiheit verlor Nürnberg aufgrund der Rheinbundakte, nach der sie Bayern zugesprochen wurde, jedoch sollte sie erst Monate später in deren Besitz übergehen. Dazu kam, daß nun auch in Nürnberg die französischen Truppen Einzug gehalten hatten. Die städtische Obrigkeit bemühte sich zwar, die Ansprüche der Besatzer zu erfüllen, jedoch waren die finanziellen Nöte zu groß. Obwohl die fremden Heere angehalten wurden sich recht ordentlich zu betragen, wurden die Lasten oft ungerecht verteilt, aber aus Angst vor dem möglichen Zorn der Besatzer, wurde das meist nicht gemeldet. Diese Ohnmacht der Bevölkerung und das Mitansehen müssen der Willkür Napoleons, mit der er in Deutschland machen konnte, was er wollte, ließ sie verständlicherweise sehr gereizt werden.[4]

So kam es denn auch dazu, daß Beschimpfungen und Schmähschriften in ganz Deutschland immer häufiger wurden, bei denen die Verfasser verständlicherweise die Anonymität vorzogen. Diese waren größtenteils unbedeutend, und dienten nur zur Bewältigung der angestauten Erbitterung und dem wachsenden Haß gegen die Franzosen, aber auch gegen die aus ihrer Sicht selbstsüchtigen deutschen Regenten. Doch ihre stetig wachsende Zahl machte die französische Führung aufmerksam, da diese, insbesondere der nahenden Operation gegen Preußen, jede Art von Unruhe vermeiden wollte. Außerdem waren die französischen Besatzer sehr empfindlich, da sie zu wissen glaubten, daß österreichische und englische Agenten franzosenfeindliche Einflüsse unter die Bevölkerung bringen würden. Da sie jedoch keine handfesten Beweise hatten, sahen sie überall Verschwörungen, wo keine waren.[5]

Ganz besonders argwöhnisch und eifrig in dieser Beziehung war der in München ansässige französische Gesandte Otto. Nach seinen Berichten waren die Franzosen in ihrem verbündeten Land von Unruhestiftern und feindlichen Machenschaften bedroht und es „regne [...] Pamphlete aller Art”. Als nun dann der von der bayerischen Regierung eingesetzte Generallandeskommissar für Franken dem Oberbefehlshaber Bernadotte auf einige dieser in Nürnberg erschienenen Schriften aufmerksam machte, fielen diese gerade unter diesen Voraussetzungen auf günstigen Boden. Dieser zeigte sie nicht nur dem Kriegsminister Marschall Berthier, sondern auch gleich Napoleon selbst, um ihm zu verdeutlichen, wie stark und gefährlich die österreichischen und englischen Einflüsse in Nürnberg sind. Napoleon hatte ohnehin schon eine heftige Abneigung gegen die Stadt entwickelt und in Anbetracht der Verbreitung im ganzen Land, setzte er im Juli 1806 eine außerordentliche Kommission ein, die Verfasser, Verleger, Drucker und Verbreiter dieser Schriften aufspüren und bestrafen sollte.[6]

3. Das Leben von Johann Philipp Palm

Johann Philipp Palm wurde am 18. Dezember 1766 in Schorndorf geboren. Er stammte aus einer angesehenen Bürgerfamilie. Mit vierzehn Jahren wurde er, nach Beendigung der Lateinschule, von seinem Vater, einem Chirurgen, zu dessen Bruder Johann Jakob in die Lehre geschickt. Dieser war in Erlangen Hofbuchhändler und Verleger. Danach machte er weitere Erfahrungen als Gehilfe in zwei Buchhandlungen in Frankfurt am Main und in Göttingen. Er besuchte, nachdem er nach Erlangen zurückgekehrt war, die Leipziger Buchmesse, wo er den aus Nürnberg kommenden Buchhändler und Verleger Johann Adam Stein kennenlernte. Um dessen Tochter heiraten und die Steinische Buchhandlung übernehmen zu können, bewarb er sich 1796 um das Nürnberger Bürgerrecht. Nach der Heirat war er seit etwa 1799 Alleinbesitzer des Geschäfts.[7]

[...]


[1] zitiert nach Elvira Siegert, Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung. Reproduktion der anonymen Flugschrift von 1806, Kiel 1987, S. 95.

[2] Willy Andreas, Johann Philipp Palm. Zur einhundertfünfzigsten Wiederkehr seines Todestages 26. August 1956, in: ZBLG 23 (1958), S. 20-21; E. Siegert, S. 10-11.

[3] W. Andreas, S. 21-22.

[4] W. Andreas, S. 22-23; Markus Junkelmann, Napoleon und Bayern. Von den Anfängen des Königreiches, Regensburg 1985, S. 149.

[5] W. Andreas, S. 23-24; Markus Junkelmann, S. 149.

[6] W. Andreas, S. 24, 46.

[7] W. Andreas, S. 24-25, 41; Elvira Siegert, S. 7-8.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Fall Palm und ´Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung´
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Friedrich Meinecke Institut (Geschichte))
Veranstaltung
Seminar Polizei und Zensur 1789-1814/15
Note
2,75
Autor
Jahr
1999
Seiten
17
Katalognummer
V846
ISBN (eBook)
9783638105408
ISBN (Buch)
9783656131878
Dateigröße
395 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fall, Palm, Erniedrigung´, Seminar, Polizei, Zensur
Arbeit zitieren
Imke Barfknecht (Autor), 1999, Der Fall Palm und ´Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung´, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/846

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