Bildungsungleichheiten und schichtspezifische Bildungschancen in Deutschland


Hausarbeit, 2007

12 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das kulturelle, soziale und ökonomische Kapital nach Pierre Bourdieu

3. Die schulische Laufbahn
3.1. Von der Grundschule zum Übergang in die Sekundarstufe
3.2. Chancenunterschiede auf Hauptschulen und Gymnasien

4. Ungleichheitserzeugende Strukturen im deutschen Bildungssystem
4.1. Differenzen zwischen lebensweltlichen und institutionalisierten Bildungsprozessen
4.2. Schule als Institution der Mittelschicht

5. Lösungsvorschläge zur Verringerung von Bildungsungleichheiten

6. Schlussbetrachtung

1. Einleitung

Das schlechte Abschneiden Deutschlands im Vergleich zu anderen Ländern bei den PISA-Studien aus den Jahren 2000 und 2003, führte zu einem verstärkten Interesse am deutschen Bildungssystem und der Bildungsbeteiligung. Die Ergebnisse der Studie, in der die Kenntnisse und Fähigkeiten 15-jähriger Schüler gemessen wurden, zeigten, dass in Deutschland stärker als in jedem anderen Land die soziale Herkunft über Bildungschancen entscheidet. Bereits während der Bildungsreformen in den sechziger und siebziger Jahren ist die Frage diskutiert worden, inwiefern die soziale Herkunft einen Einfluss auf die Leistung der Schüler hat. Das Ziel der damaligen Bildungsreform, bei der es um die Öffnung und Expansion des Bildungssystems ging, war, die Chancenungleichheiten bei der Bildungsbeteiligung in der Bevölkerung aufzuheben. Das Ziel wurde insofern verfehlt, als dass durch die Bildungsexpansion die Bildungschancen für alle Schichten zwar erhöht wurden, aber zu einem Abbau der gravierenden schichttypischen Ungleichheiten ist es nicht gekommen.[1]

In der vorliegenden Arbeit soll nun der Frage nachgegangen werden, inwieweit heute noch Ungleichheiten beim Bildungserwerb vorherrschen und inwiefern die Bildungschancen vom jeweiligen Herkunftsmilieu der Schüler abhängen. Dabei werde ich zunächst die theoretischen Konzepte des ökonomischen, kulturellen und sozialen Kapitals von Pierre Bourdieu erklären. Auf dessen Thesen und Konzepte greife ich im Folgenden immer wieder zurück, wenn ich anhand der Schullaufbahn den Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und der Bildungsbeteiligung deutlich mache. Dabei erkläre ich auch in Kurzform die Theorie der primären und sekundären Herkunftseffekte nach Boudon. Im Folgenden werde ich auf das Bildungssystem selbst eingehen und die Probleme, die aufgrund der Struktur dieses Systems auftreten, beschreiben. Abschließend gehe ich auf einige Lösungsansätze ein, die zu einer Verringerung der sozialen Ungleichheit im deutschen Bildungssystem führen können.

2. Das kulturelle, soziale und ökonomische Kapital nach Pierre Bourdieu

Pierre Bourdieu zählt zu den bedeutendsten Sozialwissenschaftlern des 20. Jahrhunderts. Er kritisierte in scharfer Weise die Wissenschaft allgemein und dabei im Besonderen die Soziologie indem er sagte, dass die Wissenschaft und ihre Institutionen den verborgenen Mechanismen der Macht unterlägen und so den Interessen der in der Gesellschaft tonangebenden sozialen Gruppen dienten. Bourdieu entwickelte die theoretischen Konzepte des ökonomischen, kulturellen und sozialen Kapitals. Nach Bourdieu sind die Positionen im sozialen Raum, die Klassenzugehörigkeit und die entsprechenden Lebensstile fundamental von der Menge des jeweils verfügbaren Kapitals abhängig.[2]

Das kulturelle Kapital kann in drei Formen bestehen: (1) in inkorporiertem Zustand, d. h. in Form eines Verinnerlichungsprozesses, der körpergebunden ist, Zeit erfordert und persönlich zu leisten ist, (2) in objektiviertem Zustand, d. h. in Form von kulturellen Gütern, Büchern, Bildern etc. und (3) in institutionalisiertem Zustand, d. h. in Form von schulischen Titeln. Beim sozialen Kapital handelt es sich um Ressourcen, die auf der Zugehörigkeit zu einer Gruppe beruhen.[3] Es sind die sozialen Beziehungen, die man im Kampf um bessere Positionen einsetzen kann.[4] Kulturelles und soziales Kapital sind alle kulturellen und sozialen Ressourcen, die Handlungsmöglichkeiten von Personen erweitern und somit auch deren sozioökonomische Stellung positiv beeinflussen können. Sie sind in ökonomisches Kapital konvertierbar und können nur dort gebildet werden, wo Zeit und Kraft investiert werden.[5] Unter ökonomischem Kapital versteht Bourdieu alles, was man verdient, ererbt und an Geldwerten erworben hat; es ist unmittelbar und direkt in Geld konvertierbar.[6]

So bestimmt also nach Bourdieu das 'Kapitalvolumen', ob man zur oberen Gesellschaftsschicht gehört, die durch ihr Bestreben gekennzeichnet ist, den sozialen Abstand zu den Lebensformen der anderen sozialen Gruppen zu wahren, oder zur Mittel- bzw. Unterschicht zählt. Für die Mittelschicht ist das unablässige Bemühen, sich der oberen Schicht kulturell anzupassen typisch, während bei der unteren Schicht der Kampf um die Existenz den gesamten Lebensstil prägt.

[...]


[1] Vgl. Geißler 2006, S. 40

[2] Vgl. Bourdieu 2000, S.199-200

[3] Vgl. Bourdieu 1997, S. 2-5

[4] Vgl. Bourdieu 2000, S 201

[5] Vgl. Baumert 2003, S. 54-55

[6] Vgl. Bourdieu 2000, S 201; Vgl. Bourdieu 1997, S. 1

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Bildungsungleichheiten und schichtspezifische Bildungschancen in Deutschland
Hochschule
Universität Hamburg
Veranstaltung
Gesellschaftliche Bedingungen von Bildung und Erziehung
Note
1,3
Jahr
2007
Seiten
12
Katalognummer
V84616
ISBN (eBook)
9783638009317
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildungsungleichheiten, Bildungschancen, Deutschland, Gesellschaftliche, Bedingungen, Bildung, Erziehung
Arbeit zitieren
Anonym, 2007, Bildungsungleichheiten und schichtspezifische Bildungschancen in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84616

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