Politik als Beruf, Macht als Berufung

Der "Berufspolitiker" aus der Sicht Max Webers und Niccolò Machiavellis


Zwischenprüfungsarbeit, 1995
34 Seiten, Note: gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Max Weber „Politik als Beruf“
2.1 Max Weber in seiner Zeit
2.2 Max Webers Differenzierung der Gesinnungs- und Verantwortungsethik

3 Machiavelli „Der Fürst“: Fähigkeiten und notwendige Eigenschaften, seinem Beruf gerecht zu werden
3.1 Niccoló Machiavelli in seiner Zeit
3.2 „Wie ein Fürst sich zu betragen hat, um Ruhm zu erwerben“: Menschenbild der Fürsten aus der Sicht Niccoló Machiavellis
3.3 „Über die Arten der Herrschaft und Mittel, sie zu erlangen“: Macht und Ethik Machiavellis

4 Max Weber und Niccoló Machiavelli im Vergleich

5 Literaturverzeichnis

6 Karte: Italien im 15. Jahrhundert

7 Erklärung

1 Einleitung

Max Weber (geb. 1864 in Erfurt) hielt am 28. Januar 1919 den Vortrag „Politik als Beruf“. In Beginn des Vortrages beschreibt er den Begriff Politik. Er versucht den Zusammenhang von Politik und Macht herzustellen. „(...) Macht entweder als Mittel im Dienst anderer Ziele, - idealer oder egoistischer - oder Macht >um ihrer selbst willen<: um das Prestigegefühl, das sie gibt, zu genießen.“[1]

Im Verlauf seiner Rede beschreibt Max Weber die Eigenschaften, die ein Politiker haben muss.

Der Referent geht sehr emotional an das Thema heran, so dass es mir notwendig erscheint, auch das Buch „der Fürst“ von Niccolò Machiavelli (geb. 1469 in Florenz) heranzuziehen.

Er beschreibt Verhaltensweisen, wie sich ein Fürst zu betragen hat, um seine Macht zu erhalten. Politiker und Fürsten sind beides Führungskräfte, die ähnlichen Ziele folgen nämlich den Erhalt ihrer politischen Macht.

Im Gegensatz zu M. Weber habe ich den Eindruck, dass N. Machiavelli sachlicher an die Thematik herangeht. Dieses mag daran liegen, dass „Der Fürst“ ein Buch und M. Webers Rede „Politik als Beruf“ ein Vortrag ist.

Im Wesentlichen werde ich auf die Thematik eingehen:

Politik als Beruf, Macht als Berufung

„Der <<Berufspolitiker>> aus der Sicht
Max Webers und Niccoló Machiavellis.“

2 Max Weber „Politik als Beruf“

2.1 Max Weber in seiner Zeit

Mit Zusammenbruch der Monarchie 1918 ging jahrhundertelange feudale Herrschaft in Deutschland zu Ende; es bot sich die historische Gelegenheit, eine grundsätzlich andere Regierungsform aufzubauen. Max Weber stellt in seinem Vortrag „Politik als Beruf“ verschiedene Herrschaftsformen dar und analysiert sie, auch im Zusammenhang aktueller Geschehnisse. Gleichzeitig versucht er Eigenschaften und Fähigkeiten von Politikern herauszuarbeiten, die in der aktuellen gesellschaftlichen Umbruchsituation hilfreich gewesen wären.

Nach Webers Meinung war Deutschland an der Wende von traditioneller Herrschaft hin zur „Herrschaft kraft >Legalität<, kraft des Glaubens an die Geltung legaler S a t z u n g und der durch rational geschaffene Regeln begründeten sachlichen >Kompetenz<.“[2]

Die Unruhen, Streiks und Kämpfe ab Kriegsende 1918 offenbarten lang schwelende soziale Unzufriedenheit. Ab 1871 gab es zwar einen Reichstag, aber die in ihm agierenden Parteien hatten keine tatsächliche politische Macht. Die politische und militärische Führung des Reiches lag beim Kaiser, der den Reichskanzler ernennen und verabschieden konnte (was Kaiser Wilhelm II. auch 1890 mit Bismarck tat). Der Reichskanzler war Vorgesetzter der immer größer werdenden Beamtenschaft, „(...), die keiner parlamentarischen Kontrolle unterstand und sich aus sozial und politisch sehr begrenzten Gruppen rekrutierte.“[3]

Carsten schreibt, dass um 1910 elf von zwölf preußischen Oberpräsidenten zum Adel gehörten, 23 von 36 Regierungspräsidenten und 268 von 481 Landräten und Oberamtmänner. Auch die preußischen Offizierskorps blieben weiterhin privilegiert und stammten hauptsächlich aus dem Adel. Großbürgerliche Kreise identifizierten sich mit und orientierten sich am Adel und ihrem Lebensstil.[4] Das bis 1918 gültige Dreiklassenwahlrecht unterstützte die sozialen und gesellschaftlichen Ungleichheiten. Mit der Gründung des Deutschen Reichs 1871 gelang es Bismarck zwar große Teile des Bürgertums und Kleinbürgertums auszusöhnen, aber die wirkliche Macht blieb bei den alten Eliten. Ganz außerhalb standen die Arbeiter, die sich vermehrt politisch zu organisieren begannen. 1878 wurden die „Sozialistengesetze“ erlassen (bis 1890). Der politischen Gefahr, die von der Sozialdemokratie ausging, sollte durch staatliche Verbote ihrer politischen Aktivitäten entgegengewirkt werden. Bespitzelungen, Anfeindungen und Einschränkungen waren aber auch schon vorher verbreitet: „Bei der Wahl von 1877 hetzten Bauern ... ihre Knechte auf die sozialdemokratischen Wahlhelfer, (...). In einem Dorf wurden Stimmzettelverteiler von Gendarmen verprügelt, und das gleiche passierte dem sozialistischen Kandidaten Herrmann Molkenbuhr durch Bauern ... . Bei einer anderen Gelegenheit wurde er so auf den Kopf geschlagen, dass er bewusstlos zusammenbrach.“[5] Das schnelle und erfolgreiche wirtschaftliche Wachstum brachte den Arbeitern keine wesentlichen Verbesserungen. Obwohl die meisten Industriellen Verhandlungen mit den Freien Gewerkschaften ablehnten, wuchs deren Mitgliederzahl: 1912 lag die Zahl der Mitglieder bei 2.530.000. Hatte die Sozialdemokratische Arbeiterpartei bei ihrer Gründung und in den siebziger Jahren nur wenige tausend Mitglieder, wählten 1912 über 75% der Berliner sozialdemokratisch, in Hamburg über 60%.[6] Landflucht in die städtischen Industriezentren und in die Industrie abwandernde Handwerker waren parallele Entwicklungen, die immer stärkere Unzufriedenheit ausbildeten. Die deutsche Industrie überholte sogar die französische und englische Produktion, die Arbeitsbedingungen der Arbeiter verbesserten sich jedoch nicht.

Als Wilhelm II. am 4.8.1914 vor den Parteiführern des Reichstages den Kriegseintritt Deutschlands verkündete: „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche!“[7], konnte er das deutsche Volk für die nächsten vier Jahre noch zusammenhalten. Das gemeinsame Ziel überdeckte alle sozialen und parteipolitischen Konflikte. Auch die Sozialdemokraten schlossen sich dem Kriegseintritt an: der Abgeordnete Hugo Haase äußerte sich dahin gehend am gleichen Tag vor dem Reichstag: „Wir lassen in der Stunde der Gefahr das eigene Vaterland nicht im Stich. Wir fühlen uns dabei im Einklang mit der Internationale, die das Recht jedes Volkes auf nationale Selbständigkeit und Selbstverteidigung jederzeit Anerkannt hat, (...).“[8] Mit dem Beitritt der Sozialdemokratie zum „Burgfrieden“ begann die Spaltung der Arbeiterbewegung. Es zeigten sich verstärkt alte Gegensätze, die mit Ende des Krieges eskalierten (Revisionismusdiskussion, Reform/ Revolution). Bei der Abstimmung für die Kriegskredite hatte es 14 Gegenstimmen (von 110) gegeben. Diese oppositionellen Kräfte waren bis 1917 stetig angewachsen, so dass sie, unter dem Eindruck der russischen Revolution die „Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands“ gründeten (USPD). Aus ihr ging die „Spartakusgruppe“ mit Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht hervor. Die „Revolutionären Obleute“ waren eine weitere Unterorganisation der USPD. Im Gegensatz zur MSPD (Mehrheitssozialisten) verstand die USPD den Krieg als „Verewigung der bestehenden Gesellschaftsstruktur“: zum Nutzen der herrschenden Klasse.[9] Sie forderten sofortigen Friedensschluss. Die „Spartakus- Gruppe“ wollte öffentlich aktiv, mit Massenaktionen der Arbeiter gegen das herrschende System vorgehen, im Gegensatz zu den „Revolutionären Obleuten“, deren Taktik in der „geheimen Verschwörung“ lag. Die MSPD versuchte, die ab 1917 ausbrechende Streikwelle von Arbeitern führender Industriebetriebe zu kontrollieren, um „(...), die große Masse der Arbeiter auf ihrer Seite zu halten, (...)“[10] und eine weitere Zersplitterung und Radikalisierung zu verhindern. Sie hielt aber weiterhin an der kaiserlichen Kriegswirtschaft fest. Die MSPD lehnte eine Verantwortung für die Streiks ab, da sie ohne ihr Zutun entstanden waren. Trotzdem traten Ebert, Braun und Scheidemann der Streikleitung bei. „Die Frage der Arbeiter, ob wir eine Delegation in die Streikleitung ... entsenden ..., (...) wurde nach eingehender Aussprache bejaht. Es kam für uns in Betracht, die Bewegung in geordneten Bahnen zu halten ...“, schreibt Scheidemann.[11]

Inhaltlich forderten die ca. 200.000 Streikenden in Berlin u. a. sofortigen Friedensschluss, Amnestie politisch Inhaftierter und durchgreifende Demokratisierung der gesamten deutschen Staatseinrichtungen. Sozialisierung von Privateigentum und Abschaffung der Monarchie wurden nicht gefordert, was auf den geringen Einfluss der Spartakisten schließen lässt.

Nachdem Ludendorffs Westoffensive im Frühjahr 1918 nicht die erwarteten Ergebnisse brachte und weitere Angriffe folgten, ohne Aussicht auf einen schnellen Sieg, zeigte das Heer wachsende Ermüdungserscheinungen:

„Persönlich habe ich mich davon überzeugen müssen, dass durchweg die Truppen jetzt unter der Depression einer sehr schweren Enttäuschung standen. Es war nicht mehr der Angriffsgeist vom 21. März [1918 :J. S.] (...).Damals noch hatte alles sich innerlich noch einmal zusammengerafft und alles hergegeben in der Zuversicht: >Das ist nun die allerletzte Offensive. Damit schaffen wir's und dann wird Friede.<“[12] Die Möglichkeit einer militärischen Niederlage war also schon wahrnehmbar. Allerdings sollte es noch bis zum September 1918 dauern, bis auch Ludendorff und Hindenburg zu diesem Eingeständnis kamen. Bis dahin machten sie sowohl die Truppendisziplin als auch den innenpolitischen Zustand Deutschlands für die Stagnation an den Fronten verantwortlich. Krummacher schreibt über Ludendorff: „>Schuld< waren für den General Erich Ludendorff bei Misserfolgen eigentlich jedes Mal andere; zu der vollen Einsicht eigener Mitverantwortung ist er, dem das Wort >Verantwortung< immer dann sehr schnell über die Lippen ging, wenn es galt, den eigenen Willen durchzusetzen, zeitlebens nicht gekommen. Wie alle Nationalisten war er um Sündenböcke niemals verlegen.“[13] Der Kaiser hielt noch am 11. September 1918 eine Rede vor Krupp - Arbeitern: „(...): wir wollen kämpfen und durchhalten, bis zum letzten. Dazu helfe uns Gott. Und wer das will, der antworte mit Ja! (Die Versammelten antworteten mit lautem Ja.)“[14] Erst ab dem 1.10.1918 hielt Ludendorff selbst den Krieg für aussichtslos. In einer Rede vor der Obersten Heeresleitung (OHL) erklärte er den Ernst der Lage und meinte: „Ich habe aber Sr. M. gebeten, jetzt auch diejenigen Kreise an die Regierung zu bringen, denen wir es ... zu verdanken haben, dass wir soweit gekommen sind. Wir werden also diese Herren jetzt in die Ministerien einziehen lassen. Die sollen nun den Frieden schließen, der jetzt geschlossen werden muss. Sie sollen die Suppe jetzt essen, die sie uns eingebrockt haben.“[15] „Wie kommen wir dazu, in diesem Augenblick der höchsten Verzweiflung in ein >bankrottes< Unternehmen hineinzugehen?“, fragte Scheidemann, als Ebert von der Obersten Heeresleitung (OHL) die tatsächliche Lage erfahren hatte, woraufhin Ebert meinte: „Falls nun alles zusammenbricht, außen und innen, wird man uns dann nicht später den Vorwurf machen, dass wir in einem Augenblick unsere Mitwirkung versagt hätten, in dem man uns dringend von allen Seiten darum gebeten hatte?“[16] Bis zum Rücktritt des Kaisers sollte noch ein Monat vergehen, denn bis zuletzt lehnte er eine Abdankung ab: „Ich denke gar nicht daran, wegen der paar 100 Juden und der 1000 Arbeiter den Thron zu verlassen. (...). Und das sage ich Ihnen, wenn nur das Geringste passiert, dann schreib ich denen die Antwort mit Maschinengewehren auf das Pflaster, und wenn ich mir mein eigenes Schloß zerschieße; aber Ordnung soll sein!“[17] Der Liberale Eugen Schiffer kommentierte diese realitätsferne Haltung des Kaisers als Kraftmeiertum, hinter dem nichts steckte, aber als Wesenszug ihm selbst und der Monarchie zum Verhängnis wurde.[18] Ende Oktober 1918 überschlugen sich die Ereignisse: Im Kieler Kriegshafen meuterten die Matrosen, nachdem die Admiräle einen sinnlosen Einsatz gegen die englische Flotte befahlen. Die Meuterei weitete sich aus, die Matrosen verbündeten sich mit den Werftarbeitern und bildeten einen Soldatenrat. Diese Bewegung griff auch auf andere Städte über. Die Oberste Heeresleitung (OHL) kam mit dem daraufhin eingesetzten Heer nicht nach, da sich die Bewegung bis nach Bayern hin erstreckte (bis zum 10.11.1918 hatten sich in ganz Deutschland Arbeiter- und Soldatenräte gebildet). Um eine zunehmende Radikalisierung durch die extreme Linke (Spartakus, Revolutionäre Obleute) zu verhindern und ihren Einfluss auf die Arbeiter nicht zu verlieren, setzte die MSPD, die auch in den Räten vertreten war, Reichskanzler Max von Baden am 7.11. ein Ultimatum. Sie forderten u.a. den Rücktritt des Kaisers und mehr sozialdemokratischen Regierungseinfluss. Der Kaiser lehnte ab. Am 9.11. riefen die „Revolutionären Obleute“ zum Generalstreik auf. Sie forderten nicht nur die Abdankung des Kaisers, sondern auch die Revolution der Massen und eine Umkehrung bisheriger politischer Verhältnisse. Die sozialdemokratische Zeitung, der „Vorwärts“, rief dagegen zu Ruhe und Ordnung auf. Nachdem General Groener den Einsatz von Truppen gegen das eigene Land (und den Erfolg einer solchen Aktion) ausschloss, teilte er dem Kaiser mit, dass die Truppen ihn auf einem Heimmarsch nach Deutschland nicht schützen würden (der Kaiser war im belgischen Spa, die Truppen erschöpft). Erst daraufhin dankte der Kaiser am 9.November 1918 ab; allerdings gezwungenermaßen, da Max von Baden, unter dem Druck der Ereignisse, die Abdankung schon vorzeitig hatte veröffentlichen lassen. Max von Baden, der die Reichsgeschäfte nach der Abdankung bis zu weiteren Entscheidungen weiterführte, ernannte Friedrich Ebert zum neuen Reichskanzler. Dies war ein revolutionärer Akt, da nur der Kaiser einen Reichskanzler ernennen konnte. Am gleichen Tag rief Scheidemann von einem Fenster des Reichstages die neue Republik aus: „Arbeiter und Soldaten! (...) Der Abgeordnete Ebert ist zum Reichskanzler ausgerufen worden. Ebert ist damit beauftragt worden, eine neue Regierung zusammenzustellen(...) Ruhe, Ordnung und Sicherheit, das ist das, was wir jetzt brauchen!(...) Es lebe die deutsche Republik !“[19] Karl Liebknecht rief etwas später die Freie Sozialistische Republik aus: „Wir müssen alle Kräfte anspannen, um die Regierung der Arbeiter und Soldaten aufzubauen und eine neue staatliche Ordnung des Proletariats zu schaffen,(...)“[20] Die Kluft zwischen der radikalen Linken und der Sozialdemokratie vergrößerte sich noch dadurch, dass Ebert von einem monarchistischen Repräsentanten zum Reichskanzler ernannt wurde und der Machtwechsel nicht auf der Straße erkämpft worden war.

Ebert betonte die Wichtigkeit der Zusammenarbeit aller Deutschen zur Neuorganisation Deutschlands, also auch Beamte und Offiziere der alten Ordnung. Die Sozialdemokraten waren der Überzeugung, dass die Arbeiter- und Soldatenräte nicht in der Lage wären, die Verwaltung angemessen zu ersetzen und außen- und innenpolitischen Anforderungen zu lösen. Ebert strebte eine konstituierende Nationalversammlung an, um möglichst schnell eine handlungsfähige Regierung bilden zu können. Am 10.11.1918 stellten sich General Groener und die Oberste Heeresleitung Ebert zur Verfügung. Dieses Bündnis brachte Eberts Regierung zwar kurzfristig militärische Sicherheit, sollte sich aber im Laufe der Zeit als problematisch erweisen. Der alte Geist verblieb in wesentlichen Bereichen.

Als im Dezember 1918 die Volksmarinedivision meuterte und Dienst tuende Matrosen in der Reichskanzlei die Zugänge und Telefone sperrten, waren die Volksbeauftragten Gefangene ihrer eigenen Schutzwache. Ebert rief die Oberste Heerses Leitung um Hilfe, woraufhin Soldaten kamen und die Matrosen unter Beschuss nahmen. Dies verhärtete erneut die Fronten, denn Ebert hatte damit alte kaiserliche Truppen gegen Vertreter der Revolution eingesetzt![21]

Am 31.12.1918 löste sich der Spartakusbund von der USPD und gründete, unter Führung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die KPD. Am 4.1.1919 kam es zum „Spartakusaufstand“ in Berlin. Der Grund war die Absetzung des Berliner Polizeipräsidenten Eichhorn (Mitglied der USPD). Radikale Arbeiter protestierten dagegen. Liebknecht, ein Teil der Obleute und die Lokalorganisation der USPD sahen darin erneut eine Möglichkeit, die Regierung Eberts zu stürzen (gegen den Willen der KPD-Zentrale). „Große Massen radikaler Arbeiter folgten dem Aufruf und sammelten sich im Zentrum Berlins, teilweise bewaffnet. Um die Regierung zu schützen, versammelten sich mehrheitssozialistische Arbeiter vor der Reichskanzlei und sperrten den Eingang in die Wilhelmstraße.“[22] Eine Woche später rückten Truppen ein und stürmten die besetzten Gebäude, wobei es Tote gab. Mit der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht am 15.1.1919 erreichte der Bruch zwischen den radikalen Linken und den Sozialdemokraten einen weiteren Höhepunkt. Der Konflikt sollte im weiteren Verlauf der Geschichte seine eigene Dynamik entwickeln. Die Weiterentwicklung soll aber in dieser Arbeit nicht mehr weiter behandelt werden.

Diese Darstellung der historischen Ereignisse soll einige Ansichten und Argumentationen Max Webers veranschaulichen, die in den folgenden Kapiteln immer wieder behandelt werden. Er hat die politischen Veränderungen miterlebt und darüber erfahren, welche Kompetenzen, Notwendigkeiten und Fähigkeiten eines Politikers wichtig sind bzw. hätten sein können und sie versucht darzustellen.

Die unabdingbaren Eigenschaften, die ein Berufspolitiker,aus der Sicht Max Webers haben muss

Mit dem Zusammenbruch der Monarchie 1918 war die Frage nach den Eigenschaften angebracht, über die ein Politiker in einem demokratischen Deutschland verfügen müsste. Max Weber setzte in seinem Vortrag „Politik als Beruf“ deutliche Zeichen. Max Weber hielt ihn am 28. 1.1919 in einer Reihe von Vorträgen vor dem Freistudentischen Bund.[23]

Als Gegenentwurf bzw. in Ergänzung zur traditionellen Herrschaft der aristokratischen Häuser und der legalen Herrschaft, die sich an legaler Satzung und rational geschaffenen Regeln orientiert[24], entwirft Weber das Modell eines „charismatischen“ Führers: „(...):die Herrschaft kraft Hingabe der Gehorchenden an das rein persönliche >Charisma< des >Führers<. Denn hier wurzelt der Gedanke des Berufs in seiner höchsten Ausprägung.“[25] In seiner Ausstrahlung auf die Massen bzw. Gefolgschaft, zieht Weber Vergleiche zu Magiern und Propheten.[26]

Für Weber gibt es nur die Wahl zwischen: „Führerdemokratie mit >Maschine< oder führerlose Demokratie, das heißt: die Herrschaft der >Berufspolitiker< ohne Beruf, ohne die inneren, charismatischen Qualitäten, die eben zum Führer machen.“[27] Das „Charisma“ eines Politikers bildet in Webers Vortrag quasi die Seele des Berufspolitikers. Alle anderen Eigenschaften bauen darauf auf bzw. kommen darüber erst zur Geltung.

[...]


[1] Weber 1992, S. 7

[2] Ebenda, S. 8

[3] Carsten 1991, S. 8

[4] Ebenda, S. 9

[5] Ebenda, S. 77

[6] Vgl. Ebenda, S. 12

[7] Tormin 1973, S. 9

[8] Ebenda, S. 16

[9] Ebenda, S. 50

[10] Ebenda, S. 51

[11] Ebenda

[12] Ebenda, S. 54

[13] Ebenda, S. 55

[14] Ebenda, S. 58

[15] Ebenda, S. 60

[16] Ebenda, S. 61

[17] Ebenda, S. 72

[18] Ebenda

[19] Ebenda, S. 80

[20] Tormin 1973, S.82

[21] Vgl. Ebenda, S.89

[22] Ebenda, S. 90

[23] Vgl. Weber 1992, S. 86 (Nachwort von Ralf Dahrendorf)

[24] Vgl. Kreisky 1994, S. 194

[25] Weber 1992, S. 9

[26] Vgl. Ebenda

[27] Vgl. Ebenda, S.59

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Politik als Beruf, Macht als Berufung
Untertitel
Der "Berufspolitiker" aus der Sicht Max Webers und Niccolò Machiavellis
Hochschule
Technische Universität Berlin  (Studiengang Amt der Lehrerin)
Veranstaltung
Teilstudiengang Sozialkunde
Note
gut
Autor
Jahr
1995
Seiten
34
Katalognummer
V84639
ISBN (eBook)
9783638892254
ISBN (Buch)
9783638892360
Dateigröße
1421 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politik, Beruf, Macht, Berufung, Teilstudiengang, Sozialkunde
Arbeit zitieren
Dipl. Berufspädagoge/ Dipl. Sozialpädagoge Jörg Stumbrat (Autor), 1995, Politik als Beruf, Macht als Berufung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84639

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