Die Rhetorik ist ein Gegenstück zur Dialektik. Denn beide behandeln solche Themen deren Erkenntnis gewissermaßen allen Wissenschaftsgebieten zuzuordnen ist und keinem bestimmten. Daher haben auch in irgendeiner Weise alle Menschen an beiden Anteil: Alle nämlich versuchen bis zu einem Gewissen Grad, ein Argument einerseits zu hinterfragen, andererseits zu begründen, einerseits zu verteidigen, andererseits zu erschüttern.“ (Aristoteles 1999: 7))Diese Arbeit kann und soll kein historischer Überblick über die Persuasionsforschung sein, sondern vielmehr als Versuch angesehen werden die Wichtigkeit der Forschung der Antike für die Moderne darzustellen. Aristoteles hat mit seinen Ergebnissen nicht nur die heutige Zeit beeinflusst sondern auch schon Persönlichkeiten der älteren Geschichte. Ob dies bei Cicero, einem der berühmtesten römischen Redner und Redenschreiber auch der Fall gewesen ist, gilt es zu untersuchen.
Außerdem soll geklärt werden, ob die Ergebnisse des Aristoteles, wenn sie einen Einfluss auf Cicero hatten, diesen dazu veranlasst haben, die Ausführungen des Aristoteles weiterzuentwickeln oder ob er die Ergebnisse als gegeben und perfekt angesehen hat und sich nicht im Stande sah, diese noch zu verbessern oder den eigenen Bedürfnissen anzupassen. Um der dieser Frage nach zu gehen bedarf es allerdings der Betrachtung, ob Cicero überhaupt Kenntnis von den Werken des Aristoteles hatte. Außerdem soll der Versuch einer Einordnung der Rhetorik in die Wissenschaft unternommen werden. Das Eingangszitat diente hierbei als Motivation und Inspiration um diesen Schritt zu unternehmen. Die Frage, wie groß die Bedeutung und Wirkung der antiken Rhetorik des Aristoteles für die Gegenwart ist, gilt es letztendlich zu klären, um so den Bogen zu dem eigentlichen Thema des Seminars „Persuasive Kommunikation“ zu schließen. Im folgenden soll nun der Aufbau der Arbeit erläutert werden.
In dem ersten Punkt dieser Arbeit soll die Auffassung und die Definition von Rhetorik aus drei verschiedenen Blickrichtungen betrachtet und miteinander verglichen werden. Ausgehend von der Klärung des Begriffs ‚Rhetorik’ sollen das Leben und das Werk von Aristoteles und Cicero dargestellt werden, da ihr Schaffen den Kern dieser Arbeit bildet. Der dritte Punkt beschäftigt sich mit der aristotelischen Rhetorik. Außerdem soll in diesem Punkt der Versuch einer Abgrenzung zwischen Rhetorik und Dialektik vorgenommen werden. Dieses wird als äußerst wichtig angesehen, da die Übergänge zwischen der aristotelischen Rhetorik und der aristotelischen Dialektik sehr fließend sind. Würde eine solche Abgrenzung nicht geschehen, wären vermutliche Irritationen beim Leser vorprogrammiert. Der vierte Punkt soll die etwaigen Einflüsse Aristoteles auf den römischen Redner Cicero aufzeigen. Der fünfte Punkt dieser Arbeit dient der Verdeutlichung der Bedeutung und Wirkung der aristotelischen Rhetorik für die moderne Rhetorik und Persuasionsforschung.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Was ist Rhetorik?
2. Die Protagonisten
2.1 Leben und Werk des Aristoteles
2.2 Leben und Werk des Cicero
3. Die Redekunst
3.1 Die Rhetorik (Buch I – III)
3.2 Das Verhältnis zwischen Dialektik und Rhetorik
4. Die aristotelische Rhetorik und ihre vermittelnde Wirkung auf Cicero
4.1 Ciceros Konzeption des idealen Redners
4.2 Aristoteles - Rhetorischer Mentor oder zufällige Symmetrie?
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der aristotelischen Rhetorik auf die Konzeption der Rhetorik des römischen Redners Cicero. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob Cicero die Werke des Aristoteles rezipiert hat und inwieweit diese seine Vorstellungen vom idealen Redner (orator perfectus) sowie seine theoretischen Ausführungen in Werken wie "De oratore" beeinflusst haben.
- Historische Einordnung und Definition des Rhetorik-Begriffs
- Biografische Skizzen von Aristoteles und Cicero
- Strukturanalyse der aristotelischen Rhetorik-Schriften
- Vergleich der rhetorischen Konzepte und Beweismittel (Logos, Ethos, Pathos)
- Diskussion über die Rezeptionsgeschichte antiker Rhetorik
Auszug aus dem Buch
Die aristotelische Rhetorik und ihre vermittelnde Wirkung auf Cicero
Im nun folgenden Kapitel soll untersucht werden, ob und wenn ja, welche Wirkung Aristoteles ‚Rhetorik’ auf Cicero bei dessen Konzeption seiner Ausführung zur Rhetorik gehabt hat. Mit anderen Worten: Es soll das aristotelische in Ciceros Rhetorik ‚herausgefiltert’ werden. Hierzu ist es allerdings nötig, dass man Ciceros Schriften zur Rhetorik und sein Idealbild des Redners zu mindest in Ansätzen kennt oder kennen lernt. Dies soll im nächsten Schritt geschehen, bevor dann im zweiten Unterpunkt dieses Kapitels nach einer Verbindung zwischen Aristoteles und Cicero gesucht wird. Die maßgebenden Bücher für das erste Subkapitel sind De oratore (lat.: Über den Redner) und orator (lat.: Der Redner) von Cicero.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung stellt das Ziel der Arbeit vor, die Bedeutung antiker rhetorischer Forschung für die Moderne zu verdeutlichen und den Einfluss von Aristoteles auf Cicero zu prüfen.
1. Was ist Rhetorik?: Dieses Kapitel beleuchtet verschiedene antike und moderne Definitionen von Rhetorik, um ein tieferes Verständnis für die Disziplin zu schaffen.
2. Die Protagonisten: Es erfolgt eine biografische Darstellung von Leben und Werk der beiden zentralen Figuren, Aristoteles und Cicero.
3. Die Redekunst: Dieser Teil analysiert den Aufbau der aristotelischen Rhetorik-Bücher sowie das Verhältnis zwischen Rhetorik und Dialektik.
4. Die aristotelische Rhetorik und ihre vermittelnde Wirkung auf Cicero: Hier werden die rhetorischen Konzepte beider Autoren verglichen und der Frage nach einer direkten Beeinflussung Ciceros durch Aristoteles nachgegangen.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Cicero Aristoteles zwar kannte, jedoch ein eigenständiges rhetorisches Konzept entwickelte, das stark durch Isokrates und seine eigene Praxis als Anwalt geprägt war.
Schlüsselwörter
Aristoteles, Cicero, Rhetorik, Redekunst, Dialektik, Orator, Persuasion, Ethos, Pathos, Logos, De oratore, Antike, Argumentation, Redner, Rhetoriktheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den wissenschaftlichen und theoretischen Zusammenhang zwischen der Rhetorik des Aristoteles und den rhetorischen Schriften von Cicero.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die antike Rhetoriktheorie, das rhetorische Erbe des Aristoteles und dessen Rezeption im römischen Denken durch Cicero.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Klärung, ob Cicero die Werke des Aristoteles kannte und ob er dessen Rhetorik-Konzeption in seinen eigenen Schriften weiterentwickelt oder adaptiert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, die zentrale Quellentexte (insbesondere Aristoteles' "Rhetorik" und Ciceros "De oratore") gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den Lebensläufen der beiden Philosophen die rhetorischen Konzepte (wie die Lehre der Beweismittel Ethos, Logos und Pathos) im Detail analysiert und verglichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Aristotelische Rhetorik, Cicero, orator perfectus, Persuasionsforschung und antike Redekunst charakterisiert.
Warum unterscheidet Cicero zwischen rhetorischen und philosophischen Schriften?
Cicero sieht in der Trennung von Weisheit (Philosophie) und Beredsamkeit (Rhetorik), wie sie nach seiner Ansicht von Sokrates eingeleitet wurde, einen Fehler und strebt in seiner Konzeption des idealen Redners eine Wiedervereinigung dieser Bereiche an.
Welche Rolle spielt Isokrates laut dem Autor bei der Beeinflussung Ciceros?
Der Autor führt an, dass Isokrates einen größeren Einfluss auf das Idealbild des "orator perfectus" gehabt haben könnte, da dieser den "Körper" für Ciceros rhetorisches Konzept lieferte, während Aristoteles eher die theoretischen "Nerven" beisteuerte.
- Quote paper
- Dennis Antons (Author), 2006, Die aristotelische Rhetorik und ihre vermittelnde Wirkung auf Cicero, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84648