Homosexualität im Zeitalter der kulturellen Globalisierung

Der Film "Brokeback Mountain" im internationalen Vergleich


Hausarbeit, 2007

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Von der Nationalkultur zur Weltkultur
2.1 Phasen und Auswirkungen der Globalisierung
2.2 Kulturelle Globalisierung
2.3 Verschiedene Formen kultureller Globalisierung

3. Der Film als international verbindendes Medium

4. Brokeback Mountain im internationalen Vergleich
4.1 Eine Inhaltliche Kurzbeschreibung
4.2 Im Internationalen Vergleich

5. Nationalstaaten und Sexualität

6. Resümee der Betrachtung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wir leben in einer Zeit, in der die Welt täglich kleiner zu werden scheint. Das Wort Globalisierung durchdringt alle Ebenen der Gesellschaft und ist mit dieser eng verknüpft. Sei es durch die Ausbreitung eines weltumspannenden Informationsnetzes, einer steigenden Mobilisationsfähigkeit des Menschen oder der Verbreitung homogener Konsumgüter auf dem globalen Markt. Die Unterhaltungsindustrien, ob Musik, Film oder TV, produzieren längst nicht mehr nur für den lokalen Markt sondern passen ihre Produkte einem internationalen Publikum an. Internationale Konzerne greifen nicht mehr nur auf einen lokalen Standort zurück, sondern haben verschiedene Firmensitze – oftmals weltweit verstreut. Ihre Mitarbeiter erlangen durch sie eine neue Form der Mobilität und arbeiten an verschiedenen Plätzen der Welt. Daneben führt ein starkes Gefälle zwischen entwickelten und weniger entwickelten Ländern zu einer internationalen Migration. Dies alles lässt verschiedenste Kulturnationen zusammentreffen. Doch kommt es dadurch auch zu einer Angleichung der Kulturen?

In einem internationalen Vergleich des in den Medien viel diskutierten und mehrfach ausgezeichneten Films Brokeback Mountain soll gezeigt werden, wie fern wir uns noch von der Idee einer tatsächlichen globalen Kulturnation befinden. Die dabei verwendeten Informationen beziehen sich hauptsächlich auf im Internet publizierte Zeitungsartikel. Es soll ein Überblick geschaffen werden, in welchen Ländern, zu Zeiten einer globalisierten und transnationalisierten Welt, der Film aufgrund seiner Thematik nicht ausgestrahlt werden durfte. Die Auswahl des Filmes Brokeback Mountain stellt sich mit dem Hintergrund des Themas der Homosexualität. Der Film handelt von zwei erwachsenen Männern, welche ihre Liebe durch den Zwang gesellschaftlicher Normen geheim halten müssen. Durch die internationale Betrachtung des Films soll versucht werden Rückschlüsse darüber zu ziehen, ob und inwiefern die (kulturelle) Globalisierung zu einer weltweiten Liberalisierung der Homosexualität geführt hat.

Dafür ist es notwendig, zuerst auf die verschiedenen Aspekte der Globalisierung sowie der kulturellen Globalisierung einzugehen, bevor der Text, nach einer Einführung in die Thematik von Brokeback Mountain, mit einen internationalen Vergleich des Films anstrebt. Abschließend wird noch der die Einwirkung eines Nationalstaates in die Sexualität des Menschen betrachtet.

2. Von der Nationalkultur zur Weltkultur

2.1 Phasen und Auswirkungen der Globalisierung

Eine übereinstimmende Definition für Globalisierung gibt es in der Wissenschaft nicht (vgl. Binnie 2004, Giddens 2003, Meckel 2003, Robertson 1998) und ist mit verschiedenen Vorstellungen verbunden. Es findet sich allerdings eine Einigkeit darüber, Globalisierung als Prozess zu sehen, welcher sich im ökonomischen, politischen und kulturellen Spektrum abspielt. Des Weiteren ist auffallend, dass dem Thema der Sexualität nur selten - wenn überhaupt - Betrachtung in den wissenschaftlichen Globalisierungsdebatten geschenkt wird (Binnie, 2004, S.33).

Giddens bezeichnet mit „Globalisierung […] einfach unsere wachsende Abhängigkeit“ (2003, S.35). Der Prozess der Globalisierung vollzieht sich für ihn in zwei unterschiedlichen Phasen. Giddens benennt das 19. Jahrhundert als erstes Zeitalter der Globalisierung, welches mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges endet. Die Erfindung der Dampfmaschine schuf eine neue technisierte Form der Mobilität und führte zu dynamischen Austausch- und Vernetzungsprozessen (Meckel 2003, S.125). Die im Anschluss ausgelöste und fortschreitende technische Modernisierung im Bereich der Kommunikation beschleunigte die Interaktionsprozesse und führte zu einem Strukturwandel in der Gesellschaft. Das nun zweite, heutige Zeitalter der Globalisierung, ist „weit intensiver, es ist sehr viel dynamischer, es bewegt sich viel schneller und es ist viel umfassender" (Giddens, 2003, S.35). Im Gegensatz zu damals sind heute mehr Menschen direkt an dem Phänomen beteiligt.

Giddens gesteht zwar der Wirtschaft einen bedeutenden Teil der Globalisierung zu, betont jedoch, dass es falsch sei, sie als alleinige, treibende Kraft zu sehen: „Wenn man nach einer dominanten Kraft suchen müsste, die das neue Weltzeitalter schafft, dann ist es nicht der Markt, sondern die Revolution der Kommunikation“, denn wenn „[…] unmittelbare elektronische Kommunikation möglich ist, verändern sich so viele Dinge in der Welt die von unserem persönlichen Leben bis zu den größten Systemen der Weltgesellschaft reichen“ (2003, S.36).

Massenmedien und Journalismus als Form der Kommunikation spielen hierbei eine entscheidende Rolle und fungieren als entscheidender „Katalysator eines Globalisierungsprozesses“ (Meckel, 2003, S.129). Meckel betont zwar, dass Medien nicht in der Lage sind Integrationsleistung zu erbringen, erkennt jedoch die Leistungen der Medien an, in den jeweiligen Systemen Reaktionen hervorrufen zu können, welche im Gegenzug zu Anpassungsprozessen führen können. So sind Medien ein wichtiger Teil der sozialen Wirklichkeit und in deren Prozesse mit eingebunden. Sie sind weder neutral noch „unschuldig“, sie besitzen einen Eigenwert und sind mehr als ein Spiegel der Gesellschaft, denn verschiedene Ereignisse haben erst über eine mediale Inszenierung stattgefunden (Niekisch, 2004, S.244). Medien als Kommunikationsplattform spielen im Globalisierungsprozess eine wichtige Rolle, sei es nun über Film, Fernsehen oder Internet.

2.2 Kulturelle Globalisierung

„Wie die Globalisierung insgesamt“, so Wagner, „ist auch die kulturelle Globalisierung ein komplexer Prozess mit sehr widersprüchlichen Formen, Reichweiten und Ausdrucksweisen, der sich einer eindeutigen Kennzeichnung entzieht“ (2002, S.10). Kulturen als geschlossenes Gebilde sind für ihn reine Fiktion und existieren in dieser Form nicht. Für Wagner sind Kulturen weder statisch noch homogen. Sie werden geformt durch Abgrenzen und Aufnahme anderer Kulturen, durch Austausch und Begegnung. Das kulturell „Eigene“ sowie das kulturell „Fremde“ stehen sich nicht mehr unabhängig gegenüber, sondern sind von einander abhängig und beeinflussen sich gegenseitig (Reuter, 2004, S.241). "Today, we can no longer accept the existence of distinct cultural units, circumscribed by geographic territories" (Schuerkens, 2005, S.549). Kulturen tauschen sich aus, vermischen sich und stehen im ständigen Vergleich zueinander. Der Begriff Kultur bekommt dadurch einen dynamischen Prozess und ist veränderbar.

Nie zuvor standen dem Menschen so viele Ausdrucksmöglichkeiten seiner kulturellen Identität zur Verfügung, nie zuvor besaßen wir so viel Kenntnis über alternative Lebens- und Umgangsformen, Werte und Weltbilder, nie zuvor kamen wir mit einer so großen Zahl an unterschiedlichen Medien, Waren und Menschen in Berührung (Reuter, 2004, S.250).

Die im 19. und 20. Jahrhundert aufkommende Weltmusik, Weltliteratur und Weltkunst, sieht Wagner (vgl. 2002) als Vorläufer kultureller Globalisierung, welche unser heutiges Leben beeinflusst. Im Gegensatz zu diesem noch stark auf Kunst ausgerichteten Begriff, liegt der zentrale Unterschied für ihn heute darin, dass diese Grenzen der kulturellen Globalisierung überschritten worden sind und nun weit in die der Alltagskulturen hineinreichen. Diese neue Qualität, benennt er vor allem an drei zentralen Veränderungen in der Gesellschaft; die ökonomische Globalisierung, die internationalen Migrationsprozesse und die Entwicklung der Medien.

Anders als Giddens, spricht Wagner vor allem dem wirtschaftlichen Aspekt der Globalisierung einen großen Stellenwert zu:

Auch wenn kultureller Austausch zum Wesensmerkmal der menschlichen Entwicklung gehört und in allen Epochen mit unterschiedlicher Intensität stattgefunden hat, nahm er einen gewaltigen Aufschwung mit der Herausbildung der kapitalistischen Produktionsweise, welche Menschen auf der Jagd nach Gewinn um den ganzen Erdball trieb (2002, S.12).

Es folgt eine „Internationalisierung der Arbeit“ (ebd.) mit ökonomischen Verflechtungen, in denen Konzerne Menschen neue Formen der Mobilität ermöglichen. Mitarbeiter transnationaler Unternehmen agieren nun nicht mehr national, sondern international und sind, wie die Produktion selbst, nicht mehr lokal an einen bestimmten Standort gebunden (vgl. Wagner, 2002). Dort, wo Menschen nicht durch ihre Arbeit oder Qualifikation die Möglichkeit haben andere Länder zu bereisen, treten sie als Touristen auf. Wagner weist zwar darauf hin, dass von dieser Mobilitätsentwicklung natürlich nur ein kleiner Teil der Menschheit betroffen ist, hebt jedoch hervor, dass diejenigen, welche nicht die Möglichkeit einer globalen Mobilität besitzen, zumindest in ihrem Heimatland mit jenen zusammentreffen können, die über dieses Privileg verfügen - sei es zum Beispiel über deren Arbeitstelle oder in einem Tourismusort. Dadurch kommen sowohl Reisende, als auch Ansässige in Kontakt mit neuen bzw. fremden Kulturen und stehen somit im ständigen Austausch zueinander.

Der große Unterschied zwischen den entwickelten und weniger entwickelten Ländern führt nach Annahmen Schuerkens (vgl. 2005) zur Migration, und somit zu einer Verbindung verschiedener kultureller Gemeinschaften. Dabei ist vor allem zu beachten, „[…] that many migrations are not voluntary, not a matter of choice, but are rather matters of economic necessity and compulsion” (Binnie, 2004, S.87). Zentrale Unterschiede zwischen den Ländern liegen vor allem in der Wirtschaftsleistung, dem technischen Fortschritt und dem politischen System. Anreize zur Migration liegen hauptsächlich in der Möglichkeit höhere Löhne im Einwanderungsland zu erzielen. Zum einen begünstige dies eine Steigerung der sozialen Position im Herkunftsland, zum anderen können zurückgebliebene Familienmitglieder mit Geldtransfers unterstützt und/oder Entwicklungsprojekte im Herkunftsland gefördert werden. Dabei sind Geldrückflüsse dieser Art für manche Länder zu den wichtigsten Einnahmequellen geworden und sind bedeutender als sonstige offizielle Unterstützungen. Migration hat sowohl einen direkten Einfluss auf die soziale Struktur des Herkunftslandes, als auch auf die des Einwanderungslandes (vgl. Schuerkens, 2005).

In the country of immigration, migrants are confronted by somewhat unknown social, economic and political structures, which require processes of adaptation not only on the party of migrants, but also of native groups. These processes contribute to social transformations of migrant groups and host societies, confronted by growing numbers of people how have to become more or less integrated in society (Schuerkens, 2005, S.540).

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Homosexualität im Zeitalter der kulturellen Globalisierung
Untertitel
Der Film "Brokeback Mountain" im internationalen Vergleich
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Fakultät für Sozialwissenschaft)
Veranstaltung
Kultureller Wandel und Migration in sozialwissenschaftlicher Perspektive
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
21
Katalognummer
V84782
ISBN (eBook)
9783638012492
ISBN (Buch)
9783640434268
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Homosexualität, Zeitalter, Globalisierung, Kultureller, Wandel, Migration, Perspektive, Kultur, Medien, Film, Gay, queer, Geschlechtertheorie, Gender, Genderstudies, Schwul
Arbeit zitieren
Oliver Müller (Autor), 2007, Homosexualität im Zeitalter der kulturellen Globalisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84782

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