Um diese Fragen beleuchten zu können, soll ein Blick auf die europäische Fernsehlandschaft geworfen werden, insbesondere auf die europäisch orientierten Kulturkanäle und ihre Entwicklung in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht die Frage nach der Existenz und Entwicklung einer europäischen Öffentlichkeit in den Kulturmagazinen der Dritten Programme der 60er Jahre, wobei exemplarisch auf die `Pioniermagazine` Perspektiven und Horizonte eingegangen werden soll. Wichtig ist zudem die Frage nach der europäischen Ausrichtung und Gestaltung dieses Formats, wobei auch die Problematik der Zuschauerakzeptanz erörtert werden soll.
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung
1. Europäische kulturelle Identität
2. Der Begriff der `Europäischen Öffentlichkeit`
3. Europäische Kulturmagazine der Dritten Programme in den 60er Jahren
4. Horizonte. Ein europäisches Kulturmagazin (BR)
5. Perspektiven. Ein europäisches Kulturmagazin (HR)
Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Existenz und Entwicklung einer europäischen Öffentlichkeit innerhalb der Kulturmagazine der Dritten Programme in den 1960er Jahren. Dabei wird analysiert, inwieweit diese Formate zur Identitätsbildung und zum grenzüberschreitenden Diskurs beitragen konnten, wobei die Pioniersendungen "Horizonte" und "Perspektiven" als zentrale Fallbeispiele dienen.
- Entwicklung und Definition der europäischen kulturellen Identität
- Strukturmerkmale und Bedingungen für eine europäische Öffentlichkeit
- Analyse des Bildungs- und Kulturauftrags in den Dritten Programmen
- Fallstudie: Horizonte (Bayerischer Rundfunk)
- Fallstudie: Perspektiven (Hessischer Rundfunk)
- Bewertung der europäischen Ausrichtung und Zuschauerakzeptanz
Auszug aus dem Buch
3. Europäische Kulturmagazine der Dritten Programme in den 60er Jahren
Die `europäische Idee` im Fernsehen impliziert zunächst die Frage, ob und wie man `Europa` definiert: Welche Konturen hat dieses Europa und wie verdichtet man das Abstraktum Europa zu einer konkreten und Sinn stiftenden Einheit?29 Europa sollte mehr sein als die bloße Addition seiner Staaten und Nationen. Ebenso sollte ein europäisches Fernsehprogramm mehr sein als die Summe seiner Sendungen. Das Ziel eines transnationalen Programms sollte es sein, die Befindlichkeiten Europas erlebbar zu machen.30 Bei diesem nicht gerade gering bemessenen Anspruch kann man sich durchaus die Frage stellen, wie und in welcher Form dieses Ziel am effektivsten in die Realität umzusetzen ist.
In den 60er Jahren war die Messlatte noch nicht ganz so hoch gesteckt. Im Vordergrund der Bemühungen stand die besondere Berücksichtigung des Bildungs- und Informationsauftrags der Dritten Programme. Die Worte Walter Flemmers zeichnen ein genaues Bild dieser allgemeinen Stimmung in diesen Jahren: Das Wort Bildung war zum Schlagwort geworden. An Wänden wurde es plakatiert, auf den Köpfen der Werbeschriften, die zur Teilnahme an Fernlehrgängen aufforderten, flatterte es in die Briefkästen.31 In diesen Jahren entbrannte eine weitgefächerte Diskussion um den Bildungsauftrag bzw. –umfang des Mediums, dem in Teilen der wissenschaftlichen Elite jegliche Bildungsqualitäten abgesprochen wurden. Die Begründung für diese Argumentation war die einseitige Kommunikation des Fernsehens, die dem personalen und dialogischem Prinzip der Bildung widersprechen würde.32 Dem setzten die Befürworter des Bildungsfernsehens entgegen, dass die Dritten Programme keineswegs eine eigenständige Bildungsinstitution seien, sondern vielmehr ein Anbieter, der für den Bildungsprozess unterstützend und fördernd wirken sollte.33
Zusammenfassung der Kapitel
Vorbemerkung: Einführung in die Problematik des europäischen Integrationsprozesses und die historische Verankerung des kulturellen Europas.
1. Europäische kulturelle Identität: Untersuchung der theoretischen Grundlagen und der historischen Genese kultureller Identität im Kontext des Imperialismus und der europäischen Integration.
2. Der Begriff der `Europäischen Öffentlichkeit`: Theoretische Definition des Konzepts der europäischen Öffentlichkeit und Identifikation notwendiger Bedingungen für deren Entstehung.
3. Europäische Kulturmagazine der Dritten Programme in den 60er Jahren: Analyse der Rahmenbedingungen und des Bildungsauftrags für Kulturformate im Fernsehen dieser Dekade.
4. Horizonte. Ein europäisches Kulturmagazin (BR): Untersuchung des Formats, seiner Struktur und seiner Rolle bei der Verbreitung europäischer Kulturthemen.
5. Perspektiven. Ein europäisches Kulturmagazin (HR): Detailbetrachtung des Formats hinsichtlich seiner redaktionellen Ausrichtung und der Berichterstattungspraxis.
Resümee: Synthese der Ergebnisse und Bewertung der Rolle der Magazine als Vorläufer einer europäischen Elitenöffentlichkeit.
Schlüsselwörter
Europäische Öffentlichkeit, Kulturmagazine, Dritte Programme, Identität, Fernsehgeschichte, Medienpolitik, Bildungsauftrag, Horizonte, Perspektiven, Elitenöffentlichkeit, Kulturvermittlung, Integration, 60er Jahre, Europa.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie europäische Kulturmagazine in den Dritten Programmen während der 1960er Jahre versuchten, ein europäisches Bewusstsein zu vermitteln.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit konzentriert sich auf die Begriffe kulturelle Identität und europäische Öffentlichkeit sowie deren praktische Umsetzung im damaligen Fernsehangebot.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, ob sich bereits in den 60er Jahren Anzeichen einer europäischen Öffentlichkeit in den Kulturmagazinen feststellen ließen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine medienhistorische Analyse, die Fachliteratur sowie konkrete Programmdaten und Formatanalysen auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Neben theoretischen Definitionen liegt der Fokus auf der detaillierten Betrachtung der Sendereihen "Horizonte" und "Perspektiven" hinsichtlich Struktur und Reichweite.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Europäische Öffentlichkeit, Mediengeschichte der 60er Jahre, Kulturvermittlung und kulturelle Identität.
Warum scheiterten die untersuchten Formate langfristig?
Das Scheitern wird primär auf die mangelnde Zuschauerakzeptanz und das Fehlen eines massentauglichen Konzepts zurückgeführt.
Welche Rolle spielte die "Elitenöffentlichkeit" in diesem Kontext?
Die Sendungen erreichten überwiegend ein bildungsbürgerliches Publikum, wodurch sich zwar eine Elitenöffentlichkeit bildete, der breitenwirksame europäische Diskurs jedoch ausblieb.
- Quote paper
- Richard Oehmig (Author), 2006, Europäische Kulturmagazine der Dritten Programme in den 60er Jahren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84813