Alessandro Manzoni: "Die Nonne von Monza", Denis Diderot: "La Religieuse"

Thematischer Vergleich beider Werke unter besonderer Berücksichtigung der religiösen Überzeugungen der Künstler


Seminararbeit, 2001
21 Seiten, Note: befriedigend

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Kurzbiographie
2.1.1 Alessandro Manzoni
2.1.2 Denis Diderot
2.2. Entstehungsgeschichte
2.2.1 Die Nonne von Monza
2.2.2 La Religieuse
2.3 Inhaltsangabe
2.3.1 Die Nonne von Monza
2.3.2 La Religieuse
2.4 Vergleich der beiden Werke
2.5 Exkurs: Jansenismus
2.6 Ansichten zu Religion und Kirche
2.6.1 Alessandro Manzoni
2.6.2 Denis Diderot
2.7 Reaktionen der Kirche

3.Schluß

4. Bibliographische Angaben

1. Einleitung

Betrachtet man die Biographien der beiden Schriftsteller Alessandro Manzoni und Denis Diderot, so könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Denis Diderot sollte Theologie studieren, wollte aber lieber freier Schriftsteller sein. Er liebte Paris, die literarischen Salons und hatte eine Vorliebe für die Libertinage. Er schrieb anzügliche Romane, sprach gerne und öffentlich über Sexualität, er war Atheist und prangerte das gesamte Christentum an.

Alessandro Manzoni dagegen lebte zunächst mit seiner Mutter in Paris und lernte die Salons und die Libertinage kennen, wandte sich dann aber ab von jeglicher Freizügigkeit und wurde Katholik. Er verließ das lasterhafte Paris, lebte streng monogam und prüfte überhaupt von nun an alles, was er tat, ob es sich mit seiner Religion vereinbaren ließe. Seine Auffassung von religiöser Pflichterfüllung war mehr als streng und Spaß und Ausgelassenheit waren im Hause Manzonis nicht gern gesehen.

Trotz dieser Unterschiede aber haben die beiden über ein Thema geschrieben: über eine Nonne, die von ihren Eltern zum Klosterleben gezwungen wird.

Mehr als die Gemeinsamkeiten der beiden Werke bin ich an den Unterschieden interessiert. Oder besser gesagt, ich möchte in meiner Arbeit nicht nur die Unterschiede herausarbeiten, sondern besonderen Wert darauf legen, aufzuzeigen, warum diese beiden Autoren eine gleiche Geschichte unterschiedlich gestalten.

Weiterhin werde ich darauf eingehen, wie eng diese unterschiedliche Gestaltung mit dem Leben und der Einstellung der Schriftsteller verbunden ist.

Zuletzt werde ich mich damit beschäftigen, wie die katholische Kirche auf beide Werke reagiert hat.

2. Hauptteil

2.1 Kurzbiographie

2.1.1 Alessandro Manzoni

Alessandro Manzoni wurde am siebten März 1785 in Mailand geboren. Zehn Jahre später, nach der Scheidung seiner Eltern, zog er mit seiner Mutter und dem Grafen Carlo Imbonati, ihrem Liebhaber, nach Paris. Dort verkehrte er in literarischen Salons, machte Bekanntschaft mit der Libertinage und verfaßte Gedichte.

1808 dann heiratete er Henriette Blondel, durch die er zum katholischem Glauben bekehrt wurde. Ein Jahr später wurde seine Tochter geboren, ein weiteres Jahr später kehrte die Familie nach Italien zurück. Dort arbeitete er zunächst an kirchlichen Gedichten und einer Tragödie, widmete sich dann aber vollends dem Roman „I promessi sposi“, den er seit Ersterscheinen 1827 immer wieder überarbeitete, bis er 1842 mit der endgültigen Fassung zufrieden war. Seit Erscheinen des Romans erhielt Manzoni bis zu seinem Tode immer wieder Auszeichnungen und Ehrenämter verschiedener Akademien und Institutionen und wurde zum Ehrenbürger der Stadt Rom ernannt. Obwohl Manzoni bereits in jungen Jahren an einem Nervenleiden erkrankte, wurde er doch 89 Jahre alt. Am 22. Mai 1874 starb Manzoni in Mailand.

2.1.2 Denis Diderot

Denis Diderot wurde 1713 als Sohn eines Messerschmieds in Langres geboren. Seine Familie gehörte dem bürgerlichen Mittelstand an und Diderot war dazu bestimmt, eine theologische Laufbahn einzuschlagen. Dementsprechend verließ Diderot 1728 seine Heimatstadt, um in Paris zu studieren. Dort entdeckte er aber die Naturwissenschaften für sich und studierte Jura. Außerdem widmete er sich den schönen Künsten und wollte eine literarische Karriere machen. Nachdem ihm sein Vater die monatlichen Zuwendungen strich, um den Sohn wieder auf den rechten Pfad zu bringen, versuchte Diderot sich mit Übersetzungen über Wasser zu halten. 1733 heiratete Diderot aus Liebe eine mittellose Frau und bekam eine Tochter. Die Ehe war aber nicht lange glücklich und Diderot kam zu dem Schluß, daß der Mensch nicht für eine lebenslang Monogamie geschaffen ist. Dementsprechend hatte er auch eine Geliebte, von der er sich besser verstanden fühlte als von seiner Ehefrau. Weil er aber an seiner Tochter hing und ihm die Familie als solche viel bedeutete, hielt er die Ehe aufrecht. Diderot übersetzte weiterhin, außerdem fanden seine wissenschaftlichen, philosophischen und politischen Abhandlungen großen Anklang. So befand sich Diderot zum Beispiel einmal für drei Monate in Petersburg. Die russische Zarin Katharina unterhielt sich fast täglich mit Diderot auch über Politik und Bildungsfragen.

Sein literarisches Werk aber wurde zunächst kaum beachtet. Seine fragmentarische Art zu schreiben, fand keinen Anklang beim Publikum. Diderot mußte seine Arbeiten auch das eine oder andere mal verleugnen, um der Zensur zu entgehen. Wegen seiner atheistischen und teilweise auch pornographischen Tendenzen war es nicht weiter verwunderlich, daß die meisten seiner Werke erst nach seinem Tode gefunden und veröffentlicht wurden. Denis Diderot starb 1784 in Paris.

2.2 Entstehungsgeschichte

2.2.1 „Die Nonne von Monza“

Nach Manzonis Bekehrung zum Katholizismus distanzierte er sich von seiner vorherigen literarischen Arbeit. Zuvor hatte er Gedichte geschrieben. Dies schien ihm nun mit seinem religiösen Verständnis nicht mehr vereinbar. Überhaupt wollte er mit den Genie- und Schöpfergedanken der Romantik nichts zu tun haben. Eine Geschichte zu erfinden, etwas zu erschaffen, erschien Manzoni im Hinblick auf Gottes Schöpfung blasphemisch. Lange Zeit machte er sich Gedanken, was er denn dann überhaupt schreiben konnte und kam schließlich zu folgendem Ergebnis:

„ Die charakteristischen Züge einer Epoche der Gesellschaft sammeln und sie in einer Handlung entwickeln, die Geschichte benutzen, ohne mit ihr konkurrieren zu wollen, ohne den Anspruch zu erheben, das zu machen, was sie besser macht, das scheint mir der Dichtung noch erlaubt zu sein und das, was sie ihrerseits einzig zu leisten vermag.“1

Für diese Arbeit suchte er eine Zeit, die lang genug zurücklag, daß man sie überblicken konnte, aber immer noch nahe genug war, damit es ihm nicht an historischen Quellen fehlte. Die Zeit der Mailänder Pest schien ihm daher bestens geeignet, zumal er auch seine „Botschaft“ bestens um das damalige Geschehen stricken konnte. Emil Staiger beschreibt Manzonis Absichten folgendermaßen: „ Dabei geriet er in die Jahre 1628-31, eine Epoche, in der er sich nicht heimisch fühlte, die ihm verderbt, entartet vorkam. Aber sich heimisch zu fühlen in der Welt, von der er erzählen wollte, war auch keineswegs seine Absicht. Er suchte <<des Lebens Fremde>> auf, weil sich nur da Gelegenheit bot, das Walten der sittlichen Kräfte zu zeigen und über die Erde hinauszuweisen.“2

So machte er sich also daran, die wie er auch zu Anfang betont, wahre Geschichte der Liebenden Renzo und Lucia aufzuarbeiten.

Die Novelle „Die Nonne von Monza“ ist nun aus der ersten Fassung von „ I promessi sposi “, die zunächst „ Fermo e Lucia “ hieß, entnommen. Die Geschichte der Nonne von Monza ist im Laufe der Überarbeitungen ständig von Manzoni gekürzt worden. Später ist Gertrude zwar immer noch mehr als nur eine Nebenperson, man erfährt über ihre schlimme Kindheit und auch, daß sie ein Geheimnis birgt, nicht aber, wie die Geschichte um Gertrude endet. Nach Manzonis Tod wurde diese Geschichte aus der Urfassung herausgehoben und neu veröffentlicht. Manzoni hat also genau genommen nichts mit der eigentlichen Entstehung der Novelle „Die Nonne von Monza“ zu tun. Da er auch später über seine Urfassung gar nicht mehr sehr glücklich war und sie deswegen sowohl was die Sprache, aber auch den Inhalt betraf, immer wieder überarbeitete, hätte er eine Veröffentlichung wohl auch nicht gerne gesehen. Tröstlich für ihn wäre wohl nur die Tatsache gewesen, daß auch „Die Nonne von Monza“ auf einer wahren Geschichte beruht und so auch die Novelle als eigenständiges Werk seinen strengen, religiösen Ansprüchen genügt hätte. Aber anderenfalls hätte er wohl auch gar nicht über die Nonne von Monza geschrieben.

[...]


1 Manzoni, Alessandro, 1954, S. 227

2 Staiger, Emil , 1979, S. 242

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Alessandro Manzoni: "Die Nonne von Monza", Denis Diderot: "La Religieuse"
Untertitel
Thematischer Vergleich beider Werke unter besonderer Berücksichtigung der religiösen Überzeugungen der Künstler
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (AVL)
Veranstaltung
Die Liebe in den Zeiten der Pest
Note
befriedigend
Autor
Jahr
2001
Seiten
21
Katalognummer
V8485
ISBN (eBook)
9783638154420
ISBN (Buch)
9783640736881
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alessandro, Manzoni, Nonne, Monza, Denis, Diderot, Religieuse, Thematischer, Vergleich, Werke, Berücksichtigung, Künstler, Liebe, Zeiten, Pest
Arbeit zitieren
Tanja Ridder (Autor), 2001, Alessandro Manzoni: "Die Nonne von Monza", Denis Diderot: "La Religieuse" , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8485

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