Zweck und Funktion der Jugendsprache. Ist die Jugendsprache eigenständig oder wird sie durch äußere Faktoren beeinflusst?


Hausarbeit, 2002
24 Seiten, Note: 1.7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffserklärung
2.1 Jugend
2.2 Jugendsprache

3. Beispiele für Jugendsprache

4. Welche Funktionen erfüllt die Jugendsprache?
4.1 Warum spricht die Jugend anders?
4.2 Betrachtungsweise der Jugendsprache
4.2.1 Aus der Sicht der Abgrenzung
4.2.2 Aus der Sicht der Authentizität
4.2.3 Aus der Sicht des Protests
4.2.4 Aus der Sicht der besseren Verständigung
4.2.5 Aus der Sicht der Innovation und des Spiels
4.2.6 Aus der Sicht des Aggressionsabbaus
4.2.7 Aus der Sicht der Unsicherheit

5. Die jugendsprachliche Ausdrucksfunktion
5.1 Der Intergenerationsdialog
5.2 Jugendsprache in ihren drei Kommunikationsebenen
5.2.1 Die Peer-Group
5.2.2 Die subkulturelle Gruppe
5.2.3 Die Großgruppe Jugend
5.3 Die Entwicklungsaufgaben im Jugendalter

6. Jugendsprache als Gruppenerlebnis

7. Stilausbreitung und Stilaneignung jugendlicher Teilkulturen

8. Äußerliche Einflussfaktoren der Jugendsprache
8.1 Medien/Werbung
8.2 Fach- und Sondersprachen
8.3 Fremdsprachen
8.4 Dialekte

9. Schluss

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Als ich vor einiger Zeit ein Gespräch zwischen zwei männlichen Jugendlichen im hiesigen Jugendhaus verfolgte, faszinierte mich deren Sprache so sehr, dass ich mich in meiner Hausarbeit, aus dem Gebiet der Soziologie der Lebensalter, mit dem Thema Jugendsprache beschäftigen wollte.

Der eine Jugendliche zeigte dem anderen seine neuen fetten Schuhe, die er sich in Stuggi rausgelassen hatte und zog einen Flyer aus seiner Tasche. Am Wochenende sei eine fette Jam mit Mc B, der sei echt geil. Der andere schien nicht so begeistert zu sein, denn er meinte Mc B sei doch ohne Ende wack und hätte kein Plan wie man richtig dicke Mucke macht, und außerdem hätte er da keine Zeit, weil er da mit seiner Crew taggen gehen wollte.

Solch ein Gesprächsauszug stellt keineswegs eine Ausnahme dar. In meiner Arbeit mit Jugendlichen im Heimbereich und in meiner Freizeit werde ich täglich mit dieser speziellen Sprache der Jugend konfrontiert.

Aufgrund dieses Gesprächsauszuges ist es auch kaum verwunderlich wenn Jugendsprache von Erwachsenen als sprachliche Schlamperei oder gar als Sprachverhunzung gesehen wird. Doch was steckt dahinter, warum braucht die Jugend überhaupt eine eigene Sprache? Was will die Jugend durch ihre Sondersprache bezwecken? Ist die Jugendsprache eigenständig oder wird sie durch äußerliche Faktoren beeinflusst?

2. Begriffserklärung

2.1 Jugend

In der Soziologie sieht man Jugend (Adoleszenz) als Zeitabschnitt im Leben einer Person, in welcher sie von der Gesellschaft nicht mehr als Kind angesehen wird, sie aber auch noch nicht den vollen Status, die Rollen und die Funktionen eines Erwachsenen zuerkannt bekommt.

Die Jugend ist auch keineswegs durch einen bestimmten Zeitpunkt bestimmt, wie etwa durch die körperliche Pubertät, sondern wird nach Form, Inhalt, Dauer und Abschnitt im kulturellen und gesellschaftlichen Lebensablauf individuell eingegrenzt.1

Jugend drückt somit nicht nur ein biologisches Alter, sondern viel mehr noch ein soziales Alter aus.2

In der Phase der Jugend, zwischen Kindheit und Erwachsensein, ist eine Person auf der Suche nach seiner eigenen Identität, der individuellen Persönlichkeit.3

„Jugend“ beschreibt auch die gesellschaftliche Gruppe derjenigen, die sich in der Jugendphase befinden.4

2.2 Jugendsprache

Ab den 60er Jahren wurde durch die Internationalisierung der Musik- und Filmwelt, sowie der Entdeckung der Zielgruppe Jugendlicher in der Werbung, die Sprechweise der Jugendlichen in das öffentliche Licht gerückt. Die Jugendsprache stellt durch das spezifische Sprachverhalten der Jugend eine altersspezifische Gruppensprache dar.5

Die Jugendsprache kann aber nicht als Sprache aller Jugendlichen verstanden werden, vielmehr kann man sie als eigene Sprache, entstanden aus verschiedenen Beweggründen, verschiedener Jugendgruppen bezeichnen. Daher kann man nicht von der Jugendsprache an sich, sondern von verschiedenen „Jugendsprachvarietäten² sprechen, die sich gegenseitig mehr oder weniger stark beeinflussen6.

Henne bezeichnet die Jugendsprache in Bezug auf Standardsprache als „fortwährendes Ausweich- und Überholmanöver² Sie setzt die Standardsprache voraus, wandelt sie schöpferisch ab, stereotypisiert sie zugleich und pflegt spezifische Formen ihres sprachlichen Spiels.7

Im Gegensatz zu der zum Teil gesellschaftlichen Meinung, die Jugendsprache wäre eine sprachliche Schlamperei oder gar ein Anschlag auf die deutsche Sprache, vergleicht Henne die Jugendsprache mit einer Fach-, Wissenschafts- oder einer Sportsprache, welche einen Zugewinn für die Standardsprache darstellt.8

3. Beispiele für Jugendsprache

- düsen (ab-, rum-, weg-):9 bedeutet:

1. sich schnell/rasant fortbewegen, flott fahren
2. verschwinden

- Fluppe: syn. Hugo, Glimmstengel, Kippe, Döge, Dippe

Ist das jugendsprachliche Synonym für Zigarette

- Kid(s): Kommt aus dem Englischen und bedeutet:

Kind(er), Jugendliche unter 20 Jahren

Mittlerweile auch umgangssprachlich bekannt, häufig in der Verwendung mit diversen Ergänzungen wie Computer-kids, Karate-kids, Prolo-kids, Disco-kids, etc.

- ultra-: syn. über-, hyper-

Aus dem Lateinischen stammende Steigerungsvorsilbe (ultra = weiter hinaus, jenseits, weiter, über, mehr) für Adjektive aller Art;

Zum Beispiel: ultracool, ultrakraß, ultrageil, ultrastark, etc.

- sülzen: syn. labern

bedeutet daherreden, dummes Zeug reden oder kein Ende finden.

- abartig: bedeutet:

1. sehr, übermäßig
2. unerträglich, widerwärtig

Eigentlich das krasse Gegenteil von "artig"; jedoch auch universelles Steigerungswort, drückt Zustimmung bzw. Abneigung aus, häufig auch als Verlegenheitsfloskel.

- blicken: syn. checken, peilen, raffen
bedeutet etwas (nicht) verstehen, sofort kapieren, begreifen; manchmal genügt schon ein kurzer Blick, um etwas zu blicken bzw. sich den Durchblick zu verschaffen.
- taggen: syn. Tags sprühen

Von dem englischen Wort "Tag", was soviel bedeutet wie Etikett, Anhänger, Preisschild, stehende Redensart, Nummernschild, Haftbefehl oder Schmierzettel. In der subkulturellen Sprüher-Sprache bedeutet es: Mit einer Lacksprühdose einfarbige, graphisch gestaltete Signatur-Graffitis zu sprühen.10

[...]


1 vgl. Hollingshead, zitiert nach Allerbeck/Rosenmayr, 1976, S. 19

2 vgl. Mattheier , 1987/1988 , S. 81

3 vgl. Nowottnik , 1989 , S. 22

4 vgl. Nowottnik , 1989 , S. 22

5 vgl. Ecker , 07.05.2002 , Neue Seite 2

6 vgl. Schwertl , 07.05.2002, Neue Seite 4

7 vgl. Henne, 1986, S. 208

8 vgl. Henne, 1986, S. 205 f

9 vgl. Ehmann, 1992 a, S.27 ff

10 vgl. van Treek, 1998, S. 266

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Zweck und Funktion der Jugendsprache. Ist die Jugendsprache eigenständig oder wird sie durch äußere Faktoren beeinflusst?
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart, früher: Berufsakademie Stuttgart
Veranstaltung
Soziologie der Lebensalter
Note
1.7
Autor
Jahr
2002
Seiten
24
Katalognummer
V8491
ISBN (eBook)
9783638154468
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugendsprache, Soziologie, Lebensalter
Arbeit zitieren
Kim Göhner (Autor), 2002, Zweck und Funktion der Jugendsprache. Ist die Jugendsprache eigenständig oder wird sie durch äußere Faktoren beeinflusst?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8491

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