Biblische Exegese: Die Heilung eines Gelähmten ("Der Gichtbrüchige") Mk 2,1-12


Quellenexegese, 2006
29 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

„Biblische Exegese“

1. Einleitung

2. Der Übersetzungsvergleich

3. Die Textanalyse
Inhalt sowie Textabgrenzung-und stellung
Textoppositionen

4. Die literarkritische Betrachtung

5. Die Formanalyse

6. Die redaktionsgeschichtliche Analyse
Der „Sitz im Leben“

7. Die pragmatische Analyse

9. Geplante Unterrichtseinheit zu Markus 2, 1-12

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ich habe mich für das Markusevangelium entschieden, da es das älteste Evangelium ist und somit den Grundstein der drei synoptischen Evangelien darstellt. „Die Heilung eines Gelähmten“ interessiert mich, weil ich die Heilungs- und Wundererzählungen von Jesus immer schon faszinierend fand. Bei Markus 2, 1-12 stellen sich für mich in diesem Zusammenhang folgende Fragen, die ich in meiner wissenschaftlichen Hausarbeit miteinbeziehen möchte:

- Wann tritt der Zeitpunkt der Heilung ein?
- Gibt es bei diesem Wunder etwas wie eine Heilungsformel, die zur plötzlichen Genesung führt?
- Wie kommt Jesus überhaupt dazu diesen Menschen zu heilen?
- Wie reagieren die Menschen auf Jesus und das Wunder?
- Wie erzählen die andern synoptischen Evangelien das Wunder? Welche Veränderungen wurden vorgenommen?

Außerdem ist es mir wichtig, dass die Veränderungen in den verschiedenen Evangelien möglichst an einigen Aspekten begründet werden können, um mir über die Verfasser und Adressaten Klarheit zu verschaffen.

2. Der Übersetzungsvergleich

In diesem ersten exegetischen Arbeitsschritt werden die folgenden Übersetzungen aus den verschiedenen Bibeln und Kommentaren miteinander verglichen. Daraufhin werde ich mich für eine der Übersetzungen entscheiden und mit dieser dann den weiteren Verlauf der Exegese arbeiten.

Allgemein festzuhalten ist, dass der Ursprungstext des Markusevangeliums wie auch die gesammelten Schriften des Neuen Testamentes in Griechisch waren. Es war das Griechisch, eher gesagt die „Koine“ der damaligen Zeit und wurde von ca. 300 v.Chr. bis 300 n.Chr. gesprochen. „Als Koine wird die Verbindung des attischen (klassischen) Griechisch mit unterschiedlichen Dialekten bezeichnet.“[1] Sie entwickelte und verbreitete sich mit den Feldzügen von Alexander dem Großen und entwickelte sich zur Weltsprache. Die „Koine“ wurde als so genannte Umgangssprache benutzt, weshalb man auch von der Sprache des Markusevangeliums sagt, dass sie einfach sei, was auffällig wird am schlichten Satzbau, der Parataxe und der „Aneinanderreihung der Sätze durch kai“[2]. Auf den Schreibstil vom Markusevangelium wird im weiteren Verlauf der exegetischen Arbeit noch eingegangen.

Die Lutherbibel, die bekannt ist für die einprägsame, wortgewandte und gut verständliche Sprache Martin Luthers, geht in etwas abgewandelter Form vom griechischen Ursprungstext aus, wohingegen die Züricher Bibel mehr an das moderne Sprachempfinden angepasst ist (siehe Mk 2,2: „...sodass nicht einmal der Platz vor der Türe mehr reichte...“). Die Elberfelder Bibel weist viele Ähnlichkeiten mit der Lutherbibel auf, jedoch ist die Wortwahl an einigen Stellen mehr der griechischen Übersetzung ähnlich. Außerdem wirkt die Sprache einfacher, da die Zeitformen manchmal wechseln, ohne ersichtlichen Grund (siehe Mk 2,4 „...lassen sie das Bett hinab...“). Die Interlinearübersetzung kann eher als griechische Übersetzungshilfe angesehen werden, wenn man mit dem Ursprungstext arbeiten möchte. Die beiden Kommentare von Pesch und der EKK orientieren sich am griechischen Text und weisen eine unaufdringliche, leichtverständliche und einfache Sprache auf, die nicht sehr erzählend ausschmückend wirkt. Diese Auffälligkeit wird verdeutlicht durch die Kürze des Textes, der anscheinend die Funktion hat über das Wichtigste der Situation und den Sachverhalt zu informieren.

Auf den ersten Blick beim Lesen der verschiedenen Bibelausgaben und den beiden Kommentaren fiel auf, dass teilweise die Interpunktion anders angewandt wurde. Bei dem Kommentar von Pesch z.B. ist die wörtliche Rede von Jesus mit Anführungszeichen gekennzeichnet, was darauf schließen lässt, dass frei und eigenständig übersetzt und gearbeitet wurde. Außerdem gibt es bei einigen Versen und Wörtern Sprünge in der Zeit und Veränderungen in den Satzstellungen, worauf ich aber nur vereinzelt bei der Analyse der zwölf Verse eingehen werde. Anmerken muss ich auch, dass viele Bibelausgaben natürlich noch der alten Rechtschreibreform unterliegen und von mir aus keine weiteren Veränderungen daran vorgenommen wurden, da es sich ja um Quellen handelt. Die Wörter, die sich bei dem Vergleich der Übersetzung wiederholen, werde ich ein Mal erwähnen und analysieren, um Wiederholungen zu vermeiden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

An die griechische Zeitangabe „di hmerwn“ („nach (einigen) Tagen“) halten sich bei der Übersetzung alle, bis auf den Kommentar von Pesch[9], der den Inhalt, dass jemand wieder da war etwas später erwähnt, indem er darauf hinweist, dass man „...einige Tage darauf hörte, dass er im Haus sei.“ Dass „er“ wiedergekommen ist, befindet sich in allen Bibelausgaben, jedoch weichen die Wortstellungen innerhalb des Satzes auf unterschiedliche Weise ab. Diese Wiederkunft wird verschieden wahrgenommen. In der Lutherbibel[10], Elberfelder Bibel[11] und im Evangelisch- Katholischen Kommentar[12] wird sie „bekannt“, wohingegen sie sich bei Pesch, der Züricher Bibel[13] und der Interlinearübersetzung[14] mit dem Wort „hörte“ ankündigt. Die Ortsangabe der Wiederkunft „Kajarnaoum“ in der ILÜ und den beiden Kommentaren mir „Kafarnaum“ übersetzt, wohingegen die anderen Bibelausgaben „Kapernaum“ verwenden.

Vers 2:

Der Beginn von Vers 2 wird bei fast allen einheitlich übersetzt („Und es versammelten sich viele…“), jedoch weicht der EKK ab, da das „es“ fehlt und sich somit die Satzstellung verändert („Und viele versammelten sich…“). Außerdem findet „mhde“ („nicht einmal“) im EKK und in der LB keine Erwähnung. Der angesprochene Platzmangel im Haus wird nur von der LB mit „nicht Raum hatten“ übersetzt, wohingegen alle anderen Bibelausgaben die griechischen Wörter „ta proV“ mit „kein/en Platz“ übersetzen. Daraufhin folgen unterschiedliche Präpositionen wie „bei, an und vor der Tür“ sowie bei den beiden Kommentaren ein Satzende, das durch einen Punkt gekennzeichnet wird. Die Verkündigung des Wortes erfolgt bei der LB und der EB nah an der ILÜ, „elalei“ wird übersetzt mit dem Verb „sagte“, wohingegen die Kommentare „redete“ und die ZB „verkündigte“ verwenden.

Vers 3:

Dieser Vers fängt nach dem griechischen Text mit „kai“ („und“), was die ZB mit „da“ übersetzt. Die kommenden „Leute“ werden nur von der ILÜ und der ZB erwähnt, während die anderen Bibelausgaben „sie“ oder „einige“ erwähnen. Darauf folgt das Bringen des Gelähmten zu Jesus, das nur kleine Tempus- und Wortstellungsunterschiede aufzeigt, wie auch das Satzende „von vieren getragen“.

[...]


[1] Wolfgang Fenske: Arbeitsbuch zur Exegese des Neuen Testaments; Gütersloh 1999; Seite 144

[2] Conzelmann/ Lindemann: Arbeitsbuch zum NT; 10. Auflage 1991; Seite 286

[3] Die Bibel- nach der Übersetzung Martin Luthers (Lutherbibel); Stuttgart, 1985. Seite 44/ 45

[4] Die Bibel- Elberfelder Übersetzung; Wuppertal, 2000. Seite 43/ 44

[5] Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments- Züricher Bibel, 1991. Seite 49/ 50

[6] Das Neue Testament: Interlinearübersetzung Griechisch- Deutsch; Stuttgart, 1998. Seite 142/ 143

[7] Das Markusevangelium I. Teil: Einleitung und Kommentar zu Kap. 1,1- 8,26; von R. Pesch. 1984. Seite 152

[8] EKK: Evangelisch- Katholischer Kommentar zum Neuen Testament; Joachim Gnilka. 1978. Seite 95

[9] Fortlaufend wird dieser Kommentar nur als Pesch bezeichnet.

[10] Fortlaufend abgekürzt mit LB

[11] Fortlaufend abgekürzt mit EB

[12] Fortlaufend abgekürzt mit EKK

[13] Fortlaufend abgekürzt mit ZB

[14] Fortlaufend abgekürzt mit ILÜ

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Biblische Exegese: Die Heilung eines Gelähmten ("Der Gichtbrüchige") Mk 2,1-12
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig  (Institut für evangelsiche Theologie und Religionspädagogik)
Veranstaltung
Biblische Exegese
Note
2,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
29
Katalognummer
V84926
ISBN (eBook)
9783638014502
ISBN (Buch)
9783638936699
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Biblische, Exegese, Heilung, Gelähmten, Gichtbrüchige
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Ute Heijenga (Autor), 2006, Biblische Exegese: Die Heilung eines Gelähmten ("Der Gichtbrüchige") Mk 2,1-12, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84926

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