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Poppers „trial and error“ - Ein Dogma der Sozialwissenschaften?

Title: Poppers „trial and error“ - Ein Dogma der Sozialwissenschaften?

Term Paper , 2006 , 11 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Stefan Spriestersbach (Author)

Politics - Methods, Research
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„Unsere Unwissenheit ist grenzenlos und ernüchternd“ (Popper, Karl R.: Die Logik der Sozialwissenschaften, In: Prof. Dr. Heinz Maus/ Prof. Dr. Friedrich Fürstenberg (Hg.): Soziologische Texte. Th. W. Adorno u. a. Der Positivismusstreit in der deutschen Soziologie.2. Aufl., Neuwied und Berlin Hermann Luchterhand Verlag GmbH 1970, S. 103). Mit dieser zweiten These des Referates von Karl R. Popper „Logik der Sozialwissenschaften“ spielt dieser besonders auf die in den Naturwissenschaften verbreitete Unwissenheit an. Diese These, welche auf die „sokratische Idee des Nichtwissens“ (ebd.) aufgebaut ist, bildet eine der beiden Grundlagen für die sechste These, die als Hauptthese definiert ist.

In der Annahme Poppers, dass „(m)it jedem Schritt, den wir vorwärts machen, […] in Wahrheit alles unsicher und im Schwanken begriffen ist“ , leitet dieser seine Sicht der Probleme und Problemlösungen ein. Der Ursprung eines jeden Problems in den Natur- aber auch Sozialwissenschaften sei der „Beginn des Wissens“ (ebd.).
Somit beginnt „Die Erkenntnis […] mit Problemen. Kein Wissen ohne Probleme – aber auch kein Problem ohne Wissen“ (ebd. S.104). Erst wenn unsere Beobachtungen unerwartete Ergebnisse liefern, die unseren Theorien und dem zugrunde liegenden Wissen widersprechen, beginnt der Ausgangspunkt wissenschaftlicher Arbeit. „Und was dann zum Ausgangspunkt der wissenschaftlichen Arbeit wird, ist nicht so sehr die Beobachtung als solche, sondern die Beobachtung in ihrer eigentümlichen Bedeutung […], die problemerzeugende Beobachtung“(ebd. S.105).
Somit stellt Karl R. Popper in seiner sechsten These (Hauptthese) fest: „Die Methode der Sozialwissenschaft, wie auch die der Naturwissenschaft, besteht darin, Lösungsversuche für ihre Probleme, von denen sie ausgeht, auszuprobieren“ (ebd. S.105).
Diese sechste Hauptthese bildet den Leitfaden dieses Essays.
In diesem wird dargestellt, inwieweit die Sichtweise Karl R. Popper von der Arbeit der Wissenschaften seine Berechtigung gefunden hat.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Poppers „trail and error“ ein Dogma der Sozialwissenschaften?

1.) Einleitung

1.1) Historische Entwicklung

2.) Grundlagen von Poppers „trail and error“

2.1) Paul Feyerabends Kritik an Popper

2.2) Paul Feyerabends Lösung

3.) Das Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die wissenschaftstheoretische Position Karl Poppers, insbesondere sein Konzept von „trial and error“, vor dem Hintergrund des Positivismusstreits. Ziel ist es, die Kritik Paul Feyerabends an dieser Methodik zu beleuchten und den Disput um dogmatische Grundannahmen in der Sozialforschung kritisch einzuordnen.

  • Grundlagen des Kritischen Rationalismus nach Karl Popper
  • Die problemorientierte Beobachtung als wissenschaftlicher Ausgangspunkt
  • Die historische Kontroverse des Positivismusstreits
  • Paul Feyerabends fundamentale Methodenkritik
  • Der Ansatz „Anything goes“ als Antwort auf methodische Dogmen

Auszug aus dem Buch

2.1) Paul Feyerabends Kritik an Popper

Als damaliger Gewinner bzw. Vermittler in der nichtfachlichen Öffentlichkeit ging der Soziologe, Ralf Dahrendorf, aus der Debatte hervor. Er konnte seine moderate Sichtweise zwischen den Lagern Poppers und Adornos gut hervorbringen.

Nicht nur T. W. Adorno und J. Habermas zählten zu Karl R. Poppers Kritikern, selbst sein Schüler wandte sich von ihm ab, um unter anderem die „trail and error“ Methode zu kritisieren. Ich habe die Kritik von Paul Feyerabend gewählt, da mir diese am deutlichsten und schlüssigsten von allen erscheint.

In seinem Werk „Erkenntnis für freie Menschen“ (1980) schrieb Feyerabend: „Als Teilnehmer verwenden wir die Maßstäbe ohne Hinweis auf ihren Ursprung, oder auf die Wünsche, Annahmen, Intention ihrer Anhänger. Wir sagen, >Theorien müssen falsifizierbar und widerspruchsfrei sein<, und nicht, >ich bevorzuge Theorien, die falsifizierbar und widerspruchsfrei sind< oder > Wissenschaftler sind sehr unglücklich, außer man legt ihnen Theorien vor, die falsifizierbar und widerspruchsfrei sind< (Feyerabend, Paul Karl 1980, S.55).

Mit dieser direkten Anspielung auf Karl Popper positioniert sich dieser konträr zu ihm und verlangt die Maßstäbe zu verwerfen. Eine „maßstabsfreiere“ wissenschaftliche Arbeitsmethode wird von Paul Feyerabend gefordert.

Zusammenfassung der Kapitel

Poppers „trail and error“ ein Dogma der Sozialwissenschaften?: Einführung in das Thema der Hausarbeit und Einordnung der zentralen Fragestellung.

1.) Einleitung: Vorstellung der theoretischen Grundlagen nach Karl Popper und Definition der wissenschaftlichen Arbeit als problemorientierter Prozess.

1.1) Historische Entwicklung: Darstellung des sogenannten Positivismusstreits und der beteiligten Akteure im intellektuellen Diskurs der 1960er Jahre.

2.) Grundlagen von Poppers „trail and error“: Erläuterung der Erkenntnislogik Poppers, insbesondere des Abgrenzungskriteriums der Falsifizierbarkeit.

2.1) Paul Feyerabends Kritik an Popper: Analyse der Gegenposition Feyerabends, der die methodische Strenge des Kritischen Rationalismus als Fortschrittshindernis betrachtet.

2.2) Paul Feyerabends Lösung: Vorstellung des „Anything goes“-Ansatzes als Plädoyer für eine methodenfreie Wissenschaft.

3.) Das Fazit: Zusammenfassende Bewertung des Positivismusstreits und Reflexion über die Bedeutung freier wissenschaftlicher Debatten.

Schlüsselwörter

Karl Popper, Positivismusstreit, Kritischer Rationalismus, Paul Feyerabend, trial and error, Wissenschaftstheorie, Falsifizierbarkeit, Erkenntnislogik, Anything goes, Sozialforschung, Methodenstreit, Theodor W. Adorno, Erkenntnisfortschritt, wissenschaftliche Methode.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit der methodologischen Kontroverse zwischen dem Kritischen Rationalismus von Karl Popper und der Kritik von Paul Feyerabend, eingebettet in den Kontext des Positivismusstreits.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Logik wissenschaftlicher Forschung, das Kriterium der Falsifizierbarkeit, die Bedeutung von Problemen für den Erkenntnisfortschritt und die Frage nach der Starrheit methodischer Vorgaben.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit geht der Frage nach, ob Poppers „trail and error“-Methode in den Sozialwissenschaften als dogmatisch zu betrachten ist und wie alternative methodische Ansätze wie der von Feyerabend darauf antworten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse zentraler wissenschaftstheoretischer Texte, insbesondere von Karl Popper und Paul Feyerabend, um deren Thesen vergleichend gegenüberzustellen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert Poppers wissenschaftstheoretische Grundannahmen, stellt den historischen Kontext der Positivismusdebatte her und erörtert Feyerabends fundamentale Kritik an der methodischen Einengung durch Rationalitätsregeln.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Kritischer Rationalismus, Falsifizierbarkeit, Anything goes, Positivismusstreit und Erkenntnislogik.

Warum bezieht sich der Autor speziell auf Paul Feyerabend?

Der Autor wählt Feyerabend als Kritiker aus, da er dessen Argumentation gegen die starren Maßstäbe der Rationalität als besonders schlüssig und deutlich für die Analyse des Themas erachtet.

Wie lautet Feyerabends zentraler Gegenentwurf?

Feyerabend formuliert den provokanten Leitsatz „Anything goes“, womit er eine methodenfreie Wissenschaft fordert, um den wissenschaftlichen Fortschritt nicht durch zu enge Regeln zu behindern.

Zu welchem Schluss kommt die Arbeit bezüglich des Positivismusstreits?

Das Fazit stellt fest, dass der Streit zwar nicht formell beendet wurde, aber auf eine pragmatische Ebene übergegangen ist, wobei die Bedeutung freier Debatten als Kern der Wissenschaft hervorgehoben wird.

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Details

Title
Poppers „trial and error“ - Ein Dogma der Sozialwissenschaften?
College
University of Kassel
Course
Methoden der Sozialforschung
Grade
1,7
Author
Stefan Spriestersbach (Author)
Publication Year
2006
Pages
11
Catalog Number
V84934
ISBN (eBook)
9783638020206
ISBN (Book)
9783638922944
Language
German
Tags
Poppers Dogma Sozialwissenschaften Methoden Sozialforschung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefan Spriestersbach (Author), 2006, Poppers „trial and error“ - Ein Dogma der Sozialwissenschaften?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84934
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