Phraseologismen kontrastiv - am Beispiel der Analyse von hessischer Sage "Der Advokat und der Teufel"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

26 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Hauptteil
2.1 Grundbegriffe der Phraseologie und Aspekte der Kontrastierung
2.1.1 Lexikalischer Aspekt
2.1.2 Struktur-syntaktischer Aspekt
2.1.3 Struktur-semantischer Aspekt
2.2 Zum Vergleich phraseologischer Einheiten
2.3 Vergleich und Analyse phraseologischer Einheiten im Originaltext und in der Übersetzung
2.3.1 Vollständige Äquivalenz
2.3.2 Teilweise Äquivalenz
2.3.3 Nicht-phraseologische (lexikalische) Entsprechung
2.4 Zur Übersetzung der Phraseologismen

3. Schlusswort

4. Literaturverzeichnis

5. Anhang

1. Einführung

Die Phraseologie, als Teildisziplin der Lexikologie, gehört zu den linguistischen Disziplinen, die in den letzten Jahrzehnten eine schnelle Entwicklung durchlaufen hat. Die Auslandsgermanistik (vor allem die sowjetische Forschung) hat entscheidend zur Entwicklung der Phraseologieforschung beigetragen. “Mit den Arbeiten zum Russischen von V. Vinogradow aus den Jahren 1946/47 erlebte die sowjetische Phraseologie als eigene Disziplin in den fünfziger und sechziger Jahren einen großen Aufschwung. Seine Klassifikation der Phraseologismen in drei Typen hat längere Zeit die Szene beherrscht. Diese Klassifikation wurde später von R. Klappenbach auch auf das Deutsche übertragen. Andere Vertreter der russischen Schule waren u.a. Amosova und Kunin zum Englischen und Černyševa und Reichstein[1] zum Deutschen” (Palm, 1997: 106).

In der Phraseologie kann man zwei Arten des Sprachvergleichs unterscheiden: den diachronischen und synchronischen. Die kontrastive Phraseologie diachroner Richtung konzentriert sich auf den Vergleich zwischen zeitlich verschiedenen Sprachzuständen und befasst sich mit der Etymologie der phraseologischen Wendungen sowie mit der Herausbildung der historischen Schichtung des phraseologischen Gesamtbestandes einer Sprache. Das synchronisch-vergleichende Studium der Phraseologie wurde Mitte der sechziger Jahre von zwei sowjetischen Linguisten, Rojzenzon und Avaliani, in Angriff genommen. Sie waren die Begründer der konfrontativen bzw. kontrastiven und typologischen Untersuchung der Phraseologie nah verwandter, entfernt verwandter und nicht verwandter Sprachen (vgl.: Földes, 1996: 11ff).

Die vorliegende Arbeit wird das Thema Kontrastive Phraseologie an einem Textbeispiel und seiner Übersetzung behandeln. Als Ausgangstext wurde eine hessische Sage “Der Advokat und der Teufel” aus dem Großen deutschen Sagenbuch von Heinz Rölleke ausgewählt, die von einem Darmstädter Advokaten und seiner Begegnung mit dem Teufel berichtet. Diese Sage hat Themen, die jahrhundertelang in unserer Gesellschaft behandelt werden, unabhängig davon, welche Sprache man spricht: den Kampf zwischen dem Bösen und Guten, Bestrafung des Böses. Das religiöse Motiv der Bestrafung eines ungerechten und gierigen Menschen durch den Teufel soll der moralischen Erziehung dienen und bildet den Leitfaden nicht nur in deutschen Sagen und Märchen, sondern auch in russischen. Die Sage enthält eine hohe Anzahl von Phraseologismen, die für Spannung, Expressivität und Bildhaftigkeit sorgen und ein großes Arbeitsfeld für eine wissenschaftliche Untersuchung bieten. Es gab keine Übersetzung des Textes als Vorlage - die teilweise Übersetzung ins Russische wurde von mir unternommen. Es wurden Phraseologismen als Bestandteil der Sage zusammengestellt, klassifiziert, übersetzt und miteinander kontrastiert.

In einem ersten Hauptabschnitt werden die allgemeinen Begriffe der Phraseologie und Aspekte der Kontrastierung, die ich als Basis für meine Arbeit verwendet habe, dargestellt. Der zweite und der dritte Abschnitt befassen sich mit dem Vergleich der phraseologischen Einheiten. Den vierten Teil meiner Arbeit habe ich der Frage der Übersetzung der Phraseologismen gewidmet.

2. Hauptteil

2.1 Grundbegriffe der Phraseologie und Aspekte der Kontrastierung

In jedem beliebigen sowohl deutschen als auch russischen Text kann man folgende Ausdrücke finden: ab und zu, guten Appetit, die Achseln zucken, sich die Zähne putzen, eine Rolle spielen usw.

Diese Ausdrücke bestehen aus mehr als einem Wort und die Wörter bilden bestimmte Kombinationen, die uns als Muttersprachler genau in dieser Kombination (eventuell mit Varianten) bekannt sind. Ausdrücke mit diesen Eigenschaften nennt man Phraseologismen. Äquivalente Ausdrücke sind feste Wortverbindung und phraseologische Wortverbindung. Der Gegenbegriff dazu ist freie Wortverbindung. Die lexikalischen Bestandteile nennt man Komponenten (vgl.: Burger, 1998: 12).

Es sind zwei Haupteigenschaften der Phraseologismen festgelegt: Polylexikalität und Festigkeit. Harald Burger findet, dass die Polylexikalität ein relativ unproblematisch definierbares Merkmal ist (Burger, 1998: 15):

Eine obere Grenze der Wortmenge wird nicht definiert, da die maximale Ausdehnung eines Phraseologismus üblicherweise nicht lexikalisch, sondern syntaktisch ist: der Satz gilt als die obere Grenze phraseologischer Wortverbindungen [...] Bezüglich der unteren Grenze der Wortmenge ist man sich einig, daß mindestens zwei Wörter vorhanden sein müssen.

Wenn von der Festigkeit der Phraseologismen gesprochen wird, sind mindestens drei Ebenen der Betrachtung zu unterscheiden: psycholinguistische Festigkeit (der Phraseologismus ist mental als Einheit gespeichert ähnlich wie ein Wort, er kann als ganzer abgerufen und produziert werden), strukturelle Festigkeit (im Unterschied zu freien Wortverbindungen, welche strukturell durch die morphosyntaktischen und semantischen Regeln eingeschränkt sind, weisen Phraseologismen häufig Irregularitäten und Restriktionen auf, die über die normalen Regularitäten hinausgehen) und pragmatische Festigkeit (Festigkeit der Phraseologismen im Hinblick auf typische (mündliche und schriftliche) Kommunikationssituationen bzw. auf typische Aufgaben in kommunikativen Situationen). Phraseologismen sind polylexikalische Einheiten von relativer Festigkeit, die untereinander und mit dem Wortlexikon auf vielfältige Art verknüpft sind (vgl.: Burger, 1998: 17ff).

Zu diesen zwei Merkmalen von Phraseologismen kommt oft ein drittes dazu: Idiomatizität. Es gibt unterschiedliche Relationen zwischen der phraseologischen und der freien Bedeutung von Komponenten in einem Phraseologismus. Ein Ausdruck ist idiomatisch im semantischen Sinn, wenn eine Diskrepanz (Missverhältnis) zwischen der phraseologischen und der wörtlichen Bedeutung des ganzen Ausdrucks besteht. Man kann nicht aus freien Bedeutung der Komponenten und deren Zusammenfügung eine bestimmte phraseologische Bedeutung ableiten (vgl.: Földes, 1996: 31).

Die grundlegenden Voraussetzungen bei einem phraseologischen Kontrast werden von C. Földes kurz zusammengefasst (Földes, 1996: 15):

- Vorhandensein von Übereinstimmungen, Ähnlichkeiten und Unterschieden in den zum Vergleich anstehenden Sprachen /Sprachvarietäten,
- innersprachliche Beschreibung, d.h. das Untersuchungsfeld ist qualitativ zu umschreiben und quantitativ zu inventarisieren,
- Ermittlung einer Invariante oder Bezugsgröße, von der aus Ähnlichkeiten und Unterschiede beurteilt werden,
- Einsatz eines einheitlichen theoretischen Konzepts für die Interpretation der Erscheinungen in den kontrastierten Sprachen/Sprachvarietäten.

Heute ist man sich weitgehend einig, dass Phraseologismen "sekundär" entstandene Zeichenkomplexe darstellen, die aus den Einheiten der primären Systeme gebildet werden(Syntax, Morphologie und Lexik) und dass sie nur durch den komplexen Vergleich der sie bildenden primären Systemeinheiten erfasst werden können. Bei der Kontrastierung wird praktisch immer ein lexikalischer, ein struktur-syntaktischer (manchmal getrenntein morphologischer) und ein struktur-semantischer Aspekt (semantische Organisation) unterschieden.

2.1.1 Lexikalischer Aspekt

Zunächst kann auf Grund von Wörterbüchern und speziellen phraseologischen Materialsammlungen untersucht werden, welche Komponenten in den kontrastierten“Phraseologien”zweier oder mehrerer Sprachen häufig bzw. selten an Phraseologismen beteiligt sind. Rajchštejn (zitiert nach Burger/Buhofer/Sialm, 1982: 290) stellt z. B. fest, dass im Deutschen und Russischen folgende Komponenten in 15-20% aller Phraseologismen beteiligt sind: Auge/ glaz, Nase/nos, Wort/ slovo, Ohr/ ucho, Herz/ serdze, Tag/den', Teufel/ tschört.

Mehrere von den genannten Komponenten in den Phraseologismen kommen auch im analysierten Text vor:

Jmd. laufen die Augen darob über

Das Fell über die Ohren ziehen

Zu weiches Herz haben, getrosten Herzens

Der Teufel soll dich holen

Nach diesen Wörtern folgen als Komponenten Bezeichnungen von Tieren, Naturerscheinungen, häuslichen Umständen u.a., und zwar ist die Rangfolge Russisch und Deutsch gleich. Beispiele aus dem Text:

Beine wie Storchbeine

Sei kein Esel

Das heißt, phraseologische Systeme beider Sprachen operieren auf den gleichen lexikalischen Feldern, ihr“Bildmaterial”ist ähnlich. Trotz dieser Ähnlichkeit sind einige Unterschiede festzustellen:

Die deutschen Komponenten weisen unvergleichlich mehr Nominalkomposita auf. Hier einige Beispiele aus dem Text, wobei in der Übersetzung die Bedeutung dieser Zusammensetzungen mit mehreren Wörtern beschrieben sein soll oder ein Vergleich dafür verwendet sein soll :

Storchbeine/ nogi kak u aista (Beine wie beim Storch)

Bettelstab/ posochnisch’ego (Stab eines Bettlers).

Die Aktivität der Komponenten, in Phraseologismen aufzutreten, ist 1,5-mal höher im Deutschen; im Russischen ist der Komponentenbestand vielfältiger. Grund dafür ist die hohe Phraseologismusaktivität folgender deutschen Verben: sein, haben, machen, kommen, gehen, sitzen, bringen, geraten. Diese Verben sind an 30 % dt. Phraseologismen beteiligt (vgl.: Burger/Buhofer/Sialm, 1982: 291).

Das Verb sein als Bestandteil eines Phraseologismus kommt beispielsweise im Text mehrmals vor: bei der Hand sein, am Bettelstab sein, kein (ein) Esel sein.

Im Deutschen treten die Verben in Phraseologismen in ihrer Bedeutungsfunktion relativ abstrakt und unifiziert auf. Das Russische kennt dafür bedeutend mehr nominale Abstrakta: duscha/ Seele, schum/ Lärm, sila/ Kraft, delo/ Angelegenheit.

Im Deutschen ist die Festigkeit des Komponentenbestandes eines Phraseologismus niedriger als im Russischen. Das Deutsche weist mehr Varianten auf vom Typ:

Die Karre läuft nicht

Die Karre läuft schief

Die Karre steckt im Dreck

Es gibt einige Varianten von Phraseologismen im Text, z. B.:

einen Prozeß über den anderen auf den Hals jagen - etw. jdm. auf den Hals jagen (im Text), könnte aber auch mit dem Verb schicken gebraucht werden. Die russische Übersetzung weist nur eine Variante auf: napuskat‘ kogo-to na tschju-libo golovu (jdm. etwas/jdn. auf den Kopf jagen).

Jdm. laufen die Augen darob über/ jdm. gehen die Augen über - die russische Variante weist keine Synonymie auf- u kogo-to glaza napolnjautsja slezami.

2.1.2 Struktur-syntaktischer Aspekt

Sowohl deutsche als auch russische Phraseologismen sind unterschiedlich lang. Der kürzeste, z. B., guten Morgen/ dobroje utro, hat nur zwei Wörter, der längste Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf Morgen/ to, tschto moschno sdelat‘ segodnja, ne otkladyvaj na zavtra hat zehn Wörter in deutscher Variante und neun in russischer Version. Phraseologismen haben unterschiedliche syntaktische Funktionen:

1) Ein Phraseologismus kann ein ganzer Satz sein:

Mit Wölfen muss man heulen/ s volkami schit‘- po-voltsch’i vyt‘ („mit Wölfen leben - wie Wölfe heulen“)

2) Ein Phraseologismus kann eine Nominalphrase sein:

das Rote Kreuz/ krasnyj krest (identisch)

3) Ein Phraseologismus kann eine Adverbialphrase sein:

hin und her/ tuda-sjuda (identisch)

Einige Phraseologismen verhalten sich morphosyntaktisch wie beliebige Verbindungen, d.h. man kann das Verb konjugieren oder den nominalen Ausdruck in verschiedenen Kasus verwenden. Andere sind in dieser Hinsicht nicht veränderbar.

[...]


[1] Reichstein (Rajchštejn) – der Name wird in verschiedenen Quellen unterschiedlich geschrieben.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Phraseologismen kontrastiv - am Beispiel der Analyse von hessischer Sage "Der Advokat und der Teufel"
Hochschule
Technische Universität Darmstadt
Veranstaltung
Phraseologie
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
26
Katalognummer
V84963
ISBN (eBook)
9783638014618
Dateigröße
548 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Phraseologismen, Phraseologie
Arbeit zitieren
Magistra Artium Diana Kreuzer (Autor), 2004, Phraseologismen kontrastiv - am Beispiel der Analyse von hessischer Sage "Der Advokat und der Teufel", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84963

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Phraseologismen kontrastiv - am Beispiel der Analyse von hessischer Sage "Der Advokat und der Teufel"



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden