Die Arbeit versucht unter Einbeziehung der physiologischen und hämodynamischen Grundlagen des peripheren Gefässsystems und dessen Morphologie der unteren Extremitäten die Problematik des Messverfahrens so darzustellen, dass es augenscheinlich wird, ergänzende Massnahmen für eine erweiterte Diagnostik heranzuziehen. Bei venöser Insuffizienz ist es immer indiziert bzw. erforderlich, auch den arteriellen Zufluss zu berücksichtigen, d.h. die Makro- und Mikrozirkulation. Dementsprechend ist diese Messgrösse mit einzubeziehen, so dass eine Formanalyse der Pulsdruckwelle und der Amplitude des relativen Blutvolumens über unterschiedliche Wellenlängen vorgenommen werden kann, woraus sich der periphere Status der terminalen Strombahn determinieren lässt. Darüber hinaus wird durch diesen Parameter die Bestimmung der Grundremission/Absorption in der venösen Plexus vor Beginn des Untersuchungsprogramms ersichtlich und während des kompletten Ablaufs graphisch und numerisch angezeigt. Ergänzend zu den hämodynamischen Vorgängen werden Messgrössen und deren Erstellung behandelt, die in Verbindung mit den IrRR-Signalen weitere Hilfestellung für den Untersucher liefern und dadurch eine detaillierte Diagnostik ermöglicht. Die Registrierung des absoluten Venendrucks über eine transmurale Detektion, der ABI-Index und die akustisch evozierte Prüfung der Mikrozirkulation werden behandelt. Die Photoradiometrie und deren Verhalten im Gewebe werden wellenlängenspezifisch erklärt und diskutiert. LRR-Messwerte und ihre graphischen Verlaufsformen während der einzelnen Phasen des Messprogramms werden diskutiert und unter Einbeziehung ihrer Flächenintegrale interpretiert.
Werden alle dargestellten Parameter zur funktionellen Diagnostik venöser Abflussstörungen herangezogen – was dann als IrRR-Methode zu betrachten ist –, erhöht sich der diagnostische Stellenwert des Verfahrens ganz beträchtlich gegenüber der konventionellen LRR.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historie
3. Venopathie und Hominisation
4. Anatomie und Funktion der venösen Muskelpumpe in den unteren Extremitäten
5. Zum venösen System in den unteren Extremitäten
6. Morphologie der venösen Gefässwand
7. Endothel der Extremitätenvenen
8. Morphologie des subendothelialen Raumes
9. Zum kollagenen Fasergerüst der Venenwand
10. Pathogenese und Pathophysiologie der chronischen venösen Insuffizienz - CVI
11. Pathogenese und Formen der Varikosis
12. Zur Ödementstehung in den unteren Extremitäten
13. Venöse Hämodynamik der unteren Körperregion
14. Grundlagen zur photoradiometrischen Volumen - Plethysmographie
15. Methodik der optischen Bestimmung von Abfluss - Störungen in den unteren Extremitäten
16. Anforderung und Konzeption des IrRR – Transducers
17. Entstehung und Generierung der IrRR - Signale
18. LRR - Messwert Interpretation
19. Determination und Interpretation von IrRR - Flächenintegralen
20. Grundlagen zur Makro- und Mikrozirkulation
21. Formanalytische Betrachtung der Pulsdruckwelle
22. Akustisch evozierte Prüfung der terminalen Strombahn
23. ABI - Knöchel-Arm-Index und dessen Bestimmung
24. Mathematische Grundlagen des MABPDET©- Verfahren
25. Noninvasive Bestimmung des absoluten Venendrucks
26. Winkelbestimmung des Fussgelenkes während der IrRR
27. Wadenumfang & Volumenimpedanz vs. Dorsalextension
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Möglichkeiten der funktionellen Diagnostik bei venösen Zu- und Abflussstörungen in den unteren Extremitäten durch die Zusammenführung von Physiologie, Hämodynamik und Technik zu verbessern und zu erweitern. Dabei wird insbesondere untersucht, wie mathematische und graphische Erweiterungen sowie zusätzliche Sensorik den diagnostischen Stellenwert des LRR-Verfahrens erhöhen können.
- Grundlagen der venösen Hämodynamik und Anatomie
- Pathophysiologie der chronischen venösen Insuffizienz
- Apparative und mathematische Erweiterungen der Infrarot-Remissions-Rheographie (IrRR)
- Formanalytische Betrachtung und Interpretation von Pulsdruckwellen
- Integration zusätzlicher Parameter zur erweiterten diagnostischen Befundung
Auszug aus dem Buch
4. Anatomie und Funktion der venösen Muskelpumpe in den unteren Extremitäten
Während die in der Tiefe des Körpers verlaufenden Venen fast immer als sog. Begleitvenen die entsprechenden Arterien flankieren, bilden die Venen der Oberfläche, die sog. extrafaszialen Venen, in mehreren Etagen angeordnete Netze, deren oberste und kaliberstärksten Anteile deutlich durch die Haut schimmern. Dies lässt sich durch Erzeugen einer geringen Stauung noch beträchtlich intensivieren, wovon in der täglichen Praxis ständig Gebrauch gemacht wird. Die Venen der unteren Extremitäten werden, verglichen mit denen der Arme, wesentlich stärker mechanisch belastet, schon allein deswegen, weil sie bis zu 150 cm unter Herzniveau liegen und infolgedessen hier dem venösen Rückstrom wesentlich höhere Kräfte entgegenstehen, als dies im Arm der Fall ist. Die Extremitätenfaszie trennt die oberflächlichen selbstständigen Venennetze vom tiefen, vorwiegend der Muskulatur zugeordneten Venensystem, in dessen Leitvenen letztlich auch die Venen der Oberfläche drainiert werden.
Für den venösen Rückstrom, gerade aus den unteren Extremitäten, spielt die Funktionstüchtigkeit der Klappen, die sog. Gelenkmuskelpumpe, die Verbindungen der oberflächlichen mit den tiefen Venen und der Einbau der Venen in ihre Umgebung mit Hilfe des straffen kollagenen Fasergerüsts ihrer Adventitia, eine entscheidende Rolle. Daneben werden Mechanismen, wie die atembedingten Druckunterschiede zwischen Brust- und Bauchraum oder die Sogwirkung der Kammerdiastole auf Vorhöfe und herznahe Venenstämme, wirksam. Die in diesem Zusammenhang immer wieder genannte „arteriovenöse Kopplung“, d.h. die Einscheidung von Begleitvenen und Arterie in eine gemeinsame undehnbare bindegewebige Hülle, wodurch sich die Druckpulswelle auf die anliegenden Venen übertragen sollte, spielt – wenn überhaupt – nur eine unwesentliche Rolle.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die historische Relevanz von Venopathien und ordnet die chronische venöse Insuffizienz als medizinisches Problem ein.
2. Historie: Gibt einen geschichtlichen Überblick über die Lehre vom Blutkreislauf, insbesondere ausgehend von den Arbeiten William Harveys.
3. Venopathie und Hominisation: Beleuchtet den evolutionären Aspekt der aufrechten Haltung und deren Belastung für das venöse System des Menschen.
4. Anatomie und Funktion der venösen Muskelpumpe in den unteren Extremitäten: Erläutert die anatomischen Gegebenheiten und die mechanischen Funktionsweisen der venösen Muskelpumpe am Bein.
5. Zum venösen System in den unteren Extremitäten: Definiert das anatomische Substrat des Niederdrucksystems von den Kapillaren bis zum rechten Herzvorhof.
6. Morphologie der venösen Gefässwand: Analysiert den Wandbau der Venen und deren bindegewebige Konstruktionselemente im Vergleich zu Arterien.
7. Endothel der Extremitätenvenen: Untersucht die Beschaffenheit des Endothels und dessen spezifische Zellstrukturen in den Extremitätenvenen.
8. Morphologie des subendothelialen Raumes: Erörtert die Bedeutung der subendothelialen Strukturen für die Biomechanik und den Stofftransport.
9. Zum kollagenen Fasergerüst der Venenwand: Detailliert die Zusammensetzung und Funktion des kollagenen Netzwerks in der Venenwand.
10. Pathogenese und Pathophysiologie der chronischen venösen Insuffizienz - CVI: Erläutert das Krankheitsbild der CVI und die zugrunde liegenden Störungen des Blutrückflusses.
11. Pathogenese und Formen der Varikosis: Behandelt die Ursachen und Erscheinungsformen der Varikosis unter Berücksichtigung genetischer und mechanischer Faktoren.
12. Zur Ödementstehung in den unteren Extremitäten: Analysiert die Mechanismen, die zu Ödemen als Folge gestörter Abflussverhältnisse führen.
13. Venöse Hämodynamik der unteren Körperregion: Beschreibt die hämodynamischen Druckverhältnisse im venösen System unter dem Einfluss der Gravitation.
14. Grundlagen zur photoradiometrischen Volumen - Plethysmographie: Führt in die physikalischen Grundlagen des photoradiometrischen Verfahrens zur Perfusionmessung ein.
15. Methodik der optischen Bestimmung von Abfluss - Störungen in den unteren Extremitäten: Beschreibt die praktische Durchführung des LRR- bzw. IrRR-Verfahrens am Patienten.
16. Anforderung und Konzeption des IrRR – Transducers: Spezifiziert die technischen Anforderungen an den Infrarot-Transducer.
17. Entstehung und Generierung der IrRR - Signale: Erläutert das Zustandekommen der optischen Signale und deren Signalaufbereitung.
18. LRR - Messwert Interpretation: Diskutiert die diagnostische Interpretation der LRR-Kurvenverläufe und deren Grenzen.
19. Determination und Interpretation von IrRR - Flächenintegralen: Stellt die rechnerische Auswertung der Flächenintegrale zur erweiterten Diagnostik vor.
20. Grundlagen zur Makro- und Mikrozirkulation: Definiert die anatomischen und funktionellen Bereiche der terminalen Strombahn.
21. Formanalytische Betrachtung der Pulsdruckwelle: Analysiert die morphologische Form der Pulsdruckwelle als diagnostischen Parameter.
22. Akustisch evozierte Prüfung der terminalen Strombahn: Beschreibt ein Verfahren zur Prüfung der vasomotorischen Reaktivität.
23. ABI - Knöchel-Arm-Index und dessen Bestimmung: Erläutert die Durchführung und Bedeutung der ABI-Messung als Basisdiagnostik.
24. Mathematische Grundlagen des MABPDET©- Verfahren: Umreißt das mathematische Verfahren zur indirekten Bestimmung des Blutdrucks.
25. Noninvasive Bestimmung des absoluten Venendrucks: Stellt ein Verfahren zur absoluten Druckmessung in oberflächlichen Venen vor.
26. Winkelbestimmung des Fussgelenkes während der IrRR: Erläutert die messtechnische Erfassung der Fussbewegung zur Synchronisierung der Messdaten.
27. Wadenumfang & Volumenimpedanz vs. Dorsalextension: Beschreibt Verfahren zur Messung von Umfangsänderungen und der Impedanz des Wadensegments.
Schlüsselwörter
Venen, Veneninsuffizienz, CVI, Varikosis, Muskelpumpe, IrRR, Photoplethysmographie, Hämodynamik, Mikrozirkulation, Pulsdruckwelle, ABI, Venendruck, Gewebeperfusion, Gefässmorphologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Grundlagen der funktionellen Diagnostik bei venösen Abflussstörungen in den unteren Extremitäten, wobei der Fokus auf apparativen und mathematischen Erweiterungen der Infrarot-Remissions-Rheographie (IrRR) liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Themen umfassen die Anatomie und Physiologie des venösen Systems, die Pathophysiologie der chronischen venösen Insuffizienz sowie moderne messtechnische Verfahren zur Erfassung von Durchblutungsparametern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die signifikante Erhöhung der diagnostischen Aussagekraft von LRR-Untersuchungen durch die Integration mathematischer Flächenintegrale und zusätzlicher Sensorik für eine präzisere hämodynamische Beurteilung.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden photoradiometrische Messmethoden (LRR/IrRR), Verfahren zur segmentalen Impedanzgraphie sowie mathematische Analysen von Pulsdruckwellen angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erstreckt sich von der morphologischen Beschreibung der Venenwände und des Endothels über die Pathogenese von Varizen bis hin zu spezifischen technischen Konzeptionen von Transducern und deren Anwendungsgebieten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören unter anderem chronische venöse Insuffizienz, Muskelpumpe, IrRR, Pulsdruckwellenanalyse und ABI.
Welche spezifische Rolle spielt der hydrostatische Indifferenzpunkt (HIP) für die Diagnostik?
Der HIP ist der Punkt im venösen System, an dem sich der Druck beim Positionswechsel vom Liegen zum Stehen nicht ändert, und ist somit ein entscheidender Referenzpunkt für die Bewertung venöser Druckverhältnisse.
Wie unterscheidet sich die im Buch vorgestellte IrRR-Methode von herkömmlichen LRR-Systemen?
Im Gegensatz zu Standard-LRR-Systemen, die primär auf der Zeitmessung basieren, integriert das IrRR-Verfahren eine umfassende mathematische Flächenanalyse sowie die Messung der Grundremission, um den tatsächlichen hämodynamischen Status besser erfassen zu können.
Warum ist die Bestimmung des absoluten Venendrucks relevant?
Die noninvasive Bestimmung ermöglicht eine direkte Quantifizierung der venösen Druckbelastung in mmHg, was eine präzisere Beurteilung des Schweregrads venöser Abflussstörungen erlaubt als rein qualitative oder rein zeitbasierte Verfahren.
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- Ph.D. Rudolf Mauser (Author), 2007, Grundlagen funktioneller Diagnostik hämodynamischer Störungen in den unteren Extremitäten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84988