A Nation under God – Zivilreligion und Protestantismus in den USA


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Zivilreligion in den USA
2.1. Die Zivilreligion in den USA - Eine Begriffsklärung
2.2. Der erste Verfassungszusatz
2.3. Die Zivilreligion in Amerika – Ein kurzes Fazit
2.4. Zur Erläuterung der Zivilreligion: Der Präsident und sein Gebrauch der Zivilreligion

3. Der Protestantismus in den USA
3.1. Der weiße Protestantismus und die „mainline“ Kirchen
3.2. Der afro-amerikanische Protestantismus
3.3. Die (neuen) „Christlichen Rechten“
3.4. Die Sekten im Protestantismus
3.4. Homosexualität als aktuelles Konfliktpotenzial im Protestantismus

4. Schlussbetrachtungen

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„ Die Religion ist die einzige Metaphysik, die das Volk imstande ist, zu verstehen und anzunehmen.“
(Joseph Joubert)

Die USA sind ein zutiefst religiöses Land. Was für europäische Beobachter oft befremdlich erscheint, ist für die Amerikaner normal. Besonders in der Politik mit ihrer religiösen Symbolik und Rhetorik, der Kommerzialisierung von den Religionen in Fernsehen und Radio und der Präsenz eines „demokratischen Sendungsbewusstsein“ lassen sich zwischen Europa und den USA gravierende Unterschiede feststellen. Im öffentlichen Leben ist die Religion allgegenwärtig. Besonders ist dies in Wahlkämpfen, in Antrittsreden von Präsidenten und in den feurigen Reden der Erweckungsprediger und Wunderheiler zu erkennen.

Die Religion bildet eine Konstante in der amerikanischen Gesellschaft. So hat sich die Kirchengangshäufigkeit von 1939 bis heute nicht verändert. Betrachtet man vergleichend Deutschland so stellt man gerade hier einen enormen Rückgang fest[1]. 70% der Amerikaner sind Mitglieder in einer Kirche oder kirchlichen Gemeinschaft. 94% glauben an Gott, hingegen glauben nur 67% der Westdeutschen an Gott. Nicht verwunderlich ist daher, dass die religiösen Wertvorstellungen in den USA sich auf das private, soziale und politische Leben auswirken. 1995 gaben 58% der Befragten an, dass Religion sehr bedeutend für sie sei und 30% der befragten Amerikaner sehen die Religion für ihr eigenes Leben als Bedeutsam an (vgl. Vorländer in Lösche/ Dietrich von Loeffelholz (Hrsg) 2004: S. 300). Dennoch nimmt auch in den USA die Zahl der Glaubenslosen zu, sie Zahl liegt zurzeit bei 14,4% (vgl. General Social Survey 2004). Im Vergleich zu Deutschland ist diese Zahl jedoch gering, da in Deutschland 34,5% keiner Glaubensgemeinschaft angehören (vgl. Datenreport 2006 S. 173). Die Protestanten stellen mit 53% immer noch die größte Glaubensgemeinschaft der USA da, gefolgt von den Katholiken mit 23,4% und den Glaubenslosen. Zum Vergleich: in Deutschland gehören fast 1/3 einer evangelischen oder einer katholischen Glaubensge­meinschaft an(vgl. Datenreport 2006 S. 173).

Die Religionen der USA

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Zusammenstellung nach dem General Social Survey aus dem Jahr 2004

Die USA sind ein gläubiges Land. Anhand des Begriffes der Zivilreligion und des Protestantismus möchte ich auf die Bedeutung der Religion für die USA näher eingehen. Um die Bedeutung der Religion in den USA verstehen zu können, ist eine kurze Auseinandersetzung mit dem Begriff der „Zivilreligion“ unerlässlich. Anhand der Präsidenten werde ich versuchen, diesen Begriff noch präziser darzustellen, da die Zivilreligion das Zwischenstück zwischen der Religion und dem Staat bildet. Der zweite Teil dieser Hausarbeit befasst sich mit der Religion, und zwar insbesondere mit dem Protestantismus in den USA. Der Protestantismus stellt nicht nur die größte Glaubensgemeinschaft in den USA da, er ist auch in den letzten 25 Jahren durch das Auftreten der „Christlichen Rechten“ zunehmend ins Rampenlicht gerückt. Der Protestantismus besteht jedoch nicht nur aus den „Christlichen Rechten“. Vielmehr soll er Anhand seiner „mainline“ Kirchen, den afro-amerikanischen Kirchen und den Sekten näher beschrieben werden. Ein Thema soll dabei besonders erläutern werden: die Auseinandersetzung mit der Homosexualität im Protestantismus. Gerade hier stellt man eine Besonderheit fest, während die „mainline“ Kirchen dieses Thema eher aussparen, so verwenden die „Christlichen Rechten“ all ihre Energie auf diesen Themenbereich. Beginnen soll diese Hausarbeit mit der Zivilreligion, welche als religiöser Teil der amerikanischen Politik angesehen werden kann und die, nach Robert N. Bellah notwendig ist, damit eine demokratische Gesellschaft funktioniert.

2. Die Zivilreligion in den USA

Die amerikanische Gesellschaft besteht hinsichtlich ihrer regionalen, ethnischen, sozialen und religiösen Herkunft aus einer Menge an Fragmenten.

Diese Fragmentierung nahm über die Jahrhunderte immer weiter zu. Was verband bzw. was verbindet aber eine Gesellschaft die so unterschiedlich war/ ist? Dieser Frage soll im nächsten Abschnitt nachgegangen werden.

2.1. Die Zivilreligion in den USA - Eine Begriffsklärung

Trotz oder vielleicht auch gerade wegen des enormen sozialen Wandels im letzten Jahrhundert sind die religiö­sen Grundeinstellungen der Amerikaner nahezu gleich geblieben. Neun von zehn Ameri­kanern glauben an Gott. Derzeit schätzt man die Anzahl von Kirchen, Bekenntnisse, Sekten und religiösen Vereinigungen auf ungefähr 300.000 (vgl. Steer 2000 S. 1). Wie ist es möglich ein Land zu Einen, was hinsichtlich der Religionen vielfältig ist? Zum einen ist die Gesellschaft durch einen wirtschaftlichen Austausch verbunden[2]. Was diese Gesellschaft aber weitaus mehr verbindet, ist ein Konstrukt aus Ideen, Einstellungen und Glaubenshaltungen. Trotz aller religiösen Glaubensunterschiede teilen die Amerikanischer ein gemeinschaftliches Glaubensgrundverständnis welches Gunnar Myrdal 1945 als „American Creed“ beschreibt (vgl. Brocker in: Brocker/ Stein (Hrsg.): 2006a: S. 215). „American Creed“ meint damit einen Zusammenschluss von „Glaubensansätzen, Symbolen und Rituale, welche die Bürger an ihr Gemeinwesen bindet und dessen Institutionen und Repräsentanten in letzter Instanz als religiös legitimiert erscheinen lässt.“ (Brocker in: Brocker/ Stein (Hrsg.): 2006a: S. 216). Der Bürger sieht seine politische Gemeinschaft auf eine bestimmte Weise. „Amerikaner jeder nationalen Herkunft, aller Klassen, aller Regionen, aller Glaubensrichtungen, jeder Hautfarbe haben etwas gemeinsam: sein soziales Ethos, ein politisches Credo.“ (Myrdal 1944 S.3). Begriffe wie „vision“ oder auch „A Nation under God“ sind dafür ganz klare Zeichen.

Die Amerikaner werden im Inneren wie auch im Äußeren von einer Ideologie zusammen­gehalten, welche die 250 Million Einwohner der USA zu Amerikanern macht. Diese Ideologie macht die amerikanische Nation aus. (vgl. Gebhardt 1990 S.5).

Der Religionssoziologe Robert N. Bellah fasst diese Ideologie unter Bezugnahme von Rousseau unter „Zivilreligion“ zusammen. Die amerikanische Zivilreligion setzt sich aus einem Glauben auserwählt sein zusammen[3].

Dieses wird mit religiösen, säkularen, gesellschaftlichen und politischen Motiven, Überzeugungen und Wertvorstellungen gemischt (vgl. Vorländer in Lösche/ Dietrich von Loeffelholz (Hrsg.) 2004: S. 290f.). Die amerikanische Zivilreligion besitzt ihre eigenen Propheten und Märtyrern, ihre eigenen „heiligen“ Ereignissen, Kultstätten und Schriften, welche eine kollektive Vergewisserung über die eigene Herkunft und die Zukunft des amerikanischen Experiments vermitteln so Vorländer (vgl. Vorländer in Lösche/ Dietrich von Loeffelholz (Hrsg.) 2004: S. 291).

Dabei lassen sich laut Ostendorf fünf ideologische Grundpfeiler erkennen:

(1) Demokratie
(2) Freiheit von Unterdrückung und Freiheit zum individuellen Glück
(3) Opposition gegen jede Art von Tyrannei und Zentralgewalt
(4) Individualismus
(5) Der Glaube an einen Fortschritt innerhalb einer heilsgeschichtlichen Fügung (vgl. Ostendorf in: Brocker 2005 S. 21).

Die amerikanische Zivilreligion, civil religion, ist keine Art von Puritanismus oder Protestantismus. Sie ist vielmehr ein Wertekonsens der als gemeinsamer Nenner fungiert und somit den Zusammenhalt und die Stabilität der stark fragmentierten Gesellschaft, der Nation, sichert (vgl. Brocker in: Brocker/ Stein (Hrsg.): 2006a: S. 215f.). Die amerikanische Zivilreligion ist damit eine weltliche Integrationsideologie, welche aus sakralen Zügen besteht.

2.2. Der erste Verfassungszusatz

Der erste Abschnitt des ersten Verfassungszusatzes, aus dem Jahr 1789, trennt die Kirche vom Staat. Der Kongress sollte kein Gesetz erlassen, welches zur Errichtung einer Staatsreligion führt. Die Verfassung verbietet zwar die Bildung einer Staatsreligion bzw. einer Staatskirche, sie schützt aber andererseits die freie Religionsausübung. Durch diesen Verfassungszusatz wurde der Pluralismus auf Bundesebene gesichert (vgl. Riesebrodt in: Adams et.al. 1992 S. 539). Bis heute wird die staatliche Förderung von Religionen oder die Bevorzugung einer bestimmten Konfession durch diesen Verfassungszusatz verboten. Damit dürfen die Kirchen finanziell nicht vom Staat unterstützt werden. Die öffentliche Verwendung von religiösen Symbolen durch staatliche Repräsentanten und Institutionen ist ebenfalls untersagt (vgl. Brocker in: Brocker 2005 S. 10).

Bedenkt man die Kirchensteuer, das Recht Einfluss auf die Besetzung von theologischen Lehrstühlen an staatlichen Universitäten nehmen zu können oder auch den Religions­unterricht in Deutschland, so stellt man fest, dass die USA ein säkulareres Land sind als Deutschland. Auf den ersten Blick hätte man dieses nicht vermuten können. Diese Säkularität wurde durch den ersten Verfassungszusatz etabliert. Damit wurden die Vorgaben geschaffen, dass sich die Religionslandschaft in den USA so entwickeln konnte, wie sie sich schließlich entwickelt hat.

2.3. Die Zivilreligion in Amerika – Ein kurzes Fazit

Eine politische Religion verbindet ihr politisches Programm mit innerweltlichen Erlösungshoffnungen welche sie für Absolut erklärt und damit die Selbstdurchsetzung ihrer Interessen legitimiert. Hingegen hat die Zivilreligion eine kritische Funktion. Sie besitzt zwar einen ideellen und moralischen Horizont, kann diese moralische Prinzipien jedoch nicht in konkretes politisches Handeln umsetzen. (vgl. Kleger in: Schieder (Hrsg.) 2001: S. 19). Das Bekenntnis zu den zentralen Glaubensansätzen Amerikas, und nur dieses Bekenntnis, macht die Einwanderer aus den verschiedenen Staaten letztlich zu Amerikanern. Dabei ist es nicht entscheidend welcher Religion sie angehören oder welchen ethischen Hintergrund sie besitzen, solange wie sie den politischen Ideen von Freiheit, Gleichheit und der Existenz der Republik zustimmen. (vgl. Vorländer in Lösche/ Dietrich von Loeffelholz (Hrsg.) 2004: S. 293).

[...]


[1] Zwischen 1960 und 1989 nahm die Zahl der Kirchenbesucher in den katholischen Kirchen um fast 49%, also 5,8 Millionen Menschen ab (vgl. Datenreport 2006 S. 173).

[2] So wurde in der Neuen Welt ein Warenverkehr etabliert der ohne die Beschränkungen durch staatliche Monopole wie Zölle, Zünfte oder Gilden auskommt. Dieses führte zu einem starken Anstieg des Volkseinkommens.

[3] Alexis de Tocqueville beschreibt dies bereits in den 1830 Jahren die USA, als ein Land der Einzigartigkeit (uniqueness). Dabei betont er die Besonderheit des amerikanischen Weges (exceptionalism of the American experiment).

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
A Nation under God – Zivilreligion und Protestantismus in den USA
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Veranstaltung
Die USA: Kultur, Gesellschaft, Politik
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
24
Katalognummer
V84989
ISBN (eBook)
9783638015561
ISBN (Buch)
9783640319725
Dateigröße
684 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nation, Zivilreligion, Protestantismus, Kultur, Gesellschaft, Politik
Arbeit zitieren
Ellen Ziegler (Autor), 2007, A Nation under God – Zivilreligion und Protestantismus in den USA, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84989

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