Stress und Gesundheit in der Familie - Stressbewältigung in der Partnerschaft


Hausarbeit, 2006
30 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsklärungen
2.1 Definition von Familie
2.2 Definition von Gesundheit
2.3 Definition von Familienstress
2.4 Definition von Belastungsbewältigung in der Familie

3 Auswirkungen von Stress auf die Partnerschaft und die Familie
3.1 Die Bedeutung von Stress in der Partnerschaft
3.2 Die Bedeutung von Partnerschaftskonflikten für die Familie - Das Erleben elterlicher Konflikte durch Kinder
3.2.1 Forschungsergebnisse
3.2.2 Negative Auswirkungen elterlicher Konflikte auf die Kinder
3.2.3 Konstruktive Wirkungen elterlicher Konflikte

4 Auswirkungen von Stress auf die Gesundheit
4.1 Stress und Gesundheit in der Partnerschaft
4.2 Stress und Gesundheit in der Familie

5 Stressbewältigung in der Partnerschaft

6 Dyadisches Coping nach Bodenmann
6.1 Bewältigungsformen und Arten dyadischen Copings
6.2 Bewertungsschritte
6.3 Effektive Bewältigungsstrategien

7 Prävention

8 Zusammenfassung und Ausblick

9 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In der heutigen Zeit sind Individuen einer Vielzahl von Stressoren ausgesetzt. Neben der Arbeitswelt ist die Familie eine der größten Stressquellen (vgl. Laux & Schütz 1996, S. 6).

Zu Beginn der Stressforschung wurden hauptsächlich der Umgang von Familien mit erheblichen Stressoren bzw. kritischen Lebensereignissen und damit zusammenhängend die Krisen gescheiterter Familiensysteme untersucht. Diese Pathologisierung der Forschung wurde u.a. durch die Humanistische Psychologie, die Theorie und Praxis der Prävention, die Etablierung der Gesundheitspsychologie und insbesondere durch die Forderung von Antonovsky um eine salutogenetische Ergänzung erweitert. „Antonovsky stellt die grundlegende Frage nach gesunderhaltenden und gesundheitssteigernden Faktoren und Prozessen sowie nach den Charakteristika herausragend gesunder Menschen bzw. Systeme“ (Weiß 2001, S. 239f.).

Heute kann die Bedeutung von Alltagsstress für Partnerschaft und Familie zunehmend als bedeutsam betrachtet werden, da dieser die zentrale Bedrohung für Familien darstellt (vgl. Bodenmann 2002, S. 260). Bodenmann betrachtet Stress als kausalen Faktor für ungünstige Familienentwicklungen, denn tägliche Stressoren[1] können in hohem Maße das Klima sowie den Zusammenhalt in der Familie beeinflussen, womit „eine destruktive Entwicklung der Familie […] vorprogrammiert [wäre, F.B.]. Diese kann sich sowohl in psychischen oder physischen Problemen der Eltern, der Auflösung der Partnerschaft wie auch in Befindens- und Verhaltensproblemen seitens der Kinder manifestieren“ (ebd., S. 260).[2]

Da zudem zahlreiche Untersuchungen ergeben haben, dass der Umgang mit Stress für die psychische und physische Gesundheit insgesamt wichtiger ist als dessen Existenz (vgl. Weiß 2001, S. 244) und die Partnerschaft ein wesentlicher Bestandteil der Familie ist, welcher sich auf das Wohlbefinden der Partner sowie auf die physische und psychische Gesundheit der Kinder auswirkt, soll es in der folgenden Hausarbeit um den Umgang von Paaren mit Stress gehen. Darauf basierend sollen Möglichkeiten der Prävention (Gesundheitsförderung) von Partnerschaftskonflikten bzw. der Förderung von partnerschaftlichen/familialen Ressourcen aufgezeigt werden.

Nach der Klärung zentraler Begriffe dieser Hausarbeit werden die Bedeutung von Stress sowie dessen Auswirkungen auf die Gesundheit der Partner und der Familie aufgezeigt. Im Anschluss daran wird das Modell des dyadischen Copings nach Bodenmann vorgestellt, das sich speziell mit Stressbewältigung in der Partnerschaft beschäftigt und dessen Effektivität in zahlreichen Studien bestätigt wurde. Abschließend wird darauf bezogen das Freiburger Stresspräventionsprogramm vorgestellt.

2 Begriffsklärungen

Zunächst sollen die für das Thema relevanten Begriffe Familie, Gesundheit, Familien­stress und Belastungsbewältigung in der Familie geklärt werden.

2.1 Definition von Familie

Schneewind (1999, S. 24-25) definiert Familie als „intimes Beziehungssystem, dessen „gemeinsamer Lebensvollzug“ im Kontext von (a) Abgrenzung (d.h. in „raumzeitlicher Abhebung von anderen Personen“), (b) Privatheit (d.h. in einem „umgrenzten Lebensraum“), (c) Dauerhaftigkeit (d.h. in einem „auf längerfristige Gemeinsamkeit angelegten Zeitrahmen“) sowie (d) Nähe (d.h. in „physischer, geistiger und emotionaler Intimität“) stattfindet“ (Weiß 2001, S. 239).

Wenn im Folgenden von Familie gesprochen wird, sind sowohl Paare (verheiratet oder unverheiratet) mit und ohne Kinder gemeint.

2.2 Definition von Gesundheit

Gesundheit wird von der Weltgesundheitsorganisation WHO wie folgt definiert (Präambel der WHO, zit. nach Antonovsky 1979, S. 71): „Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens und nicht bloß die Abwesenheit von Krankheit und Gebrechen“ (Weiß 2001, S. 239).

2.3 Definition von Familienstress

Für das Phänomen „Familienstress“ gibt es keine allgemein gültige Definition. Allen Ansätzen der Begriffsbestimmung ist nach Perrez gemein, dass sie unter „Stress“ „Beanspruchungen der Familie oder ihrer Mitglieder verstehen, deren Bewältigung die Familie bzw. deren Mitglieder nicht ohne weiteres gewachsen sind. Sie werden deshalb als Bedrohungen (und im positiven Fall als Herausforderungen) erlebt“ (Perrez 1997, S. 96).

Perrez spricht von Familienstress bzw. familiärer Belastung, „wenn […] Stressoren nicht nur von einem Individuum innerhalb eines umschriebenen Zeitraums als Stressoren erlebt werden, sondern von mehr als einer Person, im Grenzfall von allen Personen im gleichen Zeitraum. Familienstreß könnte man demnach charakterisieren als die relative interindividuelle Überschneidungsmenge von individuell erlebten Stressoren innerhalb einer Familie“ (ebd., S. 111).

In der psychologischen Stressforschung werden vor allem drei Kategorien von Stress unterschieden: Kritische Lebensereignisse, Entwicklungsaufgaben und tägliche Widrigkeiten. „Kritische Lebensereignisse sind markante, den normalen Lebensalltag eines Menschen erheblich verändernde Ereignisse, die in der Regel nicht vorhersehbar sind“ (Bodenmann 2001a, S. 26). Belastungen, die direkt aus der eigenen biographischen Entwicklung resultieren, werden als Entwicklungsaufgaben bezeichnet. Tägliche Widrigkeiten sind kleine, meist unbedeutende Ereignisse, die den Alltag belasten (vgl. ebd., S. 29-30).

2.4 Definition von Belastungsbewältigung in der Familie

Zunächst wird davon ausgegangen, dass die Belastung individuell bewältigt wird, d.h. jedes Individuum nimmt die Stressoren individuell wahr, bewertet sie individuell, produziert seine Stress-Emotionen und reagiert mit seinen Bewältigungsreaktionen. „Von „familiärer Belastungsbewältigung“ […wird] gesprochen, wenn eine Coping-Reaktion auf einen gleichen Stressor innerhalb einer Familie von mehr als einer Person, im Grenzfall aller Personen, gezeigt wird“ (Perrez 1997, S. 111).

Aufbauend auf die Begriffsklärungen sollen im Folgenden die Auswirkungen von Stress auf die Partnerschaft und die Familie vorgestellt werden.

3 Auswirkungen von Stress auf die Partnerschaft und die Familie

Familiäre Konflikte lassen sich nicht vermeiden, sie sind vielmehr sogar notwendig für die Weiterentwicklung des Systems Familie (vgl. Niesel 1995, S. 155).

Aktuelle Konfliktsituationen bedeuten immer Stress für alle Beteiligten. Zu heftige und häufige Auseinandersetzungen wirken sich auf die Entwicklung der Partnerschaft aus und können, wenn Kinder diese miterleben oder gar beteiligt werden, zu einem Familienkonflikt werden und somit die Entwicklung der Kinder[3] und auch die der Familie beeinträchtigen (vgl. ebd., S. 155).

3.1 Die Bedeutung von Stress in der Partnerschaft

„Stress wirkt sich in mehrfacher Weise destruktiv auf die Partnerschaftsqualität und –stabilität aus […]. Neben den unter Stress eingeschränkten sozialen Fertigkeiten und einer reduzierten Offenheit für Sozialpartner dürfte im Rahmen der Partnerschaft Stress insbesondere aufgrund drei Aspekten mit einem ungünstigen Verlauf der Partnerschaft kovariieren: (a) Stress reduziert rein quantitativ die gemeinsame Zeit füreinander und schränkt entsprechend dyadische Erfahrungen ein, (b) Stress führt zu einer Verschlechterung der dyadischen Kommunikation und (c) Stress erhöht das Risiko für gesundheitliche Beeinträchtigungen bei chronischer Belastung“ (Bodenmann 2001b, S. 386).

Reduzierte gemeinsame Zeit führt zu eingeschränkten gemeinsamen Aktivitäten mit dem daraus resultierenden Verlust an dyadischen Erfahrungen und Erlebnissen, was das Wir-Gefühl schwächt. Ferner bewirkt dies die Einschränkung der Möglichkeiten intimer Kommunikation und emotionaler Selbstöffnung und letztlich eine Reduktion der dyadischen Stressbewältigung (vgl. ebd., S. 386).

Weiterhin führt Stress zum einen zu erhöhtem Rückzugsverhalten und stärkerer Abkapselungstendenz in der Interaktion mit dem Partner und zum anderen zu mehr Hostilität (Kritik, sich Anschreien etc.) (vgl. ebd., S. 387-388).

Aufgrund zahlreicher empirischer Untersuchungen kann man heute davon ausgehen, „dass Kommunikationsfertigkeiten neben der Partnerschaftszufriedenheit zu den wichtigsten partnerschaftserhaltenden Faktoren zählen und Defizite in der partnerschaftlichen Kommunikation mit einem ungünstigen Verlauf der Partnerschaftsqualität und einem erhöhten Risiko für Trennung und Scheidung einhergehen“ (Bodenmann & Cina 1999, S. 131).

Stress gefährdet somit die Partnerschaft, sofern keine soliden Bewältigungsfertigkeiten vorhanden sind, die es ermöglichen angemessen mit Belastungen und Stress umzugehen (vgl. ebd., S. 131).

3.2 Die Bedeutung von Partnerschaftskonflikten für die Familie - Das Erleben elterlicher Konflikte durch Kinder

Partnerschaftskonflikte beeinflussen jedoch nicht nur die Partnerschaft und das physische und psychische Wohlbefinden beider Partner sondern können sich auch negativ auf die Entwicklung der Kinder und somit der Familie auswirken.

3.2.1 Forschungsergebnisse

Die Scheidungsforschung der siebziger und frühen achtziger Jahre hat ergeben, dass „weniger das Scheidungsereignis an sich für anhaltende Verhaltensauffälligkeiten verantwortlich ist, als vielmehr die sich verändernde Qualität der Beziehungen zwischen beiden Eltern und dem Kind sowie die Qualität der Entwicklungsumwelt des Kindes nach der Scheidung“ (Niesel 1995, S. 156). Ergänzt werden diese Ergebnisse durch eine Längs­schnittstudie von Block, Block & Gjerde aus dem Jahr 1986, in der festgestellt wurde, dass das Verhalten von Jungen bereits bis zu elf Jahren vor der elterlichen Trennung nachhaltig von dem beeinflusst wurde, was die Untersucher als „predivorce familial stress“ bezeichnen. Bei Mädchen konnten Auswirkungen des familialen Stresses deutlich weniger beobachtet werden (vgl. ebd., S. 156).

[...]


[1] Bodenmann unterscheidet zwischen familienexternen und familieninternen Stressoren. Zu den familienexternen Stressoren gehören beispielsweise berufliche und finanzielle Belastungen. Zu familieninternen Stressoren für die Eltern zählt er eine niedrige Beziehungsqualität verbunden mit Kommunikationsstörungen und einer hohen Konflikthäufigkeit, Belastungen in Zusammenhang mit den Kindern sowie Stress im Zusammenhang mit der Herkunftsfamilie. In Partnerschaftsproblemen der Eltern sowie deren dysfunktionalem Erziehungsverhalten sieht Bodenmann die häufigsten Stressquellen für die Kinder (vgl. Bodenmann 2002, S. 253).

[2] Nähere Informationen zum Zusammenhang von Stress und einer ungünstigen Familienentwicklung werden in der Gruppenarbeit gegeben. Für weitere Informationen siehe Bodenmann 2002, S. 248-265.

[3] Schneewind und Schmidt (1999, S. 290-291) verweisen auf folgende Faktoren familiärer Belastungen, die mit der Entwicklung psychischer Auffälligkeiten bei Kindern zusammenhängen: psychische Störungen eines Elternteils, elterliche Kriminalität, schwere Ehekonflikte und geringer Ausbildungsstand der Eltern. Zudem kann die psychische und physische Gesundheit von Kindern auch von ökonomischen Bedingungen beeinflusst werden (vgl. Weiß 2001, S. 242).

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Stress und Gesundheit in der Familie - Stressbewältigung in der Partnerschaft
Hochschule
Universität Lüneburg  (Psychologie)
Veranstaltung
Familie psychologisch betrachtet
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
30
Katalognummer
V84999
ISBN (eBook)
9783638020251
ISBN (Buch)
9783638937931
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stress, Gesundheit, Familie, Stressbewältigung, Partnerschaft
Arbeit zitieren
Franziska Busch (Autor), 2006, Stress und Gesundheit in der Familie - Stressbewältigung in der Partnerschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84999

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