Im Rahmen der Auseinandersetzung mit meiner Person hinsichtlich meines Verhaltens in der Lehrerrolle und mit meiner Organisation von Unterricht stieß ich immer wieder auf die gleichen Schwierigkeiten.
Im bedarfsdeckenden Unterricht bin ich mit 4 Stunden pro Woche in Mathematik in einer
2. Klasse tätig. In dieser Klasse ist es sehr unruhig. Von Beginn an beschäftigte mich diese Unruhe stark. Ich suchte verschiedene Wege und Möglichkeiten, diese abzubauen und künftig zu präventieren. Ein Beratungsbesuch eines Fachleiters brachte mir Hilfen für die Organisation meines Unterrichtes, die ich gern aufgriff.
Die Umorganisation war ein Teilstück, das gewünschte Ziel - mehr Ruhe - zu erreichen.
Dennoch gab es einen Schüler, der sich davon allein nicht beeinflussen ließ.
Diesen Schüler nenne ich im Rahmen meiner Ausführungen Martin.
Immer wieder musste ich meine Unterrichtsvorhaben wegen Martin innerhalb der Stunden ändern, oder ich konnte ihn nicht wie alle anderen in den Unterricht einbeziehen.
Es gab viele negative Emotionen sowohl seinerseits als natürlich auch meinerseits. Ich begann, diese Schwierigkeiten näher zu betrachten, nach den Ursachen zu forschen.Elterngespräche fanden statt.
Zu Beginn des Jahres 2000 erfolgte eine außerschulische psychologische Untersuchung, initiiert durch die Eltern.
Die Ergebnisse der Untersuchung brachten die Diagnose ADS hervor.Die Feststellung, dass sich mein Verhalten Martin gegenüber seit dem Bekanntwerden der Diagnose grundlegend verändert hat, war gravierend für mich.
Diese Erfahrung war der Auslöser, mich im Rahmen der folgenden Ausführungen mit diesem Prozess auseinander zu setzen.
Mein Ziel ist es, Wege und Möglichkeiten zu suchen, die eine Erleichterung des Regelschulalltages sowohl für Martin als auch für mich beinhalten. Ich möchte versuchen, alle Faktoren, die dazu gehören, aufzuzeigen. Schwierigkeiten und Erfolge geben sich die Hand. Bereits umgesetzte Vorhaben und noch bestehende Vorhaben werden Teil der Ausführungen sein.
Mein Wunsch ist es, deutlich zu machen, dass es wichtig ist jedem Kind eine Chance ohne Vorurteile zu geben und für dieses Kind und sich selbst Hilfen zu suchen ohne aufzugeben.
Folgende Lehrerfunktionen sind Inhalt meiner Arbeit:
Situationen beurteilen, diese evaluieren, daraus innovieren und schließlich die Innovationen organisieren und mit den Eltern Kollegen und Therapeuten kooperieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Entscheidung für das Thema
1.2 Gliederung der Arbeit
2. Martin
2.1 Martin im 1. Schuljahr
2.2 Martin im 2. Schuljahr
3. Was hat Martins ADS – Diagnose mit mir zu tun ?
3.1 Die erste Auseinandersetzung mit der Diagnose
3.2 Die Bedeutung der erworbenen Kenntnisse
3.3 Die daraus folgende bisherige Entwicklung eines Konzeptes zur Veränderung meines Lehrerverhaltens, meiner Unterrichtsorganisation
3.4 Umsetzung der Sofortmaßnahmen und Auswertung
3.4.1 Beobachtungsprotokoll vom 28.03.2000 und dessen Auswertung
3.4.2 Beobachtungsprotokoll vom 30.03.2000 und dessen Auswertung
3.5 Gedanken zur Auswertung
3.6 Auseinandersetzung mit dem OptiMind-Konzept
3.7 Maßnahmenkatalog mit Anregungen aus dem OptiMind-Konzept
4. Abschluss
5. Literatur
6. Anhang
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Entwicklung und Reflexion eines pädagogischen Konzeptes, das den Regelschulalltag für einen Schüler mit ADS-Diagnose sowie für die Lehrkraft durch gezielte Verhaltensänderungen und Unterrichtsanpassungen erleichtert.
- Analyse des Verhaltens von Kindern mit ADS im Schulalltag.
- Erarbeitung von Sofortmaßnahmen zur Strukturierung und Stressreduktion.
- Einbezug externer Konzepte (OptiMind) zur professionellen Unterrichtsführung.
- Evaluation von Förderstrategien durch Beobachtungsprotokolle und Reflexion.
- Förderung der Klassengemeinschaft und des Verständnisses für individuelle Lernbedürfnisse.
Auszug aus dem Buch
Die erste Auseinandersetzung mit der Diagnose
Als mir die Diagnose im Februar mitgeteilt wurde, fiel mir eine Last von den Schultern. Ich hatte eine Ursache, und nun hieß es, sich mit dieser auseinander zu setzen. Martins Mutter sprach sehr offen darüber und bezog mich in ihre Auseinandersetzung und Situation stark mit ein.
Sie gab mir Informationen, einige Informationsmaterialien und hilfreiche Anstöße aus den Veränderungen des Ablaufes zu Hause. Zuerst schilderte sie mir Martins Wahrnehmung. Diese funktioniert so, dass er die Reize seiner Umgebung nicht filtern kann. Alles stürzt gleichzeitig auf ihn ein. Die Reize kann er nicht gewichten und kanalisieren. So erklärt sich auch das „Durcheinander in seinem Kopf“, was er selbst so formulierte. Die Informationsflut kann vom Gehirn nur schwer bewältigt werden. Das führt bei A-D-S Kindern zu motorischer Unruhe, innerer Hektik, Verwirrtsein, mangelnder Übersicht und Blockade bei den Arbeiten.
Oftmals ist bei den A-D-S Kindern der Arbeitsspeicher im Gehirn kleiner als bei Kindern ohne A-D-S. Dieser Arbeitsspeicher hilft bei der Organisation und Planung von Arbeitslösungen. Da Martin weitaus mehr aufnimmt, als sein Arbeitsspeicher abspeichern kann, kommt es zu „Abstürzen“.
Das erklärt auch die Zwischenrufe und spontanen Äußerungen Martins – er würde diese Informationen sonst schlichtweg vergessen. Das erklärt auch die Ablehnung des Kopfrechnens. Zum Lösen von Kopfrechenaufgaben speichern wir verschiedene Zwischeninformationen ab, auf die zurückgegriffen werden muss. Da Martin nicht so viele Informationen speichern kann, erlebt er Misserfolge.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Autorin beschreibt ihre Motivation für die Themenwahl aufgrund der Schwierigkeiten bei der Unterrichtung eines Schülers mit ADS und setzt sich die Erleichterung des Regelschulalltages zum Ziel.
2. Martin: Dieses Kapitel skizziert die auffälligen Verhaltensweisen des Schülers im ersten und zweiten Schuljahr, welche die Notwendigkeit für ein spezifisches Förderkonzept begründen.
3. Was hat Martins ADS – Diagnose mit mir zu tun ?: Der Kernteil analysiert die Diagnose, leitet Sofortmaßnahmen ab, evaluiert diese mittels Protokollen und setzt sich kritisch mit dem OptiMind-Konzept auseinander.
4. Abschluss: Die Autorin resümiert die bisherigen Erfahrungen anhand einer aktuellen Unterrichtssituation und reflektiert über die weitere Arbeit mit dem Schüler.
5. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Richtlinien.
6. Anhang: Ergänzende Materialien zur Betrachtung der Arbeit.
Schlüsselwörter
ADS, Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom, Grundschule, Lehrerverhalten, Unterrichtsorganisation, Verhaltensauffälligkeiten, Inklusion, Wahrnehmungsstörungen, Arbeitsspeicher, Förderkonzept, Schulentwicklung, Ritalin, Leistungsfeststellung, Schulalltag, Pädagogische Reflexion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung eines pädagogischen Konzeptes zur besseren Bewältigung des Regelschulalltages für einen Schüler, bei dem ein Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) diagnostiziert wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der ADS-Symptomatik, der Veränderung des Lehrerverhaltens, der Optimierung der Unterrichtsorganisation sowie der Einbeziehung der Eltern und Mitschüler.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Wege und Möglichkeiten aufzuzeigen, die eine Erleichterung des Schullebens für das betroffene Kind ermöglichen und gleichzeitig die pädagogische Professionalität der Lehrkraft zu stärken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine handlungsorientierte Fallstudie, die auf Selbstbeobachtung, der Dokumentation durch Beobachtungsprotokolle in Mathematikstunden sowie der Reflexion von Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Diagnose ADS, leitet konkrete Sofortmaßnahmen ab, dokumentiert deren Wirksamkeit in Beobachtungsprotokollen und setzt sich kritisch mit dem OptiMind-Konzept auseinander.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören ADS, Lehrerverhalten, Unterrichtsorganisation, Förderkonzept, Wahrnehmungsstörungen und Schulentwicklung.
Welche Bedeutung hat das OptiMind-Konzept für die Arbeit?
Das OptiMind-Konzept dient als externe professionelle Grundlage, an der die Autorin ihre eigenen Ansätze prüft, kritisch hinterfragt und um neue Anregungen zur Unterstützung des Schülers ergänzt.
Warum ist die "Schulstunden-Bilanz" ein zentrales Element?
Sie dient als exemplarisches Belohnungssystem, das dem Schüler helfen soll, sein Verhalten selbst zu bewerten und durch Erfolgserlebnisse eine positive Struktur in seinen Schulalltag zu bringen.
- Quote paper
- Carola Bussemas (Author), 2000, Was hat Martins ADS-Diagnose mit mir zu tun? Entwicklung eines Konzeptes zur Bewältigung des Regelschulalltages, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85