Einleitung in die Arbeit
Was erwartet den Leser in dieser Arbeit?
Sozialwissenschaften sind per se von einigen methodischen Schwierigkeiten begleitet, die im Folgenden Raum finden sollen. Vielleicht sind sie auch deshalb „in aller Munde“, gerade wenn sie sich einer Prüfung ihrer „Wirtschaftlichkeit“ stellen und begründen müssen, was sie untersuchen und welche Ergebnisse dabei hervorgebracht werden. Die Sozialwissenschaften leisten einen wichtigen Beitrag zur Heranführung an die soziale Welt, in der wir ein Teil sind. Dabei leistet sie, bezieht man sich auf die Ausführungen von Peter Winch, vor allem philosophische Reflexionsarbeit.
Das zentrale Problem ist wohl der Zugang zum sozialen Feld, das verstehende interpretieren, was eine Kontexteinbettung voraussetzt. Nicht nur Peter Winch, sondern auch Jürgen Habermas äußern sich zur Verstehensproblematik, was unter den Punkten 2. und 3. zu finden ist. Der Fokus liegt auf einer Teilnahme am zu untersuchenden sozialen Leben, welche verstehen lässt, aber auch eine Veränderung des sozialen Umfeldes mit sich bringt, beinahe ein Dilemma: verstehen ohne Kontextsinn oder verstehen eines veränderten Kontextes? Die Leistung des Wissenschaftlers liegt ja hierbei gerade in der Unterscheidungskompetenz dessen, was vor seinem eingreifen das originale Realgeschehen war, wobei sich kein Mensch von jeglicher Beurteilung und Bewertung frei machen kann, zumal unsere Orientierungs- und Handlungsfähigkeit in einem komplexen sozialen Gefüge auf Beurteilungskompetenz basiert.
Dennoch ist die Sozialwissenschaft nicht verloren, weiss man ihre Ergebnisse einzuordnen, sprich mit dem Kontext, in dem sie entstanden sind, zu betrachten respektive Voraussagen nicht als einen Ausblick auf ein sicheres Ereignis zu werten.
Die Erziehungswissenschaft wird zum Ende der Arbeit angeschnitten, die sich mit den beschriebenen Problemlagen im Bereich der Bildung und Erziehung, ein per se dynamisches Forschungsfeld, findet.
Die leitende Frage der Arbeit könnte sein, ob die Sozialwissenschaften tatsächlich Philosophie sind und welche Rolle dabei das verstehen einnimmt.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
1.1. Einleitung in die Arbeit
1.2. Aktuelle Diskussion
2. Die Probleme der Sozialwissenschaften
2.1. Peter Winch: Sozialwissenschaften sind letztlich Philosophie
2.1.1. Kausalaussagen und Voraussagen
2.1.2. Das Verstehen in den Sozialwissenschaften
2.1.2. Sozialwissenschaften= Philosophie
2.2. Jürgen Habermas: Teilnahme an sozialen Handlungen als
Verständnisvoraussetzung
3. Die Erziehungswissenschaft als Vertreter der Sozialwissenschaften
3.1. Mit welchen Problemen kämpft die Erziehungswissenschaft?
3.2. Implikationen aus den konstatierten Problemen
4. Schlussbemerkung
5. Bibliografie
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den wissenschaftstheoretischen Status der Sozialwissenschaften, insbesondere der Erziehungswissenschaft, und analysiert die methodischen Herausforderungen bei der Erfassung und Interpretation sozialer Realität. Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob die Sozialwissenschaften in ihrem Kern als Philosophie zu betrachten sind und welche Rolle das Verstehen als zentrale Methode dabei einnimmt.
- Die philosophische Fundierung der Sozialwissenschaften nach Peter Winch
- Die Problematik der Kausalaussagen und Voraussagen im sozialen Feld
- Das Verstehen als hermeneutische und interpretative Aufgabe
- Die Rolle der Teilnahme als Voraussetzung für den Erkenntnisgewinn nach Jürgen Habermas
- Die spezifischen Herausforderungen der Erziehungswissenschaft als empirische Disziplin
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Kausalaussagen und Voraussagen
Stellt man die grundlegende Erkenntnisgewinnung der Sozial- und Naturwissenschaften (vereinfacht) gegenüber, versucht die eine zu verstehen und die andere zu erklären. Erklärt wird, warum sich X aus Y herleiten lässt, also eine kausale Ursachen- Wirkungskonstellation. Experimentell gewonnene, damit letztlich objektiv und intersubjektiv reproduzierbare Erkenntnisse bilden die naturwissenschaftlichen Tatsachen. Damit wird versucht, die Natur in ihren Erscheinungen zu erklären, nicht zuletzt zu Gesetzmäßigkeiten zu finden, die Ereignisse voraussagbar machen, wenn Umstände in bestimmten Konstellationen vorliegen. Unbekannte Komponenten wie menschlicher Wille oder komplexe informelle Netzwerke kommen hier nicht vor.
Verstehen aber bedeutet, wie Habermas in dem hier zu Rate gezogenen Buch treffend konstatiert, dass eine doppelte hermeneutische Aufgabe besteht, nämlich neben der theorieabhängigen Datenbeschreibung und paradigmenabhängigen Theoriesprache muss auch die Verstehensproblematik bei der Datengewinnung beachtet werden. An dieser Stelle sei auf eine Schwierigkeit in der sozialwissenschaftlichen Methode hingewiesen, die die Objektivität der „Ergebnisse“ zusätzlich erschwert. Denn es müssen nicht nur Beobachtungsergebnisse in Fragestellungen mit dem ihnen zugrundeliegenden Theoriegebäude eingeordnet werden, sondern es muss auch gefragt werden: Wie ist man zu den Daten gekommen, die letztlich soziale Phänomene, allerdings in subjektiver Wahrnehmung, beschreiben?
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Vorstellung des Themas, der methodischen Schwierigkeiten der Sozialwissenschaften und Definition der leitenden Fragestellung.
2. Die Probleme der Sozialwissenschaften: Detaillierte Auseinandersetzung mit der These Peter Winchs, dass Sozialwissenschaften als Philosophie zu begreifen sind, sowie Analyse von Kausalität und Verstehen.
2.1. Peter Winch: Sozialwissenschaften sind letztlich Philosophie: Untersuchung der Identität von sozialwissenschaftlicher Forschung und philosophischer Begriffsanalyse.
2.1.1. Kausalaussagen und Voraussagen: Analyse der Grenzen der Vorhersagbarkeit im Bereich menschlichen Handelns und der Problematik von Kausalmodellen.
2.1.2. Das Verstehen in den Sozialwissenschaften: Erörterung der Notwendigkeit kontextueller Interpretation und der Rolle der Sprache.
2.1.2. Sozialwissenschaften= Philosophie: Zusammenfassende Betrachtung des Verhältnisses zwischen empirischen Sozialwissenschaften und Philosophie.
2.2. Jürgen Habermas: Teilnahme an sozialen Handlungen als Verständnisvoraussetzung: Darstellung des Dilemmas, dass der Forschende zur Erkenntnis am sozialen Prozess teilnehmen muss, diesen dabei aber beeinflusst.
3. Die Erziehungswissenschaft als Vertreter der Sozialwissenschaften: Transfer der erarbeiteten Theorien auf das Feld der Pädagogik und Bildung.
3.1. Mit welchen Problemen kämpft die Erziehungswissenschaft?: Diskussion über Operationalisierung und den Anspruch auf Effizienzprüfung.
3.2. Implikationen aus den konstatierten Problemen: Ableitung von Konsequenzen für die erziehungswissenschaftliche Forschungspraxis.
4. Schlussbemerkung: Resümee zur Standortbestimmung der Sozialwissenschaften zwischen empirischer Forschung und philosophischer Reflexion.
5. Bibliografie: Auflistung der verwendeten Fachliteratur und Quellen.
Schlüsselwörter
Sozialwissenschaften, Erziehungswissenschaft, Philosophie, Peter Winch, Jürgen Habermas, Verstehen, Interpretation, Kausalaussagen, Soziale Realität, Hermeneutik, Empirie, Wissenschaftstheorie, Handlungsverständnis, Bildung, Methodik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den wissenschaftstheoretischen Status der Sozialwissenschaften und zeigt auf, dass diese aufgrund ihres Gegenstandes – des menschlichen sozialen Miteinanders – eng mit philosophischer Reflexion verknüpft sind.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Natur- und Sozialwissenschaften, die Rolle von Kausalität und Voraussagen, der Prozess des Verstehens und die Bedeutung der Teilnahme des Forschenden am sozialen Geschehen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die leitende Frage ist, ob Sozialwissenschaften im Kern Philosophie sind und welche zentrale Rolle das Verstehen als Methode innerhalb dieser Disziplinen einnimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, die sich auf fachwissenschaftliche Quellen wie Peter Winch und Jürgen Habermas stützt, um methodische Probleme (wie Datengewinnung und Interpretation) zu dekonstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die philosophischen Grundlagen nach Winch, die Bedeutung der Teilhabe nach Habermas und die spezifischen Probleme der Erziehungswissenschaft wie Operationalisierung und Effizienzprüfung erörtert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Soziale Realität", "Hermeneutik", "Interpretation", "Verstehen" und "Wissenschaftstheorie" definiert.
Wie unterscheidet sich die Erziehungswissenschaft laut der Arbeit von Naturwissenschaften?
Die Erziehungswissenschaft kann soziale Phänomene nicht durch naturwissenschaftliche Gesetzmäßigkeiten sicher vorhersagen, da sie auf interpretative Zugänge und den Kontext des menschlichen Handelns angewiesen ist.
Welches Dilemma beschreibt der Autor für Sozialwissenschaftler?
Das Dilemma besteht darin, dass der Forscher am sozialen Leben teilnehmen muss, um Motive und Zusammenhänge zu verstehen, durch diese Teilhabe jedoch die soziale Realität beeinflusst und somit die Objektivität gefährdet.
- Arbeit zitieren
- Anne Missbach (Autor:in), 2006, Die Problematik der sozialwissenschaftlichen Methode des verstehenden Interpretierens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85018