Die Arbeit soll einen Überblick über Entwürdigungen in totalen Institutionen und ihre psychologischen wie juristischen Folgen aufzeigen.
Gliederung
A. Begriffsbestimmung: Totale Institution
I. Allgemeine Ansicht
II. Rechtliche Ansicht
III. Soziologische Ansicht
IV. Systemtheorie
V. Marxistische Theorie
VI. Philosophische Ansicht
VII. Erving Goffman
VIII. Zusammenfassung
B. Leben in einer totalen Institution
I. Entwürdigung
II. Aufnahmeprozeduren und Rollenverlust
III. Looping
C. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die psychoanalytischen und juristischen Aspekte totaler Institutionen mit einem Fokus auf die Mechanismen der Entwürdigung und Machtausübung gegenüber den Insassen.
- Definition und soziologische Einordnung totaler Institutionen
- Psychologische Auswirkungen des Verlusts sozialer Rollen
- Methoden der systematischen Entwürdigung und Demütigung
- Das Konzept des "Looping" in geschlossenen Systemen
- Machtstrukturen und das Fehlen individueller Autonomie
Auszug aus dem Buch
III. Looping
Eine sich weniger direkt auswirkende Ursache von Demütigungen, deren Bedeutung für das Individuum schwerer zu ermessen ist, ist die Zerstörung des formellen Verhältnisses zwischen dem handelnden Individuum und seinen Handlungen.
An erster Stelle sieht Goffman hier eine Form, die man als „Looping“ (Rückkopplung im Regelkreis) bezeichnet: Jemand ruft beim Insassen eine Abwehrreaktion hervor und richtet dann seinen nächsten Angriff gerade gegen diese Reaktion. Die Schutzreaktion des Individuums gegenüber einem Angriff auf sein Selbst bricht zusammen angesichts der Tatsache, dass es sich nicht, wie gewohnt, dadurch zur Wehr setzen kann, dass es sich aus der demütigenden Situation entfernt.
In der bürgerlichen Gesellschaft hingegen kann der einzelne gegenüber Umständen und Anordnungen, die sein Selbstbild bedrohen, durch bestimmte reaktive Ausdrucksformen sein Gesicht wahren: Hierzu gehören Verstimmung, das Unterlassen der üblichen Ehrfurchtsbezeugungen, beiseite gesprochene Schmähungen oder ein Anflug von Verachtung, Ironie oder Spott. Obgleich dieses, das Selbst schützende Ausdrucksverhalten gegenüber demütigenden Forderungen in totalen Institutionen auftritt, kann das Personal die Insassen für solche Handlungen direkt bestrafen und Verstocktheit oder Auflehnung ausdrücklich zum Anlass weiterer Bestrafung nehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Begriffsbestimmung: Totale Institution: Dieses Kapitel erläutert verschiedene theoretische Perspektiven auf Institutionen und führt Erving Goffmans Definition der totalen Institution ein.
B. Leben in einer totalen Institution: Hier werden die konkreten Alltagserfahrungen der Insassen, insbesondere Prozesse der Entwürdigung, des Rollenverlusts und die Dynamik des "Looping", detailliert analysiert.
C. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die zerstörerischen Auswirkungen totaler Institutionen auf die menschliche Persönlichkeit zusammen und betont die dominierende Rolle der Machtausübung.
Schlüsselwörter
Totale Institution, Entwürdigung, Erving Goffman, Machtausübung, Rollenverlust, Looping, Soziologie, Psychologie, Fremdbestimmung, Disziplinierung, Menschenrechte, Identitätsverlust, Insassen, Strafanstalten, Psychiatrie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse totaler Institutionen und den damit verbundenen psychologischen sowie juristischen Konsequenzen für die betroffenen Individuen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Definition totaler Institutionen, die Mechanismen der systematischen Entwürdigung und die Machtstrukturen, die den Alltag in diesen Einrichtungen prägen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Institutionen durch Machtausübung den Willen der Insassen brechen und deren Würde systematisch untergraben.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse auf Basis soziologischer Literatur, insbesondere der Erkenntnisse von Erving Goffman, ergänzt durch Fallbeispiele.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die praktischen Auswirkungen des Lebens in einer solchen Umgebung, wie den Rollenverlust, die Entwürdigung des Ichs und den Looping-Prozess.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Begriffen zählen totale Institution, Entwürdigung, Machtgefälle, Selbstbild und Identitätszerstörung.
Was versteht man unter dem in der Arbeit beschriebenen "Looping"?
Looping bezeichnet einen Rückkopplungsprozess, bei dem die Abwehrreaktion eines Insassen gegen einen Angriff auf das Selbst sofort zum Ziel eines weiteren Angriffs durch das Personal wird, wodurch die Handlungsautonomie des Einzelnen vollständig erstickt wird.
Warum wird die Bezeichnung "soziale Zwitter" für totale Institutionen verwendet?
Dieser Begriff verdeutlicht, dass diese Einrichtungen sowohl Wohn- und Lebensgemeinschaften sind als auch formale Organisationen mit strikten, von oben gesteuerten Regeln.
- Citation du texte
- Saskia-Veronique Steffen (Auteur), 2005, Scham, Schande, Ehre - Psychoanalytische und juristische Aspekte - Entwürdigung und "totale Institution", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85051