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Analyse der Funktion ausgewählter Antikenmotive in Charles Baudelaires "Fleurs du Mal"

Title: Analyse der Funktion ausgewählter Antikenmotive in Charles Baudelaires "Fleurs du Mal"

Seminar Paper , 2005 , 22 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Kai Hühne (Author)

French Studies - Literature
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Vor dem Hintergrund meiner Kernthese, die besagt, dass Baudelaire die Antike wie auch mit dieser Epoche konnotierten Motive als Vehikel, als „zeitlose sprachliche Zeichen“ nutzt, mit denen er Konvergenzen zwischen den signifiés von Bildern aus der antiken Mythologie auf der einen Seite und der Zeicheninnenseite von Bildern der Moderne auf der anderen hervorzuheben sucht, möchte ich über Baudelaires Definition der Moderne nach Walter Benjamin Schlüsse auf Baudelaires Geschichtsauffassung ziehen, um so die Notwendigkeit von Antikenmotiven in den ‚Blumen des Bösen’ begründen zu können.
Nach Benjamin ist die Moderne nicht etwa ein deutlich abgrenzbarer Zeitraum mit allein ihr inhärenten Merkmalen, sondern vielmehr „eine Epoche, die sich nicht der Antike entgegen setzt“. Es ist die Moderne, die die Dichotomie zwischen dem „Transistorische[n]“ und dem „Ewigen“ zu überbrücken vermag, indem „die Gegenwart, die Aktualität sich in jedem Augenblick verzehrt“.
Baudelaires Geschichtsbild kann auf analoger Ebene modellhaft mit dem Modell der Sprache nach de Saussure dargestellt werden: die Weltgeschichte als System, in dem neben dem linearen Fortschreiten der Zeit auf der Achse der Diachronie auf der Ebene der Synchronie markante Merkmale, die das System konstituieren, epochenüberschreitend und konstant vorhanden bleiben.
Es ist dies mein methodisches Gerüst, gemäß dem ich in den Antikenmotiven eine „antropologische Konstante“ vermute, deren signifié sich von der Antike in die Moderne transponieren lässt. Wenn ich als Postulat eine inter- und supraepochale Gültigkeit bestimmter signifiés, die sich über das Vehikel der Form verschiedener Epochen auf die Moderne übertragen lassen, formuliere, so möchte ich dies nicht im Sinne der Jung’schen Archetypenlehre verstanden wissen, die in der Symbolik der Antikenmotive Rückschlüsse auf kollektive Wesenszüge zu ziehen sucht, die jedem (!) Menschen wie auch der belebten Natur zu eigen sind, zu ziehen sucht und die im „kollektiven Unbewussten“ zu einer kosmischen Einheit konvergieren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Funktion der Antikenmotive in den „Fleurs du Mal“ unter Berücksichtigung der Definition der Baudelaire’schen Allegorie

1.1 Antikenmotive als formengeschichtliche Vehikel zur Illustration der Epoche der Moderne

1.2 Baudelaires Verständnis der individuellen und kollektiven Natur: die dekonstruktivistische Struktur der „Fleurs du Mal“

1.3 Baudelaires Bildbegriff unter besonderer Berücksichtigung der Allegorie am Beispiel des Gedichts „Le Cygne“

1.4 Definition und Strukturmerkmale der Baudelaire’schen Allegorie

2. Analyse von „Le Cygne“ unter besonderer Berücksichtigung der Antikenmotive

3. Analyse der Funktion der Antikenmotive im Gedicht „Lesbos“ unter besonderer Berücksichtigung der Semantik

3.1 Analyse der Atmosphäre im Gedicht „Lesbos“

3.1.1 Semanalyse der übrigen Antikenmotive neben „Lesbos“ mit dem Ziel der Untersuchung ihrer Funktion im Gedichtganzen

3.1.2 Die „lesbiennes“ als prototypisches Antikenmotiv

4. Analyse ausgewählter Antikenmotive aus verschiedenen Gedichten der „Fleurs du Mal“ mit dem Ziel einer Kennzeichnung ihrer Funktion im Werkganzen

4.1 L’avertisseur – Herstellen von Bezügen zur Antike mittels der korrelativen Analogie

4.2 Icare – Ein Antikenmotiv als Reflektor menschlicher Grunderfahrungen

4.3. Hercules – Relativierung der virilen Kraft im Gedicht „Le Beau Navire“

5. Analyse der abstrakten (expliziten und impliziten) Antikenmotive mit dem Ziel der Herleitung des Baudelaire’schen Naturverständnisses

6. Schlussfolgerung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Funktion antiker Motive in Charles Baudelaires Gedichtband „Les Fleurs du Mal“ und analysiert, inwiefern diese Motive als Vehikel dienen, um die Kluft zwischen der menschlichen Immanenz und einer transzendenten Ebene zu überbrücken. Die Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, ob durch die Dechiffrierung dieser antiken Symbole eine Synthese zwischen Gut und Böse sowie eine Transformation der Wahrnehmung der Moderne erreicht werden kann.

  • Die Baudelaire’sche Allegorie als hermeneutisches Instrument.
  • Antikenmotive in „Le Cygne“ und „Lesbos“ als Spiegel der Moderne.
  • Die Rolle der Antikenmotive bei der Definition des Naturverständnisses.
  • Mimetische Handlungsanweisungen durch mythologische Figuren.
  • Inter- und supraepochale Gültigkeit der Antikenmotive.

Auszug aus dem Buch

3.1.2 Die „lesbiennes“ als prototypisches Antikenmotiv

Brunel bezeichnet die „lesbiennes“ in seinem Aufsatz „Lesbos“ als Frauen, die sich den gesellschaftlichen Normen der Zeit widersetzten – „elles étaient des êtres de courage dans une société qui les condamnait“. Infolgedessen entwirft Brunel das Bild des „jardin vénéneux“, der von den „lesbiennes bizarres [et] belles“ kultiviert wird. Durch die Abkehr von den Konventionen transzendieren sie, aus Sicht Baudelaires, die Immanenz. Mit anderen Worten gibt dies Brunel wieder, der von einer „passage du réel à autre chose“ spricht.

Wenn Brunel die „lesbiennes“ als „êtres hors nature“ bezeichnet, so misst er damit diesem Antikenmotiv die Fähigkeit bei, die Natur, die per se auf die Grenzen der Immanenz beschränkt zu sein scheint, zu transzendieren, zumal er der Überzeugung ist, dass Baudelaire auf der Suche nach einem „paradis terrestre“ ist und dies in Lesbos gefunden hat. Indem der Natur nun wieder animistische Zustände zugewiesen werden können, ist der Urzustand der Natur im Baudelaire’schen Sinne wieder eingetreten: Nach Dieter Mettler setzt Baudelaire nämlich die Natur mit einer Theopanie, einem von Gott durchdrungenen Wesen also, gleich: „Alles Geschaffene hat eine Form, in der sich das ihm zugrunde liegende Wort ausdrückt“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Funktion der Antikenmotive in den „Fleurs du Mal“ unter Berücksichtigung der Definition der Baudelaire’schen Allegorie: Dieses Kapitel etabliert das methodische Gerüst und definiert die Allegorie als zentrales Werkzeug zur Deutung antiker Symbole in Baudelaires Werk.

2. Analyse von „Le Cygne“ unter besonderer Berücksichtigung der Antikenmotive: Hier wird anhand des Gedichts „Le Cygne“ untersucht, wie antike Motive durch das Vehikel des Spiegels zur Katharsis und Läuterung des lyrischen Ichs beitragen.

3. Analyse der Funktion der Antikenmotive im Gedicht „Lesbos“ unter besonderer Berücksichtigung der Semantik: Das Kapitel analysiert „Lesbos“ als einen Ort, der eine paradiesische Gegenwelt darstellt und durch Antikenmotive zur Überwindung moderner Sorgen beiträgt.

4. Analyse ausgewählter Antikenmotive aus verschiedenen Gedichten der „Fleurs du Mal“ mit dem Ziel einer Kennzeichnung ihrer Funktion im Werkganzen: Anhand spezifischer Beispiele wie L’avertisseur, Ikarus und Herkules wird die Vielschichtigkeit und die didaktische Funktion der Antikenmotive verdeutlicht.

5. Analyse der abstrakten (expliziten und impliziten) Antikenmotive mit dem Ziel der Herleitung des Baudelaire’schen Naturverständnisses: Hier wird der Zusammenhang zwischen der Naturauffassung Baudelaires und seiner Kunsttheorie unter Rückgriff auf antike Symbole dargelegt.

6. Schlussfolgerung: Das Fazit fasst zusammen, dass Antikenmotive als pragmatische Handlungsanweisungen dienen, die es ermöglichen, den Dualismus der Moderne zu überwinden und eine neue Utopie zu erschließen.

Schlüsselwörter

Antikenrezeption, Charles Baudelaire, Fleurs du Mal, Allegorie, Moderne, Immanenz, Transzendenz, Mythologie, Le Cygne, Lesbos, Symbolerfahrung, Sündenfall, Intertextualität, Naturverständnis, Katharsis.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Verwendung und Funktion von antiken Motiven in Charles Baudelaires „Les Fleurs du Mal“ unter dem Gesichtspunkt ihrer allegorischen Bedeutung.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Konzepte von Immanenz und Transzendenz, die Baudelaire’sche Allegorie-Definition sowie die Verbindung zwischen der antiken Mythologie und der Moderne.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu belegen, dass antike Motive bei Baudelaire als funktionale Vehikel dienen, die dem Leser helfen, die „conditio humana“ zu transzendieren und eine spirituelle oder poetische Synthese zu erreichen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die insbesondere auf dem Modell der Baudelaire’schen Allegorie, semantischen Analysen und dem Vergleich von Systemstrukturen (Mikrokosmos-Makrokosmos-Analogie) basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert konkrete Gedichte wie „Le Cygne“ und „Lesbos“ sowie Einzelmotive wie Ikarus und Herkules, um deren Bedeutung als Bindeglied zwischen antiker Vergangenheit und moderner Gegenwart zu illustrieren.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem die Baudelaire’sche Allegorie, der „Pontifex“-Gedanke der Antikenmotive, die Synthese von Gegensätzen und der Begriff der Moderne.

Wie fungiert die Figur der Andromache in „Le Cygne“?

Andromache dient als zentrales Bild für Trauer und Metamorphose, deren Schicksal in Analogie zur Dekadenz des modernen Paris gesetzt wird, um die Notwendigkeit einer spirituellen Erneuerung aufzuzeigen.

Warum ist die Figur des Herkules in dieser Analyse relevant?

Herkules wird verwendet, um die Begrenztheit rein physischer Kraft (Virilität) im Gegensatz zu einer weiblichen Spiritualität darzustellen, was einen Paradigmenwechsel in Baudelaires Werk unterstreicht.

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Details

Title
Analyse der Funktion ausgewählter Antikenmotive in Charles Baudelaires "Fleurs du Mal"
College
University of Regensburg
Course
Proseminar "Rezeption antiker Motive in der französischen Literatur"
Grade
1,3
Author
Kai Hühne (Author)
Publication Year
2005
Pages
22
Catalog Number
V85068
ISBN (eBook)
9783638047128
ISBN (Book)
9783638944984
Language
German
Tags
Analyse Funktion Antikenmotive Charles Baudelaires Fleurs Proseminar Rezeption Motive Literatur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kai Hühne (Author), 2005, Analyse der Funktion ausgewählter Antikenmotive in Charles Baudelaires "Fleurs du Mal", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85068
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