Ist eine Kontinuität oder ein Umbruch in der nationalsozialistischen Außenpolitik bis 1939, bezogen auf die Außenpolitik Stresemanns, zu erkennen?


Hausarbeit, 2002

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Stresemanns Außenpolitik ( 1924-1929 )
2.1 Außenpolitische Ziele und Wege
2.2 Außenpolitische Ergebnisse

3 Hitlers Außenpolitik ( 1933-1939 )
3.1 Außenpolitische Ziele und Wege
3.2 Außenpolitische Ergebnisse

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In der vorliegenden Arbeit soll analysiert werden, ob die Außenpolitik des Hitler- Regimes bis 1939 kontinuierlich an die Weimarer Außenpolitik ab 1924 anknüpft oder ob ein Umschwung zu erkennen ist.

Dabei richtet sich das Hauptaugenmerk auf das Verhältnis zwischen der Außenpolitik Stresemanns 1924-1929 und der maßgeblich von Hitler vorgegebenen Außenpolitik von der Machtergreifung 1933 bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September 1939. Es wird interessant zu beobachten sein, wie sich die zwei deutlich voneinander unterscheidenden politischen Führungsstile und die selbst gesetzten Ziele innerhalb des europäischen Staatensystems auf die Entwicklung der Außenpolitik auswirkten.

Bezogen auf diese Fragestellung, ob nun mehr Kontinuitäten oder mehr Neuanfänge beobachtbar sind, ist zu konstatieren, dass es von zahlreichen Historikern die verschiedensten Antworten hierzu gibt. Somit gilt dieses Problem für den Autor immer noch als unbefriedigend und erscheint für eine weitere wissenschaftliche Untersuchung lohnenswert.

Zuerst wird die Arbeit speziell auf die Rahmenbedingungen und zu Grunde liegenden Gegebenheiten eingehen, mit denen sich der Außenminister Stresemann in seiner Amtszeit bezüglich der Außenpolitik des Deutschen Reiches konfrontiert sah. Stresemanns außenpolitischen Ziele werden herausgearbeitet, auf die zentralen Wege, die diese Ziele erst hätten durchsetzen können, wird aufmerksam gemacht und abschließend wird das Ergebnis seiner gesamten Außenpolitik als Resümee beleuchtet.

Darauf folgt eine genauere Betrachtung der Außenpolitik Hitlers. Es wird die Frage gestellt, welche Relevanz und Bedeutung seine außenpolitisch gesteckten Ziele hatten und welche Mittel er bereit war einzusetzen, um diese Ziele zu verwirklichen. Ferner soll das Ergebnis dieser Politik Hitlers ersichtlich werden, um so auch den Weg in den Krieg besser zu verstehen

Durch diese Gegenüberstellung der beiden Politikstile in den beiden verschiedenen Zeitepochen soll in dieser Arbeit der Blick auf mögliche Gemeinsamkeiten und außenpolitische Fortführungen, aber auch auf außenpolitische Neuordnungen und Umbrüche geworfen werden und jeweils in den einzelnen Kapiteln Bezug genommen werden.

Abschließend wird im Fazit eine Synthese erstellt, die die zuvor ausgearbeiteten Ergebnisse nochmals zusammenfügt,um zu einem klaren,endgültigen Urteil zu gelangen

2 Stresemanns Außenpolitik ( 1924-1929 )

2.1 Außenpolitische Ziele und Wege

Der Außenminister Gustav Stresemann hat die Außenpolitik Weimars von 1924-1929 in einem Maße geprägt und gestaltet, dass er zu Recht zu den herausragendsten Politikern der Weimarer Republik gezählt werden kann. Seinem über seine eigene Zeit hinaus ausgeprägten markanten politischen Stil ist es zu verdanken, dass das Deutsche Reich nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg wieder ins ’Konzert der Großmächte“ zurückfand.1 Stresemanns Grundsätze blieben durchgehend das Ausklammern des Krieges als Mittel der Politik und der Aufbruch aus der Isolation. Dieser „erfolgte schöpferisch und nicht störend, im Einvernehmen mit den anderen Staaten und nicht im Gegensatz zu ihren Interessen.“2 Diese Handlungsweise fand international Beachtung, so dass man in den USA von der „Stresemann Policy“ stellvertretend für die Entspannungspolitik in Europa seit 1924 sprach.3 „Mit friedlichen, vernünftigen Mitteln wollte das Deutsche Reich zur allgemeinen Verständigung der Staaten beitragen und sich im Einvernehmen mit den anderen Nationen einen führenden Platz in Europa sichern.“4

Um diese Wege, die zum Einvernehmen führen sollten, zu beschreiben, müssen zuerst die ideologischen Ziele Stresemanns angesprochen und analysiert werden. Hier lässt sich als verlässliche und vertrauliche Quelle der sogenannte ’Kronprinzenbrief’ vom September 1925 anführen, in dem Stresemann seine Ziele detailliert dargelegt hat: Sicherung des Friedens, Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, Wiedererstarken Deutschlands, Schutz der Auslandsdeutschen, Eintritt in den Völkerbund und Korrektur der Ostgrenzen, d.h. Zurückgewinnung der durch den Versailler Vertrag abgetrennten Gebiete.5 Dieser erst nach seinem Tode veröffentlichte Brief ist oft so ausgelegt worden, „daß hinter Stresemanns Verständigungspolitik von vorneherein nur taktische Motive standen und er im Grunde immer an seinen nationalistischen und imperialistischen Ziele festgehalten habe.“6 Diese Diskussion, auf die in dieser Arbeit nicht eingegangen werden kann, ist besonders interessant, wenn man sich die Wandlung vom „alldeutschen Weltverschlinger von 1914/18 und dem Friedensnobelpreisträger von 1926“7 bewusst wird und wenn danach gefragt wird, ob es wirklich eine Wandlung Stresemanns durch sein hohes politisches Amt gegeben hat, das aus einem „Saulus einen Paulus, aus dem Monarchisten und Annexionisten einen Republikaner und Europäer gemacht habe.“8

Somit ist auf keinen Fall außer Acht zu lassen, dass der Versailler Vertrag als notwendiges Resultat der deutschen Niederlage zunächst durch ihn anerkannt wurde, die Revision durch eine Politik des Friedens und der Völkerverständigung jedoch unabdingbareres Ziel für ihn blieb. Als Verständigungspolitiker betrieb er so meisterhaft „nationale Revisionspolitik als internationale Versöhnungspolitik“9

Zur Verwirklichung dieser anspruchsvollen Ziele waren der Dawes-Plan, vor allem die Locarno-Verträge, der Freundschafts- und Neutralitätsvertrag mit Russland, die Aufnahme in den Völkerbund, die Zuerkennung des Friedensnobelpreis 1926, der Kriegsächtungspakt, der Young-Plan und die Räumung des Rheinlandes, erfolgreiche und eindrucksvolle Leistungen seiner Politik10 Von diesen Leistungen hervorheben sollte man vor allem die Locarno-Verträge, die vorrangig die Befriedigung des französischen Sicherheitsbedürfnisses darstellten und eine deutsche Anerkennung der deutschen Westgrenzen, ebenso wie deutsche Gewaltverzichtserklärungen beinhalteten. Hier ist bereits ein deutlicher Unterschied zur kommenden außenpolitischen Linie ab 1933 zu erkennen, nämlich die Beziehungen zu Frankreich. Die Verständigung mit Frankreich stand für Stresemann an erster Stelle, weil die Franzosen naturgemäß den deutschen Bestrebungen zur Revision von Versailles am ehesten ablehnend gegenüberstanden und weil er erkannte, dass die Wurzel der meisten Übel in dem deutsch-französischen Gegensatz lag. Dieser freundschaftliche Ausgleich zwischen beiden Ländern, die Versöhnungspolitik und gegenseitige Annäherung wurden nicht nur mit dem Friedensnobelpreis für beide führenden Politiker, Briand und Stresemann, belohnt. Die außenpolitische Wende sollte in Europa in den 20er Jahren den Krieg ächten und den Frieden stabilisieren. „Internationales Recht und friedlicher Wettbewerb sollten die Staatenbeziehungen prägen, unkontrollierter Machteinsatz und kriegerischer Aktionismus hatten dagegen zu verschwinden.“11

[...]


1 Siehe Erdmann, Karl Dietrich : Gustav Stresemann. Sein Bild in der Geschichte, in : Historische Zeitschrift, Band 227 (1978), S. 599-616, hier S. 616.

2 Hildebrand, Klaus : Das vergangene Reich. Deutsche Außenpolitik von Bismarck bis Hitler, Berlin 1999, S. 526.

3 Siehe Berg, Manfred : Gustav Stresemann. Eine politische Karriere zwischen Reich und Republik, Göttingen / Zürich 1992, S. 85.

4 Hildebrand : Das vergangene Reich, S. 512.

5 Siehe ebd., S. 532.

6 Berg, S.86.

7 Ruge, Wolfgang : Stresemann – ein Leitbild ?, in : Blätter für deutsche und internationale Politik, 14. Jg.

(1969), H.5, S. 468-484, hier S. 471.

8 Erdmann, S. 600.

9 Ebd. , S. 615.

10 Siehe Hildebrand : Das vergangene Reich, S. 588.

11 Ebd. , S. 528.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Ist eine Kontinuität oder ein Umbruch in der nationalsozialistischen Außenpolitik bis 1939, bezogen auf die Außenpolitik Stresemanns, zu erkennen?
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Institut für Geschichtswissenschaft)
Veranstaltung
Kriegsausbruch 1939
Note
1,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
15
Katalognummer
V8507
ISBN (eBook)
9783638154604
ISBN (Buch)
9783638757003
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kontinuität, Umbruch, Außenpolitik, Stresemanns, Kriegsausbruch
Arbeit zitieren
Alexander Stock (Autor), 2002, Ist eine Kontinuität oder ein Umbruch in der nationalsozialistischen Außenpolitik bis 1939, bezogen auf die Außenpolitik Stresemanns, zu erkennen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8507

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