Einleitung
Die deutsche Krankenhauslandschaft ist derzeit tiefgreifenden Veränderungen unterworfen: Mit der Einführung eines fallpauschalierten Entgeltsystems versucht der Gesetzgeber eine zunehmende Marktorientierung und eine effizientere Ressourcenallokation in der stationären Versorgung zu implementieren.
Mit dem zunehmenden Kostendruck gehen Forderungen nach reproduzierbarer bestmöglicher Qualität in der medizinischen Versorgung einher. Obwohl Qualitätsmanagementsysteme in der Herstellung industrieller Produkte und im Dienstleistungsgewerbe weitgehende Verbreitung gefunden haben, konnte sich das Bewusstsein für umfassende Ansätze der Qualitätssicherung und des Qualitätsmanagements im Gesundheitswesen und speziell im Krankenhaussektor erst in den letzten Jahren durch gesetzliche Vorgaben etablieren. Es besteht die Hoffnung, dass der flächendeckende Einsatz ganzheitlicher Qualitätsmanagement-Konzepte die Behandlungsqualität trotz der sich verschlechternden Finanzierungssituation verbessert und die Zufriedenheit der verschiedenen Stakeholder eines Krankenhauses, d.h. der an einem Krankenhaus beteiligten Interessengruppen, erhöht.
Inzwischen kommen in deutschen Kliniken sowohl branchenneutrale als auch krankenhausspezifische Ansätze des Qualitätsmanagement und der Qualitätsbewertung zum Einsatz. Neben einem Qualitätsmanagementsystem gemäß der ISO (International Standards Organization) 9001er Normenreihe werden im stationären Sektor insbesondere das KTQ (Kooperation für Qualität und Transparenz im Krankenhaus)- und das EFQM-Modell (European Foundation For Quality Management) angewendet. Wesentliche methodische Gemeinsamkeit der beiden zuletzt genannten Ansätze ist die Durchführung von Selbstbewertungsverfahren, welche einem Krankenhaus eine vollständige Standortbestimmung in Fragen des Umgangs mit Qualität ermöglichen sollen. Thema meiner Hausarbeit ist eine vergleichende Untersuchung dieser beiden Konzepte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmungen
2.1 Qualität
2.2 Qualitätsmanagement
2.3 Qualitätssicherung
3. Beurteilungsebenen medizinischer Qualität im Krankenhaus
4. Historische Entwicklung von Qualitätsmanagement und sein gesetzlicher Rahmen
5. Das EFQM-Modell für Excellence 2004
5.1 Inhaltlicher Aufbau
6. Das Zertifizierungsverfahren „Kooperation für Transparenz und Qualität im Krankenhaus“ (KTQ 5.03)
6.1 Inhaltlicher Aufbau
7. KTQ und EFQM- ein Vergleich
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht und vergleicht das KTQ-Verfahren und das EFQM-Modell, um zu bewerten, inwiefern diese Qualitätsmanagementkonzepte Krankenhäuser in die Lage versetzen, ihr Leistungsspektrum ganzheitlich abzubilden und auf Basis dieser Bewertung eigenständige Maßnahmenbündel zur Verbesserung der medizinischen Versorgungsqualität zu entwickeln.
- Grundlagen von Qualität, Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung im Krankenhaus
- Beurteilungsebenen medizinischer Qualität (Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität)
- Systematische Darstellung des EFQM-Modells für Excellence 2004
- Systematische Darstellung des KTQ-Verfahrens 5.03
- Vergleichende Analyse hinsichtlich Eignung, Zielsetzung und methodischer Reichweite
Auszug aus dem Buch
5. Das EFQM-Modell für Excellence 2004
Die „Europäische Gesellschaft für umfassendes Qualitätsmanagement“ bzw. „European Foundation for Quality Management“ (EFQM) wurde 1988 als gemeinnützige Stiftung in Brüssel gegründet. Zur Anerkennung und Auszeichnung besonderer Leistungsqualität wird das erfolgreichste Unternehmen, das sich der Beurteilung stellt, seit 1992 mit dem European Quality Award (EQA) durch die Stiftung ausgezeichnet. Erklärtes Ziel der EFQM ist, die Anwendung moderner Qualitätsmanagement-Ansätze in arbeitsteiligen Unternehmen und Organisationen zu fördern (vgl. Girts 2002, S. 21). Mittlerweile hat sich das EFQM-Modell für Excellence durch eine weite Verbreitung in der Industrie und im Dienstleistungssektor zu einem der einflussreichsten branchenunabhängigen Qualitätsmanagementkonzepte im europäischen Raum entwickelt. Das EFQM- Modell steht in der Tradition des japanischen Deming Prize sowie des amerikanischen Malcolm Baldridge National Quality Award (vgl Hildebrandt 2004, S. 482).
Kernelement des Ansatzes ist die regelmäßige Durchführung einer Selbstbewertung der jeweiligen Organisation auf Grundlage von neun korrespondierenden Qualitätskriterien, die sich in vier Ergebniskriterien und – in der Wortwahl des EFQM- Modells- in fünf Befähigerkriterien unterteilen lassen. Hierbei werden die einzelnen Kriterien unterschiedlich gewichtet, in Subkriterien zerlegt und unter Zuhilfenahme eines dem PDCA- Zyklus (vgl. Kapitel 4.) nachempfundenen Beurteilungskonzeptes nach festgelegten Regeln mit Punkten bewertet (vgl. Neubarth, S. 177 ff.) In die Bewertung fließen neben Aspekten der Kunden- und Mitarbeiterorientierung und der Betrachtung der Kernprozesse eines Unternehmens bzw. einer Organisation insbesondere auch die erzielten Ergebnisse gleichrangig mit ein. Die Teilnahme an der Ausschreibung zum Europäischen Qualitätspreis und eine damit einher gehende Beurteilung durch Dritte (Fremdbewertung) ist keine notwendige Bedingung für den erfolgreichen Einsatz eines umfassenden Qualitätsmanagement nach dem EFQM- Modell (vgl. Hildebrandt 2004, S. 483).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt den tiefgreifenden Wandel der deutschen Krankenhauslandschaft durch Kostendruck und neue Vergütungssysteme und stellt die Forschungsfrage nach der Eignung von Qualitätskonzepten zur systematischen Verbesserung der Versorgungsqualität.
2. Begriffsbestimmungen: Definiert die zentralen Begriffe Qualität, Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung auf Basis der DIN EN ISO 9000:2000 und ordnet sie in den Kontext der Gesundheitsversorgung ein.
3. Beurteilungsebenen medizinischer Qualität im Krankenhaus: Erläutert das Donabedian-Modell der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität als grundlegende Ebene zur Beobachtung und Bewertung medizinischer Leistungen.
4. Historische Entwicklung von Qualitätsmanagement und sein gesetzlicher Rahmen: Skizziert die Ursprünge des Qualitätsmanagements in der Industrie (PDCA-Zyklus) sowie die Einführung erster Qualitätssicherungsansätze im Krankenhaussektor und den heutigen gesetzlichen Zwang zu QM-Systemen.
5. Das EFQM-Modell für Excellence 2004: Stellt das EFQM-Modell als Selbstbewertungssystem mit seinen neun Kriterien (Befähiger- und Ergebniskriterien) und dessen Bedeutung für moderne Organisationen dar.
6. Das Zertifizierungsverfahren „Kooperation für Transparenz und Qualität im Krankenhaus“ (KTQ 5.03): Beschreibt die Entstehungsgeschichte, den Aufbau und das Zertifizierungsziel des krankenhausspezifischen KTQ-Verfahrens.
7. KTQ und EFQM- ein Vergleich: Analysiert die Unterschiede der beiden Ansätze insbesondere hinsichtlich ihres geschichtlichen Hintergrunds, der fachspezifischen Sprache und der Berücksichtigung von Ergebnisqualität.
8. Fazit: Führt die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und schlussfolgert, dass während das KTQ-Verfahren vor allem Strukturen und Prozesse betrachtet, das EFQM-Modell durch den Fokus auf Kausalitäten zwischen Befähigern und Ergebnissen eine umfassendere Organisationsentwicklung ermöglicht.
Schlüsselwörter
Qualitätsmanagement, Krankenhaus, EFQM-Modell, KTQ-Verfahren, Qualitätssicherung, Strukturqualität, Prozessqualität, Ergebnisqualität, Selbstbewertung, PDCA-Zyklus, Zertifizierung, Gesundheitswesen, Patientenorientierung, Leistungsqualität, Benchmark
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Qualitätsmanagement in Krankenhäusern und vergleicht dabei die zwei gängigen Konzepte EFQM und KTQ.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Qualität im Gesundheitswesen, historische Entwicklungen, die Methodik der beiden genannten Modelle sowie deren Anwendungsmöglichkeiten in deutschen Kliniken.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist herauszuarbeiten, ob ein Krankenhaus durch die Anwendung von EFQM oder KTQ in der Lage ist, sein Leistungsspektrum ganzheitlich zu bewerten und daraus ein situationsangepasstes Maßnahmenbündel zur Qualitätsverbesserung abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine vergleichende Untersuchung und analytische Literaturrecherche, um die Konzepte auf Basis der von Donabedian definierten Qualitätsdimensionen zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Begriffe definiert, die Qualitätsdimensionen erläutert, die Historie von Qualitätsmanagement aufgearbeitet und die beiden Modelle EFQM und KTQ im Detail vorgestellt und anschließend miteinander verglichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Qualitätsmanagement, Krankenhaus, EFQM, KTQ, Qualitätssicherung und Ergebnisqualität charakterisiert.
Wie unterscheidet sich der Fokus von KTQ zu EFQM hinsichtlich der Ergebnisqualität?
Das KTQ-Verfahren legt den Schwerpunkt deutlich auf Struktur- und Prozessqualität, während das EFQM-Modell durch die expliziten Ergebniskriterien das Wechselspiel zwischen Befähigern und tatsächlichen Behandlungsergebnissen stärker in den Mittelpunkt rückt.
Warum ist das KTQ-Verfahren in Deutschland verbreiteter?
Das KTQ-Verfahren wurde spezifisch für das deutsche Krankenhausumfeld durch die Selbstverwaltung entwickelt, was zu einer hohen Akzeptanz und zum Erhalt eines als werbewirksam empfundenen Zertifikats führt.
- Citar trabajo
- Jakob Holstiege (Autor), 2007, Qualitätsmanagement im Krankenhaus., Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85076