Kernpunkte marxistischer Soziologie: Begriffe der Klasse und des sozialen Wandels


Hausarbeit, 2002
14 Seiten, Note: 1,9

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Prolog

2. Einführung: sozialer Wandel und soziale Schichtung als Grundbegriffe moderner Soziologie

3. Begriff der Klasse in der marxistischen Soziologie
3.1. Einleitung
3.2. Begriff der Klasse
3.3. Einzelne Klassen und ihre Relationen
3.4. Kurzer Anriss der ökonomischen Basis der Klassifizierung

4. Begriff des sozialen Wandels
4.1. Ausgangspunkt
4.2. Sozialer Wandel durch Klassenkampf
4.3. Revolution und marxistische Utopie der Finalität

5. Epilog

1. Prolog

Karl Marx (1818-1883) war und ist der einflußreichste und bedeutendste Theoretiker des Sozialismus. Während seine Lehre unstrittig ideologische Züge aufweist und dadurch in der Verbindung mit dem Zusammenbruch der UdSSR in den letzten Jahren besonders heftig unter Kritik geraten ist, kann man und muß man Marx nicht als einen reinen Ideologen begreifen. Vieles aus seiner Theorie ist dem breiten Publikum kaum bekannt, bleibt aber auf die gesellschaftlichen Vorgänge anwendbar. Vor allem ist das Thema der vorliegenden Arbeit die Erläuterung der Kernbegriffe seiner soziologischen Theorie. Auch wenn er sich selbst nicht als Soziologe bezeichnete, haben seine Arbeiten deutlich eine makrosoziologische Perspektive, allerdings läßt sich über seine Rolle als reiner Wissenschaftler sicherlich streiten, denn er setzte sich nicht nur persönlich in der Politik aktiv ein, sondern hielt auch in seinen Arbeiten ideologische Prophezeiungen, Aufrufe und Vorhersagen fest, die nach den heutigen Kriterien der Wissenschaft nicht in eine soziologische Theorie gehören. Dennoch kann man von einer marxistischen Soziologie sprechen. Dies belegt auch der ständige Bezug auf die Grundbegriffe der Soziologie, die Marx teilweise selbst (neu) definierte. Zwei dieser Begriffe bzw. Konzepte sollen in der vorliegenden Arbeit dargestellt werden.

2. Einführung: sozialer Wandel und soziale Schichtung als Grundbegriffe moderner Soziologie

Seit jeher suchen Soziologen und Philosophen nach Erklärungen für die Prozesse der Entwicklung unserer Gesellschaft und nach der möglichst genauen Erfassung der in der Gesellschaft fast immer vertretenen Ungleichheiten zwischen ihren Mitgliedern. Während in der vorliegenden Arbeit ein einzelnes Konzept zu beiden Themen vorgestellt wird, ist das Ziel dieser Einführung, die grundsätzliche geltende Definition der beiden diese Grundprobleme vertretenden Begriffe darzustellen und ihre Rolle in der Soziologie ansatzweise zu beschreiben.

Schon seit der Aufklärung bildete sich unter diversen Denkern die Perzeption der Entwicklung der Menschheit als ein langsamer und kontinuierlicher „Fortschritts“- Prozess aus. Man suchte nach Gesetzen dieses Prozesses, für welchen die Bezeichnung „Wandel“ angewandt wurde, die Überzeugung breitete sich aus, daß sich die Fragen nach „woher“ und „wohin“ der Entwicklung mit Wissenschaft beantworten lassen1. Wandlung und Entwicklung der Menschheit wurde als kausaler Prozeß verstanden, allerdings war (und ist) man sich über die eigentlichen Ursachen nicht einig. Allgemein versteht man unter dem Begriff des sozialen Wandels die „prozessuale Veränderung der Sozialstruktur2 einer Gesellschaft in ihren grundlegenden Institutionen, Kulturmustern, zugehörigen Handlungen und Bewußtseinsinhalten“3. Die Sozialstruktur wird also beim sozialen Wandel in ihren am meisten stabilen Faktoren verändert, die das Verhalten der Menschen beeinflussen, ihre Handlungen determinieren und die Logik für die folgende Entwicklung liefern.4 Die Anzeichen für den sozialen Wandel lassen sich folgenderweise festhalten: das Auftreten neuer Kulturelemente, das Erscheinen neuer (und Erlöschen alter) Institutionen, Transformation der Abhängigkeiten zwischen den Elementen der Gesellschaft5. Die Rolle der Soziologie wird also darin verstanden, die Veränderungen festzustellen und die Ursachen zu erforschen. Allerdings, wie schon angedeutet, gibt es keinen einheitlichen Konzept für die Erklärung der Wandlungsursachen. Abgesehen davon, geht man inzwischen davon aus, daß der soziale Wandel in modernen, äußerst komplexen Gesellschaften nicht synchron abläuft (Ogburns sog. Cultural Lag; d.h. bei komplexen Gesellschaften wandeln diverse Lebensbereiche im unterschiedlichen Rhythmus6). Die Perzeption des Wandels durch diverse Schulen läßt sich im Wesentlichen in die Erklärungsansätze einerseits durch das Zusammenwirken endogener Wandlungskräfte sowie exogener (Stör-)Faktoren wie Erfindungen, Entdeckungen etc., und andererseits durch die finalen (geschichtlichen) Entwicklungsgesetze7 einteilen8. Historisch gesehen, kann man Phasen der verstärkten Suche nach Ursachen des sozialen Wandels gerade in den Zeitspannen finden, in denen die entsprechenden Denker ihre momentane Umgebung als krisenhaft und insgesamt unzufriedenstellend empfanden9, was u.a. für Marx besonders gilt.

[...]


1 Vgl. Alfred Bellebaum: Soziologische Grundbegriffe. Eine Einführung für Soziale Berufe, 11. Aufl., Stuttgart 1991, S. 105.

2 Unter der Sozialstruktur wird i.A. verstanden: „der Aufbau einer Gesellschaft, aufgegliedert nach Alter, Geschlecht, Familienstand, Konfession, Beruf, Einkommen, oder auch die regionale Gliederung, das heißt danach, wer mit welchem Beruf und Einkommen wo wohnt“ (http://www.sociologicus.de/lexikon/lex_soz/s_z/sozialst.htm).

3 http://www.soz.uni-heidelberg.de/infosyss.htm.

4 Vgl. A.G. Efendiev (Hrsg.): Obschaja Soziologija (Allgemeine Soziologie), Moskau 2000, S.527.

5 Vgl. ebenda.

6 Siehe Günter Büschges, M. Abraham, W. Funk: Grundzüge der Soziologie (Wolls Lehr- und Handbücher für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Artur Woll (Hrsg.)), München 1995, S. 50. Im Folgenden zitiert als „Grundzüge der Soziologie“.

7 K. Marx ist diesen Denkern zuzurechnen.

8 Vgl. ebenda.

9 Vgl. Alfred Bellebaum: a.a.O., S. 105.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Kernpunkte marxistischer Soziologie: Begriffe der Klasse und des sozialen Wandels
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Übung zur Einführung in die Theorien der allgemeinen Soziologie
Note
1,9
Autor
Jahr
2002
Seiten
14
Katalognummer
V8509
ISBN (eBook)
9783638154628
ISBN (Buch)
9783640176120
Dateigröße
706 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kernpunkte, Soziologie, Begriffe, Klasse, Wandels, Einführung, Theorien
Arbeit zitieren
Roman Charkoi (Autor), 2002, Kernpunkte marxistischer Soziologie: Begriffe der Klasse und des sozialen Wandels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8509

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